{"id":3057,"date":"2019-09-27T13:29:25","date_gmt":"2019-09-27T11:29:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3057"},"modified":"2024-04-08T13:48:39","modified_gmt":"2024-04-08T11:48:39","slug":"vielfalt-macht-die-universitaet-stark","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/vielfalt-macht-die-universitaet-stark\/","title":{"rendered":"\u201eVielfalt macht die Universit\u00e4t stark\u201c"},"content":{"rendered":"<b>Nach zwei Jahren intensiver Arbeit ist es so weit: Die \u00adDiversit\u00e4tsstrategie der Universit\u00e4t ist fertig. Wie Vielfalt und Aufnahmepr\u00fcfung zusammenpassen, welche konkreten Ma\u00dfnahmen nun geplant sind und was das alles der Universit\u00e4t bringen soll, erkl\u00e4ren Rektorin \u00adUlrike Sych und Vizerektorin Gerda M\u00fcller im Interview.<\/b><\/p>\n<p><b>Kunst gilt als international, vielf\u00e4ltig und weltoffen. Warum braucht eine Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst eine Diversit\u00e4tsstrategie?<\/b><\/p>\n<p><b>Gerda M\u00fcller (GM): <\/b>Es gibt nicht nur eine Kunst, wir sprechen ganz bewusst von Musiken und Traditionen. Wir bilden f\u00fcr unterschiedlichste Bereiche aus: Wissenschaft, P\u00e4dagogik, Instrumentalstudium \u2013 um nur drei Beispiele zu nennen. Im Instrumentalstudium arbeiten wir mit verschiedenen Instrumenten und Repertoires. Um darstellen zu k\u00f6nnen, wof\u00fcr unsere k\u00fcnstlerische Vielfalt steht, braucht es in unseren Augen eine Diversit\u00e4tsstrategie.<\/p>\n<p><b>Ulrike Sych (US):<\/b> Erg\u00e4nzen m\u00f6chte ich noch den vielf\u00e4ltigen kulturellen Hintergrund unserer Studierenden und Lehrenden sowie die gro\u00dfe Heterogenit\u00e4t unserer Studienprogramme. Als Musiktherapeut_in kommt man aus einem ganz anderen Bereich als Konzertpianist_innen oder Schauspieler_innen. Trotzdem haben alle ihren Platz an unserer Universit\u00e4t.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3060\" aria-describedby=\"caption-attachment-3060\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3060\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-4-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-4-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-4-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image1-4.jpg 677w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3060\" class=\"wp-caption-text\">Ulrike Sych \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>Kunst kann auch etwas Elit\u00e4res sein, mit dem man sich abgrenzen und \u00fcber andere Gruppen erh\u00f6hen kann. Elite, Exzellenz und Diversit\u00e4t \u2013 wie passt das zusammen?<\/b><\/p>\n<p><b>US: <\/b>Wunderbar, das ist die perfekte Mischung. Wir verstehen Qualit\u00e4t sehr breit. Uns gen\u00fcgt es nicht, dass die Menschen in diesem Haus fachlich exzellent sind, bei uns kommt es auch auf die Haltung an. Die Wahrung der Rechte und W\u00fcrde des Menschen ist bei uns nicht verhandelbar. Wer sich dieser Haltung nicht anschlie\u00dfen kann, wird sich hier nicht wohlf\u00fchlen.<\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Wir haben uns zwei Jahre lang mit Ein- und Ausschlussmechanismen an der mdw auseinandergesetzt. Wer kommt zum Studium zu uns, wer bleibt drau\u00dfen? 70 Prozent unserer Studierenden haben zumindest einen Elternteil mit einer akademischen Ausbildung. Zum Vergleich: An der Universit\u00e4t Wien sind es knapp unter 50 Prozent. Um den Zugang zu verbreitern, machen wir Projekte in Schulen mit u.\u2009a. hohem Migrationsanteil, Studierende der P\u00e4dagogik haben Gefl\u00fcchteten Musikunterricht angeboten. Und: Wir versuchen, in der Ausbildung Diversit\u00e4t und Ungleichheit im Kontext von Exzellenz und Elite zu thematisieren.<\/p>\n<p><b>Um an der mdw studieren zu k\u00f6nnen, muss man ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen. Wie kann man vermeiden, dass dieses Nadel\u00f6hr zu einer \u201eVereinheitlichungsmaschine\u201c wird?<\/b><\/p>\n<p><b>US: <\/b>Ein Aufnahmeverfahren ist immer nur eine Momentaufnahme, das wird man auch mit zahlreichen zus\u00e4tzlichen Kriterien nicht \u00e4ndern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sehe ich, dass bei uns Menschen aus rund 70 Nationen studieren \u2013 diese kulturelle Vielfalt macht die Universit\u00e4t so stark. Ein Beispiel aus der Wissenschaft an der mdw: Die Ethnomusikologie an der mdw, deren Leiterin Ursula Hemetek letztes Jahr mit dem Wittgensteinpreis ausgezeichnet wurde, nimmt eine Vorreiterrolle ein. Mit der Ethnomusikologie, durch die Erforschung marginalisierter Gruppen und ihrer Musik, wurde ein neues Fach in der Minderheitenforschung geschaffen.<\/p>\n<p><b>GM: <\/b>Wir wollen den Aufnahmeprozess aber auch ver\u00e4ndern: Zum einen \u00fcberarbeiten wir das Informationsmaterial, achten auf Mehrsprachigkeit und Verst\u00e4ndlichkeit. Die Menschen sollen zu uns finden, auch wenn sie noch keine pers\u00f6nlichen Kontakte zur Universit\u00e4t haben. Der Aufnahmeprozess soll f\u00fcr alle nach transparenten, nachvollziehbaren Kriterien ablaufen. Zum anderen wollen wir eine Checkbox mit alternativen Pr\u00fcfungsmethoden anbieten.<\/p>\n<p><b>Was kann man sich darunter vorstellen?<\/b><\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Um ein Beispiel zu nennen: Wir haben blinde Interessent_innen. Wenn sie sich f\u00fcr eine Aufnahmepr\u00fcfung anmelden und die Checkbox anklicken, k\u00f6nnen wir alles vorbereiten. Es braucht z.\u2009B. anderes Notenmaterial, das auch blinde Menschen lesen k\u00f6nnen. Die Kommission sollte vorab informiert werden. Menschen mit k\u00f6rperlichen Einschr\u00e4nkungen brauchen Unterst\u00fctzung auf dem Weg zum Pr\u00fcfungsraum. Grunds\u00e4tzlich m\u00f6chten wir Prozesse etablieren, die garantieren, dass Menschen mit psychischen und physischen Beeintr\u00e4chtigungen ebenso selbstverst\u00e4ndlich zu einer Pr\u00fcfung bei uns antreten k\u00f6nnen wie Menschen ohne Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p><b>Daf\u00fcr braucht es aber auch die Offenheit der Pr\u00fcfer_innen \u2026<\/b><\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Absolut. Deshalb wollen wir die Selbstreflexion der Lehrenden st\u00e4rken: Was passiert in einem Zulassungssetting? Worauf schaue ich? Wir haben schon vor L\u00e4ngerem eine hausinterne Studie zu den Bewertungskriterien k\u00fcnstlerischer Leistung beauftragt. Die Soziologin Rosa Reitsamer und ihr Team haben Klassenabende gefilmt und mit den Lehrenden besprochen. Dadurch sollen die Lehrenden ihr eigenes Mindset besser verstehen und im kritischen Hinterfragen ihrer eigenen Vorgangsweise unterst\u00fctzt werden.<\/p>\n<p><b>Diversit\u00e4t wird immer auch mit Internationalit\u00e4t in Verbindung gebracht \u2013 welche Rolle spielt sie in der Strategie der mdw?<\/b><\/p>\n<figure id=\"attachment_3061\" aria-describedby=\"caption-attachment-3061\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-3061\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image2-1-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image2-1-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image2-1-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image2-1.jpg 677w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3061\" class=\"wp-caption-text\">Gerda M\u00fcller \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><b>GM: <\/b>Sie stand auch immer im Mittelpunkt aller \u00dcberlegungen \u2013 egal, ob zum Curriculum, zur Zulassung oder zur Begleitung internationaler Studierender. Wir haben \u00fcber 45 Prozent ausl\u00e4ndische Studierende und m\u00f6chten sie beim Ankommen in Wien noch st\u00e4rker unterst\u00fctzen. Unsere Idee ist ein Buddy-System: Wir bilden Tandems, h\u00f6hersemestrige Studierende begleiten ausl\u00e4ndische Kolleg_innen in den ersten sieben Monaten in Wien \u2013 beim Einstieg in den Studienalltag, bei der Wohnungssuche und Beh\u00f6rdenwegen ebenso wie beim Einfinden in die Stadt, etwa was Ausgehen und Lokale betrifft.<\/p>\n<p><b>Welche konkreten Ma\u00dfnahmen planen Sie noch?<\/b><\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Die Themen Gender und Diversit\u00e4t sollen in allen Lehrpl\u00e4nen verankert werden. Es wird auch einen Leitfaden zu gender- und diversit\u00e4tssensibler Lehre geben. Und als f\u00fcnfte Ma\u00dfnahme wollen wir den Frauenanteil der Professor_innenschaft steigern. F\u00fcr Wissenschaftlerinnen wird es Mentoring und finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr beispielsweise Kongresse oder \u00dcbersetzungsleistungen geben. Bei den K\u00fcnstlerinnen setzen wir auch bereits im Studium mit Karrieregespr\u00e4chen an.<\/p>\n<p><b>Was haben Sie denn durch den Strategieprozess gelernt?<\/b><\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Ich habe einen neuen Blick auf die mdw gewonnen, die Organisation in so vielen Facetten kennengelernt\u00a0\u2013 dieser Mehrwert ist unbezahlbar.<\/p>\n<p><b>Das klingt so, als w\u00fcrde die ganze Universit\u00e4t an einem Strang ziehen \u2013 gibt es denn niemanden, der sagt: \u201eDas brauchen wir alles nicht?\u201c<\/b><\/p>\n<p><b>GM:<\/b> Solche Stimmen gibt es hundertprozentig. Manche haben schlicht bestritten, dass es an der mdw irgendeine Form von Diskriminierung gibt. Aber das Ergebnis zeigt: Es war die Anstrengung wert, Diversit\u00e4t aus der Position einer exzellenten Organisation zu analysieren.<\/p>\n<p><b>Wenn Sie vorausschauen \u2013 was soll in f\u00fcnf, zehn Jahren an der Universit\u00e4t anders sein aufgrund dieser Diversit\u00e4tsstrategie?<\/b><\/p>\n<p><b>US:<\/b> Gleichbehandlung und Diversit\u00e4t m\u00fcssen so selbstverst\u00e4ndlich sein, dass man sie nicht mehr extra diskutieren muss. Ich w\u00fcnsche mir aber auch, dass die mdw andere Kunstausbildungsst\u00e4tten dazu anregt, es ihr gleich zu machen. Und \u00fcber die Universit\u00e4t hinaus gedacht: Politisch betrachtet sollten Diversit\u00e4t, Transkulturalit\u00e4t und Gleichbehandlung als selbstverst\u00e4ndlich betrachtet werden und daher in allen Parteiprogrammen enthalten sein.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/?pId=83&amp;v=$1$bzNTh0gC$Vt3Kh0sQXh.zhpc716c5O1\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Video zur mdw Diversit\u00e4tsstrategie<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/gender\/diversitaetsstrategie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Diversit\u00e4tsstrategie der mdw<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach zwei Jahren intensiver Arbeit ist es so weit: Die \u00adDiversit\u00e4tsstrategie der Universit\u00e4t ist fertig.<\/p>\n","protected":false},"author":163,"featured_media":3059,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[808,696,697,847,848,196,524],"class_list":["post-3057","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2019-3","tag-diversitaet","tag-diversity","tag-elke-ziegler","tag-gerda-mueller","tag-interview","tag-ulrike-sych"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3057","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/163"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3057"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3057\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3714,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3057\/revisions\/3714"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3059"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3057"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3057"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3057"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}