{"id":3034,"date":"2019-09-27T13:26:54","date_gmt":"2019-09-27T11:26:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3034"},"modified":"2020-03-10T11:42:11","modified_gmt":"2020-03-10T10:42:11","slug":"just-play-musik-als-arbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/just-play-musik-als-arbeit\/","title":{"rendered":"Just P(l)ay! Musik als Arbeit"},"content":{"rendered":"<b>Bericht zur isaScience Konferenz 2019<\/b><\/p>\n<p>Was hat das Ende der Stummfilm\u00e4ra mit der Arbeitslosigkeit von Orchestermusiker_innen zu tun? Welche Parallelen k\u00f6nnen wir zwischen diesem historischen Beispiel aus den globalen 1930er-Jahren zur Digitalisierung von Musikarbeit und dem Einsatz neuer Technologien ziehen? Werden menschliche Musiker_innen demn\u00e4chst von virtuellen Stars, die weder k\u00f6rperliche Bed\u00fcrfnisse noch Gef\u00fchle haben und rund um die Uhr pr\u00e4sent sein k\u00f6nnen, abgel\u00f6st?<\/p>\n<p>Diese und andere Fragen stellten sich \u00fcber drei\u00dfig Forschende aus dreizehn L\u00e4ndern bei der 7. <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/isa\/isascience\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><i>isaScience<\/i> Konferenz <\/a>vom 7. bis 11. August 2019 in Reichenau an der Rax. Interdisziplinarit\u00e4t, eines der wichtigsten Merkmale der <i>isaScience<\/i>, war sowohl in den entsprechend zusammengesetzten Panels wie auch in den beiden Podiumsdiskussionen, an denen sich die Konferenzteilnehmer_innen allesamt rege beteiligten, omnipr\u00e4sent. Musikgeschichte, Musiksoziologie, Kulturbetriebslehre sowie Ethnomusikologie traten entlang der Leitthemen rund um \u201eMusik als Arbeit\u201c, \u201eMachtk\u00e4mpfe und politischer Aktivismus\u201c sowie \u201eemotionale und affektive Arbeit\u201c in einen \u00e4u\u00dferst produktiven Dialog. Im Zentrum standen dabei zum einen die oftmals prek\u00e4ren Arbeitsverh\u00e4ltnisse von Musikarbeiter_innen, zum anderen wurden auch Mechanismen zeitgen\u00f6ssischer wie historischer Musikproduktion und deren Rahmenbedingungen rege und kontrovers diskutiert. Ein zentraler Fokus lag unter anderem auf Beitr\u00e4gen zur #MeToo-Debatte, den unterschiedlichen Formen von klassistischer, rassistischer und sexueller Diskriminierung sowie den M\u00f6glichkeiten, Musikstudierenden und Musikschaffenden sozialen, politischen und psychologischen R\u00fcckhalt zu bieten.<\/p>\n<p>mdw-Mitarbeiter_innen brachten sich u.\u2009a. mit Beitr\u00e4gen zu Musikvermittlung als einer neuen Herausforderung f\u00fcr traditionelle Musikp\u00e4dagogik, mit soziologischen Analysen zur Karriere klassischer Musiker_innen oder mit politischen Dimensionen der Plena-Musik in Puerto Rico ein. Im Rahmen von <i>isaScience<\/i> pr\u00e4sentierte und diskutierte das exil.arte Zentrum den Dokumentarfilm <i>Das erste Jahrhundert des Walter Arlen<\/i> im Open-Air-Kino im Schlossgarten Wartholz zur Geschichte und Arbeit des Exilkomponisten Walter Arlen.<\/p>\n<p>Vier hervorragende Keynote Lectures f\u00fchrten in das jeweilige Tagesthema ein: Sally-Anne Gross (UK) sprach \u00fcber die Frauenbewegung und das Business der Musikindustrie, wobei sie ihre erfahrungsbasierten Beispiele auch w\u00e4hrend der folgenden Tage engagiert in die Diskussion einbrachte. Gross\u2019 Position zwischen universit\u00e4rer Lehre und Musikproduktion am \u201efreien\u201c Markt kann als wegweisend f\u00fcr k\u00fcnftige Neuausrichtungen der Musikp\u00e4dagogik und universit\u00e4ren Curricula, gepaart mit dem Know-how marktwirtschaftlichen Kalk\u00fcls, gewertet werden.<\/p>\n<p>Die Keynote Lecture von William Cheng (USA) stellte die Frage nach affektiven Identifikationen im Musikkonsum: Wie geht es uns, wenn wir die Musik einer Person lieben, von der sich herausstellt, dass sie sich jahrelang sexuellen oder anderen Machtmissbrauch zuschulden kommen lie\u00df? K\u00f6nnen (und sollen) wir heute noch Clips von Michael Jackson anschauen oder uns Aufnahmen mit dem Dirigenten James Levine anh\u00f6ren?<\/p>\n<p>Rumya S. Putcha (USA) besch\u00e4ftigte sich in ihrer Keynote Lecture mit der US-amerikanischen indischen Tanzindustrie und deren Verbindung zur hindu-nationalistischen Aneignung von Tanzformen unterdr\u00fcckter Kasten, wobei sie auf strukturelle Gewalt in Form von antifeministischem, rassistischem und sexuellem Missbrauch einging. Dabei kam der Frage, was der Konditionierung zum Wei\u00df-Sein und Frau-Sein zu entgegnen sei, gro\u00dfes Gewicht zu.<\/p>\n<p>Die Keynote Lecture des letzten Konferenztags hielt William Weber (USA). Er begab sich auf eine Spurensuche nach den Music Halls in London und den Caf\u00e9-Concerts in Paris, die er als Ausgangspunkte einer sich entwickelnden \u201ePopularmusik\u201c identifizierte: Menschen im ausgehenden 19. Jahrhundert konnten sich Konzerte mit zeitgen\u00f6ssischer Musik nicht zuletzt deshalb \u201eleisten\u201c, weil sich die beteiligten Musiker_innen mehr auf Musikvereine und -gewerkschaften st\u00fctzten als auf ein Engagement an den \u201egro\u00dfen H\u00e4usern\u201c Europas.<\/p>\n<p>Die <i>isaScience<\/i> pr\u00e4sentiert sich erneut nicht nur als interdisziplin\u00e4res, sondern ebenso als internationales Projekt: Neben den beiden <i>isaScience<\/i>-\u00adStipendiatinnen aus Belgrad kamen viele der Vortragenden aus \u00f6stlich von \u00d6sterreich gelegenen L\u00e4ndern, ferner aus den USA, Gro\u00dfbritannien und weiteren europ\u00e4ischen L\u00e4ndern \u2013 und schlie\u00dflich aus \u00d6sterreich selbst. Dies best\u00e4tigt die offenkundig globale Pr\u00e4senz und Urgenz des Themas \u201eMusik als Arbeit\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_3036\" aria-describedby=\"caption-attachment-3036\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-3036 size-medium\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7-300x206.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"206\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7-300x206.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7-768x526.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7-1024x702.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7-320x220.jpg 320w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7-850x582.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/09\/post-1_image0-7.jpg 1064w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-3036\" class=\"wp-caption-text\">Das wissenschaftliche Team der \u00adisaScience: Marko K\u00f6lbl, Rosa \u00adReitsamer, Dagmar Abfalter und Fritz Tr\u00fcmpi \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das wissenschaftliche Team der <i>isaScience<\/i>, Dagmar Abfalter, Marko K\u00f6lbl, Rosa Reitsamer und Fritz Tr\u00fcmpi, k\u00fcndigte bereits einen Arbeitstitel f\u00fcr das Thema der <i>isaScience <\/i>2020 an: \u201eHeroes, Canons, Cults. Postcolonial and Queer-Feminist Perspectives.\u201c Ein Thema, das auch im Kontext des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven gelesen werden kann.<\/p>\n<p><b><i>isaScience<\/i> 2020<\/b><br \/>\n<b>12. bis 16.\u20098.\u20092020<\/b><br \/>\nHotel Marienhof<br \/>\nHauptstra\u00dfe 71\u201373<br \/>\n2651 Reichenau an der Rax<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/isa\/isascience\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mdw.ac.at\/isa\/isascience<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die isaScience Konferenz fand vom 7. bis 11. August 2019 in Reichenau an der Rax statt.<\/p>\n","protected":false},"author":105,"featured_media":3036,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[808,318,321,860,856],"class_list":["post-3034","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2019-3","tag-isa","tag-isascience","tag-karoline-feyertag","tag-report"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3034","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/105"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3034"}],"version-history":[{"count":12,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3034\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4230,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3034\/revisions\/4230"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3036"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3034"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3034"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3034"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}