{"id":3030,"date":"2019-09-27T13:26:49","date_gmt":"2019-09-27T11:26:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3030"},"modified":"2019-12-10T10:41:43","modified_gmt":"2019-12-10T09:41:43","slug":"60-jahre-und-kein-bisschen-weise-zur-geschichte-der-musiktherapie-an-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/60-jahre-und-kein-bisschen-weise-zur-geschichte-der-musiktherapie-an-der-mdw\/","title":{"rendered":"60 Jahre und (k)ein bisschen weise \u2013 Zur Geschichte der Musiktherapie an der mdw"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center;\"><i>\u201eDa\u00df das Prinzip Ordnung keineswegs nur auf das Lebende beschr\u00e4nkt ist, sondern den gesamten Kosmos umfa\u00dft und bis in die letzten Teilchen derselben wirksam ist, liegt auf der Hand.\u201c<\/i> Editha Koffer-Ullrich (o.J., S. 20)<\/p>\n<p><b>Die Gr\u00fcnderin der Ausbildung \u2013 Editha Koffer-Ullrich (1904\u20131989)<\/b><\/p>\n<p>Soweit bekannt ist, handelte es sich bei Editha Koffer-Ullrich um eine erfolgsverw\u00f6hnte und \u00e4u\u00dferst selbstbewusste Frau. Am 27. Mai 1904 in Prachatitz (B\u00f6hmen) geboren, \u00fcbersiedelte sie mit ihrer Familie bald nach Wien. Ab 1925 studierte sie Violine bei Julius Wilhelm Conrad Egghard und Franz Mairecker an der Staatsakademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst. Nach ihrem Abschluss begleitete sie als Botschaftsgattin ihren Mann in die heutige Demokratische Republik Kongo, wo sie einige Jahre lebte.<\/p>\n<p>Vermutlich kannte sie Hans Sittner (stand der mdw von 1946\u20131971 vor) bereits aus Studientagen. Beider Erfahrungen mit Musik trafen sich wohl in dem gemeinsamen Vorhaben, Musiktherapie nach Wien zu bringen. Koffer-Ullrich hatte den Einsatz von Musik bei afrikanischen Heilzeremonien beobachten k\u00f6nnen, und Sittner erfuhr bei seinen Besuchen diverser musikp\u00e4dagogischer Kongresse in den USA die \u201eenge Nachbarschaft von Musikerziehung und Musiktherapie\u201c (Sittner, 1974, S. 181). Ihre Zusammenarbeit war zun\u00e4chst sehr erfolgreich.<\/p>\n<p>1957 flog Koffer-Ullrich mit Unterst\u00fctzung von Sittner nach Boston (USA), um die dort bereits etablierte Musiktherapie zu beobachten und um einen Kurs am New England Conservatory zu belegen.<\/p>\n<p>Im Jahr darauf legte sie als Mitbegr\u00fcnderin des Vereins \u201e\u00d6sterreichische Gesellschaft zur F\u00f6rderung der Musikheilkunde (\u00d6GFM) den offiziellen Grundstein der \u00f6sterreichischen Musiktherapie. Die Namen des \u201eProponentenkomitees\u201c lesen sich wie das \u201eWho is who\u201c des damaligen Wien. Eine wichtige Rolle spielten dabei die sehr einflussreichen Mediziner Hans Hoff (Vorstand der Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Neurologie) und Andreas Rett (sp\u00e4terer Vorstand der Klinik Rosenh\u00fcgel, Abteilung Kinder- und Jugendneuropsychiatrie) (s. auch M\u00f6ssler, 2008, S. 19). 1959 \u2013 vor nunmehr 60 Jahren \u2013 etablierte sie mit Sittners Hilfe den zweij\u00e4hrigen Sonderlehrgang Musikheilkunde an der Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst in Wien und begr\u00fcndete so den ersten akademischen Ausbildungslehrgang f\u00fcr Musiktherapie in Europa.<\/p>\n<p>Nach 12 Jahren in der Lehre verschwand sie abrupt aus der musiktherapeutischen Landschaft, wurde jedoch noch 1970 mit dem Silbernen Ehrenzeichen f\u00fcr die Verdienste um die Republik \u00d6sterreich ausgezeichnet. Am 20. Juli 1989 verstarb Editha Koffer-Ullrich, die Pionierin der \u00f6sterreichischen Musiktherapie und Gr\u00fcnderin der Ausbildung.<\/p>\n<p><em><b>1. Ausbildungsphase: Sonderlehrgang Musikheilkunde (WS 1959\/60\u2013SS 1970)<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Leitung:<\/em> Editha Koffer-Ullrich<br \/>\n<em>Basisarbeit:<\/em> Erstellen eines 4-semestrigen Curriculums plus eines 1-semestrigen klinischen Praktikums; Aufbau von drei klinischen Praktikumsstellen, die bis heute zu den musiktherapeutischen Pflichtpraktika geh\u00f6ren; Einbindung der dazugeh\u00f6rigen Klinikvorst\u00e4nde in die Lehre.<br \/>\n<em>Erste Arbeitspl\u00e4tze:<\/em> vorwiegend in den Bereichen \u201eKinder- und Jugendliche mit Mehrfachbehinderungen\u201c sowie Psychiatrie.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>\u201eBei der Improvisation innerhalb der Musiktherapie sollte die Aufmerksamkeit weniger auf das Spiel bzw. Produktion gerichtet sein, sondern vielmehr auf die dabei meist unbewu\u00dft [sic!] verlaufenden seelischen Befindlichkeiten.\u201c<\/i> Alfred Schm\u00f6lz (1991, S. 130)<\/p>\n<p><b>Die pr\u00e4gende Figur der Wiener Schule \u2013 Alfred Schm\u00f6lz (1921\u20131995)<\/b><\/p>\n<p>Im WS 1970\/71 betrat Alfred Schm\u00f6lz die B\u00fchne. Er war Klavierp\u00e4dagoge und Absolvent einer der ersten 4-semestrigen Ausbildungsjahrg\u00e4nge. Schm\u00f6lz unterrichtete Klavier ganz im Sinne der Reformp\u00e4dagogik und war besonders beeindruckt von dem Reformp\u00e4dagogen Heinrich Jacoby und dessen Arbeitspartnerin Elsa Gindler. Die Auffassung Jacobys, es g\u00e4be keinen unmusikalischen Menschen, diente Schm\u00f6lz sehr fr\u00fch als Leitidee \u201eseiner\u201c Wiener Schule. Es ging ihm einzig um einen individuellen Zugang zur Musik. Verallgemeinerungen und \u00fcberindividuelles Interpretieren von Musik lehnte er vehement ab. Daf\u00fcr setzte er sich intensiv mit einem in den 1970er-Jahren neu aufkommenden psychotherapeutischen Zugang im klinischen Team der psychosomatischen Station des Wiener AKH unter der Leitung von Erwin Ringel auseinander. Die Wiener Schule der Musiktherapie sollte von seiner Neugierde und seinem respektvollen Umgang mit den Medizinern der damaligen Ausbildung nachhaltig profitieren. Er behandelte die Patient_innen mit einer therapeutischen Grundhaltung, die bis heute ihresgleichen sucht. National und international steht Schm\u00f6lz f\u00fcr das dialogische Improvisieren bzw. f\u00fcr das musikalische Partnerspiel (Oberegelsbacher, 1997; B\u00f6hm-\u00d6ppinger, 2018). Neben der Erweiterung des Curriculums nennt Schm\u00f6lz gemeinsam mit seinen Kolleg_innen Halmer-Stein, Oberegelsbacher und Gathmann (1993, S. 66) folgende Aspekte, um die er die von ihm geleitete Musiktherapie in Wien erweiterte: die aktive Musiktherapie (\u201eactive music therapy method\u201c), das von ihm aus dem klinisch-psychosomatischen Kontext heraus entwickelte musikalische Partnerspiel (\u201emusical partner play\u201c) und die freie Improvisation, die in der Verschr\u00e4nkung mit der verbalen Aufarbeitung (\u201ebased on the here and now\u201c) Erkenntnisse schafft. Diese drei Elemente therapeutischen Arbeitens bilden bis heute zentrale Punkte der Wiener Ausbildung.<\/p>\n<p>Gegen Ende seiner Arbeitszeit stand ein Generationenwechsel an und Schm\u00f6lz holte konsequent Angeh\u00f6rige der zweiten Ausbildungsgeneration in \u201esein\u201c Team von Lehrenden. Dabei war er den jungen Kolleg_innen gegen\u00fcber sehr fordernd, begegnete ihnen aber auch wertsch\u00e4tzend und unterst\u00fctzend.<\/p>\n<p><em><b>2. Ausbildungsphase: Lehrgang Musiktherapie (WS 1970\/71\u2013SS 1992)<\/b><\/em><\/p>\n<p>3-j\u00e4hriger (Ausbildungs-)Lehrgang, <em>Leitung ohne Professur:<\/em> Alfred Schm\u00f6lz<br \/>\n<em>Basisarbeit:<\/em> Pr\u00e4gung des Begriffes \u201eWiener Schule der Musiktherapie\u201c mit der Kernqualit\u00e4t \u201emusikalisches Partnerspiel\u201c. Integration von psychotherapeutischen Grundannahmen. Entwicklung der therapeutischen Arbeit im Gruppen- wie auch im Einzelsetting. Drei Kliniker werden mit der medizinischen Leitung der Ausbildung an der Seite von Schm\u00f6lz beauftragt: Hartmann, Rett und Ringel. W\u00e4hrend des Praktikums erhalten die Studierenden erstmals Supervision von einem Mitglied des jeweiligen Klinikteams.<br \/>\nMusiktherapeutische Selbsterfahrung wird erstmals blockweise angeboten. Einf\u00fchrung von schriftlichen Abschlussarbeiten auf hohem Niveau, wobei immer ein Mediziner als Zweitbetreuer fungierte. Aufbau eines gut ausgebildeten und zeitgem\u00e4\u00dfen Teams an Lehrenden.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>\u201eEs geht um das Erleben der Gegenwart, die Erinnerung an die Vergangenheit und um W\u00fcnsche und Hoffnungen f\u00fcr die Zukunft, und es geht darum, die Therapiezeit gemeinsam zu gestalten.\u201c<\/i> Dorothee Storz (2003, S. 24)<\/p>\n<p><b>Jahre der Umstrukturierung und Vertiefung des psychotherapeutischen Paradigmas (WS 1992\/93\u2013SS 2011)<\/b><\/p>\n<p>In den darauffolgenden Jahren war ein eigener Lehrstuhl f\u00fcr Musiktherapie noch nicht in Sicht. Eine Ausnahme bildete ein kurzes Intermezzo mit dem Mediziner Lothar Imhof als Gastprofessor (WS 1993\/94 \u2013 SS 1995). Die Musiktherapie wurde bis 2011 von Gertraud Berka-Schmid (Professorin an der mdw, S\u00e4ngerin, \u00c4rztin und Psychotherapeutin) im Senat der mdw vertreten.<\/p>\n<p>Im WS 1992\/93 erfolgte die Umbenennung in \u201eKurzstudium Musiktherapie\u201c. Das Curriculum wurde ver\u00e4ndert und erweitert. Einzel- und Gruppenlehrmusiktherapie wurden eingef\u00fchrt und somit erweiterte sich das fr\u00fchere Angebot der musiktherapeutischen Selbsterfahrung, die bereits Schm\u00f6lz eingef\u00fchrt hatte. Eine bis heute f\u00fcr internationale Verh\u00e4ltnisse wegweisende Vorgabe, die nach wie vor nicht von allen Ausbildungsinstitutionen erreicht werden konnte. Es kamen neue Praktikumspl\u00e4tze dazu und wurden um eine Ausbildungssupervision erg\u00e4nzt. Mit der erfolgreich absolvierten Diplompr\u00fcfung wurde der Titel \u201eAkademisch gepr\u00fcfter Musiktherapeut\u201c verliehen. Als Vorlage f\u00fcr wesentliche Ver\u00e4nderungen diente das seit 1990 existierende \u00f6sterreichische Psychotherapiegesetz (BGBl. Nr. 361\/1990). Dem Engagement von Berka-Schmid ist es zu verdanken, dass das musiktherapeutische Curriculum einen betr\u00e4chtlichen Teil des psychotherapeutischen Prop\u00e4deutikums abdeckte und Musiktherapie als Quellenberuf explizit den Zugang zum psychotherapeutischen Fachspezifikum erm\u00f6glichte. Auch f\u00fcr das sp\u00e4ter installierte Musiktherapiegesetz leistete sie wertvolle Arbeit, u. a. weil es ihr gelang, die daf\u00fcr wichtigen Personen an einen Tisch zu bringen. Einen weiteren wesentlichen Beitrag leisteten ehemalige Absolvent_innen, die \u2013 \u00fcber den \u00f6sterreichischen Berufsverband der Musiktherapeut_innen (\u00d6BM) organisiert \u2013 aus der Perspektive des Berufsfeldes wichtige Informationen sammelten und in den ministeriellen Besprechungen ebenso vertreten waren.<\/p>\n<p>Ermutigt durch diese ersten Vortr\u00e4ge auf den internationalen Kongressen (Weltkongress Musiktherapie, Hamburg, 1996 und Weltkongress Psychotherapie, Wien, 1996) entstand die Buchreihe Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie (s. Literaturliste). Zudem hatten die meisten Lehrkr\u00e4fte mit einer psychotherapeutischen (Zusatz-)Ausbildung begonnen.<\/p>\n<p>Mit 1. Oktober 1998 erfolgt das Inkrafttreten des Bundesgesetzes \u00fcber die Organisation der Universit\u00e4ten der K\u00fcnste (KUOG) und die Umbenennung der fr\u00fcheren Hochschule in Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien. Die vollst\u00e4ndige Implementierung erfolgte an der mdw 2002. Die Musiktherapie profitierte von dieser Neustrukturierung und wurde in das neu eingerichtete Institut f\u00fcr Musik- und Bewegungserziehung sowie Musiktherapie eingegliedert (WS 2002\/2003). Von da an lag die Institutsleitung in den H\u00e4nden von Angelika Hauser-Dellefant. Musiktherapie wurde zu einer Abteilung des Instituts 13. Gemeinsam mit dem Studiendekan Wolfgang Hei\u00dfler engagierte sie sich daf\u00fcr, dass in Zukunft eine bereits existierende Professur an der mdw f\u00fcr die Musiktherapie umgewidmet werde.<\/p>\n<p>Kurz nach der erfolgten Eingliederung wandelte sich das Kurzstudium zu einem Diplomstudium der Musiktherapie, und der Titel der akademischen Absolvent_innen lautet seither \u201eMagistra\/Magister artium\u201c (WS 2003\/04). Erste Kolleginnen aus dem Team promovierten au\u00dfer Haus (viele von ihnen in Hamburg bei Prof. Dr. Decker-Voigt), publizierten und vertraten die Wiener Ausbildung auf internationalen Kongressen<\/p>\n<p>Im Jahr 2008 wird nach jahrelangen Bem\u00fchungen und zahlreichen Unterst\u00fctzungen aus dem \u00d6sterreichischen Berufsverband der MusiktherapeutInnen (\u00d6BM), der \u00c4rzteschaft, dem Leiter der Musiktherapieausbildung in Krems, Gerhard Tucek sowie einer interessierten \u00d6ffentlichkeit das Musiktherapiegesetz im Parlament verabschiedet (M\u00f6ssler, 2008).<\/p>\n<p><em><b>3. Ausbildungsphase: Der Weg in die Akademisierung (WS 1992\/93\u2013SS 2011)<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Ab WS 1992\/93:<\/em> Dreij\u00e4hriges \u201eKurzstudium Musiktherapie\u201c, Vertretung im Senat der mdw: Gertraud Berka-Schmid<br \/>\n<em>Ab WS 2002\/03:<\/em> Musiktherapieausbildung wird Abteilung im Institut 13, Institutsleitung Angelika Hauser-Dellefant<br \/>\n<em>Basisarbeit:<\/em> Erweiterung des Curriculums, der Praktika und des Lehrk\u00f6rpers. Harmonisierung mit dem psychotherapeutischen Prop\u00e4deutikum. Installieren von Einzel- und Gruppenlehrmusiktherapie. Erweiterung der professionellen Kompetenzen vieler Lehrender. Vermehrte Pr\u00e4senz national und international. Akademischer Titel lautet ab 2003 Magistra\/Magister artium. Vorarbeiten f\u00fcr die Installation des Berufsgesetzes. Realisierung des Musiktherapiegesetz MuthG. BGBl. I Nr. 93\/2008, welches 2009 in Kraft tritt.<\/p>\n<p style=\"text-align: center;\"><i>\u201eDer Austausch von Informationen mit anderen Berufsgruppen ist ein wesentlicher Faktor f\u00fcr den Erfolg von Therapien in multimodalen Behandlungssettings.\u201c<\/i> Thomas Stegemann (2018, S. 22)<\/p>\n<p><b>Die Musiktherapie als ein akademisches, Wissenschaft betreibendes und gesetzlich anerkanntes Heilverfahren (ab WS 2011\/2012)<\/b><\/p>\n<p>Die Vorarbeit war geleistet. Im Herbst 2011 wurde der lang ersehnte Lehrstuhl endlich besetzt. Am 19. Mai 2011 hielt Thomas Stegemann seine Antrittsvorlesung. Mit seinen beruflichen Qualifikationen als Kinder- und Jugendpsychiater, Musiker, Familientherapeut und promovierter Musiktherapeut verschafft er der Musiktherapie in Wien ein modernes Profil. Gleichzeitig baut er auf den bew\u00e4hrten Qualit\u00e4ten der Wiener Schule der Musiktherapie auf, wozu nach wie vor die therapeutische Beziehung als wichtigster Wirkfaktor geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Bereits im WS 2011 wird die w\u00f6chentlich stattfindende Ringvorlesung installiert; hier tragen die Lehrenden der Wiener Ausbildung ebenso vor wie eingeladene internationale Expert_innen. Die gehaltenen Vortr\u00e4ge werden in Buchform publiziert (1. Auflage 2014), sie verschaffen dem Laien einen \u00dcberblick \u00fcber das Fach Musiktherapie und dienen den Studierenden als Lehrbuch (Stegemann &amp; Fitzthum, 2018).<\/p>\n<p>Gleichzeitig werden neue Felder f\u00fcr die Musiktherapie er\u00f6ffnet. Beispiele sind klinische und gesellschaftlich relevante Felder wie Neurorehabilitation, Neonatologie, Migration und Traumafolgest\u00f6rungen. Neu sind auch neurowissenschaftliche (Stegemann, 2018) und ethische Aspekte (Stegemann &amp; Weymann, 2019), die Stegemann zeitgem\u00e4\u00df st\u00e4rker in den Vordergrund stellt. 2013 richtet er ein Doktoratsstudium ein, aus dem bis dato bereits zwei abgeschlossene Dissertationen (PhD) hervorgegangen sind. Zu Beginn des WS 2016\/17 wird im Rahmen einer Umstrukturierung der Institute die Musiktherapie zu einem eigenst\u00e4ndigen Institut (Institut 14). 2017 wird in Kooperation mit der Medizinischen Universit\u00e4t Wien das Wiener Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung (WZMF) gegr\u00fcndet, in dem Forschung, Lehre und Praxis unter einem Dach zusammenwirken k\u00f6nnen. Zuvor, im Jahr 2016 ernennt er die promovierte Musiktherapeutin Monika Smetana zu seiner Stellvertreterin, ihr obliegt auch die stellvertretende Leitung des WZMF. Smetana geh\u00f6rt laut Definition von Karin M\u00f6ssler (2008) der dritten Generation der Wiener Absolvent_innen an. Ein weiterer Schritt, der die Kontinuit\u00e4t in Lehre und Tradition sichert.<\/p>\n<p>Voraussichtlich wird mit WS 2019\/20 eine weitere Reform der Musiktherapie in Wien realisiert werden: der Umstieg vom Diplomstudium auf das Bologna-konforme BA\/MA-System. Zahlreiche Publikationen von Stegemann, aber auch von Kolleg_innen des Wiener Teams festigen den neu erworbenen Ruf in Europa, eine hochwertige und wissenschaftlich fundierte Ausbildung zu erhalten. Es ist Stegemann zu verdanken, dass die Wiener Ausbildung der Musiktherapie heute national und international vernetzt arbeitet, international auf eine hohe Akzeptanz trifft und gleichzeitig so etwas wie \u201eSchulentradition\u201c aufrechterh\u00e4lt.<\/p>\n<p><em><b>4. Ausbildungsphase: Ausbau von akademischen und wissenschaftlichen Rahmenbedingungen f\u00fcr die Ausbildung (ab 2011)<\/b><\/em><\/p>\n<p><em>Lehrstuhlinhaber:<\/em> Thomas Stegemann<br \/>\n<em>Formale Erweiterungen:<\/em> Schaffung eines PhD-Studienganges (2013); Mitorganisator und Gastgeber der 10. European Music Therapy Conference (2016); Institutswerdung (2016); Gr\u00fcndung des Wiener Zentrums f\u00fcr Musiktherapie-Forschung, WZMF (2017); Umstellung auf BA\/MA voraussichtlich WS 2020\/2021.<br \/>\nInhaltliche Erweiterung der Musiktherapieausbildung durch Themen wie Integration, Traumatherapie, Neurowissenschaft, Ethik in der Musiktherapie.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/mth\/?PageId=3320\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">60 Jahre und (k)ein bisschen weise<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p><em><b>Referenzen<\/b><\/em><\/p>\n<p>B\u00f6hm-\u00d6ppinger, S. (2018). Improvisation \u2013 musikalisches Partnerspiel und Paukenpartnerspiel. In T. Stegemann &amp; E. Fitzthum (Hrsg.), <i>Kurzlehrbuch Musiktherapie Teil I: Wiener Ringvorlesung Musiktherapie \u2013 Grundlagen und Anwendungsfelder. 2., aktualisierte und erweiterte Aufl. Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie Band 11.<\/i> (S. 163\u2013172). Wien: Praesens.<\/p>\n<p>Fitzthum, E. (2003). <i>Von den Reformbewegungen zur Musiktherapie. Die Br\u00fcckenfunktion der Vally Weigl. Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie<\/i> (Bd. 5). Wien: Praesens.<\/p>\n<p>Halmer-Stein, R., Schm\u00f6lz, A., Oberegelsbacher, T. &amp; Gathmann, P. (1993). Music therapy in Austria (p. 63\u201388). In C. Dileo Maranto (Ed.), <i>Music Therapy. International Perspectives<\/i>. Pipersville, Pennsylvania: Jeffrey Books.<\/p>\n<p>Koffer-Ullrich, E. (o. J.). <i>Musikbiologie. Die Seele und ihre Organisation als Ursache und Ausl\u00f6sung<\/i> (1. Bd., S. 20). Unver\u00f6ffentlichtes Manuskript.<\/p>\n<p>M\u00f6ssler, K. (2008). <i>Wiener Schule der Musiktherapie. Von den Pionieren zur Dritten Generation (1957 bis heute). Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie<\/i> (Bd. 8). Wien: Praesens.<\/p>\n<p>M\u00f6ssler, K. (2008). Update on Music Therapy in Austria: Celebrating an officially recognised profession. <i>Voices: A World Forum for Music Therapy.<\/i> Retrieved October 29, 2008, from <a href=\"http:\/\/www.voices.no\/country\/monthaustria_october2008.php\">http:\/\/www.voices.no\/country\/monthaustria_october2008.php<\/a><\/p>\n<p>Oberegelsbacher, D. (1997). Musiktherapeutisches Improvisieren als Mittel der Verdichtung in der Psychotherapie. In E. Fitzthum, D. Oberegelsbacher &amp; D. Storz (Hrsg.), <i>Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie Band 1.<\/i> (S. 42\u201366). Wien: Edition Praesens.<\/p>\n<p>Schm\u00f6lz, A. (1991). Selbsterfahrung im Rahmen der Musiktherapie. In W. Pieringer &amp; J. Egger (Hrsg.), <i>Psychotherapie im Wandel.<\/i> Festschrift zum XX. Internationalen Seminar f\u00fcr Psychotherapie Bad Gleichenberg (S. 129\u2013133). Wien: WUV-Universit\u00e4tsverlag.<\/p>\n<p>Sittner, H. (1974). <i>Musikerziehung zwischen Theorie und Therapie.<\/i> Wien: Elisabeth Lafite.<\/p>\n<p>Stegemann, T. (2018). <i>Was MusiktherapeutInnen \u00fcber das Gehirn wissen sollten. Neurobiologie f\u00fcr die Praxis.<\/i> M\u00fcnchen: Ernst Reinhardt.<\/p>\n<p>Stegemann, T. &amp; Weymann, E. (2019). <i>Ethik in der Musiktherapie. Grundlagen und Praxis.<\/i> Gie\u00dfen: Psychosozial-Verlag.<\/p>\n<p>Storz, D. (2003). <i>Fokale Musiktherapie. Entwicklung eines Modells psychodynamisch musiktherapeutischer Kurzzeittherapie. <\/i>Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie, Band 4. Wien: Edition Praesens.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em><b>Weiterf\u00fchrende Literatur<\/b><\/em><\/p>\n<p><b>Unver\u00f6ffentlichte Diplomarbeiten zum Thema \u201eWiener Schule\u201c an der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien, Institut f\u00fcr Musiktherapie<\/b><\/p>\n<p>Eine Auswahl in chronologischer Reihenfolge.<\/p>\n<p>Tripamer, U. (1998). <i>Wiener Musiktherapie \u2013 Altorientalische Musiktherapie. Ein Vergleich.<\/i><\/p>\n<p>Joham, J. (1999). <i>Kurzstudium Musiktherapie. Zur Musiktherapieentwicklung und -ausbildung an der Hochschule f\u00fcr Musik und darstellende Kunst.<\/i><\/p>\n<p>Leitner, B. (2001). <i>Musiktherapie in Gro\u00dfbritannien \u2013 mit einem Vergleich zur Wiener Schule.<\/i><\/p>\n<p>Weber-Guskar, J. (2004). <i>Musiktherapeutische Identit\u00e4t \u2013 Merkmale und Entwicklung von Identit\u00e4t des Therapeuten und der Berufsgruppe.<\/i><\/p>\n<p>Machowetz, S. (2005). <i>Die Rolle der Musik in der Musiktherapie anhand ausgew\u00e4hlter musiktherapeutischer Schulen.<\/i><\/p>\n<p>Fussi, D. (2005). <i>Ressourcenorientierte Musiktherapie bei Kindern mit Down-Syndrom. Unter Einbeziehung der Arbeitsweisen von Albertine Wesecky.<\/i><\/p>\n<p>Lanzendorfer, M. (2007). <i>Die Quellen der \u00f6sterreichischen Pionierin Ilse Castelliz und ihr Einfluss auf die Entwicklung der Wiener Schule der Musiktherapie ab 1959.<\/i><\/p>\n<p>Fingerlos, M. (2009). <i>Musiktherapie in Chile. \u00dcber die Spuren der Wiener Schule der Musiktherapie in Chile.<\/i><\/p>\n<p>P\u00f6tsch, F. (2011). <i>Stellenwert und Umgang mit dem Ph\u00e4nomen Widerstand innerhalb der \u201eWiener Schule\u201c der Musiktherapie \u2013 Einblicke in Theorie und Praxis.<\/i><\/p>\n<p>Brejnikow, R. (2013). <i>Die Bedeutung des Menschenbildes f\u00fcr musiktherapeutisches Handeln am Beispiel der Wiener Schule.<\/i><\/p>\n<p>Riedl, H. (2014). <i>\u201eWissend und Suchend in den Beruf entlassen\u201c. Die Abschluss- und Diplomarbeiten der Wiener Musiktherapie-Ausbildung. Analyse zu inhaltlichen und formalen Aspekten.<\/i><\/p>\n<p>Feichter, A. (2017). <i>Editha Koffer-Ullrich, die Frau, die die \u00f6sterreichische Musiktherapie institutionalisierte. Eine Spurensuche.<\/i><\/p>\n<p>Radeva, B. (2019). <i>Berufswege nach der Wiener Musiktherapie-Ausbildung (1992\u20132018).<\/i><\/p>\n<p>Denkmayr, D. (2019). <i>Wann ist wieder M\u00e4nnerstammtisch? Gendersensible Musiktherapie und ihr Potential in der Ausbildung im Musiktherapiestudium Wien.<\/i><\/p>\n<p><b>Dissertationen zum Thema \u201eWiener Schule der Musiktherapie\u201c<\/b><\/p>\n<p>Fitzthum, E. (2003). <i>Von den Reformbewegungen zur Musiktherapie. Die Br\u00fcckenfunktion der Vally Weigl.<\/i> Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie, Band 5. Wien: Edition Praesens.<\/p>\n<p>M\u00f6ssler, K. (2008). <i>Wiener Schule der Musiktherapie. Von den Pionieren zur Dritten Generation (1957 bis heute).<\/i> Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie, Band 8. Wien: Praesens.<\/p>\n<p><b>Weitere Publikationen zum Thema \u201eWiener Schule der Musiktherapie\u201c aus der 2. und 3. Ausbildungsgeneration. Eine Auswahl.<\/b><\/p>\n<p>Fitzthum, E. (2011). Der musikalische Dialog in der Wiener Schule der Musiktherapie. In J. Illner &amp; M. Smetana (Hrsg.), <i>Wiener Schule der differentiellen klinischen Musiktherapie. Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie<\/i> (Bd. 9, S. 37\u201344). Wien: Praesens.<\/p>\n<p>Fitzthum, E. (2018). Die Wiener Schule der Musiktherapie. In T. Stegemann &amp; E. Fitzthum (Hrsg.), Kurzlehrbuch Musiktherapie Teil I. <i>Wiener Ringvorlesung Musiktherapie \u2013 Grundlagen und Anwendungsfelder<\/i> (2. Aufl.). <i>Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie<\/i> (Bd. 11, S. 1\u201316). Wien: Praesens.<\/p>\n<p>Fitzthum, E. &amp; M\u00f6ssler, K. (im Druck). Die Wiener Schule der Musiktherapie. In H.H.-Decker Voigt &amp; E. Weymann (Hrsg.), <i>Lexikon der Musiktherapie<\/i> (3. Aufl.). G\u00f6ttingen: Hogrefe.<\/p>\n<p>Fitzthum, E. &amp; Storz, D. (im Druck). In H.U. Schmidt, T. Stegemann &amp; C. Spitzer (Hrsg.), <i>Musiktherapie bei psychischen und psychosomatischen St\u00f6rungen.<\/i> M\u00fcnchen: Elsevier.<\/p>\n<p>M\u00f6ssler, K. (2011). \u201cI am a psychotherapeutically oriented music therapist\u201d: theory construction and its influence on professional identity formation under the example of the Viennese School of Music Therapy. <i>Nordic Journal of Music Therapy<\/i>, 20(2), 155\u2013184.<\/p>\n<p>Oberegelsbacher, D. (2014). Semper audire \u2013 semper sonare. In T. Stegemann &amp; E. Fitzthum (Hrsg.), <i>Festschrift 55 Jahre Musiktherapie-Ausbildung an der Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien<\/i> (S. 37\u201340). Wien: Eigenverlag.<\/p>\n<p>Stegemann, T. &amp; Fitzthum, E. (Hrsg.). (2018). <i>Kurzlehrbuch Musiktherapie Teil I. Wiener Ringvorlesung Musiktherapie \u2013 Grundlagen und Anwendungsfelder. Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie<\/i> (Bd. 11, 2. Aufl.). Wien: Praesens.<\/p>\n<p>Storz, D. (2018). Techniken in der Musiktherapie. In T. Stegemann &amp; E. Fitzthum (Hrsg.), <i>Kurzlehrbuch Musiktherapie Teil I. Wiener Ringvorlesung Musiktherapie \u2013 Grundlagen und Anwendungsfelder. Wiener Beitr\u00e4ge zur Musiktherapie<\/i> (Bd. 11, 2. Aufl., S. 93\u2013104). 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