{"id":3020,"date":"2019-09-27T13:26:29","date_gmt":"2019-09-27T11:26:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=3020"},"modified":"2019-12-10T10:43:43","modified_gmt":"2019-12-10T09:43:43","slug":"symposium-decolonising-knowledges","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/09\/27\/symposium-decolonising-knowledges\/","title":{"rendered":"Symposium: Decolonising Knowledges"},"content":{"rendered":"<b>Ein R\u00fcckblick<\/b><\/p>\n<p>Am 3. und 4. Mai fand an der mdw das Symposium <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ive\/symposium-2019\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><i>Decolonising of Knowledges<\/i><\/a> statt. Mehr als 120 Studierende, Lehrende sowie weitere Teilnehmer_innen aus der ganzen Welt kamen zusammen, um \u00fcber die zahlreichen Dimensionen der Wissensproduktion und Machtbeziehungen innerhalb des universit\u00e4ren Betriebes zu diskutieren. Der Hauptfokus lag auf dem Austausch theoretischer und praktischer Beitr\u00e4ge zum Thema der Dekolonisierung der Universit\u00e4ten zugunsten sozialer Inklusion und einer alternativen Epistemologie als dringende Priorit\u00e4ten innerhalb des universit\u00e4ren Betriebes. Das zwei Tage umspannende Programm, das in die zwei gro\u00dfen Themenbl\u00f6cke Dekolonisierung des universit\u00e4ren Betriebes und die Dekolonisierung der World Music gegliedert war, beinhaltete Keynotes, Podiumsdiskussionen, eine Filmpr\u00e4sentation sowie einen Musikworkshop und verschiedene k\u00fcnstlerische Beitr\u00e4ge.<\/p>\n<p>In seiner Keynote pr\u00e4sentierte Jos\u00e9 Jorge de Carvalho Ans\u00e4tze zur vollst\u00e4ndigen pluri-epistemologischen Inklusion indigener sowie schwarzer Minderheiten sowohl als Studierende als auch als Lehrende im Bereich der h\u00f6heren Bildung in Brasilien. Im Rahmen seines Projektes <i>The Meeting of Knowledges<\/i> bindet Carvalho indigenes Wissen in einem traditionellen Universit\u00e4ren Studienplan ein, indem Expert_innen, die nicht dem akademischen Betrieb angeh\u00f6ren, sowie indigene Expert_innen Kurse und Programme an der Universit\u00e4t abhalten, und zwar als vollwertige Professor_innen, Peers und Mentor_innen. Als theoretischen Ansatz regt Carvalho dazu an, das tradierte Bild von Wissen zu ver\u00e4ndern oder zu zerst\u00f6ren und hier einen neuen Signifikanten zu schaffen. Auf diese Art und Weise prangt er hierarchische Strukturen an und schafft gleichzeitig Raum f\u00fcr synkretistische und nicht-westliche Lernkulturen innerhalb der brasilianischen Universit\u00e4ten.<\/p>\n<p>In ihrer Keynote warf Mar\u00eda do Mar Castro Varela die zentrale Frage danach auf, ob es \u00fcberhaupt m\u00f6glich ist, Universit\u00e4ten zu dekolonisieren. Indem sie eine Art Metapher hierf\u00fcr bediente, begann sie, die akademische Konvention, bei Konferenzen elektronische Pr\u00e4sentationen zu verwenden, infrage zu stellen. Hierzu zitierte sie ein Statement ihrer ehemaligen Dozentin Chantal Mouffe: \u201ePr\u00e4sentiert ruhig eure Power-Point-Pr\u00e4sentationen, ich pr\u00e4sentiere lieber Argumente.\u201c Hierzu f\u00fcgte Mar\u00eda do Mar Castro Varela hinzu: \u201eHeute werde ich versuchen, das Argument, dass die Dekolonisierung europ\u00e4ischer Universit\u00e4ten durchaus problematisch ist, zu pr\u00e4sentieren.\u201c Sie erl\u00e4uterte, dass Ver\u00e4nderung nur erzielt werden kann, wenn man begreift, dass Universit\u00e4ten R\u00e4ume sind, an denen sich Hegemonie und Widerstand parallel entwickelt haben, und forderte, dass wir \u201eum den akademischen Raum zu ver\u00e4ndern, alle Teil davon sein m\u00fcssen\u201c. F\u00fcr Castro Varela sind Universit\u00e4ten Orte der Macht, an denen daher Ver\u00e4nderung nur durch langfristiges Engagement erzielt werden kann. Nichtsdestotrotz m\u00fcssen wir, um den universit\u00e4ren Betrieb zu \u00e4ndern, eine Infragestellung der etablierten Studieng\u00e4nge aktiv einfordern und nach alternativen Methoden und Methodologien suchen.<\/p>\n<p>Michael Birenbaum Quinteros Beitrag problematisierte den Begriff \u201eWorld Music\u201c aus ethnomusikologischer Perspektive. Er erkl\u00e4rte, dass die Kommodifizierung der Feldaufnahmen Forscher vor ethische Probleme stellte. Laut Birenbaum Quintero markiert die Einf\u00fchrung des Begriffs \u201eWorld Music\u201c in den 1980er-Jahren \u201edas Ende ethnomusikalischer Unschuld, wodurch einige der wohl wichtigsten Fragestellungen in Zusammenhang mit Technologie, geistigem Eigentum, Schizophonie, Kapitalismus, Differenzen, Aneignung, Repr\u00e4sentationspolitik, Migration und Hybridit\u00e4t und die Krise der Authentizit\u00e4t sowie reine Machtmechanismen\u201c. Anhand seiner Forschung \u00fcber die kolumbianische <i>Champeta<\/i>-Musik analysierte er in seinem Beitrag \u201eWorld Music\u201c anhand der Pr\u00e4misse, dass die Ausbreitung von Musik auch immer an informelle nationale Wirtschaftssysteme gekn\u00fcpft ist.<\/p>\n<p>In der letzten Keynote unterbreitete Gabriele Klein den Vorschlag, \u00dcbersetzung als Werkzeug anzusehen, um kulturelle Inhalte von einem Ort zu einem anderen zu transportieren. In ihrer Arbeit befasst sich Klein mit der Frage, wie der globale Markt des zeitgen\u00f6ssischen afrikanischen Tanzes Identit\u00e4tsunterschiede dadurch verschiebt, dass K\u00fcnstler_innen mittels \u00dcbersetzung die eigene Repr\u00e4sentation ihrer Arbeit innerhalb der internationalen Tanzszene selbstbestimmt \u00e4ndern k\u00f6nnen. Kleins Beitrag konzentrierte sich in einem ethnografischen Habitus auf die Darstellung kultureller und sozialer Unterschiede in der Arbeit des T\u00e4nzers und Choreografen Germaine Acogny und analysierte Tanzpraktiken als Arbeit, bei der der K\u00f6rper dazu dient, soziale und kulturelle Erlebnisse im Rahmen des globalen Marktes zeitgen\u00f6ssischen Tanzes zu \u00fcbersetzen.<\/p>\n<p>Dieses Symposium hat als Fortsetzung der fr\u00fcheren Vortragsreihe der mdw<i> Transkulturalit\u00e4t <\/i>(2014\u20132018) zu einem tieferen Verst\u00e4ndnis der Herausforderungen beigetragen, die wir beim Erschaffen einer nachhaltigen transkulturellen Universit\u00e4t noch meistern m\u00fcssen. Dieses Symposium ist nur einer der vielen Beitr\u00e4ge der Diversit\u00e4tsstrategie der mdw, die Studierende, Lehrende sowie alle Angeh\u00f6rigen der mdw zur gemeinsamen Diskussion dar\u00fcber animieren soll, was es bedeutet, eine Universit\u00e4t zu sein, die Diversit\u00e4t lebt und ein ganzheitliches und vielf\u00e4ltiges Lernumfeld erm\u00f6glicht. Das n\u00e4chste Transkulturalit\u00e4tssymposium wird Teil des Studienplans des neuen Masterstudiums Ethnomusikologie der mdw sein und vom 7. bis 8. Mai 2021 stattfinden.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ive\/symposium-2019\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Zum Symposium<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ma_ethnomusikologie\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Masterstudium Ethnomusikologie<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 3. und 4. Mai 2019 fand an der mdw das Symposium Decolonising of Knowledges statt.<\/p>\n","protected":false},"author":98,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[808,875,280,279,876,314],"class_list":["post-3020","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-report","tag-2019-3","tag-decolonising-knowledges","tag-ethnomusicology","tag-ethnomusikologie","tag-javier-silvestrini","tag-symposium"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3020","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/98"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3020"}],"version-history":[{"count":7,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3020\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3721,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3020\/revisions\/3721"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3020"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3020"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3020"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}