{"id":299,"date":"2016-09-28T13:52:00","date_gmt":"2016-09-28T11:52:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=299"},"modified":"2017-12-11T14:31:59","modified_gmt":"2017-12-11T13:31:59","slug":"schostakowitsch-klangwolke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/28\/schostakowitsch-klangwolke\/","title":{"rendered":"Schostakowitsch Klangwolke"},"content":{"rendered":"<strong>Mit einem Klangexperiment der besonderen Art beweist <em>Wien Modern<\/em> in Kooperation mit der mdw heuer unter dem Festival-Motto &#8222;Die letzten Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? und wo zum Teufel sind wir hier \u00fcberhaupt?&#8220; einmal mehr Mut zu Ungew\u00f6hnlichem.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_300\" aria-describedby=\"caption-attachment-300\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-300\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/adamas_quartett.jpg\" alt=\"Adamas Quartett\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/adamas_quartett.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/adamas_quartett-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/adamas_quartett-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-300\" class=\"wp-caption-text\">Adamas Quartett \u00a9Julia Wesely<\/figcaption><\/figure>\n<p>Dmitri Schostakowitsch (1906 \u2013 1975) gilt als einer der produktivsten und vielseitigsten russischen Komponisten des 20. Jahrhunderts. Im Alter von nur 19 Jahren wurde er mit der Komposition<br \/>\nseiner ersten Sinfonie weltweit bekannt. Im Laufe seines Lebens komponierte er insgesamt 15 Sinfonien und 15 Streichquartette sowie zahlreiche Werke f\u00fcr vielf\u00e4ltige Genres wie Film, Chor oder B\u00fchne. Im Rahmen von <em>Wien Modern<\/em> werden seine 15 Streichquartette heuer erstmals simultan in einem Konzertsaal aufgef\u00fchrt. Unter der neuen k\u00fcnstlerischen Leitung von Bernhard G\u00fcnther wagt das Festival f\u00fcr Musik der Gegenwart einen Versuch, der an die gar nicht so kurze Tradition der musikalischen Collage ankn\u00fcpft: Schon der junge Joseph Haydn rief 1753 andere Musiker dazu auf, sich am Tiefen Graben in Wien zu treffen, zu verteilen und jeweils das zu spielen, worauf sie gerade Lust hatten. \u00b9<\/p>\n<p>15 Streichquartettensembles, darunter f\u00fcnf von der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien, werden gleichzeitig die 15 Schostakowitsch-Quartette im gro\u00dfen Saal des Konzerthauses Wien auff\u00fchren, manchmal synchron, dann wieder einzeln. Die Dramaturgie des Konzerts zielt auf ein abwechslungsreiches H\u00f6rerlebnis f\u00fcr das Publikum, das sich (m\u00f6glichst leise) durch den von Sesseln befreiten Konzertsaal bewegen kann. Der von Bernhard G\u00fcnther entwickelte Zeitplan der Eins\u00e4tze wird im Vorfeld einstudiert, die jeweiligen Interpretationen der Quartette sind aber komplett frei und kein Dirigent wird das Konzert leiten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_301\" aria-describedby=\"caption-attachment-301\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-301\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bernhard_Guenther.jpg\" alt=\"Bernhard G\u00fcnther\" width=\"400\" height=\"600\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bernhard_Guenther.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/Bernhard_Guenther-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-301\" class=\"wp-caption-text\">Bernhard G\u00fcnther ist neuer k\u00fcnstlerischer Leiter von Wien Modern \u00a9Anna Katharina Scheidegger ZeitR\u00e4ume Basel<\/figcaption><\/figure>\n<p>Johannes Meissl vom Joseph Haydn Institut f\u00fcr Kammermusik, Alte Musik und Neue Musik w\u00e4hlte f\u00fcnf Ensembles der mdw aus, die an diesem spannenden Vorhaben teilnehmen: \u201eAls Bernhard G\u00fcnther mir von dem Projekt erz\u00e4hlt hat, war ich gleich fasziniert von der Idee. \u00c4sthetisch gesehen, ist diese \u201aSoundcloud\u2018 f\u00fcr mich eine radikale Fortschreibung von Gustav Mahler und Charles Ives.\u201c Haydns Aufruf kann also durchaus als Vorwegnahme dessen gesehen werden, was sp\u00e4ter u. a. Charles Ives mit seinen Collagen wollte. \u201eDas Simultane, Mehrschichtige kennt man ja aus dem Alltag, aber auch als eine von vielen \u00e4sthetischen Strategien der Neuen Musik hat das eine\u00a0lange Tradition\u201c, so G\u00fcnther. \u201eBei der Auswahl der Ensembles ging es nicht nur um eine starke Schostakowitsch-Interpretation, sondern auch um die richtige Konzentration und Coolness, die man f\u00fcr die viel \u201azeitgen\u00f6ssischere\u2018 Dichte und Gleichzeitigkeit in dieser Situation mit 14 anderen Quartetten im selben Saal braucht. W\u00e4hrend einige so weit wie m\u00f6glich voneinander entfernt positioniert werden, sitzen einzelne Quartette doch R\u00fccken an R\u00fccken\u201c, so der Festival-Leiter. R\u00e4umliches und musikalisches Zentrum der Auff\u00fchrung ist das letzte und l\u00e4ngste Streichquartett, interpretiert von dem seit 1974 bestehenden Arditti Quartet, das seit der Festival-Gr\u00fcndung vor 29 Jahren nahezu in jedem Jahr bei <em>Wien Modern<\/em> zu h\u00f6ren war. Gleich daneben sitzt das New Yorker JACK Quartet mit dem 14. Streichquartett, dazu kommen je drei Quartette des Ensemble Resonanz aus Hamburg und des Solistenensemble Kaleidoskop aus Berlin. In die Auswahl der f\u00fcnf Quartette der mdw habe man sich nicht eingemischt und vollstes Vertrauen in Johannes Meissl gesetzt. Neben international bereits erfolgreichen Ensembles wie dem Giocoso Quartett, das bei der <em>Melbourne International Chamber Music Competition<\/em> 2015 mehrfach ausgezeichnet wurde, dem ebenso aufstrebenden Adamas Quartett und dem Quatuor Akilone aus Paris, Gewinner des <em>Bordeaux-Wettbewerbs<\/em> 2016, werden auch das Doreen Quartett und das Atalante Quartett von der mdw gestellt. \u201eDas wird nicht nur eine neue H\u00f6rerfahrung f\u00fcr das Publikum, sondern auch eine ganz neue Spielerfahrung f\u00fcr die beteiligten Ensembles\u201c, betont auch Johannes Meissl. Zudem sind zwei von der MUK (Musik und Kunst Privatuniversit\u00e4t der Stadt Wien) gestellte Quartette an der Auff\u00fchrung beteiligt. \u201eNeben \u201asolistischen\u2018 Momenten, in denen im gesamten Saal nur ein einziges Quartett zu h\u00f6ren sein wird, wird es auch Passagen geben, in denen man \u2013 je nach Position im Saal \u2013 ein Quartett in der N\u00e4he sehr deutlich und andere aus der Ferne h\u00f6ren wird, sowie dichte Augenblicke der Gleichzeitigkeit, in denen der ganze Saal von spielenden Streichquartetten erf\u00fcllt sein wird\u201c, so G\u00fcnther im Gespr\u00e4ch.<\/p>\n<p>Dmitri Schostakowitsch z\u00e4hlt f\u00fcr den neuen k\u00fcnstlerischen Leiter zu den Referenzpunkten der Quartettliteratur des 20. Jahrhunderts: \u201eOb man seine Musik nun mag oder nicht \u2013 seine Quartette spielen im Repertoire zahlreicher H\u00e4user und Ensembles eine prominentere Rolle als die meisten anderen aus dieser Zeit. Manche werden sich fragen, warum man das dann auch bei <em>Wien Modern<\/em> zu h\u00f6ren bekommt, und nicht wenigen ist Schostakowitsch sicher nicht zeitgen\u00f6ssisch genug \u2013 aber diese neue Art der Auseinandersetzung ist es allemal. Die Werke zeichnen sich durch eine gewisse Robustheit aus, enthalten beispielsweise lange Passagen mit Repetitionen, markante Soli, hochdramatische Fortissimo-Ausbr\u00fcche, einen inh\u00e4renten Hochdruck \u2013 mit sehr fragilen, komplexen, introvertierten Kompositionen permanent am Rande der Stille, um ein extremes Gegenbeispiel zu nennen, l\u00e4ge diese Art von Experiment f\u00fcr mich viel weniger auf der Hand.\u201c Denn gerade die Tatsache, dass Schostakowitsch in seinen Quartetten st\u00e4ndig mit existenziellen Fragen zu ringen scheint, war ausschlaggebend f\u00fcr die Idee zu dieser Simultanauff\u00fchrung. \u201eIn diesem fast privaten Genre\u00a0der Streichquartette stand er weniger unter der Beobachtung des Staatsapparats und der Zensur, als bei seinen Sinfonien, die immer etwas st\u00e4rker Repr\u00e4sentatives hatten\u201c, so G\u00fcnther. Heuer stehen besonders viele Streichquartette auf dem Festival-Programm. Ausgehend von den \u201eletzten Fragen\u201c konzentriert man sich in diesem Jahr verst\u00e4rkt auf dieses intime Genre. Insgesamt sind 19 verschiedene Streichquartett-Ensembles im Festival-Programm vertreten, neben Schostakowitsch gelangen u. a. auch alle Streichquartette von Arnold Sch\u00f6nberg und Harrison Birtwistle zur Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p>In den Vorbereitungen auf den 11. November 2016 gehe es f\u00fcr die Ensembles vor allem darum, eine autonome Interpretation der jeweiligen Quartette umzusetzen. Innerhalb eines Konzertabends wird ein Querschnitt durch vier ereignisreiche Jahrzehnte im Leben Schostakowitschs \u2013 von 1938 bis 1974 \u2013 gezogen. \u201eDie ZuschauerInnen sind eingeladen, sich visuell und auditiv ganz auf dieses Gesamtklang-Event einzulassen\u201c, freut sich Meissl auf diesen au\u00dfergew\u00f6hnlichen Abend.<\/p>\n<p><em>\u00b9 Neuwirth, Olga. Neuwirth \u00fcber Haydn. Erschienen im profil 14\/09<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit einem Klangexperiment der besonderen Art beweist Wien Modern in Kooperation mit der mdw heuer unter dem Festival-Motto &#8222;Die letzten Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? und wo zum Teufel sind wir hier \u00fcberhaupt?&#8220; einmal mehr Mut zu Ungew\u00f6hnlichem. 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