{"id":2748,"date":"2019-04-30T08:16:22","date_gmt":"2019-04-30T06:16:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2748"},"modified":"2019-04-30T08:16:22","modified_gmt":"2019-04-30T06:16:22","slug":"qualitaetssicherung-in-geistes-und-kulturwissenschaftlichen-publikationen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/04\/30\/qualitaetssicherung-in-geistes-und-kulturwissenschaftlichen-publikationen\/","title":{"rendered":"Qualit\u00e4tssicherung in geistes- und kulturwissenschaftlichen Publikationen"},"content":{"rendered":"Die Ver\u00f6ffentlichung von Forschungsergebnissen ist ein integraler Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens, von dem nicht zuletzt akademische Karrieren in besonderer Weise abh\u00e4ngen (\u201epublish or perish\u201c). Nachwuchswissenschaftler_innen sind daher angehalten, sich bereits zu Beginn ihrer Laufbahn Gedanken zu geeigneten Publikationsformaten und -orten zu machen. Wie sehr diese Fragen bereits Doktoratsstudierende besch\u00e4ftigen, wird auch an speziellen Coaching-Angeboten f\u00fcr diese Zielgruppe deutlich. So wurde beispielsweise im Oktober 2018 an der Akademie der bildenden K\u00fcnste Wien ein Workshop mit dem Titel <em>Kan\u00e4le des Publizierens \u2013 wie entwickle ich eine Publikationsstrategie?<\/em> abgehalten; auch die mdw bietet regelm\u00e4\u00dfig entsprechende Kurse an, etwa den f\u00fcr Mai 2019 angek\u00fcndigten Workshop \u201eWriting Publishable Articles\u201c, dessen erkl\u00e4rtes Ziel es ist, zu vermitteln \u201ehow to write English papers that are [&#8230;] polished for publication in international journals\u201c<sup>1<\/sup>.<\/p>\n<p>In den geistes- und kulturwissenschaftlichen F\u00e4chern wird die Auswahl des bevorzugten Publikationsortes und -formats jedoch nicht allein durch inhaltliche Kriterien bestimmt, sondern zunehmend von karrierestrategischen \u00dcberlegungen dominiert, die die Nachwuchswissenschaftler_innen oftmals vor ein Dilemma stellen: Genie\u00dft die Ver\u00f6ffentlichung von Dissertationen (und Habilitationen) in Form von Monografien zwar weiterhin fachintern gro\u00dfes Ansehen und ist f\u00fcr das Einschlagen einer akademischen Karriere beziehungsweise f\u00fcr das erfolgreiche Durchlaufen eines Berufungsverfahrens unabdingbar, so z\u00e4hlen hingegen bei der Vergabe von Forschungsmitteln durch Drittmittelgeber meist lediglich Publikationen, die ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen haben.<\/p>\n<p>Auch der \u00f6sterreichische Fonds zur F\u00f6rderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) nennt in seinen aktuellen Richtlinien f\u00fcr die Antragsstellung<sup>2<\/sup> das Peer-Review als wesentliches Kriterium zur Beurteilung der Publikationsleistung des\/der Antragstellenden und zur Einleitung des Begutachtungsverfahrens. Dabei verkennen die Richtlinien die historisch gewachsene und den verschiedenen Forschungsgegenst\u00e4nden und Erkenntnisinteressen geschuldete Diversit\u00e4t der Publikationsformen in den geistesund kulturwissenschaftlichen Disziplinen, in deren Zentrum meist Monografien, Quellen- und Werkeditionen stehen. Diese zentralen Publikationsformate erfahren durch die FWF-Richtlinien eine Abwertung. Zeitschriften mit Peer-Review stellen nicht in allen Disziplinen das relevanteste Publikationsmedium dar; vielfach weisen etwa die f\u00fcr den Fachdiskurs zentralen Zeitschriften ein anderes qualit\u00e4tssicherndes Verfahren auf. Indem die vom FWF geforderten Qualit\u00e4tssicherungsstandards die etablierten Praktiken in zahlreichen geistes- und kulturwissenschaftlichen F\u00e4chern nicht widerspiegeln, wird es f\u00fcr diese Disziplinen zunehmend schwer, \u00fcberhaupt zur Antragstellung zugelassen zu werden. Zudem werden auf diese Weise wesentliche Kriterien von Innovation und Qualit\u00e4tssicherung in den Geistes- und Kulturwissenschaften durch den FWF nicht anerkannt, obwohl der FWF laut seinem Leitbild allen Wissenschaften in gleicher Weise verpflichtet sein m\u00f6chte.<sup>3<\/sup><\/p>\n<p>Die Richtlinien des FWF waren der Anlass f\u00fcr eine auf Initiative des Pr\u00e4sidiums der \u00d6sterreichischen Gesellschaft f\u00fcr Musikwissenschaft im Juni 2018 abgehaltene interdisziplin\u00e4re Arbeitstagung zum Thema <em>Qualit\u00e4tssicherung in geistes-\/kulturwissenschaftlichen Publikationen an der mdw<\/em>. Die Veranstaltung unter Leitung von Melanie Unseld stie\u00df auf gro\u00dfes Interesse; die Ergebnisse der Diskussion wurden in einem Arbeitspapier festgehalten. Zentrales Anliegen war es, \u201edas Bewusstsein f\u00fcr die Diversit\u00e4t qualit\u00e4tsgesicherter Publikationen\u201c zu st\u00e4rken und auf eine \u00c4nderung der FWF-Richtlinien hinzuwirken, die \u201eder Diversit\u00e4t, Eigenwertigkeit und Qualit\u00e4tssicherheit geistes-\/ kulturwissenschaftlicher Publikationen und der darin zum Tragen kommenden Methoden und Darstellungsformen\u201c gerecht wird<sup>4<\/sup>. Dazu wurden M\u00f6glichkeiten er\u00f6rtert, wie die etablierten Verfahren der Qualit\u00e4tssicherung transparent gemacht und den Geistes- und Kulturwissenschaften entsprechende qualit\u00e4tssichernde Kriterien benannt werden k\u00f6nnen. Als dem Peer-Review-Verfahren gleichwertig anerkannt werden sollten nach einhelliger Meinung der Teilnehmenden die diversen auf dem Mehraugenprinzip und dem Mehrstufenprinzip beruhenden Qualit\u00e4tssicherungsverfahren, sofern diese transparent gemacht werden. F\u00fcr die relevanten Publikationsformen Monografien, Quellenbeziehungsweise Werkeditionen, aber auch Sammelb\u00e4nde,\u00a0Kataloge sowie Handb\u00fccher findet die Qualit\u00e4tssicherung etwa in Form von Begutachtungen, Editorial Boards, inhaltlich verantwortlichen Herausgeberschaften oder extern evaluierter (Forschungs-)F\u00f6rderung statt.<\/p>\n<p>Auf Grundlage der in diesem Arbeitspapier formulierten Anliegen suchte eine Delegation aus drei Vertreter_innen unterschiedlicher Disziplinen (Markus Ender\/Universit\u00e4t Innsbruck, Johann Pock\/Universit\u00e4t Wien, Melanie Unseld\/mdw) im Oktober 2018 das Gespr\u00e4ch mit dem Pr\u00e4sidium des FWF, das durch den Pr\u00e4sidenten Klement Tockner sowie der Vizepr\u00e4sidentin Gerlinde Mautner vertreten war. Die Belange der geistes- und kulturwissenschaftlichen F\u00e4cher wurden vom FWF mit Interesse aufgenommen und im November 2018 in weiteren internen Gespr\u00e4chen des FWF thematisiert. Die somit signalisierte Bereitschaft zur Diskussion verdeutlicht, dass das Thema vom FWF als relevant anerkannt wurde.<\/p>\n<p>Entsprechende \u00c4nderungen in den Antragsrichtlinien werden nun FWF-intern weiter diskutiert und sind f\u00fcr 2020 angek\u00fcndigt. Dann d\u00fcrfen die heutigen Doktoratsstudierenden und Nachwuchswissenschaftler_innen geistes- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen ihre Publikationsstrategien m\u00f6glicherweise neu ausrichten \u2013 in der Hoffnung, dass mit der Wahl des Publikationsformats keine Priorisierung von akademischer Karriere oder dem Einwerben von Forschungsmitteln mehr verbunden ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>1 Ank\u00fcndigungstext des Kurses \u201eWriting Publishable Articles\u201c, 20. \u2013 22. Mai 2019, <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/zfw\/kurse\/?kursid=1118&amp;kurs_f=240\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.mdw.ac.at\/zfw\/kurse\/?kursid=1118&amp;kurs_f=240<\/a> (letzter Zugriff: 22. 01. 2019).<\/em><\/p>\n<p><em>2 \u201eAntragsrichtlinien f\u00fcr Einzelprojekte\u201c des FWF (Stand 1. J\u00e4nner 2019), <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/fileadmin\/files\/Dokumente\/Antragstellung\/Einzelprojekte\/p_antragsrichtlinien.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.fwf.ac.at\/fileadmin\/files\/Dokumente\/Antragstellung\/Einzelprojekte\/p_antragsrichtlinien.pdf<\/a> (letzter Zugriff: 14. 01. 2019).<\/em><\/p>\n<p><em>3 \u201eFWF Der Wissenschaftsfonds. Leitbild des FWF\u201c, <a href=\"https:\/\/www.fwf.ac.at\/de\/ueberden-fwf\/leitbild\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/www.fwf.ac.at\/de\/ueberden-fwf\/leitbild\/<\/a> (letzter Zugriff: 14. 01. 2019).<\/em><\/p>\n<p><em>4 Arbeitspapier des Arbeitsgespr\u00e4chs \u201eQualit\u00e4tssicherung in geistes-\/kulturwissenschaftlichen Publikationen\u201c, Wien 28. Juni 2018 (Hervorhebung im Original).<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Ver\u00f6ffentlichung von Forschungsergebnissen ist ein integraler Bestandteil des wissenschaftlichen Arbeitens, von dem nicht zuletzt akademische Karrieren in besonderer Weise abh\u00e4ngen (\u201epublish or perish\u201c). Nachwuchswissenschaftler_innen sind daher angehalten, sich bereits zu Beginn ihrer Laufbahn Gedanken zu geeigneten Publikationsformaten und -orten zu machen. Wie sehr diese Fragen bereits Doktoratsstudierende besch\u00e4ftigen, wird auch an speziellen Coaching-Angeboten f\u00fcr &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":147,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[749,53,518,717,56,582,583,33,475,154,52,758],"class_list":["post-2748","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-research","tag-2019-2","tag-forschung","tag-fwf","tag-offene-wissenschaft","tag-open-access","tag-qualitaetsmanagement","tag-quality-assurance","tag-research","tag-research-data","tag-science","tag-wissenschaft","tag-wissenschaftsfonds"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2748","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/147"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2748"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2748\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2750,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2748\/revisions\/2750"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2748"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2748"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2748"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}