{"id":2666,"date":"2019-02-25T16:21:41","date_gmt":"2019-02-25T15:21:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2666"},"modified":"2020-03-10T12:02:07","modified_gmt":"2020-03-10T11:02:07","slug":"wuerde-freiheit-gerechtigkeit-menschenrechte-im-kulturellen-kontext","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/02\/25\/wuerde-freiheit-gerechtigkeit-menschenrechte-im-kulturellen-kontext\/","title":{"rendered":"W\u00fcrde \u2013 Freiheit \u2013 Gerechtigkeit: Menschenrechte im kulturellen Kontext"},"content":{"rendered":"Am 70. Jahrestag der allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, dem 10. Dezember 2018, fand an der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien eine Podiumsdiskussion zur Lage der Menschenrechte in der aktuellen politischen Situation statt. Migration, Recht auf Arbeit, Rechte von Minderheiten, Recht auf Teilhabe an Kunst und Kultur, Recht auf politische Mitbestimmung und nicht zuletzt das Recht auf Gleichheit und Freiheit waren die Themen, die von der Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz, der Leiterin des internationalen Filmfestivals der Menschenrechte in N\u00fcrnberg Andrea Kuhn, der S\u00e4ngerin und mdw-Absolventin Golnar Shahyar sowie der Malerin und Menschenrechtspolitikerin Beate Winkler unter der Moderation von Corinna Milborn diskutiert wurden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2667\" aria-describedby=\"caption-attachment-2667\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2667\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/menschenrechte.jpg\" alt=\"Menschenrechte\" width=\"1000\" height=\"554\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/menschenrechte.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/menschenrechte-300x166.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/menschenrechte-768x425.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/menschenrechte-850x471.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2667\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Marcel Nimfuehr<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einig waren sich die Diskutantinnen am Podium mit dem Publikum, dass die Menschenrechte insgesamt und weltweit gef\u00e4hrdet sind \u2013 ein Umstand, der auch die Auffassung der europ\u00e4ischen Grundrechteagentur widerspiegelt. Deren erste weibliche Direktorin Beate Winkler konstatierte, dass Populismus, Digitalisierung und die radikale \u00d6konomisierung aller Lebensbereiche unsere Gesellschaft in eine tiefe Identit\u00e4tskrise st\u00fcrzen. Wut auf die Eliten und das Erstarken totalit\u00e4rer Systeme sind eine Folge dieser Verunsicherung. Die Deklaration der Menschenrechte entstand urspr\u00fcnglich als Reaktion auf die Traumata des Zweiten Weltkriegs, jedoch verblasst die Erinnerung daran zunehmend. Gerade jetzt m\u00fcsse aber die \u201eGabe\u201c der Menschenrechte, wie es Marlene Streeruwitz nannte, beim Wort genommen werden, denn die W\u00fcrde und Freiheit jedes einzelnen Menschen zu behaupten, d\u00fcrfe kein blo\u00dfes Lippenbekenntnis bleiben. \u201eJetzt tut es weh\u201c, befand auch die Filmwissenschaftlerin Andrea Kuhn. Dokumentarfilme sollten nicht nur Emotionen wecken und uns zum wiederholten Mal zeigen, dass auch Fl\u00fcchtlinge Menschen sind, sondern m\u00fcssten vielmehr unsere Mitt\u00e4ter_innenschaft thematisieren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2671\" aria-describedby=\"caption-attachment-2671\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2671\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ulrike_sych.jpg\" alt=\"Ulrike Sych\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ulrike_sych.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ulrike_sych-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ulrike_sych-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/ulrike_sych-850x568.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2671\" class=\"wp-caption-text\">Rektorin Ulrike Sych \u00a9Marcel Nimfuehr<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die iranisch-kanadische Musikerin Golnar Shahyar, die vor der Diskussion das Publikum mit zwei Liedern wunderbar auf das Thema einstimmte, betonte wiederum, dass Demokratie nicht nur im Iran, sondern auch in \u00d6sterreich jeden Tag aufs Neue gelernt, hergestellt und auch erk\u00e4mpft werden muss. Die Menschenrechte verk\u00f6rpern dabei das solidarische Ziel einer gelebten Demokratie. Gerechtigkeit kann nur umgesetzt werden, wenn die zentralen Werte der europ\u00e4ischen Moderne, auf denen die Menschenrechte beruhen, n\u00e4mlich W\u00fcrde, Freiheit, Gleichheit und Solidarit\u00e4t tats\u00e4chlich von allen in einer Gesellschaft handelnden Personen als grundlegend anerkannt und gelebt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2668\" aria-describedby=\"caption-attachment-2668\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2668\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marlene_streeruwitz.jpg\" alt=\"Marlene Streeruwitz\" width=\"1000\" height=\"610\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marlene_streeruwitz.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marlene_streeruwitz-300x183.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marlene_streeruwitz-768x468.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/marlene_streeruwitz-850x519.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2668\" class=\"wp-caption-text\">Autorin und Regisseurin Marlene Streeruwitz \u00a9Marcel Nimfuehr<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch die Kunstuniversit\u00e4ten als Eliteinstitutionen k\u00f6nnen und m\u00fcssen ihren Teil dazu beitragen. Rektorin Ulrike Sych brachte diesbez\u00fcglich den Standpunkt der mdw in die Diskussion ein: Die mdw solle ein Beispiel f\u00fcr Best Practice im Umgang mit Menschenrechten sein. Der Qualit\u00e4tsbegriff beziehe sich nicht nur auf die Lehre, die k\u00fcnstlerischen Ausbildungen und die Qualit\u00e4t der Abschl\u00fcsse. Exzellenz sei mehr als exzellentes Geigenspiel. Exzellenz stehe f\u00fcr eine Haltung, die unverhandelbar ist, n\u00e4mlich die Wahrung der W\u00fcrde und Rechte der Menschen. Absolvent_innen sollten mit dieser Haltung in die Welt hinausgehen. Dieser Verpflichtung gegen\u00fcber den Menschenrechten kommt die mdw nach, indem sie die Freiheit der Kunst, der Wissenschaft und der Lehre zu ihrem leitenden Grundsatz macht. K\u00fcnstler_innen kommt zunehmend die Rolle zu, auch Botschafter_innen der Menschenrechte zu sein.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2669\" aria-describedby=\"caption-attachment-2669\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2669\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/corinna_milborn.jpg\" alt=\"Corinna Milborn\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/corinna_milborn.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/corinna_milborn-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/corinna_milborn-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/corinna_milborn-850x568.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2669\" class=\"wp-caption-text\">Moderatorin Corinna Milborn \u00a9Marcel Nimfuehr<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u00c4hnlich forderten die mdw-Alumna Golnar Shahyar und Beate Winkler, dass es mehr Freir\u00e4ume f\u00fcr Diskussionen und zum Scheitern geben m\u00fcsse, um Demokratie zu \u00fcben und gerade innerhalb universit\u00e4rer Strukturen auch zu leben. Kuhn kritisierte, dass der Erfolg von Kunst und Kultur zunehmend nur in Zahlen gemessen werde, was verheerende Folgen f\u00fcr die Freiheit der Kunst habe. Auch Beate Winkler sah in der Kunst eine untersch\u00e4tzte Ressource, da jegliche Kunstaus\u00fcbung die F\u00e4higkeit st\u00e4rke, sich auf das Nicht-Steuerbare einzulassen und Fremde auch als \u201eBotschafter_innen der Ver\u00e4nderung\u201c willkommen zu hei\u00dfen. Man m\u00fcsse aber darauf achten, nahm Golnar Shahyar den Faden auf, dass Kunst letztlich nicht einem hierarchischen System diene. Kunst sei in erster Linie zweckloses Engagement, formulierte Marlene Streeruwitz. Eine Eliteinstitution wie die mdw habe schlie\u00dflich die Aufgabe, Kunst demokratisch auf der Basis der Gleichheit aller zu lehren, Mitbestimmung zuzulassen und sich nicht nur nach der Marktlogik zu richten. \u201eEs wird nicht gehen, dass wir die Moderne verlassen, das hei\u00dft, wir werden zur Tonalit\u00e4t nicht zur\u00fcckkehren k\u00f6nnen und in einfache Melodien ausbrechen, die uns alle miteinander verbinden.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_2670\" aria-describedby=\"caption-attachment-2670\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2670\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/golnar_shahyar.jpg\" alt=\"Golnar Shahyar\" width=\"1000\" height=\"625\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/golnar_shahyar.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/golnar_shahyar-300x188.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/golnar_shahyar-768x480.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/golnar_shahyar-850x531.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2670\" class=\"wp-caption-text\">Golnar Shahyar \u00a9Marcel Nimfuehr<\/figcaption><\/figure>\n<p>In Hinblick auf die erodierenden Demokratien westlicher Nationalstaaten spricht der franz\u00f6sische Philosoph \u00c9tienne Balibar von der \u201eGleichfreiheit\u201c als \u201ezentralen politischen Motor der Moderne\u201c: Die M\u00f6glichkeitsbedingungen der Gleichheit sind auch die der Freiheit; wird die Freiheit unterdr\u00fcckt, dann auch die Gleichheit<span id='easy-footnote-1-2666' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/02\/25\/wuerde-freiheit-gerechtigkeit-menschenrechte-im-kulturellen-kontext\/#easy-footnote-bottom-1-2666' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/gleichfreiheit-etienne_balibar_58586.html&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener noreferrer&quot;&gt;https:\/\/www.suhrkamp.de\/buecher\/gleichfreiheit-etienne_balibar_58586.html&lt;\/a&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>. Das bedeutet f\u00fcr Andrea Kuhn umgelegt auf die Institutionenkritik auch, dass die \u00f6konomischen Hintergr\u00fcnde beim Zugang zu Wissen, Kultur und Kunst immer mitgedacht werden m\u00fcssen. Denn M\u00f6glichkeitsbedingung f\u00fcr Gleichheit wie auch Freiheit sei zwar zum einen die Schaffung eines Bewusstseins vom Recht auf Rechte (Hannah Arendt) in jedem einzelnen Menschen, zum anderen aber auch eine gerechte Umverteilung des Reichtums und gleiche Teilhabe aller an den Ressourcen einer Gesellschaft.<\/p>\n<ul>\n<li>Sehen Sie die gesamte Diskussion in der mdw-Mediathek unter <a href=\"https:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/menschenrechte_2018\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">mediathek.mdw.ac.at<\/a><\/li>\n<li>Lesen Sie auch das <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/index.php\/2019\/02\/25\/interview-mit-andrea-kuhn\/\">Interview mit Andrea Kuhn, Diskutantin bei der Podiumsdiskussion<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 70. Jahrestag der allgemeinen Erkl\u00e4rung der Menschenrechte, dem 10. 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