{"id":265,"date":"2016-09-28T10:45:54","date_gmt":"2016-09-28T08:45:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=265"},"modified":"2016-12-01T09:50:33","modified_gmt":"2016-12-01T08:50:33","slug":"metternichgasse-12-eine-archaeologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/28\/metternichgasse-12-eine-archaeologie\/","title":{"rendered":"Metternichgasse 12. Eine Arch\u00e4ologie"},"content":{"rendered":"<strong>Ein Archivprojekt der Filmakademie Wien<\/strong><\/p>\n<p><strong>Im Studienjahr 2016\/2017 feiert das Institut f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 Filmakademie Wien der mdw sein 65-j\u00e4hriges Bestehen. Die Filmakademie ist bis heute die einzige universit\u00e4re Ausbildungsstelle des Landes f\u00fcr Filmschaffende und nimmt damit eine zentrale Rolle innerhalb der \u00d6sterreichischen Filmgeschichte ein. Im Bewusstsein um ihre Bedeutung f\u00fcr das gegenw\u00e4rtige sowie historische Kunst- und Kulturschaffen widmet sich ein Team von WissenschaftlerInnen und K\u00fcnstlerInnen nun ihrer Geschichte.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_267\" aria-describedby=\"caption-attachment-267\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-267\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/werkschau_filmakademie.jpg\" alt=\"Werkschau Filmakademie\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/werkschau_filmakademie.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/werkschau_filmakademie-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/werkschau_filmakademie-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-267\" class=\"wp-caption-text\">Werkschau der Filmakademie im Gartenbaukino \u00a9Patrick Wally<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Fokus des vom Fachbereich f\u00fcr Medien- und Filmwissenschaft durchgef\u00fchrten Archivprojekts stehen sowohl die institutionelle Entwicklung der Filmakademie Wien als auch das von Studierenden im Laufe ihrer Ausbildungszeit produzierte Filmschaffen. Die Geschichte der Filmakademie Wien begann im Wintersemester 1951 mit der Konzeption einer Klasse f\u00fcr Filmkunst durch den \u00f6sterreichischen Regisseur und Produzenten Walter Kolm-Velt\u00e9e. Im Februar 1952 folgte die Gr\u00fcndung des Sonderlehrganges f\u00fcr Filmkunst an der damaligen Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien mit den zwei Hauptf\u00e4chern Filmdarstellung und Filmgestaltung. Der Lehrplan sah zun\u00e4chst drei Unterrichtsgegenst\u00e4nde vor: Film-Technik, Angewandte Psychologie sowie Film-Praxis. Bereits ab dem ersten Semester hatten die Studierenden die M\u00f6glichkeit, an praktischen \u00dcbungen f\u00fcr Filmgestaltung teilzunehmen und bei der Herstellung von Filmen mitzuwirken.<\/p>\n<p>So entstanden in den darauffolgenden Jahren unter Mitarbeit von AbsolventInnen und Studierenden der Klasse f\u00fcr Filmkunst einige Kulturfilme, darunter der von der Filmproduktionsgesellschaft Wiener Kunstfilm produzierte Tourismusfilm <em>\u00d6sterreich, dein Herz ist Wien<\/em> (1956) mit Burgschauspieler Hermann Thimig in der Rolle des \u201eewigen Wieners\u201c.<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt fragt zun\u00e4chst nach der Institutionsgeschichte mit besonderem Blick auf die Gr\u00fcndungszeit sowie nach den historischen Kontexten und Entstehungsbedingungen der an der Akademie umgesetzten Filme. Anhand der Erschlie\u00dfung des Aktenbestandes des Archivs der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien sowie mittels Gespr\u00e4chen mit ehemaligen Studierenden und Lehrenden sollen nicht nur institutionelle Fragen gekl\u00e4rt, sondern auch Einblicke in die spezifische Praxis des Filmemachens an der Filmakademie Wien gewonnen werden.<\/p>\n<p>Parallel zur kulturhistorischen Kontextanalyse fokussiert das Projekt auf die Aufarbeitung und Erschlie\u00dfung des Filmbestandes. Der Schwerpunkt liegt dabei vorrangig auf den vor 1990 entstandenen Arbeiten, die ausschlie\u00dflich auf 16mm-Film erhalten sind und heute in den Laxenburger Depots des Filmarchiv Austria lagern. Dorthin war vor knapp 30 Jahren das hauseigene<br \/>\nArchiv \u00fcbersiedelt worden. Die technische und inhaltliche Befundung der Filme, die Auswahl filmhistorisch relevanter Werke f\u00fcr die Digitalisierung beziehungsweise Langzeitsicherung sowie deren Verwertung im Rahmen von Retrospektiven stellen weitere zentrale Projektziele dar.<\/p>\n<p>Ausgehend von einer Filmgeschichte als Medienarch\u00e4ologie, wonach diese nicht als Summe einzelner Filmdokumente, sondern vielmehr als eine nicht-lineare Folge synchroner (Film-)Geschichten zu begreifen sei, wird nach der Pluralit\u00e4t des Filmschaffens sowie nach dessen kulturhistorischem und filmwissenschaftlichem\u00a0Potenzial gefragt. Die Vielfalt filmischer Praktiken sowie ihre spezifisch lokalhistorischen Kontexte werden dabei verst\u00e4rkt in den Blick genommen.<\/p>\n<p>Heute gilt die Filmakademie Wien mit AbsolventInnen wie G\u00f6tz Spielmann, Wolfgang Murnberger, Barbara Albert und Jessica Hausner vor allem als Wiege des \u00f6sterreichischen Autorenfilms. Die Studierenden, die an der Produktion des Films <em>\u00d6sterreich, dein Herz ist Wien<\/em> beteiligt waren, wurden hingegen anonymisiert. Regie und Produktionsprofessor Kolm-Velt\u00e9e zeichnete f\u00fcr die Leitung des Projekts, in dem \u2013 Heimatfilmen gleich \u2013 ein Bild Wiens als Stadt der Gem\u00fctlichkeit und des Frohsinns konstruiert wird, in der Moderne nur in ihrer sanftesten Form (Ringturm und Opernpassage) vorkommt. Kriegs- und Nachkriegszeit werden in diesem Film komplett ausgespart.<\/p>\n<p><strong>Erste digitalisierte Filme<\/strong><\/p>\n<div id='gallery-1' class='gallery galleryid-265 gallery-columns-3 gallery-size-full'><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"438\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/All-About-Nothing.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"All about Nothing\" aria-describedby=\"gallery-1-456\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/All-About-Nothing.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/All-About-Nothing-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-456'>\n\t\t\t\tAll about Nothing \u00a9Filmakademie Wien\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"438\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Prokop-Descending.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"Prokop Decending\" aria-describedby=\"gallery-1-271\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Prokop-Descending.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Prokop-Descending-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-271'>\n\t\t\t\tProkop Decending \u00a9Filmakademie Wien\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure><figure class='gallery-item'>\n\t\t\t<div class='gallery-icon landscape'>\n\t\t\t\t<img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"600\" height=\"437\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Rosa-Lila-Villa.jpg\" class=\"attachment-full size-full\" alt=\"Rosa lila Villa\" aria-describedby=\"gallery-1-273\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Rosa-Lila-Villa.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/09\/Rosa-Lila-Villa-300x219.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<figcaption class='wp-caption-text gallery-caption' id='gallery-1-273'>\n\t\t\t\tRosa lila Villa \u00a9Filmakademie Wien\n\t\t\t\t<\/figcaption><\/figure>\n\t\t<\/div>\n\n<p><strong>All about nothing (1969)<\/strong><\/p>\n<p>Peter S\u00e4mann, heute bekannter Fernsehregisseur, schickt 1969 in <em>All about nothing<\/em> den Studenten Jedermann durch die Stra\u00dfen und Partykeller der Stadt. Jedermann setzt sich die Heroinnadel, stirbt einen symbolischen Tod, um dann wieder mit maximalem Ennui aufzuerstehen. Unter dem Motto: \u201eEs gibt Tage, die gibt\u00b4s gar nicht.\u201c<\/p>\n<p><strong>Prokop Decending (1976)<\/strong><\/p>\n<p>Lange bevor Musikvideos eine filmische Disziplin werden sollten, versammelte sich ein Kollektiv von Filmakademie-Studierenden 1976 in einem Lehrsaal, um mitzuteilen, dass sie einen Text des Liedermachers Herbert Maly mit Bildern aus dessen Leben unterlegt haben. Damit beginnt der fast 15-min\u00fctige, filmische Song <em>Prokop Decending<\/em>. Der auch ExpertInnen v\u00f6llig unbekannte Maly bahnt sich einen kuriosen und bildgewaltigen Weg durch das Wien der Substandardwohnungen und armseligen \u201eGst\u00e4tten\u201c um das heute zu Tode sanierte Gasometer-Areal.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Rosa lila Villa (1984)<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur\u00a0ein eindrucksvoller Dokumentarfilm, sondern auch ein wichtiges Zeitdokument ist Tamara Eullers <em>Rosa Lila Villa<\/em> von 1984. Poetisch und intim portr\u00e4tiert Euller die BewohnerInnen dieser bahnbrechenden Einrichtung, die erstmals schwul-lesbisches Leben in Wien sichtbar machte. Im Vordergrund stehen f\u00fcr diese das Ringen um gesellschaftliche Gleichstellung sowie die Sorge, die Gemeinde k\u00f6nnte dem zwei Jahre zuvor gegr\u00fcndeten Haus wieder den Geldhahn abdrehen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ein Archivprojekt der Filmakademie Wien Im Studienjahr 2016\/2017 feiert das Institut f\u00fcr Film und Fernsehen \u2013 Filmakademie Wien der mdw sein 65-j\u00e4hriges Bestehen. Die Filmakademie ist bis heute die einzige universit\u00e4re Ausbildungsstelle des Landes f\u00fcr Filmschaffende und nimmt damit eine zentrale Rolle innerhalb der \u00d6sterreichischen Filmgeschichte ein. 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