{"id":2644,"date":"2019-02-25T16:00:00","date_gmt":"2019-02-25T15:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2644"},"modified":"2019-02-25T16:00:00","modified_gmt":"2019-02-25T15:00:00","slug":"was-ist-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/02\/25\/was-ist-angst\/","title":{"rendered":"Was ist Angst?"},"content":{"rendered":"<strong>Ulrike Demal ist klinische Psychologin, Psychotherapeutin (VT), Lehrtherapeutin (\u00d6GVT), Supervisorin, Lehrbeauftragte (MUW) und in der Abteilung Klinische Psychologie der \u00c4rztlichen Direktion des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien \u2013 Medizinischer Universit\u00e4tscampus, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie t\u00e4tig. Sie gibt hier im<\/strong><strong><em> mdw-Magazin<\/em><\/strong><strong> einen grundlegenden \u00dcberblick \u00fcber Angst: Was ist sie und wie entsteht sie?<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2645\" aria-describedby=\"caption-attachment-2645\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2645\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/was_ist_angst.jpg\" alt=\"Was ist Angst\" width=\"1000\" height=\"593\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/was_ist_angst.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/was_ist_angst-300x178.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/was_ist_angst-768x455.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/was_ist_angst-850x504.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/was_ist_angst-413x244.jpg 413w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2645\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Melanie Wasser \/ Unsplash<\/figcaption><\/figure>\n<p>Grunds\u00e4tzlich kann zwischen Angst als unangenehm erlebter, diffuser Gef\u00fchlszustand, der nicht auf einen bestimmten Ausl\u00f6ser gerichtet ist, und Furcht als Reaktion auf ein bestimmtes Objekt, einen Reiz oder eine konkrete Situation (z. B. wildes Tier, Gewitter, daher brausendes Auto etc.) unterschieden werden. Beides sind akute emotionale Zust\u00e4nde, die von \u00c4ngstlichkeit im Sinne einer Pers\u00f6nlichkeitseigenschaft zu unterscheiden sind.<\/p>\n<p>Angstreaktionen sind angeboren und haben h\u00f6chste evolution\u00e4re Relevanz. Im Laufe der Evolution konnten nur jene Lebewesen \u00fcberleben, die ein perfektes Angstsystem hatten, das hei\u00dft auf Gefahren bedingungslos mit Kampf oder Flucht reagierten. Angst ist somit sinnvoll und notwendig als Alarmsignal (warnt den Organismus vor Gefahren und lenkt die Aufmerksamkeit auf die Gefahrensituation), als Vorbereitung des K\u00f6rpers auf schnelles Handeln (mobilisiert Kr\u00e4fte, aktiviert die Muskeln f\u00fcr Flucht oder Kampf) und als automatische Alarmreaktion (in einer gef\u00e4hrlichen Situation ist es wichtig, schnell zu handeln).<\/p>\n<p>Ein gewisses Ma\u00df an Angst und Furcht ist ganz normal. Obwohl Angst als unangenehm erlebt wird, ist sie meist nicht gef\u00e4hrlich, sondern eben ein nat\u00fcrlicher und biologisch in unserem K\u00f6rper festgelegter Ablauf.<\/p>\n<p>Angst \u00e4u\u00dfert sich physiologisch (z. B. erh\u00f6hter Herzschlag und Blutdruck, Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit etc.), kognitiv (Bewertungen, Interpretationen, Erwartungen, Selbstgespr\u00e4che etc.), emotional (Hilflosigkeit, \u00dcberforderung, Scham etc.) und im Verhalten (Vermeidung, Flucht, Hilfe suchen, erstarren etc.).<\/p>\n<p>Angstreaktionen lassen sich in vielen Aspekten gleichsetzen mit dem, was wir im Alltagsleben als Stress bezeichnen. Jeder Mensch erlebt t\u00e4glich eine Vielzahl schw\u00e4cherer und st\u00e4rkerer Stressoren, die jeweils unterschiedlich starke Stressreaktionen ausl\u00f6sen. Einfl\u00fcsse auf die Auspr\u00e4gung der individuellen Stressreaktion haben die St\u00e4rke des Stressors, das allgemeine Erregungs- bzw. Anspannungsniveau und die subjektive Bewertung der Bedrohlichkeit der Situation. Das allgemeine Erregungs- beziehungsweise Anspannungsniveau l\u00e4sst sich durch ausreichend Schlaf, regelm\u00e4\u00dfige Bewegung und Sport, Entspannungs\u00fcbungen, gesunde und ausgewogene Ern\u00e4hrung, Verzicht auf \u00fcberm\u00e4\u00dfigen Konsum von Alkohol, Zigaretten und Kaffee, Ausgleich f\u00f6rdernde Freizeitaktivit\u00e4ten, angenehme soziale Kontakte, Kl\u00e4rung von chronischen zwischenmenschlichen Konflikten und Verringerung von wiederkehrenden \u00dcberforderungssituationen beeinflussen.<\/p>\n<p>Angst kann jedoch auch zu einer Erkrankung \u2013 zu einer sogenannten Angstst\u00f6rung \u2013 werden, wenn die Angst unangemessen stark ist, zu h\u00e4ufig auftritt oder mit einem Kontrollverlust einhergeht sowie wenn sich ausgepr\u00e4gtes Vermeidungsverhalten einstellt und sich aufgrund der Angst Einschr\u00e4nkungen ergeben beziehungsweise ein Leidensdruck entsteht. Man unterscheidet zwischen folgenden Angstst\u00f6rungen:<\/p>\n<p>Eine Panikst\u00f6rung zeichnet sich durch pl\u00f6tzliche, unerwartete Angstanf\u00e4lle ohne eindeutigen Ausl\u00f6ser aus, die mit verschiedenen k\u00f6rperlichen Symptomen (Herzklopfen, Brustschmerz, Ersticken, Schwindel etc.) und Bef\u00fcrchtungen (z.\u2009B. einen Herzanfall zu bekommen) einhergehen. Bei einer generalisierten Angstst\u00f6rung stehen \u00fcbertriebene Sorgen und Bef\u00fcrchtungen \u00fcber vielf\u00e4ltige Lebensaspekte, die mit Unruhe, Schlafst\u00f6rungen, Anspannung etc. einhergehen, im Vordergrund.<\/p>\n<p>Eine Agoraphobie ist die unbegr\u00fcndete starke Angst vor Menschenmengen, Verkehrsmitteln und \u00c4hnlichem. Betroffene bef\u00fcrchten, dass beim Auftreten von k\u00f6rperlichen Symptomen Hilfe nicht verf\u00fcgbar und Flucht nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Bei der sozialen Phobie geht es um die Angst davor, von anderen in sozialen Situationen negativ beurteilt oder bewertet zu werden, nicht zuletzt aufgrund der k\u00f6rperlichen Symptome wie Schwitzen, Err\u00f6ten, Zittern.<\/p>\n<p>Spezifische Phobien beziehen sich auf bestimmte Objekte beziehungsweise Situationen: Tiere, Naturgewalten, Blut, Spritzen, Verletzungen, H\u00f6hen, Fliegen etc.<\/p>\n<p><strong>\u00c4tiologie*<\/strong><\/p>\n<p>Kognitive Theorien gehen davon aus, dass \u00e4ngstliche Menschen Situationen, aber auch K\u00f6rpersymptome, als gef\u00e4hrlicher wahrnehmen und bewerten und ihr Verhalten demensprechend anpassen.<\/p>\n<p>Biologische Theorien beschreiben eine h\u00f6here Vulnerabilit\u00e4t: Das autonome Nervensystem, das die Funktionen der inneren Organe wie Herz, Verdauung oder Atmung steuert, ist besonders leicht durch verschiedene Reize erregbar. Dadurch werden k\u00f6rperliche Anzeichen st\u00e4rker wahrgenommen und man reagiert wahrscheinlicher mit Angst. Die Amygdala (Mandelkern) ist direkt an der Entstehung von Angst beteiligt, w\u00e4hrend der Hippocampus mit Lern- und Ged\u00e4chtnisprozessen zu tun hat. Der pr\u00e4frontale Cortex (Stirnhirn) ist dagegen f\u00fcr die Bewertung von Angstreizen und die Planung entsprechender Reaktionen zust\u00e4ndig. Neurotransmitter wie Serotonin und Noradrenalin sowie GABA (Gamma-Amino-Butters\u00e4ure) spielen ebenso eine Rolle.<\/p>\n<p>Nach den Annahmen der Lerntheorie entstehen ausgepr\u00e4gte \u00c4ngste durch klassische und operante Konditionierung. W\u00e4hrend die klassische Konditionierung f\u00fcr die Entstehung herangezogen wird, kommt der operanten Konditionierung bei der Aufrechterhaltung eine Bedeutung zu: Angstausl\u00f6sende Situationen werden vermieden und das Ausbleiben oder der Wegfall von Angst wird als Erleichterung erlebt. Vermeidung h\u00e4lt demnach Angst aufrecht, weil korrigierende Lernerfahrungen und Neubewertungen verhindert werden. Auch das \u201eLernen am Modell\u201c kann Einfluss nehmen.<\/p>\n<p><strong>Therapie<\/strong><\/p>\n<p>Angstst\u00f6rungen sind gut behandelbar. Es haben sich dabei sowohl Psychotherapie, hier vor allem die Verhaltenstherapie, als auch medikament\u00f6se Therapien etabliert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>*Anm. d. Red.: Besch\u00e4ftigt sich mit den Ursachen f\u00fcr das Entstehen einer Krankheit.<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ulrike Demal ist klinische Psychologin, Psychotherapeutin (VT), Lehrtherapeutin (\u00d6GVT), Supervisorin, Lehrbeauftragte (MUW) und in der Abteilung Klinische Psychologie der \u00c4rztlichen Direktion des Allgemeinen Krankenhauses der Stadt Wien \u2013 Medizinischer Universit\u00e4tscampus, Universit\u00e4tsklinik f\u00fcr Psychiatrie und Psychotherapie t\u00e4tig. 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