{"id":2636,"date":"2019-02-25T15:59:13","date_gmt":"2019-02-25T14:59:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2636"},"modified":"2019-02-25T16:01:01","modified_gmt":"2019-02-25T15:01:01","slug":"wie-klingt-deine-angst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2019\/02\/25\/wie-klingt-deine-angst\/","title":{"rendered":"\u201eWie klingt deine Angst?\u201c"},"content":{"rendered":"\u201eIch habe Angst!\u201c Jeder kennt das Gef\u00fchl, mit dem wir uns immer wieder auseinandersetzen m\u00fcssen, sei es in Form einer diffusen Angst oder in Form einer konkreten Bedrohung. Nimmt die Angst aber eine zentrale Rolle im Leben eines Menschen ein, kann es sich um eine Angstst\u00f6rung handeln, f\u00fcr deren Behandlung in der Musiktherapie wirksame Methoden und Ans\u00e4tze entwickelt wurden. Der Leiter des Instituts f\u00fcr Musiktherapie der mdw Thomas Stegemann erkl\u00e4rt, warum Musiktherapie besonders bei Angstst\u00f6rungen gut wirksam ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2637\" aria-describedby=\"caption-attachment-2637\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2637\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst.jpg\" alt=\"Angst\" width=\"1000\" height=\"667\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2637\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eAngst ist etwas sehr Sinnvolles und geh\u00f6rt zu den Basisemotionen. Sie erlaubt uns, Situationen besser einzusch\u00e4tzen\u201c, betont Thomas Stegemann die wichtige Funktion von Angst. Im Laufe der Entwicklung eines Kindes treten alterstypische \u00c4ngste auf. Ein Baby erlebt zum ersten Mal Angst vor fremden Menschen, wenn es sich in einer Entwicklungsphase befindet, in der vertraute und fremde Personen deutlich voneinander unterschieden werden k\u00f6nnen. Im Kleinkindalter kommt die Angst vor bestimmten Tieren oder vor Naturereignissen wie beispielsweise einem Gewitter hinzu, ab Schuleintritt die Angst vor schulischem Versagen und dem schlechteren Abschneiden im Vergleich zu anderen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2638\" aria-describedby=\"caption-attachment-2638\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2638\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst2.jpg\" alt=\"Angst\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst2.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/wie_klingt_deine_angst2-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2638\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>Von einer Angstst\u00f6rung ist jedoch auszugehen, wenn die \u00c4ngste \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum andauern, in inad\u00e4quaten Situationen auftreten und somit das Leben der Betroffenen massiv einschr\u00e4nken und diese am allt\u00e4glichen Leben nicht mehr oder nur unzureichend teilnehmen k\u00f6nnen (Anm. d. Red.: wie bereits im <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/index.php\/2019\/02\/25\/was-ist-angst\/\">Artikel von Ulrike Demal<\/a> n\u00e4her erl\u00e4utert). Durch diese Einschr\u00e4nkungen kommt es auch zu einer \u201eAngst vor der Angst\u201c. \u201eAngstst\u00f6rungen geh\u00f6ren zu den h\u00e4ufigsten St\u00f6rungen des Kindes- und Jugendalters\u201c, sagt der Institutsleiter, der auch Facharzt f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie ist. \u201eH\u00e4ufig \u00e4u\u00dfern sie sich in Schulangst oder Schulphobie, wodurch die Kinder gar nicht mehr zu Schule gehen wollen oder k\u00f6nnen.\u201c Nicht behandelte Angstst\u00f6rungen werden mit ins Erwachsenenalter getragen, wo h\u00e4ufig noch Suchterkrankungen und andere psychische St\u00f6rungen wie Depressionen hinzukommen.<\/p>\n<p>Umso wichtiger ist daher, dass die Musiktherapie wirksame Behandlungsmethoden bietet. Thomas Stegemann erkl\u00e4rt musiktherapeutische Methoden anhand des Falles eines M\u00e4dchens, das an Emetophobie, der Angst vor dem Erbrechen, litt, weshalb sie nicht mehr zur Schule gehen konnte. Zwar hat sie sich tats\u00e4chlich einmal in der Schule erbrochen, jedoch lie\u00df sich dadurch nicht die aufgetretene Schulangst erkl\u00e4ren. In der Musiktherapie suchte Thomas Stegemann mit dem M\u00e4dchen nach Wegen, um ihrer Angst Ausdruck zu verleihen. Sie gestaltete ihre eigene \u201eAngstmusik\u201c und hatte Freude am Erzeugen von lauten, gruseligen Ger\u00e4uschen. \u201eDer Effekt der Musiktherapie liegt darin, aktiv mit der Angst umzugehen zu lernen und ihr nicht schutzlos ausgeliefert zu sein\u201c, erl\u00e4utert der Experte. Im Verlauf der Therapie kam heraus, dass das M\u00e4dchen nicht mehr zur Schule gehen wollte, weil sie ihre Mutter, die einige Zeit vor der aufgetretenen Emetophobie einen leichten Schlaganfall erlitten hatte, nicht allein lassen wollte. Die Vorstellung, die geschw\u00e4chte Mutter allein lassen zu m\u00fcssen, hatte also zu dieser Angstst\u00f6rung gef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Durch die Gestaltung von eigener Musik, das Verwenden von Instrumenten und das Improvisieren auch gemeinsam mit dem Musiktherapeuten\/der Musiktherapeutin erleben die Klient_innen der Therapie die M\u00f6glichkeit, ihre Angst, die oft als diffus und daher \u00fcberm\u00e4chtig wahrgenommen wird, greifbar und bearbeitbar zu machen und somit wieder Kontrolle \u00fcber die Situation zu erlangen. Der Ohnmacht wird durch aktives Tun in Form von Musizieren und Ausprobieren von Instrumenten entgegengewirkt. Die Musiktherapeutin\/der Musiktherapeut kann eine Beziehung zu den Klient_innen aufbauen, indem sie\/er auf deren Musik wiederum musikalisch reagiert. Die Angst erh\u00e4lt durch den Einsatz von Instrumenten einen eigenen Klang, der im Gestaltungsspielraum der Betroffenen liegt. Durch ihre eigene Aktivit\u00e4t werden sich die Klient_innen der Musiktherapie ihrer selbst bewusster.<\/p>\n<p>In einer anderen Form der Musiktherapie, der rezeptiven Musiktherapie, bringen die Klient_innen ihre Lieblingsmusik, die eine positive Wirkung auf sie hat, in die Therapie mit. Musik, auch live gespielt von der Therapeutin\/vom Therapeuten, wird in Zusammenhang mit Entspannungs\u00fcbungen eingesetzt.<\/p>\n<p>Warum ist Musik therapeutisch so geeignet? \u201eMusik wirkt \u00fcber das Geh\u00f6r, welches unser Alarmdetektor ist. Evolution\u00e4r ist es darauf ausgerichtet, die drohende Gefahr zu erkennen und einzuordnen\u201c, erkl\u00e4rt Thomas Stegemann. Musik entspannt das \u201eFurchtzentrum\u201c im Gehirn und aktiviert gleichzeitig das Belohnungssystem. \u201eDaher kann ein Pfeifen im dunklen Wald die Furcht vertreiben\u201c, gibt Thomas Stegemann ein bildliches Beispiel. Das Singen und Summen von Wiegenliedern hat denselben beruhigenden Effekt auf Babys und Kleinkinder. Was genau im Gehirn beim H\u00f6ren und Spielen von Musik abl\u00e4uft, hat Thomas Stegemann in seinem j\u00fcngsten Buch <em>Was MusiktherapeutInnen \u00fcber das Gehirn wissen sollten<\/em> untersucht.<\/p>\n<p>Durch ihre angstl\u00f6sende Wirkung ist Musik ein ideales Medium, dank dem sich von Angstst\u00f6rungen betroffene Menschen ihrer Angst n\u00e4hern und so besser mit ihr umgehen k\u00f6nnen. Der \u00dcbermacht der Angst wird mit Musik und Musizieren etwas Klangvolles entgegengestellt, das die Angst schlie\u00dflich in Mut umwandeln kann.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch habe Angst!\u201c Jeder kennt das Gef\u00fchl, mit dem wir uns immer wieder auseinandersetzen m\u00fcssen, sei es in Form einer diffusen Angst oder in Form einer konkreten Bedrohung. 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