{"id":253,"date":"2016-09-28T10:08:10","date_gmt":"2016-09-28T08:08:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=253"},"modified":"2016-12-01T12:07:15","modified_gmt":"2016-12-01T11:07:15","slug":"writing-music","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/09\/28\/writing-music\/","title":{"rendered":"Writing Music"},"content":{"rendered":"<strong>Zur Theorie der musikalischen Schrift<\/strong><\/p>\n<p><strong>Eine interdisziplin\u00e4re Ringvorlesung mit KulturwissenschaftlerInnen, MusikwissenschaftlerInnen, PhilosophInnen, KomponistInnen und MusikerInnen widmet sich im kommenden Wintersemester an der mdw dem Ph\u00e4nomen der Musikalischen Schrift.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_254\" aria-describedby=\"caption-attachment-254\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-254\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/writing_music.jpg\" alt=\"Writing Music\" width=\"800\" height=\"462\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/writing_music.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/writing_music-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/writing_music-768x444.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-254\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9molllom<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Der fl\u00fcchtige Klang und die dauerhafte Schrift<\/strong><\/p>\n<p>Um zu verhindern, dass sich der Strom der bereits im Erklingen verklingenden Musik unaufhaltsam ins Meer des Vergessens ergie\u00dft, wurden bekanntlich in vielen Kulturen Techniken der Fixierung des ephemeren musikalischen Klangs etabliert: Die Geschichte der musikalischen Notation kennt viele Beispiele, die die Archivierung und Weitergabe musikalischen Wissens auch \u00fcber gro\u00dfe raumzeitliche Distanzen hinweg erm\u00f6glichen. Ersch\u00f6pft sich musikalische Schrift \u2013 gleichsam als \u201eaufgeschriebener Klang\u201c \u2013 nun jedoch in dieser Rolle des blo\u00dfen Speicher- und Kommunikationsmediums?<\/p>\n<p><strong>Schrift als &#8222;aufgeschriebene Sprache&#8220;?<\/strong><\/p>\n<p>Ein Blick auf aktuelle Debatten um Schrift und Schriftlichkeit legt nahe, den theoretischen Bogen etwas weiter zu spannen, um den Blick f\u00fcr weitere Perspektiven zu \u00f6ffnen: Die mit explizitem Rekurs auf Ferdinand de Saussure und implizitem R\u00fcckgriff auf Platons Schriftkritik immer wieder gerne zugrunde gelegte \u00dcbereinkunft, Schrift sei nicht mehr (und nicht weniger) als \u201eaufgeschriebene Sprache\u201c, ist in der interdisziplin\u00e4ren Diskussion der letzten Jahre recht br\u00fcchig geworden. Demgegen\u00fcber stellt es nun eine der zentralen Denkfiguren aktueller Schriftforschung dar, dass Schriften\u00a0Aspekte beinhalten und M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen, in denen sie sich als unabh\u00e4ngig von der gesprochenen Sprache erweisen und diese gewisserma\u00dfen sogar \u00fcberschreiten k\u00f6nnen. So kann man gro\u00dfe Zahlen unter Zuhilfenahme des Schreibens recht einfach miteinander addieren; man kann in einem geschriebenen Text durch Hervorhebungen, Streichungen, Erg\u00e4nzungen und Umstellungen Sprache manipulieren; man kann in einer musikalischen Partitur durch entsprechende r\u00e4umliche Anordnung beispielsweise Simultaneit\u00e4t und Konsekutivit\u00e4t erzeugen \u2013 all diese Operationen bed\u00fcrfen freilich des Schreibens, der Schriftlichkeit, der Schrift.<\/p>\n<figure id=\"attachment_255\" aria-describedby=\"caption-attachment-255\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-255\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/notenstaender.jpg\" alt=\"Notenst\u00e4nder\" width=\"800\" height=\"530\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/notenstaender.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/notenstaender-300x199.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/notenstaender-768x508.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/notenstaender-850x563.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-255\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9molllom<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Pl\u00e4doyer f\u00fcr einen Perspektivenwechsel<\/strong><\/p>\n<p>Den skizzierten Perspektivenwechsel in Hinblick auf musikalische Notationen fruchtbar zu machen, ist eines der Ziele der Ringvorlesung \u2013 zu zeigen w\u00e4re, dass sich musikalische Schrift keineswegs darin ersch\u00f6pft, blo\u00df \u201eaufgeschriebener Klang\u201c zu sein. Besonderen Gewinn verspricht die Fokussierung auf grundlegende Aspekte schriftspezifischer Materialit\u00e4t, die explorative und kognitive Bedeutung des Skizzierens und Notierens, Ph\u00e4nomene der den musikalischen Schriftsystemen eingeschriebenen Performativit\u00e4t sowie die aisthetische Dimension musikalischer Notate in ihrer visuellen Wahrnehmbarkeit. Auch wenn sie traditionellerweise nicht im Fokus des Nachdenkens \u00fcber musikalische Notationen standen, erweisen sich all diese Aspekte als konstitutive Momente musikalischer Schrift.<\/p>\n<p><strong>Zur Ringvorlesung<\/strong><\/p>\n<p>Die Ringvorlesung Writing Music. <em>Zu einer Theorie der musikalischen Schrift<\/em>, die als musikwissenschaftliche Spezialvorlesung f\u00fcr mehrere Studien anrechenbar ist, versteht sich als Auftaktveranstaltung zu einem neuen Arbeits- und Forschungsschwerpunkt am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung.<\/p>\n<p>Jan Assmann (Heidelberg\/Konstanz), Sybille Kr\u00e4mer (Berlin), Manfred Hermann Schmid (T\u00fcbingen), Birgit Mersmann (K\u00f6ln) und Christian Gr\u00fcny (Darmstadt) er\u00f6ffnen in ihren Vortr\u00e4gen kulturwissenschaftliche, philosophische, musikhistorische, kunsthistorische und musik\u00e4sthetische Perspektiven auf das Ph\u00e4nomen der Schrift.<\/p>\n<p>Musikalische Notationssysteme aus Geschichte und Gegenwart werden darauffolgend auf ihre schriftspezifische \u201eEigensinnlichkeit\u201c hin befragt: Max Haas (Basel\/ Z\u00fcrich) widmet sich einigen Notationsformen des Mittelalters, Katelijne Schiltz (Regensburg) reflektiert in Hinblick auf R\u00e4tselkompositionen der Renaissance ein genuin schriftbasiertes Ph\u00e4nomen; Silke Leopold (Heidelberg) untersucht Notationen im Experimentierfeld des 17. Jahrhunderts und D\u00f6rte Schmidt (Berlin) analysiert Ph\u00e4nomene im 20. Jahrhundert.<\/p>\n<p>Materialit\u00e4t und Performativit\u00e4t \u2013 Aspekte, die Federico Celestini (Innsbruck) und Simon Obert (Basel) in ihrem Vortrag er\u00f6rtern werden \u2013 stellen ebenso grundlegende wie spezifische Dimensionen musikalischer Schriften dar, wie Ikonizit\u00e4t und Operativit\u00e4t, die Matteo Nanni (Gie\u00dfen) und Nikolaus Urbanek (Wien) beleuchten.<\/p>\n<p>Eine Podiumsdiskussion mit InterpretInnen Neuer Musik \u00fcber die Frage der (Un-)Spielbarkeit musikalischer Notationen und eine Podiumsdiskussion, zu der unter der Leitung von Bernhard G\u00fcnther die KomponistInnen Iris ter Schiphorst, Karlheinz Essl, Johannes Kreidler und Johannes Maria Staud zugesagt haben, erg\u00e4nzen die Ringvorlesung im Gespr\u00e4ch \u00fcber das Schreiben von Musik in der Gegenwart.<\/p>\n<p>Die Ringvorlesung des Instituts f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der mdw findet donnerstags (mit Ausnahme des 11. Oktober) um 19.00 Uhr im Festsaal in der Seilerst\u00e4tte 26 (1010 Wien) statt. Der Eintritt ist frei.<\/p>\n<ul>\n<li>Weitere Informationen: <a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/imi\/writingmusic\" target=\"_blank\">www.mdw.ac.at\/imi\/writingmusic<\/a><\/li>\n<li><strong>Videomitschnitte aller bisherigen Lesungen<\/strong> finden sie in unserer <a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/mdwMediathek\/writingmusic\/\" target=\"_blank\">Mediathek<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Theorie der musikalischen Schrift Eine interdisziplin\u00e4re Ringvorlesung mit KulturwissenschaftlerInnen, MusikwissenschaftlerInnen, PhilosophInnen, KomponistInnen und MusikerInnen widmet sich im kommenden Wintersemester an der mdw dem Ph\u00e4nomen der Musikalischen Schrift. 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