{"id":2343,"date":"2018-11-29T09:12:40","date_gmt":"2018-11-29T08:12:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2343"},"modified":"2018-11-29T12:07:51","modified_gmt":"2018-11-29T11:07:51","slug":"in-20-jahren-wissen-sie-dann-ob-sie-begabt-sind-in-100-weiss-es-die-nachwelt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/11\/29\/in-20-jahren-wissen-sie-dann-ob-sie-begabt-sind-in-100-weiss-es-die-nachwelt\/","title":{"rendered":"\u201eIn 20 Jahren wissen Sie dann, ob Sie begabt sind, in 100 wei\u00df es die Nachwelt!\u201c"},"content":{"rendered":"<strong>Zur Erinnerung an mdw-Professor Gottfried von Einem (1918\u20131996)<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vor 100 Jahren, genau am 24. J\u00e4nner 1918, wurde Gottfried von Einem geboren. Im Jubil\u00e4umsjahr widmet die mdw dem gro\u00dfen Komponisten und einflussreichen Lehrer ein Gedenkkonzert am 4. Dezember 2018 um 18.00 Uhr im Joseph Haydn-Saal.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_2345\" aria-describedby=\"caption-attachment-2345\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2345\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/gottfried_von_einem.jpg\" alt=\"Gottfried von Einem\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/gottfried_von_einem.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/gottfried_von_einem-233x300.jpg 233w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2345\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Fotografie von Peter Schramek \/ Sammlungen der Gesellschaft der Musikfreunde in Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ab seinem 20. Lebensjahr wirkte Einem als Korrepetitor an der Deutschen Staatsoper in Berlin und als Assistent bei den <em>Bayreuther Festspielen<\/em>. Von 1941 bis 1943 nahm er Kompositionsunterricht bei Boris Blacher, 1945 Kontrapunktunterricht bei Johann Nepomuk David. Seinen internationalen Durchbruch konnte er mit der Urauff\u00fchrung der Oper <em>Dantons Tod<\/em> 1947 bei den <em>Salzburger Festspielen<\/em> erlangen. Rasch folgten Auff\u00fchrungen an zahlreichen Opernh\u00e4usern.<\/p>\n<p>Weitere internationale Erfolge brachten die Urauff\u00fchrungen der Oper <em>Der Proze\u00df<\/em> (nach Franz Kafka, <em>Salzburger Festspiele<\/em> 1953), der <em>Ballade f\u00fcr Orchester<\/em>, op. 23 (Cleveland, 1958), der Kantate <em>Das Stundenlied<\/em> (Hamburg, 1959), der Literatur-Opern <em>Der Zerrissene<\/em> (Hamburg, 1964) und <em>Der Besuch der alten Dame<\/em> (Wien, 1971), der Kantate <em>An die Nachgeborenen<\/em> (New York, 1975) und der Oper <em>Kabale und Liebe<\/em> (Wien, 1976). In der Saison 1976\/77 war Gottfried von Einem international der am meisten aufgef\u00fchrte zeitgen\u00f6ssische Opernkomponist. In seinen sp\u00e4teren Lebensjahren widmete sich Einem zunehmend der \u201ekleinen Form\u201c, der Kammermusik und dem Lied. An der damaligen Hochschule f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien (heute mdw) \u00fcbernahm Einem 1963 eine Professur f\u00fcr Komposition und hatte diese Funktion bis 1972 inne. Erst nach einigem Z\u00f6gern entschloss sich der Komponist zu dieser neuen Aufgabe, jedoch stellte er genaue Bedingungen, unter denen er unterrichten wollte. Unter dem Betreff \u201eVoraussetzungen f\u00fcr die \u00dcbernahme einer Professur\u201c formulierte er diese Punkte in einem Brief vom Juni 1962: eine Probezeit f\u00fcr Studierende und nicht mehr als sechs Studierende in der Klasse. Als Kompositionslehrer bestand Einem auf einer soliden klassischen Basis, vor allem auf der Beherrschung des traditionellen Kontrapunkts.<\/p>\n<p>Sch\u00fcler Einems, die an der mdw ihr Studium absolvierten und sich im zeitgen\u00f6ssischen Musikleben einen Namen machten, sind Heinz Karl Gruber, Dieter Kaufmann, Brunhilde Sonntag, William Fischer und Klaus-Peter Sattler.<\/p>\n<p>Am 30. September 1972 wurde Gottfried von Einem auf eigenen Wunsch emeritiert. Die mdw dankte ihrem Professor seine Verdienste mit einer Ehrenmitgliedschaft zum 75. Geburtstag im Jahr 1993.<\/p>\n<p>Zwei seiner bekanntesten Sch\u00fcler, beide selbst mittlerweile emeritierte Professoren der mdw, leisten ebenfalls mit ihren Erinnerungen einen Beitrag zum Gedenken an Gottfried von Einem.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Klaus-Peter Sattler<\/strong><br \/>\n<strong>Gedanken zu Gottfried von Einem:<\/strong><\/p>\n<p>1966 erhielt mein damaliger Professor Karl Schiske eine Berufung an die University of California, Riverside, und ich beabsichtigte, meine Studien bei Gottfried von Einem fortzusetzen, da mich vor allem dessen musikdramatisches Werk besonders fasziniert hatte.<\/p>\n<p>Gottfried von Einem war eine beeindruckende Pers\u00f6nlichkeit: Sein \u00e4u\u00dferes Erscheinungsbild war faszinierend, seine Aussagen immer klar, analytisch auf den Punkt gebracht, kein Herumgerede, k\u00f6stlicher Sinn f\u00fcr Humor, unendliche Erfahrungsberichte und Episoden und, bei aller Ratio, manchmal doch auch wieder hoch emotional und leidenschaftlich \u2013 besonders wenn es um Aspekte sogenannter \u201ezeitgen\u00f6ssischer Musik\u201c ging.<\/p>\n<p>\u201eWas, um Himmels Willen, f\u00fchrt Sie denn zu mir? Wenn Sie von mir zeitgen\u00f6ssische Kompositionstechniken lernen wollen, sind Sie bei dem Falschen!\u201c Genau das wollte ich nicht. Ich wollte \u201eangewandte Musik\u201c schreiben, Musik, die eine ganz spezifische Funktion als Teil eines \u201ezusammengesetzten Kunstwerks\u201c erf\u00fcllt, wie z. B. im Film, dem Theater etc. Einem war begeistert: \u201eGott sei Dank, endlich mal einer, der nicht an seinem Denkmal bastelt, auf dem sich dann eh nur die Tauben vergn\u00fcgen.\u201c<\/p>\n<p>Es war der Beginn einer Periode, in der ich meine musikalischen Absichten ungeniert, aber stets unter strengen handwerklichen Auflagen frei entfalten konnte.<\/p>\n<p>Als ich einmal mit einem Haufen Noten zu ihm kam, meinte er nur: \u201eWer so viel schreibt, hatte sicherlich keine Zeit zum Telefonieren.\u201c Und weiter: \u201eWer kennt sich hier mit dem Filmgesch\u00e4ft aus?\u201c Ich nannte den Namen eines sehr kompetenten Journalisten, mit dem er sich dann auf der Stelle von \u201eLottchen\u201c verbinden lie\u00df. Nach einem kurzen Dialog dr\u00fcckte er mir den H\u00f6rer in die Hand, und es wurde sofort ein Treffen vereinbart.<\/p>\n<p>Es war immer eine Welle positiver Unterst\u00fctzung und ein herzlicher Glaube an mein Talent, der mich f\u00f6rmlich \u201egetragen\u201c hat. Gottfried von Einem war f\u00fcr mich der ideale Lehrer: Er hat unmerklich gef\u00fchrt und das Gef\u00fchl vermittelt, dass man letztlich doch \u201ealles aus sich selbst erreicht hat\u201c.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dieter Kaufmann<\/strong><br \/>\n<strong>Zitate aus Einem-Briefen (1965\u20131969):<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIn 20 Jahren wissen Sie dann, ob Sie begabt sind, in 100 wei\u00df es die Nachwelt!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDie Musen z\u00e4hlen zu den schwierigen Damen, die leider nach Nietzsches Rat behandelt werden m\u00fcssen. Verschonen Sie sich selbst bitte nicht mit Tritten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchreiben Sie Noten, kassieren Sie Gef\u00fchle und Skrupel; alles l\u00e4sst sich durch tintegeschriebene Noten sublimiert fixieren.\u201c<\/p>\n<p>\u201eF\u00fchren Sie bitte Tagebuch \u00fcber Ihre Stunden mit und bei Messiaen.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDen Lehrmeistern gef\u00e4llt selten das, was die begabten Sch\u00fcler aus ihren Lehren machen. Trotzdem!\u201c<\/p>\n<p>\u201eDen Mut eines Tages haben, \u201ader Welt abhanden zu kommen\u2018, sich fallen zu lassen und r\u00fccksichtslos so zu schreiben, wie man es h\u00f6rt, und zwar in sich, das w\u00fcnscht Ihnen Ihr C-Durist Gottfried Einem.\u201c<\/p>\n<p>\u201eSchreiben Sie die Oper, schauen Sie nicht nach links oder rechts, vertrauen Sie ausschlie\u00dflich Ihrem inneren Ohr. \u00dcberh\u00f6ren Sie nichts, was es Ihnen kundgibt. Dazu rate ich Ihnen, ein k\u00fcnstlerisches Gewissen zu entwickeln. Gen\u00fcgen Sie den Anspr\u00fcchen beider, werden Ihre Arbeiten Bestand in der Zeit haben, vorausgesetzt, da\u00df der ganze Mensch, samt seinen Emotionen, beteiligt ist; der Autor ohne Unterleib geh\u00f6rt ins Panoptikum.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch rate Ihnen aber, sich in der Welt noch etwas umzutun und sich nicht zu fr\u00fch zu binden. Der \u201aStalltrieb\u2018 ist gef\u00e4hrlich, besonders wenn der Stall Wien hei\u00dft.\u201c<\/p>\n<p>\u201eGlauben Sie bitte meinen Erfahrungen. Wenn Sie die (Innen- und die Au\u00dfen-) Welt kennen, k\u00f6nnen Sie es sich leisten, so zu schreiben, wie Sie und nicht wie die Ablehnung der Umgebung es gebieten, sogar in C-Dur, wie ich es mit wachsendem Vergn\u00fcgen bewusst tue.\u201c<\/p>\n<ul>\n<li>Weitere Informationen sowie das Programm des Gottfried von einem Gedenkkonzerts finden Sie auf:\u00a0<a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/1079\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">www.mdw.ac.at\/1079<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Erinnerung an mdw-Professor Gottfried von Einem (1918\u20131996) Vor 100 Jahren, genau am 24. J\u00e4nner 1918, wurde Gottfried von Einem geboren. Im Jubil\u00e4umsjahr widmet die mdw dem gro\u00dfen Komponisten und einflussreichen Lehrer ein Gedenkkonzert am 4. Dezember 2018 um 18.00 Uhr im Joseph Haydn-Saal. 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