{"id":2260,"date":"2018-11-29T09:06:48","date_gmt":"2018-11-29T08:06:48","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2260"},"modified":"2018-11-29T09:06:48","modified_gmt":"2018-11-29T08:06:48","slug":"barbara-lueneburg-im-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/11\/29\/barbara-lueneburg-im-interview\/","title":{"rendered":"Barbara L\u00fcneburg im Interview"},"content":{"rendered":"<strong>Wie sind Sie \u00fcber Ihre eigene k\u00fcnstlerische Praxis zur k\u00fcnstlerischen Forschung gelangt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Barbara L\u00fcneburg (BL):<\/strong> Ich habe das erste Mal im Rahmen meiner Dissertation an der Brunel University London k\u00fcnstlerisch geforscht. Mein Thema war damals das kreative Potenzial von Performer_innen in der zeitgen\u00f6ssischen Musik und zwar von dem Moment an, an dem wir neue Werke beauftragen bis zu dem Augenblick auf der B\u00fchne, wenn wir diese Werke dem Publikum pr\u00e4sentieren. Felder, die ich dabei intensiv beforscht habe, waren die \u201eKollaboration\u201c zwischen Performer_innen und Komponist_innen sowie das Verh\u00e4ltnis zwischen Interpret_in und Publikum. Damit zusammenh\u00e4ngend habe ich mich mit Fragen zum Wesen von und zur Entwicklung von \u201eCharisma\u201c und \u201eKonzertaura\u201c besch\u00e4ftigt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2263\" aria-describedby=\"caption-attachment-2263\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-2263\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/barbara_lueneburg.jpg\" alt=\"Barbara L\u00fcneburg\" width=\"1000\" height=\"596\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/barbara_lueneburg.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/barbara_lueneburg-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/barbara_lueneburg-768x458.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/11\/barbara_lueneburg-850x507.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-2263\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Bostjan Lah<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Welche Verfahren und Methoden k\u00f6nnen Sie f\u00fcr diesen Prozess des Ineinandergreifens von Kunst und Forschung beschreiben?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BL:<\/strong> Wichtig ist bei k\u00fcnstlerischer Forschung, dass Forschung von innen heraus geschieht. K\u00fcnstler_innen erforschen dabei systematisch und methodologisch reflektiert ihre eigene Praxis, den Prozess des Kunstschaffens und auch das Kunstwerk an sich. Forschungsphilosophischer Hintergrund und methodologischer Ansatz m\u00fcssen dabei f\u00fcr jedes k\u00fcnstlerische Forschungsprojekt sorgf\u00e4ltig und ma\u00dfgeschneidert gew\u00e4hlt werden. In meiner eigenen Forschung ist neben dem eigentlichen Prozess des Kunstschaffens immer ein interdisziplin\u00e4rer Ansatz wichtig gewesen. Ich beobachte ein interdisziplin\u00e4res Forschen auch bei vielen anderen k\u00fcnstlerischen Forschungsprojekten und halte es f\u00fcr sehr sinnvoll. Das Nutzen erprobter Methodologien aus anderen Disziplinen und\u00a0das Arbeiten \u00fcber Grenzen hinweg erweitert unsere Perspektiven auf das eigene Schaffen und die Prozesse, in denen wir uns befinden, und hilft dabei, unsere Forschung kritisch zu reflektieren und zu hinterfragen. Grundlegend aber ist f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Forschung, dass sie die eigene Kunstpraxis als zentralen Fokus nutzt. Forschungsfragen entstehen aus der Kunst und f\u00fchren wieder dahin zur\u00fcck. Sie ist Forschung f\u00fcr Kunst, durch Kunst und mit den Mitteln der Kunst.<\/p>\n<p><strong>Welche F\u00f6rderinstrumente haben Ihnen auf diesem Weg geholfen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BL:<\/strong> Ein fantastisches F\u00f6rdermittel ist PEEK, das Programm zur Entwicklung und Erschlie\u00dfung der K\u00fcnste des \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds FWF. Ich habe \u00fcber vier Jahre das k\u00fcnstlerische Forschungsprojekt <em>TransCoding \u2013 From \u2018Highbrow Art\u2019 to Participatory Culture<\/em> als PEEK-Projekt geleitet. Hier haben mein Team und ich eine Community aufgebaut, die \u00fcber Social Media durch ihre Beitr\u00e4ge an der Schaffung mehrerer Kunstwerke aktiv teilgenommen hat. Die Frage war dabei nicht nur, wie man ein Publikum, das urspr\u00fcnglich nicht von der zeitgen\u00f6ssischen Musik oder Kunst kommt, hierf\u00fcr interessieren und darin involvieren kann, sondern auch, was die Durchl\u00e4ssigkeit gegen\u00fcber der Community und die Zuerkennung von Autorit\u00e4t f\u00fcr unsere teilnehmenden Mitglieder mit der Kunst, den K\u00fcnstler_innen und nat\u00fcrlich den Community-Mitgliedern macht.<\/p>\n<p><strong>Welche Schwerpunkte werden Sie im Rahmen Ihrer neuen Professur f\u00fcr k\u00fcnstlerische Forschung an der Anton Bruckner Privatuniversit\u00e4t Linz setzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BL:<\/strong> Ein Schwerpunkt meiner eigenen Forschung im Rahmen der Professur wird sicher die Forschung zum Feld der Performance an sich bleiben. Ich habe hier auch schon Ideen f\u00fcr ein neues PEEK-Projekt. Dar\u00fcber hinaus w\u00fcrde ich mir w\u00fcnschen, dass es mir gemeinsam mit meinen Kolleg_innen an der Anton Bruckner Privatuniversit\u00e4t in Linz gelingt, mit den und um die neuen wissenschaftlichen und k\u00fcnstlerisch-wissenschaftlichen Doktoratsschulen ein lebhaftes Forschungsumfeld zur Entwicklung und Erschlie\u00dfung der K\u00fcnste aufzubauen, das weite Ausstrahlung hat. Ich bin gespannt auf unsere internen, nationalen und internationalen Kooperationen, und ich freue mich besonders darauf, dass die mdw eine unserer Kooperationspartner_innen sein wird.<\/p>\n<p><strong>Wie sehen Sie die Entwicklungen im Bereich des k\u00fcnstlerischen Doktorats im internationalen Kontext? Welche Inhalte und Methoden sind aus Ihrer Sicht f\u00fcr das k\u00fcnstlerische Doktorat bestimmend?<\/strong><\/p>\n<p><strong>BL:<\/strong> Es gibt sehr unterschiedliche Ans\u00e4tze zur k\u00fcnstlerischen Forschung. Die einen sind an dem Erkenntnisgewinn durch Kunst, also durch das Kunstwerk an sich, besonders interessiert, andere wollen \u00fcber die Erforschung ihrer eigenen Praxis Wissen f\u00fcr ihre eigene Disziplin schaffen, und wieder andere wollen ein neues k\u00fcnstlerisches Feld systematisch entwickeln und erschlie\u00dfen und tun dies mit Mitteln der k\u00fcnstlerischen Forschung. Die Inhalte und Themen f\u00fcr k\u00fcnstlerische Doktorate sind dabei so vielseitig wie die Kunst selbst.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sind Sie \u00fcber Ihre eigene k\u00fcnstlerische Praxis zur k\u00fcnstlerischen Forschung gelangt? Barbara L\u00fcneburg (BL): Ich habe das erste Mal im Rahmen meiner Dissertation an der Brunel University London k\u00fcnstlerisch geforscht. 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