{"id":2120,"date":"2018-09-27T12:55:26","date_gmt":"2018-09-27T10:55:26","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2120"},"modified":"2018-09-27T13:05:17","modified_gmt":"2018-09-27T11:05:17","slug":"sieben-letzte-worte-zur-erloesung-ohne-kreuz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/09\/27\/sieben-letzte-worte-zur-erloesung-ohne-kreuz\/","title":{"rendered":"Sieben letzte Worte zur Erl\u00f6sung ohne Kreuz"},"content":{"rendered":"<strong>Von der Vielfalt der Kl\u00e4nge: St\u00f6r- &amp; Nebenger\u00e4uschunterweisungen f\u00fcr Heil- &amp; Lehranstalten.<br \/>\n2 \u00d7 7 Schrift-Schnitt-Bilder zur Situation (nicht nur) der Neuen Musik. Ein monologisierender Dialog.<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2124\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_01.jpg\" alt=\"rd_mdw_01\" width=\"1000\" height=\"719\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_01.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_01-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_01-768x552.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_01-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_01-850x611.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 I) Ein- &amp; Aussichten:<\/strong><\/p>\n<p>Eltern haften f\u00fcr ihre Kinder.<br \/>\n<strong>\u00a7 1309 ABGB<\/strong> (Allgemeines B\u00fcrgerliches Gesetzbuch, \u00d6sterreich)<\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Ohren haften f\u00fcr ihre K\u00f6pfe.<br \/>\nK\u00f6pfe haften f\u00fcr ihre Ohren.<br \/>\n\u00a7 1 (Zur Selbsthilfe bei kritischen Zu-, Auf-, Um-, Ab-, Au\u00dfen-, An-, Hoch-, Tief-, Not-, R\u00fcck- &amp; Gleichst\u00e4nden)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2125\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_02.jpg\" alt=\"rd_mdw_02\" width=\"1000\" height=\"675\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_02.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_02-300x203.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_02-768x518.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_02-850x574.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 II) Un- &amp; Freigeister:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWer seine Geschichte nicht kennt, ist verdammt, sie zu wiederholen.\u201c<br \/>\n<strong>Ernst Bloch<\/strong><\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Freigeister (und dieser rar gewordenen Spezies sollten wir doch \u2013 nicht nur an den Universit\u00e4ten \u2013 zahlreich begegnen d\u00fcrfen) erz\u00e4hlen uns Geschichten \u00fcber unsere Geschichte.<\/p>\n<p>\u00dcber unsere Kultur-, Kunst-, Wirtschafts-, Milit\u00e4r-, Religions-, Politik- und Sozialgeschichte, \u00fcber Welt-, Landes- und Regionalgeschichte: \u00fcber die Geschichte der Menschheit, welche stets auch ein Teil unserer Personengeschichte ist.\u00a0Dieses <em>Erinnern<\/em> an unsere Geschichte erfordert vor allem Zivilcourage. Diese ist nicht jedem gegeben. Und auch darum gibt es so wenig Freigeister. Und so viele angeblich Freie, so viele servil-zivile Geister.<\/p>\n<p>\u201eDie Zivilcourage beginnt damit, dass einer die jeweils besondere Situation gegen die \u00fcberm\u00e4chtige Tendenz zur Homogenit\u00e4t, zur Normalit\u00e4t, zur Linearit\u00e4t verteidigt, ja sogar, dass er sie als \u201abesondere\u2018 wahrnimmt &#8230; Zivilcourage erscheint als das Wagnis respektlosen Denkens, das sich dem majoristischen Druck der Normalit\u00e4t, den geordneten Verh\u00e4ltnissen, der br\u00f6ckligen Gl\u00e4tte des Funktionierens, entgegenwirft &#8230; Er ist eben ein Dissident, und sein Mut ist der eines einsam wandelnden Nashorns &#8230;\u201c<\/p>\n<p>Dies schrieb 1979 immerhin ein deutscher Universit\u00e4tsprofessor, welcher 1977 aus politischen Gr\u00fcnden (Buback-Aff\u00e4re) vom Dienst suspendiert wurde. Ein Jahr vor seinem Tod (Herzversagen) im Jahre 1982 wurden alle Disziplinarma\u00dfnahmen gegen ihn aufgehoben. Es handelt sich um den Sozialpsychologen und Psychoanalytiker Peter Br\u00fcckner. Suchen sollten wir die Begegnung all jener (mehr oder weniger) einsam wandelnden Nash\u00f6rner mit ihren Geschichten \u00fcber Geschichte, damit (nicht nur) all die <em>mdw-Zeit- &amp; Leidgenoss_innen<\/em> im Besonderen und ihre kulturellen Bezugs- und Umfelder im Allgemeinen nicht verdammt werden, so manche dieser freud- &amp; trostlosen Geschichten zu wiederholen (und das meint: nicht nur die Geschichte des 20. Jahrhunderts).<\/p>\n<p>Geschichten von St\u00e4ndchen und Standpauken, Geschichten aus der heute oftmals so nahen Ferne &amp; der fernen N\u00e4he, Geschichten \u00fcber vermeintliche Siege, folgenlose Erfolge &amp; erfolgreiche Folgen, Geschichten \u00fcber Botschaften der Liebe, Hiebe und Siebe (&#8230; denn: die L\u00f6cher sind die Hauptsache an einem Sieb) und \u00fcber den weiten Horizont am und das \u00d6l auf und die sterbende Welt im Meer, \u00fcber Aufenthalt und Verbleiben vieler ein-, zu-, ab- und ausreisenden Wanderer, \u00fcber die vielen respekt- &amp; gottlosen Gl\u00fccks-, Kreuz- &amp; Halbmondritter, Geschichten \u00fcber das gro\u00dfe und kleine Abschiednehmen, welches auch Leben genannt wird &#8230;<\/p>\n<p>Als es noch F\u00fcrsten-, K\u00f6nigs- und Kaiserh\u00e4user und dunkle Zeiten gab, hatten es zumindest die Freigeister als Hofnarren (vielleicht) etwas leichter. Vielleicht. Unsere demokratisch gew\u00e4hlten F\u00fcrst_innen mit all ihren b\u00f6rsennotierten Vorstandskaiser_innen in ihren diversen Karten- &amp; Lusth\u00e4usern scheinen bekennende Narren &amp; N\u00e4rrinnen nicht zu ben\u00f6tigen. Welch ein fataler Irrtum!<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2126\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_03.jpg\" alt=\"rd_mdw_03\" width=\"1000\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_03.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_03-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_03-768x553.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_03-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_03-850x612.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 III) Selbst- &amp; Fremdbestimmung:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDie Kultur muss beim Zeitgen\u00f6ssischem und Dokumentarischen, beim Wirklichen beginnen, um dann \u2013 wenn es angebracht ist \u2013 zu den Klassikern vorzudringen. Fehler des Humanismus: Bei den Klassikern zu beginnen. Das gew\u00f6hnt ans Irreale, an die Rhetorik und am Ende an die zynische Verachtung der klassischen Kultur \u2013 schlie\u00dflich hat sie uns ja nichts gekostet, und wir haben ihren Wert nicht gesehen. (das Zeitgen\u00f6ssische, das sie zu ihrer Zeit hatten)\u201c<br \/>\n<strong>Cesare Pavese<\/strong> (Aus: <em>Das Handwerk des Lebens, Tagebuch 1935\u20131950<\/em>)<\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Das (Musik-)Studium sollte beim Wirklichen beginnen: Sollte folglich sowohl den angeblichen Traditionen wie dem vorgeblich Zeitgen\u00f6ssischen diskursiv begegnen. Alles andere w\u00e4re Irreal. Und zynisch. Die Berufsbilder der Gegenwart aller Komponist_innen und Musiker_innen mit ihren vielgestaltigen Anforderungen\u00a0sind st\u00e4ndig einem Wandel unterzogen. Diesen gilt es fr\u00fchzeitig aufzusp\u00fcren und im Ausbildungskanon der Universit\u00e4ten sinnvoll zu ber\u00fccksichtigen: sind doch viele Curricula noch dem museal irrealen Kultur- &amp; Geistesleben des 19. Jahrhunderts verpflichtet.<\/p>\n<p>Auch sollte eine (Kunst-)Universit\u00e4t nicht nur den (vielleicht auch oftmals fragw\u00fcrdigen) kulturbetrieblichen Anforderungen der Gegenwart gen\u00fcgen: sollte auch dem Zuk\u00fcnftigen Raum und Beachtung geben: sollte sich also stets eigenbestimmt neu definieren, neu erfinden. Alles andere w\u00e4re Irreal. Und zynisch.<\/p>\n<p>Nichts vernichtet Gaben &amp; Talente, Motivation und das Staunen eines (jungen) Menschen so umfassend und nachhaltig wie pragmatisiertes Phlegma &amp; institutionelle Ignoranz.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2127\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_04.jpg\" alt=\"rd_mdw_04\" width=\"1000\" height=\"719\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_04.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_04-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_04-768x552.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_04-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_04-850x611.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 IV) Raum- &amp; Denkmalpflege:<\/strong><\/p>\n<p>1. Der Traditionsbegriff setzt ein Mindestma\u00df an Kontinuit\u00e4tsbewusstsein in einer intakten Gesellschaft voraus.<\/p>\n<p>2. Die Krisen im Zusammenhang mit der Entwicklung der industriellen Massengesellschaft in diesem Jahrhundert haben diese Kontinuit\u00e4t zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>3. Das b\u00fcrgerliche Denken ist den neu erschlossenen Aufgabenstellungen dieser Wirklichkeit nicht gewachsen. Es sch\u00fctzt sich durch ein breit entwickeltes System von Verdr\u00e4ngungsmechanismen, welche die Isolation, Entfremdung, Angst und Sprachlosigkeit des Individuums \u00fcberspielen sollen.<\/p>\n<p>4. Unser Kulturbetrieb ist ein wesentlicher Teil dieses Verdr\u00e4ngungssystems. In diesem Sinn hat er die Tradition in Beschlag genommen: Die Illusion einer in Wirklichkeit l\u00e4ngst verlorenen gemeinsamen Verst\u00e4ndigungsbasis bewahrt er durch die Konservierung und Fetischisierung historischer \u00e4sthetischer Kategorien und daran gebundener Wertvorstellungen &#8230;<\/p>\n<p>6. Tradition, so von jenen Verdr\u00e4ngungsbed\u00fcrfnissen einer anachronistisch verharrenden (kulturellen) \u00d6ffentlichkeit in Beschlag genommen, hat damit ihren lebendigen Sinn verloren &#8230; (In der Tradition wurzeln, hei\u00dft kaum viel mehr als in der Tradition wursteln.)<\/p>\n<p>7. Als Synonym f\u00fcr tabuisierte Konvention bildet Tradition heute einen verr\u00e4terischen Teil unserer Wirklichkeit. Sie ist zu einem latenten Gef\u00e4ngnis geworden.<\/p>\n<p>8. In ihren Werken verk\u00f6rpert diese Tradition aber zugleich jene historischen Beispiele und k\u00fcnstlerischen Erfahrungen, auf die sich Ausbruchsversuche aus diesem Gef\u00e4ngnis berufen k\u00f6nnten, wenn sie \u00fcberhaupt einer Rechtfertigung bed\u00fcrfen. Der obligate Widerstand des Sch\u00f6pferischen gegen die Vorwegbestimmung der verf\u00fcgbaren Mittel, das damit verbundene unvermeidliche \u00c4rgernis oder gar der Schock einer am verwalteten Objekt praktizierten Freiheit als unerbetene Erinnerung und Mahnung an zu praktizierende Freiheit lassen sich als das eigentliche Movens der Kunst durch die Geschichte bis heute nachweisen.<\/p>\n<p>Diese latente Tradition gilt es offenzulegen und in ihrem Widerspruch zur landl\u00e4ufigen Traditionspflege bewusst zu machen.<br \/>\n<strong>Helmut Lachenmann<\/strong><\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Wie vielleicht keine andere (Musik-)Universit\u00e4t ist die mdw den zahlreichen hier vor Ort angesiedelten Traditionsbegriffen ausgeliefert und verpflichtet, ausgesetzt und verbunden. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Werten um- &amp; eingebildeter Traditionsparadigmen, lust- &amp; frustspendenden Traditionslegitimationen, grauen- &amp; sinnvollen Traditionsvorgaben, geist- &amp; verlustreichen Traditionspfr\u00fcnden ist folglich unabdingbar. Nicht nur in Wien mutieren zumeist unreflektierte Traditionsbegriffe zur \u00e4sthetischen wie handwerklichen Norm.<\/p>\n<p>Erzeugen und legitimieren uns\u00e4gliche Banalit\u00e4ten, sind kritik- &amp; reformresistent und erinnern fatal an lebensl\u00e4nglich vergebene Direktmandate: seien diese nun politisch, klerikal oder akademisch begr\u00fcndet. \u201eEin akademisch gebildeter, mittelm\u00e4\u00dfig begabter Mensch zeichnet sich dadurch aus, dass er das Praktisch-Zweckm\u00e4\u00dfige erlernt hat und dass er H\u00f6ren des inneren<br \/>\nKlanges verloren hat.\u201c<\/p>\n<p>Dieser wahrhaft widerst\u00e4ndige wie ungemein irritierende Satz Wassily Kandinskys, freischaffender (Bauhaus-) K\u00fcnstler und wohlverantwortet agierender Vermittler befreiender Denk- und Lebensmodelle, verdeutlicht auch das Bem\u00fchen vieler Ton- und Zeichensetzer bei der Erzeugung, Verschriftung und Vermittlung von akustischen Ereignissen: Wie erm\u00f6glicht man das Wesentliche: Das H\u00f6ren der inneren Kl\u00e4nge.<\/p>\n<p>Ungeachtet aller normativen Vorgaben, ungeachtet der Dominanz des jeweils Angesagten, ungeachtet der Klaustrophobie &amp; L\u00e4hmung erzeugenden K\u00e4fige mit all ihren diversenschwer- &amp; leichtgewichtigen Traditionen. Doch stets unter Beachtung der F\u00e4higkeit zur Selbstkritik, der Wahrnehmung von Mit- &amp; Eigenverantwortung und der Kenntnis einer ungemein begl\u00fcckenden Tatsache: Bildung, Wissen, F\u00e4hig- &amp; Fertigkeiten sind und waren niemals vom Besuch universit\u00e4rer Anstalten abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Im besten Fall verhindern, schaden, zerst\u00f6ren &amp; zerm\u00fcrben diese nicht: sind hilf- &amp; lehrreich &#8230; : doch: das ist fast schon eine Utopie. Zumindest eine permanent beruflich wie menschliche Herausforderung f\u00fcr alle Lehrenden. Welche auch stets Lernende sind. Ich bin. Wir sind. Das ist (kann) genug (sein).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2128\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_05.jpg\" alt=\"rd_mdw_05\" width=\"1000\" height=\"720\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_05.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_05-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_05-768x553.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_05-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_05-850x612.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 V) Tag- &amp; Handwerk:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDas Schicksal des Kunstwerks ist die k\u00fchle Ewigkeit des Museums; das Schicksal des industriellen Gegenstands ist der M\u00fcllhaufen. Der Gegenstand des Handwerks entgeht dem Museum, und wenn er zuf\u00e4llig in seine Vitrinen ger\u00e4t, wei\u00df er sich wohl zu behaupten: Er ist kein Einzelst\u00fcck, er ist ein Muster. Er ist ein gefangenes Exemplar, kein Idol.\u00a0Das Handwerk geht nicht mit der Zeit und will sie auch nicht besiegen. Die Indezenz des M\u00fclls ist nicht weniger pathetisch als die falsche Ewigkeit des Museums. Der Gegenstand des Handwerks will weder Jahrtausende dauern, noch ist er davon besessen, bald zu vergehen. Er vergeht mit der Zeit, begleitet unser Leben, nutzt sich allm\u00e4hlich ab, sucht nicht den Tod, aber negiert ihn auch nicht: er nimmt ihn hin. Zwischen der zeitlosen Zeit des Museums und der beschleunigten Zeit der Technik ist der Gegenstand des Handwerks das Pulsieren der menschlichen Zeit.\u201c<br \/>\n<strong>Octavio Paz<\/strong><\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Nicht die vermeintliche Ewigkeit des Museums,nicht die Jahrtausende \u00fcberdauernden genuinen Eingebungen auserlesener Protagonist_innen f\u00fcr elit\u00e4r-kultmusikalische Weihe- &amp; Produktionsst\u00e4tten: sondern die (vielleicht) verg\u00e4ngliche Wahrheit des Augenblicks steht im Mittelpunkt des Pulsierens der menschlichen Zeit.<\/p>\n<p>Nicht die geistigen wie materiellen M\u00fcllhaufen diverser Ver-, Aus- und Entwertungsgesellschaften sollten ein verantwortetes Handeln bestimmen, sollten die relevanten Bed\u00fcrfnisse der (Kultur-) Schaffenden korrigieren: sondern die M\u00f6glichkeiten des menschlichen Seins, sprich: die Qualit\u00e4ten des Scheiterns.<\/p>\n<p>Um jene kostbaren Qualit\u00e4ten einer Makulatur, des Schad- &amp; Fehlerhaften, der Makel &amp; Debakel auch positiv befreiend zu erkennen, zu erfahren und zu verarbeiten, bedarf es des Handwerks.<\/p>\n<p>Bedarf es der Achtung und Wertsch\u00e4tzung des Handwerks im weitesten Sinn: als Kontrapunkt zu den k\u00fcnstlerischen Verwerfungen eines sich immer mehr beschleunigenden Zeiterleben, als beruhigte Orientierungsinsel innerhalb der unerbittlich anwachsenden Informations-, Publikations-, Interpretations-, Spekulations- und Konzeptionsfluten zeitgeistiger Kunsttempel samt all den unaufh\u00f6rlich um Selbstreferenz bem\u00fchten Kulturbetriebs- &amp; Ausbildungsfabriken.<\/p>\n<p>Und an dieser Stelle ist bitte nicht zu vergessen: schlie\u00dflich durfte, musste, konnte, vermochte Joseph Haydn u. a. 107 Sinfonien, 68 Streichquartette, 24 Opern, 14 Messen, 46 Klaviertrios, 126 Barytontrios und 52 Klaviersonaten zu komponieren. Um seine Arbeiten kontinuierlich immer g\u00fcltiger zu vervollkommnen.)<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2129\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_06.jpg\" alt=\"rd_mdw_06\" width=\"1000\" height=\"717\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_06.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_06-300x215.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_06-768x551.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_06-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_06-850x609.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 VI) Kenn- &amp; Sternzeichen:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eIch spreche mit meiner Hand, du h\u00f6rst mit deinen Augen.\u201c<br \/>\n<strong>Shi Tao<\/strong><\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Ich spreche mit meiner Hand, du h\u00f6rst mit deinen Augen.<br \/>\nDu handelst mit deiner Sprache, ich sehe mit meinen Ohren.<br \/>\nIch spreche mit meinen Ohren, du siehst mit deiner Hand.<br \/>\nDu siehst mit deiner Sprache, ich handle mit meinen Ohren.<br \/>\nIch spreche mit meinen Ohren, du h\u00f6rst mit deiner Hand.<br \/>\nDu h\u00f6rst mit deiner Sprache, ich handle mit meinen Ohren.<\/p>\n<p>Ich handle mit meiner Sprache, du siehst mit deinen Ohren.<br \/>\nDu sprichst mit deiner Hand, ich h\u00f6re mit meinen Augen.<br \/>\nIch handle mit meinen Augen, du h\u00f6rst mit deiner Sprache.<br \/>\nDu h\u00f6rst mit deiner Hand, ich spreche mit meinen Augen.<br \/>\nIch handle mit meinen Augen, du siehst mit deinen Ohren.<br \/>\nDu siehst mit deiner Hand, ich h\u00f6re mit meiner Sprache.<\/p>\n<p>Ich h\u00f6re mit meinen Augen, du handelst mit deiner Sprache.<br \/>\nDu siehst mit deinen Ohren, ich spreche mit meiner Hand.<br \/>\nIch h\u00f6re mit meiner Hand, du sprichst mit deinen Augen.<br \/>\nDu sprichst mit deinen Ohren, ich sehe mit meiner Hand.<br \/>\nIch h\u00f6re mit meiner Hand, du handelst mit deinen Augen.<br \/>\nDu handelst mit deinen Ohren, ich sehe mit meiner Sprache.<\/p>\n<p>Ich sehe mit meinen Ohren, du sprichst mit deiner Hand.<br \/>\nDu h\u00f6rst mit deinen Augen, ich handle mit meiner Sprache.<br \/>\nIch sehe mit meiner Sprache, du handelst mit deinen Ohren.<br \/>\nDu handelst mit deinen Augen, ich h\u00f6re mit meiner Sprache.<br \/>\nIch sehe mit meiner Sprache, du sprichst mit deinen Ohren.<br \/>\nDu sprichst mit meinen Augen, ich h\u00f6re mit meiner Hand.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-2130\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_07.jpg\" alt=\"rd_mdw_07\" width=\"1000\" height=\"721\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_07.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_07-300x216.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_07-768x554.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_07-104x74.jpg 104w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/rd_mdw_07-850x613.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/p>\n<p><strong>\u00b0 VII) Ab- &amp; Anwesenheit:<\/strong><\/p>\n<p>\u201eEin guter Wanderer l\u00e4sst keine Spur zur\u00fcck.\u201c<br \/>\n<strong>Laotse<\/strong><\/p>\n<p>Renald Deppe:<\/p>\n<p>Eine gute Spur l\u00e4sst keinen Wanderer zur\u00fcck.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>S\u00e4mtliche grafischen Notationen stammen vom Autor Renald Deppe.<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von der Vielfalt der Kl\u00e4nge: St\u00f6r- &amp; Nebenger\u00e4uschunterweisungen f\u00fcr Heil- &amp; Lehranstalten. 2 \u00d7 7 Schrift-Schnitt-Bilder zur Situation (nicht nur) der Neuen Musik. Ein monologisierender Dialog. \u00b0 I) Ein- &amp; Aussichten: Eltern haften f\u00fcr ihre Kinder. \u00a7 1309 ABGB (Allgemeines B\u00fcrgerliches Gesetzbuch, \u00d6sterreich) Renald Deppe: Ohren haften f\u00fcr ihre K\u00f6pfe. K\u00f6pfe haften f\u00fcr ihre Ohren. &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":116,"featured_media":2135,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[595,637,241,639],"class_list":["post-2120","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2018-3","tag-contemporary-music","tag-neue-musik","tag-renald-deppe"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2120","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/116"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2120"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2218,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2120\/revisions\/2218"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2135"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2120"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2120"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2120"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}