{"id":2103,"date":"2018-09-27T12:47:38","date_gmt":"2018-09-27T10:47:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=2103"},"modified":"2018-11-29T12:09:39","modified_gmt":"2018-11-29T11:09:39","slug":"wiener-edition-alter-musik-eine-idee-und-ein-unternehmen-der-mdw-werden-20-jahre-alt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/09\/27\/wiener-edition-alter-musik-eine-idee-und-ein-unternehmen-der-mdw-werden-20-jahre-alt\/","title":{"rendered":"Wiener Edition Alter Musik: Eine Idee und ein Unternehmen der mdw werden 20 Jahre alt"},"content":{"rendered":"<strong>Zur Reihe wissenschaftlich-kritischer Partitur-Ausgaben mit Musik des 17. Jahrhunderts herausgegeben von Rudolf Hofst\u00f6tter und Ingomar Rainer<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr Musiker_innen im Bereich der sogenannten Alten Musik kommt unzweifelhaft irgendwann der Zeitpunkt, sich \u00fcber das eigene unmittelbare Gesch\u00e4ft hinaus \u2013 ein Instrument zu spielen oder zu singen, ja selbst Ensembles zu leiten und zu unterrichten \u2013 mit interpretatorischen Basisfragen zu befassen. Mitte der 1990er-Jahre hatten Rudolf Hofst\u00f6tter und ich schon eine gewisse editorische Erfahrung und waren zunehmend unzufrieden mit den Standards handels\u00fcblicher Ausgaben, aber auch vieler der wissenschaftlichen Editonsreihen. Grund\u00fcbel war allgemein, dass Herausgeber_innen und Verleger_innen meinten, um den ben\u00fctzenden Musiker_innen entgegenzukommen diesen in einer Art \u201emoderner \u00dcbertragung\u201c fertige Probleml\u00f6sungen der sicherlich manche Fragen aufwerfenden Originalnotationen anbieten zu m\u00fcssen. Solcher Angang hatte etwa die nach dem Zweiten Weltkrieg mit viel Enthusiasmus unternommene neue Sch\u00fctz-Gesamtausgabe durch Vereinheitlichung in moderner Schl\u00fcsselung, nicht ausgewiesene Transpositionen, Verk\u00fcrzungen von Notenwerten und Taktabst\u00e4nden, willk\u00fcrlichen Austausch von Taktsignaturen, bis hin zu stilistisch zweifelhaften Generalbassrealisationen gr\u00fcndlich verdorben; nicht viel besser stand es mit Bach und H\u00e4ndel. Hier fand man sich vielfach besser beraten, auf die gro\u00dfen alten Gesamtausgaben von Spitta, Chrysander, Forkel und anderen zur\u00fcckzugreifen, auch wenn deren teils anders gelagerte M\u00e4ngel evident waren.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2105\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/ritorno_sept18.jpg\" alt=\"Ritorno d'Ulisse in Patria\" width=\"300\" \/>Als P\u00e4dagogen im Fach Alte Musik fanden wir jedenfalls jede Edition, die die ausf\u00fchrenden Musiker_innen durch wie immer gut gemeinte Vorschl\u00e4ge entm\u00fcndigt und nicht auffordert, ja zuweilen zwingt, selbst Wege und Mittel f\u00fcr eine individuelle L\u00f6sung musikalischer Unklarheiten zu suchen, ungeeignet und nicht empfehlenswert. Denn, wie es schon vor Zeiten von Carl Dahlhaus und dann auch von Nikolaus Harnoncourt so vorbildlich formuliert wurde: Es geht keineswegs darum, einfach einen Text zu realisieren (zu exekutieren, wie es Igor Strawinsky rigoros vertreten hat), sondern vielmehr darum, das durch den Text Gemeinte herauszufinden, zu verstehen, und dieses zu realisieren. Abseits aller \u00dcberlegungen sogenannter praktischer Urtext-Pr\u00e4sentationen gingen wir von dem Bem\u00fchen aus, ein Maximum an Quellenidentit\u00e4t als Material f\u00fcr ein Studium Alter Musik\u00a0aus dem Verstehen des Textes heraus bereitzustellen; Partituren, deren Anlage freilich bereits ein bestimmtes Vorverst\u00e4ndnis der Herausgeber voraussetzt, jedoch keine \u201e\u00dcbertragung\u201c, strenge diplomatische Treue, vor allem keine Hinzuf\u00fcgungen und \u201eErg\u00e4nzungen\u201c von Artikulationsanweisungen, Generalbassaussetzungen und \u00c4hnlichem.<\/p>\n<p>Nachdem f\u00fcr derartig \u201eanspruchsvolle\u201c, mit Arbeit verbundenen Ausgaben in Originalnotation kein gesch\u00e4ftsinteressierter Verlag zu finden war, schlug der damalige Leiter der Abteilung Musikp\u00e4dagogik Ewald Breunlich vor, seitens der mdw als Verleger einzuspringen, mit der Bedingung, daraus eine Reihe zu machen. 1998 wurde mit f\u00fcnf B\u00e4nden die Wiener Edition Alter Musik (WEAM) ins Leben gerufen. Seither sind j\u00e4hrlich zwei bis drei B\u00e4nde dazugekommen, sodass wir es zum zwanzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4um auf 50 B\u00e4nde gebracht haben werden.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2214\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Scena_8.png\" alt=\"Scena 8\" width=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Scena_8.png 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/09\/Scena_8-211x300.png 211w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/>Mit dem Band 1, einer Gesamtausgabe der <em>Concerti ecclesiastici<\/em> von Giovanni Paolo Cima nach dem Typendruck, Milano 1610, war auch der programmatische Auftakt in Richtung gro\u00dfe Instrumental- und Vokalmusik des Seicento gegeben. Solcherma\u00dfen enth\u00e4lt die Reihe u. a. Ausgaben der so gut wie unbekannten Kirchenmusik von Johann Caspar von Kerll, von Johann Heinrich Schmelzer, H. I. F. Biber, Christof Strauss und anderen. Schmelzer ist auch mit zwei Wiener Sepolcri, einer Sondergattung opernartiger Kirchenspiele, vertreten, ebenso der komponierende Kaiser Ferdinand III. Daneben Madrigalistik und Instrumentalmusik aus dem italienisch-\u00f6sterreichischen Raum. Ein Gegenst\u00fcck zu Band 1 bildet die Neuausgabe der <em>Missa ac vesperae<\/em> Monteverdis (die sogenannte venezianische Marienvesper), ebenso 1610 erschienen, als vol. 36 und quasi erstem Band einer Unterreihe. Monteverdi z\u00e4hlt gerade zu den Komponisten von unbestrittenem Rang, denen eine kritische Ausgabe die l\u00e4ngste Zeit versagt war. Hier haben wir uns ein sehr ehrgeiziges Ziel gesetzt: eine philologisch unseren Vorstellungen entsprechende Neuausgabe der wichtigsten Opera (als Reihe innerhalb der Reihe), wobei je nach Gattung verschiedenste Fragen auftauchen, zu gestalten. Die kirchenmusikalischen Sammlungen liegen nunmehr in drei gro\u00dfen B\u00e4nden vor, das erhaltene musikdramatische Schaffen findet (mit Ausnahme kleinerer St\u00fccke und Fragmente) noch dieses Jahr seinen Abschluss mit dem <em>Lamento d\u2019Arianna<\/em> als Band 50.<\/p>\n<p>Von Anfang an leitete uns das Interesse an einem Repertoire, das in die Anf\u00e4nge dessen f\u00fchrt, was bis heute die \u201eMusikstadt Wien\u201c und damit eine gewisse kulturelle Identit\u00e4t bedeutet, die man sich an einer hiesigen Musikuniversit\u00e4t auch immer wieder neu aneignen sollte.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur Reihe wissenschaftlich-kritischer Partitur-Ausgaben mit Musik des 17. 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