{"id":1903,"date":"2018-04-30T09:10:34","date_gmt":"2018-04-30T07:10:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1903"},"modified":"2018-04-30T09:10:34","modified_gmt":"2018-04-30T07:10:34","slug":"die-schuelerinnen-von-heute-sind-das-publikum-von-morgen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/04\/30\/die-schuelerinnen-von-heute-sind-das-publikum-von-morgen\/","title":{"rendered":"\u201eDie Sch\u00fclerInnen von heute sind das Publikum von morgen\u201c"},"content":{"rendered":"<strong>mdw-Rektorin Ulrike Sych und Harald Huber, mdw-Lehrender und Pr\u00e4sident des \u00d6sterreichischen Musikrats (\u00d6MR), im Gespr\u00e4ch \u00fcber Bildungsdefizite und L\u00f6sungen f\u00fcr die Zukunft.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1906\" aria-describedby=\"caption-attachment-1906\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1906\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/ulrike_sych_april18.jpg\" alt=\"Ulrike Sych\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/ulrike_sych_april18.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/ulrike_sych_april18-186x300.jpg 186w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1906\" class=\"wp-caption-text\">Ulrike Sych \u00a9Inge Prader, 2017<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Die Gehirnforschung zeigt seit vielen Jahren auf, dass gerade sogenannte Nebenf\u00e4cher wie Musik und bildnerische Erziehung besonders positiv auf die Gesamtentwicklung der Heranwachsenden wirken.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Ulrike Sych (US):<\/strong> Sehr richtig. Es gibt unz\u00e4hlige Studien, die besagen, dass Kinder, die Instrumente lernen, ihre sozialen Kompetenzen, ihre Merkf\u00e4higkeit und ihre Sprachbegabung besser entwickeln. Es gibt sogar weniger Mobbingf\u00e4lle in Klassen, in denen viel musiziert wird. Die musikalische Bildung m\u00fcsste auf zwei Ebenen funktionieren: einerseits gesamtgesellschaftlich als Basisausbildung f\u00fcr alle, andererseits gibt es auch \u201eProfikinder\u201c, wie ich sie nenne, Kinder, die so begabt sind, dass sie professionelle Musikerinnen und Musiker werden. \u00d6sterreich hat in beiden F\u00e4llen eine gro\u00dfe Verantwortung.<\/p>\n<p>Wenn man kreative Erwachsene auf dem Arbeitsmarkt haben will \u2013 und die braucht man heute fast in jedem Berufsfeld \u2013, dann muss man die Kreativit\u00e4t in jungen Jahren f\u00f6rdern. F\u00fcr hochbegabte Kinder und Jugendliche gilt das ganz besonders. Als Berufsmusikerin und -musiker hat man \u2013 anders als vielleicht in der Malerei \u2013 nur dann eine reale Chance, wenn man bereits sehr fr\u00fch gef\u00f6rdert wird. Wenn man 15 ist, kann man sich zum Beispiel nicht\u00a0mehr dazu entscheiden, ProfipianistIn zu werden. Da ist es schon zu sp\u00e4t. Daher braucht es in der Allgemeinbildung Lehrende, die so gut ausgebildet sind, dass sie die Talente erstens rechtzeitig erkennen und zweitens richtig f\u00f6rdern. Das beginnt eigentlich schon im Kindergarten, nicht erst in den Hochschulen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1907\" aria-describedby=\"caption-attachment-1907\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1907\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/harald_huber_april18.jpg\" alt=\"Harald Huber\" width=\"1000\" height=\"696\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/harald_huber_april18.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/harald_huber_april18-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/harald_huber_april18-768x535.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/harald_huber_april18-850x592.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1907\" class=\"wp-caption-text\">Harald Huber \u00a9Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Herr Huber, Sie haben im aktuellen Positionspapier des \u00d6MR festgestellt, dass 90 Prozent der \u00d6sterreicherInnen wollen, dass in der Schule gesungen wird. 86 Prozent wollen, dass jedes Kind ein Instrument lernt. Warum spiegelt sich das in der Realit\u00e4t nicht in dem Ma\u00dfe wider?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Harald Huber (HH):<\/strong> Man kann tendenziell feststellen, dass von den Kinderg\u00e4rten \u00fcber die Volksschulen bis zu den Schulen der 10- bis 14-J\u00e4hrigen die Musikausbildung aus verschiedenen Gr\u00fcnden zur\u00fcckgefahren wurde. In den Volksschulen, wenn die Kinder 6 bis 10 Jahre alt sind, w\u00e4re die Musikausbildung besonders wichtig. Da haben wir derzeit das Problem, dass es in vielen Volksschulen schlicht keine Lehrpersonen gibt, die musikaffin sind, geschweige denn \u00fcber die entsprechende Ausbildung verf\u00fcgen. Der \u00d6MR schl\u00e4gt daher vor, dass wir mehr Durchl\u00e4ssigkeit im Bildungssystem schaffen, denn es gibt etwa an der mdw die entsprechenden Ausbildungen, zum Beispiel die Elementare Musik- und Bewegungsp\u00e4dagogik. Es muss sichergestellt sein, dass in jeder Volksschule gen\u00fcgend Musikkompetenz vorhanden ist. Das ist derzeit nicht der Fall.<\/p>\n<p><strong>Darauf weisen Sie schon seit einigen Jahren hin. Hat sich daran denn nichts ge\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Doch. Es gibt jetzt \u00f6sterreichweit verschiedene Kooperationsmodelle zwischen Musikuniversit\u00e4ten und p\u00e4dagogischen Hochschulen. Da sind wir zwar auf einem guten Weg, aber wir sind noch nicht an dem Punkt, wo wir sagen k\u00f6nnen: Wir stellen den Musikunterricht sowohl quantitativ als auch qualitativ sicher. Auch bei den Schulen f\u00fcr die 10- bis 14-J\u00e4hrigen haben wir das Problem, dass vielfach fachfremdes Lehrpersonal Musik unterrichten muss. Da wird dann beispielsweise jemand, der Geografie und Mathematik unterrichtet, vom Direktor auch mit Musikstunden betraut. Das k\u00f6nnen wir so nicht akzeptieren. Wir brauchen Fachkr\u00e4fte in jedem Lehrfach, also auch in der Musik.<\/p>\n<p><strong>Wird der Musikunterricht auch in den Lehrpl\u00e4nen gek\u00fcrzt?<\/strong><\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Nein, die Lehrpl\u00e4ne sind da. Sie werden oft nur unzureichend erf\u00fcllt. Es geht um den Mangel an Lehrkr\u00e4ften.<\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Hinzu kommt, dass Musik in der Ausbildung f\u00fcr die VolksschullehrerInnen nicht mehr zwingend ist. Das ist auch nicht zu akzeptieren. Wir sind jetzt gerade dabei, ein Modell auszuarbeiten, in welchem Instrumental und Gesangsp\u00e4dagogInnen, die f\u00fcr Einzelunterricht ausgebildet werden, ein \u201eVolksschul-Modul\u201c in den Lehrplan hineinbekommen, damit sie dann an Volksschulen Musik unterrichten k\u00f6nnen. Da hakt es aber noch am LehrerInnendienstrecht, das sollte dahingehend adaptiert werden.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Die p\u00e4dagogischen Hochschulen h\u00e4tten ja die M\u00f6glichkeit, auch Schwerpunktstudien im Bereich der Musik einzuf\u00fchren, was sie aber nur teilweise machen. Dann haben wir die M\u00f6glichkeit, dass MusikschullehrerInnen \u00fcber Kooperationen zwischen Schulen und Musikschulen diesen Mangel auch auffangen k\u00f6nnen. Die sind aber nicht in den Schulen angestellt, sondern m\u00fcssen von der jeweiligen Gemeinde oder dem Land bezahlt werden.<\/p>\n<p><strong>Die Musikschulen haben also in den letzten Jahren vieles aufgefangen. Wie geht es denn diesen Einrichtungen aktuell?<\/strong><\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Es ist l\u00e4nderweise verschieden. Die Musikschulen sind in ihrer Gesamtheit ein eindrucksvolles Erfolgsmodell. Wir haben \u00fcber 200.000 Sch\u00fclerInnen in Musikschulen. Das entspricht der Anzahl der Sch\u00fclerInnen an allgemeinbildenden h\u00f6heren Schulen in ganz \u00d6sterreich. Man muss schauen, dass es hier dienstrechtliche Verbesserungen gibt, damit die Kooperationsmodelle gut funktionieren.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4re es sinnvoll, das Musikschulwesen zu vereinheitlichen und in die Hand des Bundes zu legen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Das sollte L\u00e4ndersache bleiben, denn es funktioniert parallel eigentlich recht gut.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Die Musikschulen wollen vielmehr, dass ihre Leistung st\u00e4rker anerkannt wird. Wenn heute etwa jemand zur Matura im Fach Musik antritt und sein Instrument nebenher in der Musikschule erlernt hat, dann wird das im Zeugnis nicht einmal erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p><strong>Wie schl\u00e4gt sich denn \u00d6sterreich im internationalen Vergleich bez\u00fcglich der musikalischen Ausbildung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Im internationalen Vergleich sind wir noch immer sehr gut ausgestattet. Wir haben das Pflichtfach Musik in den Schulen, was in vielen L\u00e4ndern gar nicht der Fall ist. Wir haben ein gut entwickeltes Musikschulsystem, das F\u00f6rderungen der \u00f6ffentlichen Hand genie\u00dft. Da brauchen wir uns nicht zu verstecken. Aber wir haben Sorge zu tragen, dass es da keinen Abbau gibt. Da m\u00fcssen wir sehr offensiv handeln, weil verloren ist schnell etwas.<\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Es geht auch um die soziale Dimension, um die wir uns k\u00fcmmern m\u00fcssen. Manche Eltern k\u00f6nnen sich die Musikschule f\u00fcr ihr Kind nicht leisten oder haben nicht die Zeit, ihr Kind zum Musikunterricht zu bringen. Wir m\u00fcssen uns bewusst sein, dass Begabung vollkommen unabh\u00e4ngig vom \u00f6konomischen Hintergrund des Kindes bestehen kann. Man muss sich Gedanken dar\u00fcber machen, wie man auch sozial Benachteiligten eine Musikkarriere erm\u00f6glichen kann.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Die Musik ist au\u00dferdem ein hervorragendes Instrument f\u00fcr die Integration von MigrantInnen. Auch das sollte man erkennen und entsprechende Angebote schaffen. Jedes Kind muss das Anrecht haben, ein Instrument lernen zu k\u00f6nnen. An diesem egalit\u00e4ren Ansatz sollten wir festhalten.<\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Gemeinsam zu musizieren hei\u00dft, eine gemeinsame Sprache sprechen.<\/p>\n<p><strong>Frau Sych, sie haben einmal gesagt, man m\u00fcsse damit aufh\u00f6ren, bildnerische Erziehung und Musikerziehung gegeneinander auszuspielen. Inwiefern ist das denn in der Praxis der Fall?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Man muss sich derzeit in der Oberstufe zwischen Musik und bildnerischer Erziehung entscheiden. Das halte ich f\u00fcr grunds\u00e4tzlich falsch. K\u00fcnste erg\u00e4nzen und befruchten sich gegenseitig. Im neuen Regierungsprogramm steht nun auch als Forderung, dass man sich nicht mehr entscheiden m\u00fcssen soll. Das freut mich.<\/p>\n<p><strong>Welche Hoffnungen und welche Bef\u00fcrchtungen verbinden Sie denn sonst noch mit dem neuen Regierungsprogramm?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Hinsichtlich der musikalischen Bildung ist, denke ich, einiges im Regierungsprogramm enthalten, was wir stark bef\u00fcrworten, eben die Festigung der Musikschulen und das Vorantreiben der Kooperationen mit den allgemeinbildenden Schulen.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Es gibt auch das Bekenntnis zur UNESCO-Konvention zur Vielfalt der kulturellen Ausdrucksformen, was uns sehr freut. Wir verstehen darunter nicht nur musikalisches Erbe, sondern auch internationalen Kulturaustausch und Zeitgen\u00f6ssisches. Es ist einiges angebahnt, auf das man weiter aufbauen kann, andererseits gibt es jetzt auch die Ank\u00fcndigung von Einsparungen bei F\u00f6rderungen. Da gilt es aufzupassen.<\/p>\n<p><strong>Ober\u00f6sterreich gilt als von \u00d6VP und FP\u00d6 regierter Modellfall. Dort gibt es quer durch alle Ressorts Einschnitte, auch bei der Kultur. Es l\u00e4uft darauf hinaus, dass das Musikschulwesen noch st\u00e4rker gef\u00f6rdert wird und man daf\u00fcr die F\u00f6rderung zeitgen\u00f6ssischer freier Initiativen zur\u00fcckf\u00e4hrt. Wie sehen Sie das?<\/strong><\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Wir haben generell eine finanzielle Unterdotierung aller zeitgen\u00f6ssischen Musikformen.<\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Ich glaube, dass PolitikerInnen oft nicht klar ist, was sie mit K\u00fcrzungen im Kulturbereich anrichten. Es ist nat\u00fcrlich sehr leicht, freie Gruppen, Theater, Festivals etc. zu k\u00fcrzen, aber es ist fatal zu glauben, wir seien ein Kulturland, einzig und allein weil wir die Staatsoper und das Burgtheater haben.<\/p>\n<p><strong>Das hei\u00dft, Sie w\u00e4ren f\u00fcr eine Aufstockung des gesamten Kulturbudgets?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Ja, nat\u00fcrlich. Da geh\u00f6ren Film, die freie Szene, der Literaturbereich etc. dazu. Aber auch hier k\u00f6nnte man bei der Bildung viel verbessern.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Die Filmschaffenden weisen uns etwa darauf hin, dass sie in den Schulen nicht vorkommen.<\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Eben. Oft wird in der Schule zum Beispiel nur Theater gespielt, wenn man das Gl\u00fcck hat, dass man eine engagierte Lehrerin oder einen engagierten Lehrer hat, die\/der das freiwillig anbietet.<\/p>\n<p><strong>Wenn wir zu den politischen Ma\u00dfnahmen kommen: W\u00e4re mit mehr Geld an den richtigen Stellen schon viel gel\u00f6st?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Grunds\u00e4tzlich ja. Aber man muss nat\u00fcrlich darauf achten, was man mit dem Geld konkret f\u00f6rdert.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Der \u00d6MR hat etwa nur eine konkrete finanzielle Forderung, n\u00e4mlich die Aufstockung des \u00d6sterreichischen Musikfonds f\u00fcr zeitgen\u00f6ssische Musikproduktion auf zwei Millionen Euro. Der Musikfond ist n\u00e4mlich massiv unterdotiert daf\u00fcr, was er alles leisten soll: Produktions-, Vertriebs- und Tourneef\u00f6rderung. Und das fl\u00e4chendeckend durch alle Genres. Eine nicht-finanzielle, aber sehr wichtige Forderung w\u00e4re der st\u00e4ndige Dialog mit den zust\u00e4ndigen Ministerien.<\/p>\n<p><strong>Die ministeriellen Zust\u00e4ndigkeiten wechseln oft. Lange waren Kunst und Kultur mit Bildung zusammengelegt, jetzt ist es schon l\u00e4nger ein Anh\u00e4ngsel im Bundeskanzleramt, daf\u00fcr sind jetzt Bildung und Wissenschaft fusioniert. Was schwebt Ihnen als Ideal vor?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Kunst und Kultur mit Bildung zusammengelegt halte ich als Ministerium f\u00fcr sehr sinnvoll, weil das stark ineinandergreift und sich gut erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> Zwischen 2008 und 2013 war das so \u2013 eine hervorragende Zeit f\u00fcr uns, weil es viel Dialog gab, eine st\u00e4ndige Gespr\u00e4chsrunde.<\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Es ist letztlich aber gar nicht so wichtig, wo was ressortiert, sondern dass sich die handelnden Personen finden und sich nicht davor scheuen zusammenzuarbeiten.<\/p>\n<p><strong>Mit Heinz Fa\u00dfmann (\u00d6VP) ist jetzt ein Universit\u00e4tsprofessor Wissenschafts- und Bildungsminister. Also jemand vom Fach. Was erwarten Sie sich von ihm?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Aus universit\u00e4rer Sicht halte ich das f\u00fcr einen gro\u00dfen Vorteil. Ich wei\u00df, dass Herr Fa\u00dfmann jemand ist, der Menschen zusammenbringt und vollkommen unaufgeregt, \u00fcberlegt und sachlich an Dinge herangeht.<\/p>\n<p><strong>In den letzten Jahren wurde immer wieder gesagt, in der gesamten Bildungsdebatte ginge es zu viel um Parteiideologien und man m\u00fcsse entideologisieren, versachlichen. Aber gibt es \u00fcberhaupt die eine, beste L\u00f6sung?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Ich glaube, dass schon jetzt eine Versachlichung stattgefunden hat. Auch die letzte Ministerin Sonja Hammerschmid (SP\u00d6) hat uns Kunstuniversit\u00e4ten sehr unterst\u00fctzt und unsere Fachexpertise immer wieder eingeholt. Da hat sich, was die Kunstausbildung anbelangt, etwa in der P\u00e4dagogInnenbildung Neu, viel entwickelt. Ich denke, dass das mit Minister Fa\u00dfmann auch so weitergehen wird. Beide waren an Universit\u00e4ten t\u00e4tig und haben daher einen guten Zugang zu unseren Themen.<\/p>\n<p><strong>HH:<\/strong> F\u00fcr uns als \u00d6MR sind neben dem Minister jedenfalls auch die oppositionellen Kultur- und BildungssprecherInnen wichtige AnsprechpartnerInnen. Neben\u00a0der Bildung sind f\u00fcr uns auch Digitalisierung, Musikwirtschaft, Urheberrecht, Pressefreiheit, soziale Absicherung der Kunst- und Kulturschaffenden sehr wichtige Themen. Da m\u00fcssen wir unsere Forderungen auch ans Wirtschafts-, Justiz- oder Au\u00dfenministerium adressieren.<\/p>\n<p><strong>Frau Sych, was wollen Sie als Unirektorin konkret fordern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal eine gute Gespr\u00e4chsbasis. Ich will mich daf\u00fcr einsetzen, dass Kunst- und Kultur wieder st\u00e4rker in der Allgemeinbildung verankert werden. Dann muss die Ausbildung von Volksschullehrenden wieder mehr Kunst- und Musikunterricht enthalten. Kinder sollen das Recht erhalten, von professionellen MusikerInnen unterrichtet zu werden. Um Kindern und Jugendlichen optimalen Musikunterricht zu gew\u00e4hrleisten, sollten MusikerzieherInnen nicht nur Lehrende, sondern auch K\u00fcnstlerInnen sein.<\/p>\n<p>Den Aspekt des Publikums d\u00fcrfen wir auch nicht vergessen: Die Sch\u00fclerInnen von heute sind das Publikum von morgen. Wenn wir es verabs\u00e4umen, den Kindern in sehr fr\u00fchen Jahren schon Kunst und Kultur nahezubringen, dann wird \u00e0 la longue das \u00f6sterreichische Publikum den Theatern fernbleiben. Man sieht jetzt schon eindeutig, dass das Publikum in den Opernh\u00e4usern immer \u00e4lter wird. Ich sehe dabei einen Zusammenhang mit der Schulbildung: Musikunterricht, das sind die Stunden, die am h\u00e4ufigsten ausfallen, die an den Rand gedr\u00e4ngt werden.<\/p>\n<p><strong>Welche Schritte zur Beseitigung dieser Probleme konnte die mdw selbst schon setzen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>US:<\/strong> Ich setze mich sehr f\u00fcr die musikalische Weiterbildung von Lehrenden ein. Daf\u00fcr haben wir an der mdw viele Angebote. Eine tolle Sache ist das Quereinsteigerstudium. Es funktioniert in Kooperation mit den drei p\u00e4dagogischen Hochschulen, P\u00e4dagogische Hochschule Wien, P\u00e4dagogische Hochschule Nieder\u00f6sterreich und Kirchliche P\u00e4dagogische Hochschule Wien\/Krems. Hier werden Menschen mit einschl\u00e4gigen Vorstudien, zum Beispiel Konzertfach oder Instrumental- und Gesangsp\u00e4dagogik, f\u00fcr Klassenunterricht im Sekundarschulstufenbereich nachgeschult. Da in \u00d6sterreich zu viele gepr\u00fcfte MusikerzieherInnen fehlen, bedeutet es f\u00fcr Schulen einen gro\u00dfen Gewinn, wenn sich K\u00fcnstlerInnen im zweiten Ausbildungsweg f\u00fcr den Lehrberuf entscheiden.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<ul>\n<li>Zum Positionspapier des \u00d6MR &#8222;Musik und Bildung&#8220; und zu den &#8222;7 Forderungen an die Regierung&#8220; siehe <a href=\"http:\/\/www.oemr.at\/\" target=\"blank\">www.oemr.at<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>mdw-Rektorin Ulrike Sych und Harald Huber, mdw-Lehrender und Pr\u00e4sident des \u00d6sterreichischen Musikrats (\u00d6MR), im Gespr\u00e4ch \u00fcber Bildungsdefizite und L\u00f6sungen f\u00fcr die Zukunft. Die Gehirnforschung zeigt seit vielen Jahren auf, dass gerade sogenannte Nebenf\u00e4cher wie Musik und bildnerische Erziehung besonders positiv auf die Gesamtentwicklung der Heranwachsenden wirken. Ulrike Sych (US): Sehr richtig. 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