{"id":1886,"date":"2018-04-30T09:11:32","date_gmt":"2018-04-30T07:11:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1886"},"modified":"2020-03-09T16:41:57","modified_gmt":"2020-03-09T15:41:57","slug":"vilma-von-webenau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/04\/30\/vilma-von-webenau\/","title":{"rendered":"Vilma von Webenau"},"content":{"rendered":"<strong>Ihr Name ist heute nur wenigen ExpertInnen gel\u00e4ufig, ihre Kompositionen kennen noch weniger Menschen, da sie nur selten gespielt werden. Das soll sich nun \u00e4ndern. Studierende und Lehrende der mdw widmen Vilma von Webenau anl\u00e4sslich des IDAHOT Day 2018 (International Day Against Homophobia, Transphobia and Biphobia) ein Konzert im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1888\" aria-describedby=\"caption-attachment-1888\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1888\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/vilma_webenau.jpg\" alt=\"Vilma von Webenau\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/vilma_webenau.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/vilma_webenau-186x300.jpg 186w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1888\" class=\"wp-caption-text\">Vilma Webenau im Jahr 1924, aus dem Fotoalbum Arnold Sch\u00f6nbergs, das ihm seine Sch\u00fclerInnen zum 50. Geburtstag geschenkt hatten. \u00a9Arnold Sch\u00f6nberg Center, Wien<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Leben Vilma von Webenaus ist bislang wenig erforscht, die Unsicherheiten beginnen schon bei ihrem Namen: Geboren wurde sie 1875 als Vilma (auch Wilma) Weber von Webenau als Tochter eines k. u. k. Botschaftsrats in Konstantinopel, ihre Gro\u00dfmutter war die Komponistin Julie von Webenau, eine Sch\u00fclerin von Mozarts Sohn Franz Xaver. Nach dem Adelsaufhebungsgesetz 1919 musste sie ihr Adelspr\u00e4dikat ablegen und zeichnete ihre Kompositionen forthin mit dem b\u00fcrgerlichen Namen Vilma Webenau. Trotzdem wird sie in der Forschung und auch auf Wikipedia ohne n\u00e4here Begr\u00fcndung Vilma von Webenau genannt.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblich daf\u00fcr mag sein, dass ihre adelige Herkunft f\u00fcr ihre musikalische Bildung entscheidend gewesen ist. Ihr famili\u00e4rer Hintergrund erm\u00f6glichte ihr eine Ausbildung, die Frauen aus \u00e4rmeren Verh\u00e4ltnissen vorenthalten blieb. Mit einer Gro\u00dfmutter, die als Komponistin und Virtuosin\u00a0Ansehen genoss, hatte sie au\u00dfergew\u00f6hnlich gute Startbedingungen f\u00fcr eine Laufbahn als Musikerin und gab bereits als Sch\u00fclerin eigene Konzerte. Vilma von Webenau entschied sich aber gegen eine Karriere als Solistin. 1898\/99 wurde sie die erste Privatsch\u00fclerin von Arnold Sch\u00f6nberg, bei dem sie Harmonielehre, Kontrapunkt und Kompositionslehre studierte. Sie folgte ihm sogar nach Berlin, als Sch\u00f6nberg im Jahr 1901 beim literarischen Kabarett \u00dcberbrettl die musikalische Leitung \u00fcbernahm. In dieser Zeit gastierte Vilma auch mit Konzerten in London. Eine der raren Informationen \u00fcber Auftritte der K\u00fcnstlerin.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in Wien arbeitete sie als Musiklehrerin und Komponistin, deren Werke 1907 bei Sch\u00f6nbergs erstem Sch\u00fclerkonzert vorgestellt wurden. Im November 1908 ist ein weiteres Konzert mit Werken Vilma von Webenaus im gro\u00dfen Musikvereinssaal belegt. Danach studierte sie in M\u00fcnchen beim Hofkomponisten Fritz Cortolezis Instrumentation, verlie\u00df die Stadt aber wieder um 1912. Bis 1922 fehlen Informationen \u00fcber ihren Aufenthalt. Ging sie zur\u00fcck nach Wien? Oder nach Graz, wo ihre Mutter lebte, die dort 1922 starb? Nach den fr\u00fchen Jahren werden die Informationen \u00fcber ihr Leben immer sp\u00e4rlicher. Sie engagierte sich im \u201eClub der Wiener Musikerinnen\u201c und hielt Vortr\u00e4ge im \u201eNeuen Frauenklub\u201c auf der Tuchlauben, wobei die zeitliche Zuordnung oft schwierig ist, da viele Zeugnisse \u2013 wie ihre Korrespondenz mit Sch\u00f6nberg \u2013 meist undatiert sind.<\/p>\n<p>In einem Album, das Sch\u00f6nbergs Sch\u00fclerInnen anl\u00e4sslich seines 50. Geburtstages 1924 gestalteten, bekannte sie nach einem\u00a0kurzen autobiografischen Abriss: \u201eJetzt lebe ich in Wien als sehr unbedeutende Komponistin und Musiklehrerin.\u201c Obwohl Sch\u00f6nberg seine Sch\u00fclerin sch\u00e4tzte, hatte Vilma von Webenau offenbar nicht das n\u00f6tige Selbstvertrauen, um sich als Komponistin durchzusetzen. Oder hatten sie Zur\u00fcckweisungen und Misserfolge in der m\u00e4nnlich dominierten Musikwelt der Zeit zum R\u00fcckzug veranlasst? Ihre Lebensspuren verlieren sich zusehends im Dunkeln, wie auch ihre pers\u00f6nlichen Lebensumst\u00e4nde viele Fragen aufwerfen. Im Jahr 1903 wurde sie als \u201eBegleiterin\u201c der Komponistin Mathilde Kralik von Meyrswalden bezeichnet. War sie vielleicht ihre Lebensgef\u00e4hrtin und blieb wie diese unverheiratet, weil sie sich ebenfalls zu Frauen hingezogen f\u00fchlte? F\u00fcr die letzten Jahrzehnte ihres Lebens fehlen g\u00e4nzlich Hinweise. Wie und wo \u00fcberlebte sie den Zweiten Weltkrieg? War sie eine Gegnerin des Nationalsozialismus oder bef\u00fcrwortete sie das Regime? Ihr langj\u00e4hriger Kontakt mit Sch\u00f6nberg legt zumindest nahe, dass sie nicht antisemitisch war. In den Nachkriegsjahren soll sie in \u00e4rmlichen Verh\u00e4ltnissen in einem Kabinett im 21. Bezirk gelebt haben.<\/p>\n<p>Erst das Datum ihres Todes am 9. Oktober 1953 ist wieder eindeutig belegt. Jahre nach ihrem Tod wurde ihr musikalischer Nachlass, in dem sich mehr als 100 Werke, darunter Streichquartette, Lieder, Sinfonien, Ballettmusik, Orchesterst\u00fccke, Opern und Singspiele befinden, der \u00d6sterreichischen Nationalbibliothek \u00fcbergeben. Anl\u00e4sslich des IDAHOT Day 2018 veranstaltet das Referat f\u00fcr Frauenpolitik und Queer der Hochsch\u00fclerInnenschaft an der mdw in Zusammenarbeit mit dem Rektorat der mdw, dem Primavera Festival und QWIEN, dem Zentrum f\u00fcr schwul\/lesbische Kultur und Geschichte, ein Konzert, das sich erstmals ausschlie\u00dflich Werken Vilma von Webenaus widmet. Die Webenau-Forscherin Susanne Wosnitzka wird vor dem von der Dirigentin Attilia Kiyoko Cernitori zusammengestellten Querschnitt aus dem OEuvre Vilma von Webenaus eine Einf\u00fchrung halten.<\/p>\n<p>Der IDAHOT Day wird seit 2005 am 17. Mai als Aktionstag gegen Homo-, Trans und Biphobie begangen. Das Datum wurde deshalb gew\u00e4hlt, weil am 17. Mai 1990 die Weltgesundheitsorganisation WHO beschlossen hatte, Homosexualit\u00e4t aus dem Diagnoseschl\u00fcssel f\u00fcr Krankheiten zu streichen. Seither gilt Homosexualit\u00e4t (im Gegensatz zu Transsexualit\u00e4t) nicht mehr als psychische St\u00f6rung. Zahlreiche Organisationen der queeren Community Wiens haben sich dem Aufruf bereits angeschlossen; freiwillige Spenden, die an dem Abend gesammelt werden, kommen Queer Base, einem Unterst\u00fctzungsprojekt f\u00fcr queere Fl\u00fcchtlinge, zugute.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>Susanne Wosnitzka: \u201eGemeinsame Not verst\u00e4rkt den Willen\u201c \u2013 Netzwerke von Musikerinnen in Wien, in: Annkatrin Babbe und Volker Timmermann (Hrsg.): <em>Musikerinnen und ihre Netzwerke im 19. Jahrhundert.<\/em> Schriftenreihe des Sophie Drinker Instituts, hrsg. von Freia Hoffmann, Bd. 12. Oldenburg 2016, S. 131\u2013148.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Veranstaltungshinweis:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/986\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Vilma von Webenau: unbekannte Werke einer Sch\u00f6nberg Sch\u00fclerin.<\/a><br \/>\nFestkonzert zum IDAHOT Day 2018<br \/>\nam 17. Mai 2018 im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ihr Name ist heute nur wenigen ExpertInnen gel\u00e4ufig, ihre Kompositionen kennen noch weniger Menschen, da sie nur selten gespielt werden. Das soll sich nun \u00e4ndern. Studierende und Lehrende der mdw widmen Vilma von Webenau anl\u00e4sslich des IDAHOT Day 2018 (International Day Against Homophobia, Transphobia and Biphobia) ein Konzert im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn. 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