{"id":1879,"date":"2018-04-30T09:11:50","date_gmt":"2018-04-30T07:11:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1879"},"modified":"2018-04-30T09:11:50","modified_gmt":"2018-04-30T07:11:50","slug":"jungen-menschen-den-zugang-zu-musikkultur-ermoeglichen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/04\/30\/jungen-menschen-den-zugang-zu-musikkultur-ermoeglichen\/","title":{"rendered":"&#8220;Jungen Menschen den Zugang zu Musikkultur erm\u00f6glichen&#8220;"},"content":{"rendered":"<strong>Seit nunmehr 30 Jahren lenkt Thomas Angyan als Generalsekret\u00e4r der Gesellschaft der Musikfreunde die Geschicke des Wiener Musikvereins. Im Interview mit dem <em>mdw-Magazin<\/em> erkl\u00e4rt der Intendant, warum er trotz des Ausstiegs der <em>Wiener Festwochen<\/em> ein Musikfest veranstaltet, und spricht \u00fcber Kinder- und Jugendprojekte, Planungsphasen, Budgets und Leonard Bernstein.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1880\" aria-describedby=\"caption-attachment-1880\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1880\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/thomas_angyan.jpg\" alt=\"Thomas Angyan\" width=\"1000\" height=\"695\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/thomas_angyan.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/thomas_angyan-300x209.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/thomas_angyan-768x534.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/thomas_angyan-850x591.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1880\" class=\"wp-caption-text\">Thomas Angyan \u00a9Wolf-Dieter Grabner \/ Musikverein<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Herr Dr. Angyan, die Wiener Festwochen sind aus dem traditionellen Musikfest, das es seit 1953 gab, ausgestiegen, dennoch machen Sie von 6. Mai bis 10. Juni Ihr eigenes Musikfest. Was hat Sie zu dieser Entscheidung bewogen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas Angyan (TA):<\/strong> Aufgrund der Tatsache, dass das Wiener Publikum wie auch der Tourismus um diese Zeit Musik verlangt, haben wir uns dazu entschlossen, unser eigenes Musikfest zu veranstalten.\u00a0Es wird 59 Konzerte geben; an die 70.000 Karten werden aufgelegt. Man darf ja nicht vergessen, dass die <em>Wiener Festwochen<\/em> urspr\u00fcnglich auch ein Musikfest waren, das mit dem Musikverein, dem Konzerthaus, der Staatsoper und vielen anderen Institutionen sehr breit aufgestellt war. Wir wollen daher dem Wiener Publikum auch ohne Festwochen einen musikalischen Kulturteil anbieten. Und zwar alternierend mit dem Konzerthaus. So soll es auch sein und bleiben. Die Biennale wird nicht infrage gestellt. 2019 kommt somit das Konzerthaus dran. Und wir dann wieder im Jahr 2020.<\/p>\n<p>Drei Schwerpunkte werden das Musikfest 2018 pr\u00e4gen. Der Beethoven-Zyklus mit Franz Welser-M\u00f6st und dem Cleveland Orchestra, der 100. Geburtstag von Leonard Bernstein sowie der 100. Todestag von Claude Debussy. Franz Welser-M\u00f6st wird mit dem Cleveland Orchestra, das 2018 sein 100-Jahr-Jubil\u00e4um feiert, alle Beethoven-Symphonien sowie andere relevante Werke des Komponisten pr\u00e4sentieren. Wir nennen es \u201ePrometheus-Projekt\u201c, und an einem Abend wird er auch \u00fcber seinen Zugang zu Beethoven sprechen. Ich glaube, dass Welser-M\u00f6st mit seiner Sichtweise einiges zu Beethoven zu sagen hat.<\/p>\n<p><strong>Zum 100. Todestag von Claude Debussy \u2026<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA: \u2026<\/strong> wird vor allem die Staatskapelle Berlin mit Daniel Barenboim viel beitragen. Gemeinsam mit Martha Argerich werden binnen einer Woche viele Schl\u00fcsselwerke Debussys zu h\u00f6ren sein. Und dann wird nat\u00fcrlich Leonard Bernstein mit vielen St\u00fccken und auch im Rahmen eines Symposiums extrem pr\u00e4sent sein.<\/p>\n<p><strong>Sie haben Bernstein pers\u00f6nlich gekannt. Wie war er als K\u00fcnstler und als Mensch?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Bernstein ist der Grund, warum ich im weitesten Sinne \u00fcberhaupt im Kulturmanagement gelandet bin. Und Bernstein ist verantwortlich f\u00fcr meinen Zugang zu Gustav Mahler. Als ich in den 80er-Jahren die Jeunesse geleitet habe, war er jedes Jahr in Wien und hat Konzerte verfilmt. Damals noch mit 16-Millimeter-Kameras, bei denen man alle 15 Minuten das Band wechseln musste. Das war nat\u00fcrlich f\u00fcr ein \u201enormales\u201c Publikum st\u00f6rend. Also sagte Bernstein: \u201eBringt doch junge Leute ins Konzert.\u201c So bin ich ihm erstmals begegnet.<\/p>\n<p><strong>Und wie ging es weiter?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> 1985 waren wir gemeinsam auf Tournee in Hiroshima, die sogenannte Peace-Tour. Ich bin in als Vertreter der Jeunesse mitgefahren, weil der Jeunesse-Chor gesungen hat. Das waren sehr bewegende Konzerte. Bernstein war eine K\u00fcnstlerfigur, die f\u00fcr mich ein Vorbild war. Ich habe versucht, alles, was er k\u00fcnstlerisch, menschlich und p\u00e4dagogisch weitergegeben hat, zu verinnerlichen. Bis heute muss ich mir mindestens einmal im Jahr die Haydn-Symphonie Nr. 88 aus dem Musikverein, die er NICHT dirigiert hat, auf YouTube anh\u00f6ren. Wenn man das Gesicht und die Augenbewegungen ansieht, ist das einzigartig.<\/p>\n<p><strong>Der Musikverein steht aber nicht nur f\u00fcr eine gro\u00dfe Vergangenheit, sondern auch f\u00fcr die Zukunft. Sie machen sehr viel f\u00fcr Kinder und Jugendliche \u2026<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Wir unterscheiden auf der einen Seite Konzerte f\u00fcr Kinder und Jugendliche und auf der anderen Seite Konzerte, in denen\u00a0wir junge K\u00fcnstler pr\u00e4sentieren. Es ist ein Gl\u00fcck, dass wir die vier neuen S\u00e4le gebaut haben. Was junges Publikum betrifft, \u00fcbersteigt die Nachfrage bei Weitem das Angebot. Da gibt es gestaffelt nach Altersstufe Konzertzyklen. Unter der Woche kommen etwa geschlossene Kindergartenklassen. An Wochenenden verkaufen wir Karten an interessierte Kinder und Eltern.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man sich diese geschlossenen Konzerte f\u00fcr Kinderg\u00e4rten oder Schulen vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Wir versuchen damit bewusst auch bildungsfernere Schichten zu erreichen. So richten sich die nicht \u00f6ffentlichen Proben gezielt an Schulklassen der Oberstufe, also Jugendliche im schwierigsten Alter. Danach gibt es immer auch Gespr\u00e4che mit den K\u00fcnstlern, in denen es nicht nur um Musik, sondern auch um das Leben des K\u00fcnstlers geht. Damit wollen wir auch Jugendliche erreichen, die klassische Musik vielleicht nicht so cool finden. Dazu gibt es auch die mir sehr wichtige Kooperation mit der mdw.<\/p>\n<p><strong>Die sich auch in Konzerten niederschl\u00e4gt \u2026<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Mir ist es ein Anliegen, dass das Webern Symphonie Orchester jedes Jahr mit namhaften Dirigenten auftritt, von Riccardo Muti \u00fcber Zubin Mehta bis Pierre Boulez, \u2013 heuer kam Christoph von Dohn\u00e1nyi. \u00dcbrigens: 1909 ging die mdw aus dem Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde hervor.<\/p>\n<p><strong>Und heute?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Heute wollen wir als Gesellschaft der Musikfreunde, nicht als Lehrende von Musikinteressierten auftreten. Aber wir wollen jungen K\u00fcnstlern eine Plattform bieten. Etwa mit dem Zyklus<br \/>\n<em>Rising Stars<\/em> mit Musikern wie Harriet Krijgh oder Emmanuel Tjeknavorian. Auch Martin Grubinger hat hier angefangen. So sind Weltkarrieren entstanden. Auch deshalb ist es ein Gl\u00fcck, dass wir die vier neuen S\u00e4le haben, in denen wir den jungen K\u00fcnstlern eine Auftrittsm\u00f6glichkeit vor Publikum geben k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie beurteilen Sie generell den Musiknachwuchs in \u00d6sterreich?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Die Ausbildung etwa an der mdw ist hervorragend. Ich glaube, dass die Musikschulen insgesamt\u00a0eine sehr gute Arbeit leisten. Im Schulbereich ist die Situation leider anders.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Es gibt in den Schulen immer weniger Musikunterricht. Da wurde extrem gek\u00fcrzt. Lehrer, die mit ihrer Klasse ein Konzert besuchen, m\u00fcssen das in ihrer Freizeit machen. Dass wir \u00fcbrigens bei der Gesellschaft der Musikfreunde f\u00fcr unsere Jugendf\u00f6rderungen keine \u00f6ffentlichen Subventionen bekommen, nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis, aber wir machen es trotzdem. Wir f\u00fchlen uns verpflichtet, jungen Menschen den Zugang zu unserer Musikkultur zu erm\u00f6glichen. Dabei w\u00e4re es so notwendig Musik, Literatur und bildende Kunst, etwas wichtiger zu nehmen.<\/p>\n<p><strong>Stichwort Subventionen: Die \u00f6ffentliche Hand l\u00e4sst immer mehr aus.<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Wir bekommen von Bund und Stadt nur je ein Prozent unsere Budgets. Beim Bund liegt das Ansuchen auf einen neuen Dreijahresvertag. Mein Ziel ist es, in mehreren Schritten wieder dorthin zu kommen, wo wir 2014 standen. N\u00e4mlich auf eine Subvention in H\u00f6he von zwei Prozent des Gesamtbudgets. Bei der Stadt Wien l\u00e4uft der aktuelle Vertrag noch ein Jahr, dann werde ich neu ansuchen.<\/p>\n<p><strong>Sie planen schon f\u00fcr 2020?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Ja. Auch das Musikfest 2018 war relativ weit gediehen, als uns im Herbst 2016 bekannt gegeben wurde, dass die <em>Wiener Festwochen<\/em> auf unsere Mitwirkung verzichten w\u00fcrden, mit der Begr\u00fcndung, dass Musik in der Form, wie sie im Musikverein aufgef\u00fchrt wird, uninteressant sei. Was 2020 betrifft, haben wir die gro\u00dfen Linien und bei Orchesterprojekten schon mehr als die gro\u00dfen Linien fertig.<\/p>\n<p><strong>2020 gibt es auch wieder Jubil\u00e4en \u2026<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Die Gesellschaft der Musikfreunde hat das Privileg, immer etwas feiern zu k\u00f6nnen. 2020 etwa 150 Jahre Musikvereinsgeb\u00e4ude und nat\u00fcrlich feiern wir den 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens, Ehrenmitglied der Gesellschaft der Musikfreunde. Diese Kombination wird sicher eines der gro\u00dfen Themen des Musikfestes 2020 sein.<\/p>\n<p><strong>Also ist Wien in Ihren Augen weiterhin die Welthauptstadt der Musik?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TA:<\/strong> Ganz bestimmt. Und vom Publikum wird das ja auch entsprechend gew\u00fcrdigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Veranstaltungshinweis:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.musikverein.at\/musikverein-festival-2018\" target=\"_blank\">Musikverein Festival Wien 2018<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit nunmehr 30 Jahren lenkt Thomas Angyan als Generalsekret\u00e4r der Gesellschaft der Musikfreunde die Geschicke des Wiener Musikvereins. Im Interview mit dem mdw-Magazin erkl\u00e4rt der Intendant, warum er trotz des Ausstiegs der Wiener Festwochen ein Musikfest veranstaltet, und spricht \u00fcber Kinder- und Jugendprojekte, Planungsphasen, Budgets und Leonard Bernstein. 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