{"id":1829,"date":"2018-04-30T09:30:59","date_gmt":"2018-04-30T07:30:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1829"},"modified":"2018-04-30T09:42:13","modified_gmt":"2018-04-30T07:42:13","slug":"resonanzen-und-missklaenge","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/04\/30\/resonanzen-und-missklaenge\/","title":{"rendered":"Resonanzen und Misskl\u00e4nge"},"content":{"rendered":"<strong>Zur internationalen Entwicklung des Wissenschafts- und Hochschulsystems<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1830\" aria-describedby=\"caption-attachment-1830\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1830\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey.jpg\" alt=\"Kerstin Mey\" width=\"1000\" height=\"458\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey-300x137.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey-768x352.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey-850x389.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1830\" class=\"wp-caption-text\">Kerstin Mey \u00a9Vitaliy Bodner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Unsere Gegenwart befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Der Raubbau an nat\u00fcrlichen Ressourcen und der Umwelt f\u00e4llt zusammen mit dem Beginn eines globalen Wandels der herrschenden Vorstellungen von monet\u00e4ren, sozialen, kreativen und emotionalen \u00d6konomien. Er schlie\u00dft den Zugang zu Ressourcen und ihre Verteilung ein. Spannungen zwischen lokalen Bed\u00fcrfnissen und globalen Erfordernissen werden u. a. sichtbar in anschwellenden Migrationsbewegungen, beschleunigten Produktionszyklen, und einer fortschreitenden Urbanisierung. \u00d6konomisch motivierte Globalisierungsprozesse werden durch die alle Lebensbereiche erfassende Digitalisierung erm\u00f6glicht. Die damit einhergehenden Umw\u00e4lzungen fordern etablierte Wertmodelle und Deutungshoheiten heraus. Mobile Kommunikation und soziale Netzwerke schaffen neue Entscheidungsr\u00e4ume und Handlungsoptionen. Digitale Technologien bef\u00f6rdern eine wachsende Hybridit\u00e4t zwischen\u00a0realen und virtuellen Realit\u00e4ten, zwischen Offline- und Online-R\u00e4umen, \u00f6ffentlichen Bereichen und der Privatsph\u00e4re. Sie treiben eine auf Informationen und Wissen basierende Wertsch\u00f6pfung voran.<\/p>\n<p>All diese Entwicklungen ver\u00e4ndern auch das Hochschulsystem und die Wissenschaften. Die Zahl der weltweit inskribierten Studierenden wird sich von der Millenniumswende bis zum Jahr 2030 mit einem vorausgesagten Anstieg auf \u00fcber 414 Millionen mehr als vervierfacht haben. Dieser Trend wird von einer Diversifizierung der Anbieter begleitet: aus dem Privatsektor, der Wirtschaft und im virtuellen Bereich. Die zunehmende Mobilit\u00e4t der Studierenden, Lehrenden und Forschenden (oft noch monodirektional vom \u201eglobalen S\u00fcden\u201c in \u201eentwickeltere\u201c L\u00e4nder als Teil der wachsenden Marktorientierung und des steigenden Wettbewerbs im globalen Hochschulsystem) bildet einen wichtigen Aspekt der Internationalisierung der terti\u00e4ren Bildung. Sie bedarf jedoch gr\u00f6\u00dferer Anstrengungen, um die bestehende Pluralit\u00e4t von Weltbildern und -erfahrungen in den Lehrinhalten und Forschungsperspektiven zu reflektieren. Will man den Hochschulzugang und die akademische Community nachhaltig diversifizieren, braucht es dazu geeignete Hochschulbildungsmodelle und -kontexte. Die zunehmende Vorherrschaft der englischen Sprache im Wissenschafts- und Hochschulbetrieb unterst\u00fctzt einen breiteren Wissenszugang und Ideenaustausch. Sie leistet aber auch einer verengten \u201eNormierung\u201c der Wissenschaftskultur Vorschub. Ein differenzierendes Abbildungs- und Reflexionsverm\u00f6gen und die Diskursqualit\u00e4t bed\u00fcrfen einer hohen Sprachkompetenz und der Vielsprachigkeit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1831\" aria-describedby=\"caption-attachment-1831\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1831\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey2.jpg\" alt=\"Kerstin Mey\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey2.jpg 800w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey2-288x300.jpg 288w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/04\/kerstin_mey2-768x801.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1831\" class=\"wp-caption-text\">Kerstin Mey \u00a9Vitaliy Bodner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Als Reaktion auf den rasant voranschreitenden digitalen Wandel vermehren sich die Forderungen, diesen auch in den Wissenschaften zu forcieren. Zum einen geht es um die Schaffung eines verbesserten Wissenszugangs und darum, diesen als Grundlage f\u00fcr Innovation zu nutzen, zum anderen soll die Aus- und Weiterbildung von Fach- und F\u00fchrungskr\u00e4ften mit fortgeschrittenen digitalen Kompetenzen den erh\u00f6hten Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht werden. Von der Forschung wird erwartet, dass sie zu einem differenzierten Verst\u00e4ndnis der \u201eKultur der Digitalit\u00e4t\u201c und ihrer vielf\u00e4ltigen Auswirkungen auf die Gesellschaft, Kultur, Politik, Wirtschaft und das Individuum beitr\u00e4gt. Dabei m\u00fcssen das \u201edigital mindset\u201c und entsprechende fachliche F\u00e4higkeiten und technische Fertigkeiten sowie die Didaktik ihrer Vermittlung und Aneignung selbst Gegenst\u00e4nde der Forschung werden.<\/p>\n<p>Um die komplexen Herausforderungen der Wirklichkeit zu begreifen und zu bew\u00e4ltigen, haben sich neue und dynamische Formen der trans- und interdisziplin\u00e4ren Wissensproduktion herausgebildet, wie zum Beispiel in den Biowissenschaften, der Cyberpsychologie, den Medienwissenschaften oder den Gender Studies. Computerbasierte und datenverarbeitende Verfahren pr\u00e4gen Wissenschaftsentwicklungen, was am Beispiel der digitalen Architektur oder der Computermusik oder im Entstehen der Digital Humanities und der Digitalen Soziologie sichtbar wird. Digitale Datenerfassung, -verkn\u00fcpfung und vergleichende Datenanalyse erweitern bzw. vertiefen Erkenntnism\u00f6glichkeiten. Ihre kritisch-produktive Nutzung beruht nicht nur auf entsprechenden technischen und fachlichen Voraussetzungen, sondern wirft auch komplexe Fragen in Bezug auf Datenmanagement, Informationssicherheit, Urheberrecht usw. auf, die sowohl institutionell als auch im Wissenschafts- und Hochschulbereich insgesamt beantwortet werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Gerade weil sich die Lebens- und Arbeitswelt mit rapider Geschwindigkeit in der \u00dcberlagerung aus vielschichtigen Homogenisierungs- und Ausdifferenzierungsprozessen wandelt, darf sich die Hochschulbildung nicht zunehmend parzellieren oder ein enges Konzept der \u201eEmployability\u201c bedienen. Vielmehr werden sowohl eine ganzheitliche Bildung, die digitale und analoge Arbeitsweisen einschlie\u00dft, als auch ein pluraler Wissenschaftsbegriff mehr denn je gebraucht. Im Zeitalter selbstlernender Maschinen und autoadaptiver Systeme spielen die Geistes-, Kultur- und Kunstwissenschaften sowie die K\u00fcnste eine bedeutsame Rolle, um vertieft \u00fcber das, was den Menschen ausmacht, nachzudenken, um ein kritisches Bewusstsein f\u00fcr Werte und Normen zu f\u00f6rdern, um Lebens- und Ver\/Gesellschaftsentw\u00fcrfe zu \u201evisionieren\u201c und damit f\u00fcr die Gestaltung einer menschenw\u00fcrdigen Zukunft zu wirken.<\/p>\n<p>Die Vermittlung von Wissen muss sich auf das Beherrschen von Ans\u00e4tzen, Methoden und Instrumenten konzentrieren \u2013 auf das Know-how. Es muss die Grundlagen und Motivation f\u00fcr ein lebenslanges Lernen und die kritische Selbstreflexion festigen. Will sie relevant bleiben, muss sie sich der unterschiedlichen Sozialisierung, den Erfahrungen und sich wandelnden Erwartungen der Studierenden und AkademikerInnen in ihren Herangehensweisen stellen, z. B. durch challenge-basierte und projektbezogene Lehre, durch Peer- und Generationslernen oder durch die Schaffung offener R\u00e4umen f\u00fcr Experimente, Irritationen und kreative Widerst\u00e4ndigkeit.<\/p>\n<p><em>Dieser Artikel basiert auf einem Vortrag von Kerstin Mey anl\u00e4sslich der Klausur der Wissenschaften 2018 an der mdw.<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zur internationalen Entwicklung des Wissenschafts- und Hochschulsystems Unsere Gegenwart befindet sich in einem tiefgreifenden Umbruch. Der Raubbau an nat\u00fcrlichen Ressourcen und der Umwelt f\u00e4llt zusammen mit dem Beginn eines globalen Wandels der herrschenden Vorstellungen von monet\u00e4ren, sozialen, kreativen und emotionalen \u00d6konomien. Er schlie\u00dft den Zugang zu Ressourcen und ihre Verteilung ein. 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