{"id":1792,"date":"2018-04-19T14:14:49","date_gmt":"2018-04-19T12:14:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1792"},"modified":"2018-06-27T10:20:59","modified_gmt":"2018-06-27T08:20:59","slug":"von-musizierenden-papageien-und-stillen-klaengen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/04\/19\/von-musizierenden-papageien-und-stillen-klaengen\/","title":{"rendered":"Konferenzbericht: Von musizierenden Papageien und stillen Kl\u00e4ngen"},"content":{"rendered":"<strong>Das internationale Symposium <em>Knowing in Performing. <\/em><em>Artistic Research as a Distinct Practice and Discourse in the Field of Performing Arts<\/em><\/strong><\/p>\n<p>Das am 4. April 2018 an der mdw abgehaltene Symposium <em>Knowing in Performing<\/em> hatte zum Ziel, das breite Feld der Artistic Research zu beleuchten. Dabei wurden schwerpunktm\u00e4\u00dfig Anwendungsm\u00f6glichkeiten im Bereich der performativen K\u00fcnste untersucht und die Frage, wie Artistic Research sinnvoll in Curricula und universit\u00e4re Strukturen integriert werden kann, er\u00f6rtert.<\/p>\n<p>Nach der Begr\u00fc\u00dfung durch Rektorin Ulrike Sych und einf\u00fchrenden Worten von Therese Kaufmann (Forschungsf\u00f6rderung, mdw) brachte Nicolas Donin (IRCAM, Paris) in der Keynote <em>Composers and Self-Analysis: From an Anti-Theoretical Stance to the Artistic Research Method<\/em> (Chair: Annegret Huber, mdw) sogleich die teilweise kontroverse Natur der Artistic Research mit den Worten \u201eI don\u2019t know what AR is\/I know what AR is\u201c ins Gespr\u00e4ch. Es gebe eine zu gro\u00dfe Vielzahl an Definitionen, was die Integration von Artistic Research in die Studienpl\u00e4ne der Universit\u00e4ten erschwere. Weiters beschrieb Donin, wie das Konzept der \u201eSelf-Analysis\u201c funktioniere: Indem der Arbeitsprozess von Komponist_innen, Dirigent_innen oder Musiker_innen protokolliert und aufgezeichnet wird, werde ihnen Selbstreflexion und Analyse der eigenen Arbeitsmethoden erm\u00f6glicht. Daraus ergebe sich ein \u201ebottom up generalisation process\u201c, der diametral entgegengesetzt zur herk\u00f6mmlichen Formen der Theoriebildung sei. In der darauffolgenden angeregten Diskussion wurde schnell klar, wie unterschiedlich Auffassungen nicht nur von AR sein k\u00f6nnen, sondern auch hinsichtlich der Dimensionen und der Relevanz von selbstanalytischen Methoden.<\/p>\n<p>Unter dem Vortragstitel <em>Post-Digital Lutherie at the Tangible Music Lab<\/em> (Chair: Peter Plessas, mdw) pr\u00e4sentierte Martin Kaltenbrunner (Kunstuniversit\u00e4t Linz) seine Arbeit an post-digitalen Instrumenten. Nach einem kurzen historischen R\u00fcckblick auf das Verh\u00e4ltnis Mensch-Maschine seit der industriellen Revolution, beschrieb er den Entstehungsprozess einiger post-digitaler Instrumente, u. a. des von ihm entwickelten \u201eReactable\u201c. Zum Vergn\u00fcgen der Zuh\u00f6renden veranschaulichte er mit der Vorstellung eines laufenden Projektes die Erforschung der Verhaltensmuster von Papageien mittels post-digitaler Instrumente als k\u00fcnstlerischer Prozess.<\/p>\n<p>Mieko Kanno (UniArts, Helsinki) beschrieb in ihrem Vortrag <em>Quiet is beautiful <\/em>(Chair: Gesine Schr\u00f6der) das in der Neuen Musik anzutreffende Konzept von \u201esoft sound\u201c. Durch die Verwendung von Spieltechniken, die Kl\u00e4nge erzeugen, die an der Grenze des Wahrnehmbaren sind, haben Komponist_innen nachwirkend H\u00f6rgewohnheiten ver\u00e4ndert, so Kanno. Eindrucksvoll verdeutlichte sie dies durch den Vortrag von \u00a0\u201eCapriccio di una corda\u201c\u00a0von Salvatore Sciarrino auf der Violine.<\/p>\n<p>J\u00f6rg Holkenbrink (Zentrum f\u00fcr Performance Studies, Universit\u00e4t Bremen) berichtete in seinem Vortrag <em>Risking One\u2019s Own Sovereignty: Transdisciplinary Research, Context-Oriented Perfomances and the Work of the Theater der Versammlung (Theatre of Assemblage)<\/em> (Chair: Doris Ingrisch, mdw) von seiner Arbeit im Theater der Versammlung. Dieses ziele auf die Zusammenarbeit von Schauspieler_innen und Wissenschaftler_innen unter ver\u00e4nderten Bedingungen und Rollen ab, was durchaus unvorhergesehene Resultate liefern kann. Die anschlie\u00dfende Fragerunde wurde in Form einer improvisierten (Theater-)Performance abgehalten, auch hier kam es zu unerwarteten Einsichten.<\/p>\n<p>Die zweite Keynote des Symposiums von Georgina Born (University of Oxford) <em>Artistic Research, Music Research and Inter\/Transdisciplinarity: Strenghts, Limitations and Institutional Conditions<\/em> (Chair: Tasos Zembylas, mdw) beleuchtete eingehend die institutionellen und historischen Bedingungen der AR in Gro\u00dfbritannien. Born verortet die Institutionalisierung der AR in den 1990er Jahren, als in Gro\u00dfbritannien schwerwiegende Umstrukturierungen der akademischen universit\u00e4ren Landschaft stattfanden. Au\u00dferdem beschrieb sie verschiedene Konzepte der Interdisziplinarit\u00e4t anhand einiger Fallbeispiele, die sie im Rahmen ihrer ethnographischen Forschung untersucht hatte und die ihrer Meinung nach gelungene Ausformulierungen von AR darstellen.<\/p>\n<p>Im Anschluss daran gab es die Pr\u00e4sentation zweier Forschungsprojekte der mdw (PEEK projects). <em>Creative (Mis)Understandings \u2013 Methodologies of Inspiration<\/em> von Johannes Kretz und Wei-Ya Lin versucht den Drahtseilakt zwischen Forschung und Kunst mittels einer transkulturellen, dialogischen Form der Wissensproduktion und von Kompositionsprozessen in Auseinandersetzung mit der indigenen taiwanesischen Minderheit der Tao. <em>Rotting Sounds \u2013 Embracing the Temporal Deterioration of Digital<\/em> <em>Audio<\/em> von Thomas Grill wiederum besch\u00e4ftigt sich mit dem Ph\u00e4nomen des Informationsverlustes digitaler Medien und die Integration desselben in neue k\u00fcnstlerisch-\u00e4sthetische Konzepte.<\/p>\n<p>Der vorletzte Programmpunkt des Symposiums war der Trailer f\u00fcr den Kurzfilm <em>Jabberwocky of Kodi<\/em> von Helen Hideko Aihara Parkes, der w\u00e4hrend einer von der mdw gef\u00f6rderten Residency im Jahr 2017 an BASE \u2013 Research Centre for Artistic Research and Arts-Based Philosophy in Kodai Kanal, Indien entstanden ist.<\/p>\n<p>Die abschlie\u00dfende Panel-Diskussion trug den Titel <em>Institutional Policies and Current Practices<\/em> (Chair: Therese Kaufmann und Johannes Kretz, mdw). Die drei Diskutant_innen \u2013 Kathleen Coessens (Brussels Conservatoire\/Orpheus Institute, Ghent), Mieko Kanno (UniArts, Helsinki) und Anton Rey (Z\u00fcrcher Hochschule der K\u00fcnste) \u2013 pr\u00e4sentierten die zum Teil sehr unterschiedlichen Auffassungen und Praktiken von AR an ihren jeweiligen Universit\u00e4ten bzw. Konservatorien. In der anschlie\u00dfenden Diskussion wurde \u00fcber die Notwendigkeit und Umsetzungen von AR debattiert. Konsens war, dass AR gerade im Bereich der performativen K\u00fcnste Studierenden erm\u00f6gliche, \u201ereflective research skills\u201c zu entwickeln. Als Beispiel hierf\u00fcr wurden u.a. wissenschaftlich fundierte Interpretationen Alter Musik auf historischen Instrumenten und die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle als K\u00fcnstler_innen genannt. Johannes Kretz beendete das Symposium mit der Conclusio, dass zwar die Schwierigkeiten bei der Definition von AR eine Herausforderung darstellen k\u00f6nnen, sich aber gerade dadurch ein sehr breites und flexibles Feld zwischen Wissenschaft und Kunst mit beiderseitigen Potenzialen er\u00f6ffne.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/950\" target=\"_blank\">Beitrag zum Symposium auf der mdw-Website<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>Haruki Noda studierte klassische Gitarre an der Hochschule f\u00fcr Musik K\u00f6ln, seit 2016 Musiktheorie an der mdw. Er ist Studienassistent am Institut f\u00fcr Musikwissenschaft und Interpretationsforschung der mdw.<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das internationale Symposium Knowing in Performing. Artistic Research as a Distinct Practice and Discourse in the Field of Performing Arts Das am 4. 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