{"id":1681,"date":"2018-02-28T08:38:44","date_gmt":"2018-02-28T07:38:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1681"},"modified":"2018-06-04T14:01:51","modified_gmt":"2018-06-04T12:01:51","slug":"ich-glaube-an-junge-saenger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/02\/28\/ich-glaube-an-junge-saenger\/","title":{"rendered":"\u201eIch glaube an junge S\u00e4nger\u201c"},"content":{"rendered":"<strong>Der Welttenor Michael Schade ist im Sommersemester Artist in Residence der mdw und hat Gro\u00dfes vor: die Auff\u00fchrung von Mozarts <em>Cos\u00ec fan tutte<\/em> mit einem hauseigenen Ensemble.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1683\" aria-describedby=\"caption-attachment-1683\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1683\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Michael_Schade.jpg\" alt=\"Michael Schade\" width=\"400\" height=\"565\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Michael_Schade.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Michael_Schade-212x300.jpg 212w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1683\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Harald Hoffmann<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei Mozart liege die Wahrheit blank, \u201ewie auf der Schneidekante eines Messers\u201c sagt Michael Schade. \u201eWenn Guglielmo \u00fcber die Frauen l\u00e4stert, ist das pure Gewalt, denn er ist verletzt.\u201c Wie das in Mozarts <em>Cos\u00ec fan tutte<\/em> zu klingen hat, wird einer der f\u00fchrenden Mozarts\u00e4nger ausgew\u00e4hlten Studierenden des Instituts f\u00fcr Gesang und Musiktheater der mdw im Sommersemester beibringen. Schade hat als Artist in Residence Gro\u00dfes vor: aus den angehenden Operns\u00e4ngerInnen formiert er in Zusammenarbeit mit dem Institut und dessen Leiterin Margit Klaushofer ein Ensemble, das die Opernbespielung des Sch\u00f6nbrunner Schlosstheaters w\u00e4hrend des Sommers auf neue Beine stellt. Diesen Sommer ist Premiere mit Mozarts <em>Cos\u00ec fan tutte<\/em>, die von 12. bis 15. Juli viermal in semi-konzertanter Form im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn zu sehen sein wird und den Auftakt f\u00fcr einen regelm\u00e4\u00dfigen Sommerbetrieb geben soll.<\/p>\n<p>\u201eDa mir so viel geholfen wurde, habe ich die Pflicht, auch anderen zu helfen\u201c, sagt Michael Schade, der die Gr\u00f6\u00dften, wie Riccardo Muti, Nikolaus Harnoncourt und Helmuth Rilling zu seinen pr\u00e4genden Lehrern z\u00e4hlt. Die <em>Cos\u00ec<\/em> mit\u00a0Muti habe ihn \u201ein ein anderes Universum gebracht\u201c. Und Harnoncourt sei ihm ein musikalischer Vater gewesen. Die Arbeit mit diesen Maestri resultierte in Schades klarer, ausdrucksstarker Stimmf\u00fchrung, fulminanter Darstellungskunst und messerscharfer Wortdeutlichkeit. Der Deutsch-Kanadier mit dem unvergleichlichen Timbre, der als Wagners Stolzing ebenso brilliert wie als S\u00e4nger von Oratorien, ist \u201eim Herzen ein Mozart-Tenor\u201c geblieben, wie er sagt. In der Mozart-Interpretation setzte Schade neue Ma\u00dfst\u00e4be, ebenso unvergleichlich sind seine Strauss-Partien. Und wenn er in Schuberts <em>M\u00fcllerin<\/em> oder dessen <em>Winterreise<\/em> den Weg in den Tod antritt, werden die Leiden der jungen Liebenden f\u00fchlbar. \u201eOper, Lied und Oratorium geh\u00f6ren f\u00fcr mich zusammen\u201c, erkl\u00e4rt er. Das setzt er auch bei seinen Studierenden voraus.<\/p>\n<p>Als Entdecker und F\u00f6rderer junger Talente ist Schade seit zehn Jahren aktiv und das an den ersten Adressen der Opernwelt. Anno 2008 rekrutierte er erstmals bei den <em>Salzburger Festspielen<\/em> junge, vielversprechende S\u00e4ngerInnen aus den besten Opernh\u00e4usern der Welt f\u00fcr sein erstes <em>Young Singers Project<\/em>, das an der Salzach inzwischen zur Festspiel-Institution geworden ist. Und das ist nur eines von den Projekten, das er jungen Talenten widmet. Als Intendant der Barocktage in Melk begeistert er die J\u00fcngsten in eigenen Programmen f\u00fcr Musik und requirierte erfolgreich Sponsoren f\u00fcr den<em> Johann Heinrich Schmelzer Wettbewerb<\/em>. Zum zehnten Mal findet diesen Sommer auf hoher See der Gesangswettbewerb <em>Stella maris<\/em> statt. Auf einer Kreuzfahrt, die diesen Sommer von Barcelona nach Hamburg f\u00fchrt, werden aus der jungen S\u00e4ngerInnengeneration aus den gr\u00f6\u00dften Opernh\u00e4usern der Welt die Besten von einer Fachjury ermittelt. Zwei GewinnerInnen der <em>Stella maris<\/em>-Reisen sind dem Wiener Opernpublikum bereits bekannt: Hila Fahima und Jongmin Park.<\/p>\n<p>\u201eDie Welt braucht neue, lyrische, herrliche Stimmen\u201c, sagt Schade, der darauf brennt, seine Passion als F\u00f6rderer auch in Wien ausleben zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eIch glaube an die jungen S\u00e4ngerInnen und ich will sie anspornen\u201c, sagt er und dr\u00fcckt sein Unverst\u00e4ndnis dar\u00fcber aus, dass Gesangsstudierende nicht \u00f6fter auf\u00a0dem Stehplatz zu finden sind. Es g\u00e4be zwei Arten von talentierten S\u00e4ngerInnen, sagt er, die einen seien schwer zu z\u00fcgeln, die anderen h\u00e4tten zu viel Respekt vor der Aufgabe. \u201eS\u00e4ngerInnen, die kurz vor ihrer Karriere stehen, brauchen die Hilfe am meisten. Und mir geht es darum, weiterzugeben, was mir gegeben wurde\u201c, sagt Schade. Und das ist keinesfalls wenig.<\/p>\n<p>Bereits im Elternhaus des kanadischen Ingenieurssohnes wurde stets gesungen. \u201eIch bin mir sicher, dass mein Vater Peter Schreier oder Fritz Wunderlich ein guter Konkurrent h\u00e4tte sein k\u00f6nnen\u201c, sagt Schade. Nach dem Krieg aber hatte der sein Technik-Studium begonnen und die Karriere eines Ingenieurs eingeschlagen. \u201eIn unserer Familie wurde immer gesungen, aber niemand h\u00e4tte jemals daran gedacht, sein Brot damit zu verdienen\u201c, erz\u00e4hlt er. Auch er zun\u00e4chst nicht. Die Familie \u00fcbersiedelte in den Siebzigerjahren von Deutschland nach Kanada. Die Eltern waren in Ch\u00f6ren aktiv, als Bub sang Michael im St. Michael\u2019s Choir in Toronto und begann nach der Schule das Studium der Veterin\u00e4rmedizin. Den Gesang aber gab Schade nie auf und trat dem Universit\u00e4tschor in Ontario bei. Als ein Kollege aus der Musik-Fakult\u00e4t sein hohes B vernahm, forderte er ihn auf, ihn bei einem Wettbewerb zu begleiten. Der S\u00e4nger Schade war entdeckt. Das Studium am renommierten Curtis Institute in Philadelphia war die ideale Vorbereitung f\u00fcr seine globale Karriere. \u201eDort gab es eine eigene Opern-Company, die von einem hervorragenden Orchester begleitet wurde\u201c, erinnert sich Schade, den Ioan Holender in den Neunzigerjahren an die Wiener Staatsoper geholt hat. \u201eFr\u00fcher hat man studiert, kam an ein Haus und in ein Ensemble und irgendwann war man frei. Aber die Welt hat sich ver\u00e4ndert.\u201c Die Wechsel von Dirigenten erfolgen rasch. \u201eAls ich so weit war, dass ich mit Muti, Harnoncourt, Dohn\u00e1nyi und Welser-M\u00f6st gesungen habe, hatte ich gelernt, dass ein S\u00e4nger stets das richtige Pferd f\u00fcr den richtigen Reiter sein muss.\u201c Noch heute erinnert sich Schade dankbar an Mutis \u201eDrill\u201c. Den werde er an seine Studierenden weitergeben, \u201ewenn sie wollen\u201c, f\u00fcgt er hinzu. Und wenn sie eine Mozart-Partie mit ihm einstudiert haben, \u201edann haben sie etwas in der Tasche, einen wahren Mozartklang, wenn sie in die Welt gehen\u201c, sagt er. Einen besseren Reisepass f\u00fcr die Opernwelt wird man heute kaum finden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Welttenor Michael Schade ist im Sommersemester Artist in Residence der mdw und hat Gro\u00dfes vor: die Auff\u00fchrung von Mozarts Cos\u00ec fan tutte mit einem hauseigenen Ensemble. Bei Mozart liege die Wahrheit blank, \u201ewie auf der Schneidekante eines Messers\u201c sagt Michael Schade. \u201eWenn Guglielmo \u00fcber die Frauen l\u00e4stert, ist das pure Gewalt, denn er ist &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":35,"featured_media":1684,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[454,88,500,501,233,173,41],"class_list":["post-1681","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-music","tag-2018-1","tag-gesang","tag-michael-schade","tag-singen","tag-stimme","tag-tenor","tag-voice"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1681","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/35"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1681"}],"version-history":[{"count":6,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1681\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2005,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1681\/revisions\/2005"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1684"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1681"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1681"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1681"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}