{"id":1626,"date":"2018-02-28T08:37:50","date_gmt":"2018-02-28T07:37:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1626"},"modified":"2018-02-28T08:37:50","modified_gmt":"2018-02-28T07:37:50","slug":"schoene-bilder-reichen-nicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/02\/28\/schoene-bilder-reichen-nicht\/","title":{"rendered":"Sch\u00f6ne Bilder reichen nicht"},"content":{"rendered":"\u201eIch arbeite und verdiene mein Geld damit\u201c, sagt Anna Hawliczek, \u201eich mach nichts anderes als Kamera\u201c. Ganz \u00e4hnlich f\u00e4llt die Antwort auch aus, wenn man Serafin Spitzer oder Carolina Steinbrecher nach ihrem aktuellen beruflichen Status fragt. Alle drei sind Anfang 30, studieren an der Filmakademie Wien und sind gleichwohl bereits gefragte Kameraleute.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1629\" aria-describedby=\"caption-attachment-1629\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1629\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/unmensch.jpg\" alt=\"Unmensch\" width=\"1000\" height=\"577\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/unmensch.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/unmensch-300x173.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/unmensch-768x443.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/unmensch-850x491.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1629\" class=\"wp-caption-text\">Unmensch \u00a9Anna Hawliczek<\/figcaption><\/figure>\n<figure id=\"attachment_1630\" aria-describedby=\"caption-attachment-1630\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1630\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/anna_hawliczek.jpg\" alt=\"Anna Hawliczek\" width=\"400\" height=\"389\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/anna_hawliczek.jpg 574w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/anna_hawliczek-300x292.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1630\" class=\"wp-caption-text\">Anna Hawliczek \u00a9Daniel Prochaska<\/figcaption><\/figure>\n<p>Steinbrecher und Hawliczek sind Jahrgangskolleginnen und seit 2010 an der mdw, Spitzer zwei Jahre l\u00e4nger. Die mehrt\u00e4gige Aufnahmepr\u00fcfung haben sie als Herausforderung erlebt, doch wer sie geschafft hat, darf sich zu Recht einmal best\u00e4tigt f\u00fchlen. Vor allem, wenn man so wie Serafin Spitzer zun\u00e4chst gewisse Selbstzweifel hat: \u201eIch habe von meiner Mutter, die Malerin ist, viel \u00fcbers Schauen gelernt und war schon in der Schule immer k\u00fcnstlerisch interessiert. Doch als ich mich an der Filmakademie beworben habe, wusste ich nicht, ob ich wirklich geeignet w\u00e4re, Kamera zu machen. Was mich am Film fasziniert hat, war\u00a0eigentlich etwas, das ,hinter dem Bild\u2018 liegt: Dass man Dinge transportieren kann, die einen ungeheuren Tiefgang haben, aber oft banal werden, wenn man sie einfach ausspricht. Welche Funktion ich selbst bei alldem erf\u00fcllen k\u00f6nnte, war mir noch v\u00f6llig unbewusst.\u201c<\/p>\n<p>Umso mehr wissen die Studierenden das recht lockere Curriculum zu sch\u00e4tzen. De facto kann man ab dem ersten Wochenende drehen, die Universit\u00e4t bietet einem das Equipment und die M\u00f6glichkeit, eigene kleine Arbeiten ohne gro\u00dfe Finanzierung zu realisieren. Am wichtigsten allerdings sind die Kontakte, die man w\u00e4hrend des Studiums kn\u00fcpft. \u201eDas Netz ist extrem wichtig\u201c, meint Carolina Steinbrecher, \u201edie Leute, die man kennenlernt, die Erfahrungen, die man macht, und eben die Projekte. Filme dreht man ja nicht allein! An der Akademie hat man Gelegenheit, herauszufinden: Wer macht was? Mit wem kann ich und mit wem eher nicht? Daraus entstehen Verbindungen, die im besten Fall bis nach drau\u00dfen halten.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1631\" aria-describedby=\"caption-attachment-1631\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1631\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Carolina_Steinbrecher.jpg\" alt=\"Carolina Steinbrecher\" width=\"400\" height=\"293\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Carolina_Steinbrecher.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Carolina_Steinbrecher-300x220.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1631\" class=\"wp-caption-text\">Carolina Steinbrecher \u00a9Eni Cani<\/figcaption><\/figure>\n<p>Anna Hawliczek, die ebenso wie Steinbrecher von der Grafischen kam, begeisterte sich immer schon f\u00fcr \u00f6sterreichisches Kino. \u201eDass ich die Filme cool fand, war mit ein Grund, weshalb ich mich f\u00fcr die Klasse von Wolfgang Thaler beworben habe\u201c, erkl\u00e4rt die viel besch\u00e4ftigte Kamerafrau. Inzwischen hat sie mit ihrer Regiekollegin Jasmin Baumgartner eine Produktionsgemeinschaft gegr\u00fcndet und neben Werbefilmen und Musikvideos auch zwei mehrfach ausgezeichnete Kurzfilme in der Regie\u00a0Baumgartners realisiert (<em>I See a Darkness<\/em> und <em>Der Unmensch<\/em>). Dar\u00fcber hinaus l\u00e4sst Hawliczek keine M\u00f6glichkeit aus, neue Erfahrungen zu machen. Thaler beispielsweise hat sie als zweite Kamerassistentin zu einem abenteuerlichen Dreh in die jordanische W\u00fcste begleitet oder Patrick Vollrath, einen ihrer Kommilitonen, bei einem Projekt als Associate Producer unterst\u00fctzt. \u2013 H\u00fcbsches Detail am Rande: <em>Theeb<\/em> und <em>Alles wird gut<\/em>, die zwei Filme, bei denen sie die H\u00e4nde im Spiel hatte, waren 2016 beide f\u00fcr einen Oscar nominiert.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/pnEd_WSGtWQ\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Auch Steinbrecher und Spitzer haben bei Wolfgang Thaler sowie dem bereits emeritierten Christian Berger studiert. \u201eBerger war lichtfanatisch, das hat mich genauso fasziniert wie die N\u00e4he, die Thaler mit seinen Protagonisten aufbaut, weil er die Kamera oft in der Hand hat\u201c, sagt Serafin Spitzer und bringt damit zwei pr\u00e4gende Momente seiner Ausbildung auf den Punkt: \u201eder Zugang zu nat\u00fcrlichem Licht und die Kamera als Werkzeug, das zu einem Teil deines K\u00f6rpers wird\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1628\" aria-describedby=\"caption-attachment-1628\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1628\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/wolkenkratzerin.jpg\" alt=\"Wolkenkratzerin\" width=\"1000\" height=\"509\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/wolkenkratzerin.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/wolkenkratzerin-300x153.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/wolkenkratzerin-768x391.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/wolkenkratzerin-850x433.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1628\" class=\"wp-caption-text\">Wolkenkratzerin \u00a9Carolina Steinbrecher<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die professionellen Anforderungen, darin sind alle drei Kamerapersonen sich einig, gehen heute weit \u00fcber das Bildermachen hinaus. Sie sei meist ab \u201eStunde Null\u201c bei einem Projekt dabei, so Anna Hawliczek. \u201eIch sehe Kamera \u00fcberhaupt nicht als Einzeldom\u00e4ne\u201c, best\u00e4tigt Carolina Steinbrecher, die gerade ein Auslandssemester an der HFF Konrad Wolf in Potsdam hinter sich hat. \u201eSch\u00f6ne Bilder reichen nicht. Bei der Vorbereitung bin ich deshalb immer sehr involviert. Ich m\u00f6chte vorab so viel als m\u00f6glich \u00fcber ein Projekt wissen, vor allem \u00fcber die Wahl der Schauspieler oder der Locations. Das ist meiner Meinung nach das A und O.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/drXnFXhjYSo\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Auf internationalen Festivals machte Steinbrecher zun\u00e4chst mit dem Kurzfilm <em>Schwitzen<\/em> von sich reden, ihrer ersten Arbeit mit Iris Blauensteiner; die Regisseurin, die an der Bildenden studierte, hatte sie bei \u201eeiner Art Kamera-Casting\u201c kennengelernt. Seither hat Carolina Steinbrecher mehrere l\u00e4ngere Dokumentarfilme gedreht: <em>Rast<\/em>, neuerlich in Kollaboration mit Blauensteiner, und <em>Die Wolkenkratzerin<\/em>, ein Langzeitprojekt von Lisa Weber \u00fcber eine Teenagerin, die selbst bereits Mutter ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1632\" aria-describedby=\"caption-attachment-1632\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1632\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/erdbeerland.jpg\" alt=\"Erdbeerland\" width=\"1000\" height=\"536\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/erdbeerland.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/erdbeerland-300x161.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/erdbeerland-768x412.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/erdbeerland-850x456.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1632\" class=\"wp-caption-text\">Erdbeerland \u00a9Serafin Spitzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am meisten lerne man von anderen, ist die Kamerafrau \u00fcberzeugt, die gleichfalls schon zweite Assistenz bei Thaler gemacht hat, unter anderem bei dem Stefan-Zweig-Film <em>Vor der Morgenr\u00f6te<\/em>. Und nat\u00fcrlich gibt es Kameraleute, deren Arbeiten man sich anschaut, um sich inspirieren zu lassen, bekr\u00e4ftigt Steinbrecher, nach etwaigen Vorbildern befragt. \u201eF\u00fcr mich ist aber eher spannend zu sehen, wie man menschlich agiert in dem Beruf. Es geht darum, dass sich jemand vor der Kamera pr\u00e4sentiert und \u2013 egal, ob Schauspieler oder Protagonist in einem Dokumentarfilm \u2013 sein Innerstes preisgibt. Man hat eine Verantwortung gegen\u00fcber dem Menschen, den man abbildet. Das ist etwas, wor\u00fcber ich viel nachdenke.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_1633\" aria-describedby=\"caption-attachment-1633\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1633\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Serafin_Spitzer.jpg\" alt=\"Serafin Spitzer\" width=\"300\" height=\"366\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Serafin_Spitzer.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/Serafin_Spitzer-246x300.jpg 246w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1633\" class=\"wp-caption-text\">Serafin Spitzer \u00a9Richard Wilhelmer<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mitunter freilich macht das Filmen nicht nur etwas mit den Menschen vor, sondern auch mit den Menschen hinter der Kamera. \u201eIch hab zwei Langfilme gebraucht, bis mir klar wurde, dass man nicht einfach von einem\u00a0Projekt ins n\u00e4chste geht, sondern da bleibt etwas haften\u201c, bekennt Spitzer. \u201eDas war bei <em>Lampedusa im Winter<\/em> so und auch bei dem Portr\u00e4t <em>Gwendolyn<\/em> \u2013 eine unglaublich intensive Auseinandersetzung mit dem Tod und dem \u00c4lterwerden, die mich \u00fcber das Ende des Drehs hinaus begleitet hat. Genau das finde ich aber das Sch\u00f6ne am Dokumentarfilm: Dass man sich vom Leben ver\u00e4ndern l\u00e4sst, statt ihm wie beim Spielfilm etwas aufzudr\u00fccken.\u201c<\/p>\n<p>Serafin Spitzer geh\u00f6rt zu den arriviertesten Kameraleuten der jungen Generation, er wird heuer bereits seinen f\u00fcnften abendf\u00fcllenden Kinofilm drehen. Zudem gehen etliche kleinere Arbeiten auf sein Konto, darunter ein Filmessay zum Umgang mit psychisch Kranken, ein winziges Dokumentarfilmprojekt \u00fcber Biodiversit\u00e4t am Jauerling, ein Video f\u00fcr Wanda und nicht zuletzt klassisches Bildungsfernsehen, etwa eine Sendung \u00fcber das \u00d6sterreichische Staatsarchiv. \u201eMan hat zwei Drehtage f\u00fcr 25 Minuten und muss extrem gut vorbereitet sein. Das ist eine Super\u00fcbung, denn die Akademie kann einen nicht auf alles vorbereiten. Soll sie auch gar nicht! Ein gewisses Ma\u00df an Eigenverantwortung erachte ich \u2013 wie \u00fcberhaupt im Leben \u2013 als notwendig.\u201c<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/KHFgU2IjxMM\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eIch arbeite und verdiene mein Geld damit\u201c, sagt Anna Hawliczek, \u201eich mach nichts anderes als Kamera\u201c. Ganz \u00e4hnlich f\u00e4llt die Antwort auch aus, wenn man Serafin Spitzer oder Carolina Steinbrecher nach ihrem aktuellen beruflichen Status fragt. Alle drei sind Anfang 30, studieren an der Filmakademie Wien und sind gleichwohl bereits gefragte Kameraleute. 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