{"id":1617,"date":"2018-02-28T08:56:17","date_gmt":"2018-02-28T07:56:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1617"},"modified":"2018-02-28T08:56:21","modified_gmt":"2018-02-28T07:56:21","slug":"cinematographia-musicae-popularis-volksmusik-im-film","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/02\/28\/cinematographia-musicae-popularis-volksmusik-im-film\/","title":{"rendered":"Cinematographia Musicae Popularis \u2013 Volksmusik im Film"},"content":{"rendered":"<strong>Eine neue Veranstaltungsreihe des Instituts f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der mdw<\/strong><\/p>\n<p>Audiovisuelle Medien sind heute aus den Kulturwissenschaften nicht mehr wegzudenken. Videoclips im Internet mit dazugeh\u00f6rigen Kommentaren k\u00f6nnen zur Analyse aktueller Diskurse in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen herangezogen werden. Filmaufnahmen werden aber ebenso als Prim\u00e4rquellen f\u00fcr laufende Forschungen erstellt und in wissenschaftlichen\u00a0Archiven zug\u00e4nglich gemacht. Weiters dienen sie regelm\u00e4\u00dfig als Ausgangspunkt und wirkungsvolles Anschauungsmaterial f\u00fcr Vortr\u00e4ge und Ver\u00f6ffentlichungen sowie in der Lehre. In der Ethnologie ist die Visual Anthropology ein l\u00e4ngst etabliertes Forschungsfeld mit zum Teil eigenen Masterstudieng\u00e4ngen. Der ethnografische Film ist dementsprechend ein eigenst\u00e4ndiges Publikationsformat, f\u00fcr das zahllose internationale Festivals geschaffen worden sind. Konstitutiv f\u00fcr das Genre ist die Einsicht, dass im ethnografischen Film immer die Sichtweisen aller an der Dokumentation Beteiligten reflektiert werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1618\" aria-describedby=\"caption-attachment-1618\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1618\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/zakarpattia.jpg\" alt=\"Zakarpattia\" width=\"1000\" height=\"552\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/zakarpattia.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/zakarpattia-300x166.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/zakarpattia-768x424.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/zakarpattia-850x469.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1618\" class=\"wp-caption-text\">Zakarpattia von Shaun Williams \u00a9Shaun Williams<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ganz besonders profitiert von der Einf\u00fchrung des Tonfilms haben die Volksmusikforschung und Ethnomusikologie. Die M\u00f6glichkeit, musik- und tanzbezogene Situationen in ihrem zeitlichen Verlauf festzuhalten, hat die Quellenlage geradezu revolutioniert. Wir k\u00f6nnen nun die Interaktion in einem Gesangsensemble, Spieltechniken von Musikinstrumenten und komplexe t\u00e4nzerische Bewegungsabl\u00e4ufe bis ins kleinste Detail analysieren. Ebenso r\u00fcckt der lebensweltliche Kontext der musikalischen Ausdrucksformen st\u00e4rker in den Fokus. Vor allem aber bringt das Medium des Films wie kein anderes die Pers\u00f6nlichkeit des musizierenden Menschen zur Geltung, die f\u00fcr die Volksmusikforschung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert zentraler Bezugspunkt ist. So wie zahlreiche Studien etwa herausragende S\u00e4ngerInnen oder InstrumentalistInnen portr\u00e4tieren, so kennen auch volksmusikalische Filme ihre Hauptpersonen. Wissenschaftliche Arbeit kann auf diese Weise auch Emotionen unmittelbarer vermitteln, was einen entscheidenden Vorteil gegen\u00fcber dem geschriebenen Wort darstellt. Dar\u00fcber hinaus kann das Medium Film ein viel breiteres, nicht fachgebundenes Publikum erreichen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/player.vimeo.com\/video\/212678586?color=c2988a\" width=\"640\" height=\"360\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<figure id=\"attachment_1619\" aria-describedby=\"caption-attachment-1619\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1619\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/table_songs.jpg\" alt=\"Table Songs\" width=\"400\" height=\"559\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/table_songs.jpg 800w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/table_songs-215x300.jpg 215w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/table_songs-768x1073.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/table_songs-733x1024.jpg 733w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1619\" class=\"wp-caption-text\">Table Songs of Kakheti von Hugo Zemp und Nona Lomidze \u00a9Hugo Zemp<\/figcaption><\/figure>\n<p>Auch und gerade in der europ\u00e4ischen Volksmusikforschung besteht seit geraumer Zeit das eigenst\u00e4ndige Genre des volksmusikalischen und ethnomusikologischen Dokumentarfilms. Forscherpers\u00f6nlichkeiten dokumentieren ihren durchaus individuellen Zugang zu den untersuchten Musikkulturen auf der Grundlage eines wissenschaftlichk\u00fcnstlerischen Konzepts und auf hohem filmischen Niveau. Ein st\u00e4ndiger Perspektivenwechsel im Sinne des Dialogical Editing ist hierbei notwendiger Bestandteil eines den Standards der Volksmusikforschung und Ethnomusikologie angemessenen Dokumentarfilms. Dies setzt freilich voraus, dass wissenschaftlich Filmschaffende und ihre Gew\u00e4hrsleute vor Ort die gleiche Sprache sprechen. Eben deshalb ist der dialogische Ansatz der performer-centered Research in der europ\u00e4ischen Volksmusikforschung besonders fr\u00fch entwickelt worden.<\/p>\n<p>Mit der von Ulrich Morgenstern und Ardian Ahmedaja konzipierten Veranstaltungsreihe <em>Cinematographia Musicae Popularis<\/em> (CiMPo) bietet das Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie seit Juni 2017 ein Forum f\u00fcr fachlich profilierte Filmschaffende, um wissenschaftlich-k\u00fcnstlerische Produktionen, vorwiegend im Bereich der europ\u00e4ischen Volksmusik, einem breiten Publikum innerhalb und au\u00dferhalb der mdw vorzustellen. Hierin besteht die Chance, die Arbeitsweise und durchaus auch den Reiz volksmusikalischen Forschens transparent zu machen.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/ifOY55ncqIE\" width=\"560\" height=\"315\" frameborder=\"0\" allowfullscreen=\"allowfullscreen\"><\/iframe><\/p>\n<p>Den Auftakt f\u00fcr CiMPo lieferte der von Hugo Zemp und Nona Lomidze in Georgien gedrehte Film <em>Table Songs of Kakheti<\/em>, der am 20. Juni 2017 in Anwesenheit des georgischen Botschafters Konstantine Zaldastanishvili (1960\u20132017) in der Diplomatischen Akademie Wien von der Koautorin vorgestellt wurde. Die zweite Veranstaltung war schon nicht mehr eindeutig einer Nationalkultur zuzuordnen. Am 20. Oktober 2017 pr\u00e4sentierte Shaun Williams (Cincinnati\/Bukarest) im Neuen Konzertsaal der mdw die Dokumentation <em>Zakarpattia<\/em>, die Einblicke in das Musikleben der multiethnischen Karpatenukraine bot, unter anderem die abenteuerliche Konzertreise einer Roma-Gruppe nach Budapest.<\/p>\n<p>F\u00fcr 2018 hat CiMPo als Schwerpunkt sardische Traditionen gew\u00e4hlt. In bew\u00e4hrter Kooperation des IVE mit dem Istituto Italiano di Cultura di Vienna, wo auch die kommenden beiden Filmabende jeweils donnerstags stattfinden werden. Am 24. Mai wird Renato Morelli seine Arbeit \u00fcber den Gesang \u201ea cuncordu\u201c in der Karwoche von Cuglieri am Beispiel zweier S\u00e4ngergenerationen vorstellen und am 8. November wird Marco Lutz einen Film \u00fcber die \u201es\u2019arrepetina\u201c, eine Tradition der improvisierten Poesie in Zentral- und S\u00fcdsardinien, pr\u00e4sentieren. Die Kooperation mit internationalen Partnern sowie der Kontakt mit ausl\u00e4ndischen Communitys in Wien soll auch weiterhin ein wesentliches Standbein von CiMPo bleiben.<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/ive\/cimpo\" target=\"_blank\">www.mdw.ac.at\/ive\/cimpo<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine neue Veranstaltungsreihe des Instituts f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der mdw Audiovisuelle Medien sind heute aus den Kulturwissenschaften nicht mehr wegzudenken. Videoclips im Internet mit dazugeh\u00f6rigen Kommentaren k\u00f6nnen zur Analyse aktueller Diskurse in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen herangezogen werden. Filmaufnahmen werden aber ebenso als Prim\u00e4rquellen f\u00fcr laufende Forschungen erstellt und in wissenschaftlichen\u00a0Archiven zug\u00e4nglich gemacht. 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