{"id":1602,"date":"2018-02-28T08:55:04","date_gmt":"2018-02-28T07:55:04","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1602"},"modified":"2018-02-28T08:56:35","modified_gmt":"2018-02-28T07:56:35","slug":"die-heilende-kraft-der-musik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2018\/02\/28\/die-heilende-kraft-der-musik\/","title":{"rendered":"Die heilende Kraft der Musik"},"content":{"rendered":"<strong>Im J\u00e4nner dieses Jahres lancierte das Wiener Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung, kurz WZMF, mit dem Schwerpunkt auf Musiktherapie mit Kindern, Jugendlichen und Familien, eine Kooperation der mdw und der Medizinischen Universit\u00e4t Wien. Thomas Stegemann, Professor f\u00fcr Musiktherapie an der mdw und Facharzt f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, Christine Vesely, Lehrende an der Medizinischen Universit\u00e4t Wien und Fach\u00e4rztin f\u00fcr Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Psychotherapeutin, sowie Monika Smetana, Musiktherapeutin, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lehrende am Institut f\u00fcr Musiktherapie an der mdw, im Gespr\u00e4ch mit dem <em>mdw-Magazin<\/em>.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1605\" aria-describedby=\"caption-attachment-1605\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1605\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5428.jpg\" alt=\"Interview\" width=\"1000\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5428.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5428-300x150.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5428-768x384.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5428-850x425.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1605\" class=\"wp-caption-text\">v.l.n.r.: Christine Vesely, Thomas Stegemann, Monika Smetana \u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Herr Stegemann, Sie sind Teil des Leitungsteams des neuen Wiener Zentrums f\u00fcr Musiktherapie-Forschung. Woher stammt die Idee dazu?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Thomas Stegemann (TS):<\/strong>\u00a0Im Grunde ist das eine Idee, die ich von Anfang an verfolgt habe. Eine Einrichtung, in der Forschung, Lehre und Therapiebehandlung unter einem Dach vereint sind, und die so dem universit\u00e4ren Gedanken entspricht. Die Studierenden haben dadurch die M\u00f6glichkeit, sowohl Forschung als auch Therapien mitzuerleben. Therapien k\u00f6nnen live beobachtet und anschlie\u00dfend mit den DozentInnen besprochen werden.<\/p>\n<p><strong>Wo sehen Sie die Weiterentwicklung zum bereits existierenden Institut f\u00fcr Musiktherapie?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Das Institut ist haupts\u00e4chlich f\u00fcr die Lehre zust\u00e4ndig. Nat\u00fcrlich wurde hier bereits wissenschaftlich gearbeitet. Jetzt bietet sich allerdings die M\u00f6glichkeit, eine Forschungsinfrastruktur aufzubauen und Projekte durchzuf\u00fchren, wo zum Beispiel Videoaufnahmen f\u00fcr Lehre und Forschung genutzt werden k\u00f6nnen. Geplant ist zudem die Erhebung neurophysiologischer Daten \u2013 hier sind wir jedoch auf die Kooperation mit dem AKH angewiesen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1611\" aria-describedby=\"caption-attachment-1611\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1611\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5397.jpg\" alt=\"Therapiezimmer\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5397.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5397-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5397-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5397-850x568.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1611\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Was beinhaltet diese Kooperation, Frau Vesely?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Christine Vesely (CV):<\/strong> Die Ausbildungskooperation mit dem Institut f\u00fcr Musiktherapie existiert bereits seit 1996 \u2013 neu ist die gemeinsame Durchf\u00fchrung von Forschungsprojekten, mit dem zus\u00e4tzlichen Vorteil, zuk\u00fcnftig auch ambulante PatientInnen an das WZMF zur Musiktherapie zuweisen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wie kann man sich nun die musiktherapeutische Forschung konkret vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> F\u00fcrs Erste werden spezielle Krankheitsbilder ausgew\u00e4hlt, geplant sind hier PatientInnen mit Autismus, beziehungsweise auch traumatisierte PatientInnen. Mit diesen speziellen Diagnosegruppen werden anschlie\u00dfend Projekte erstellt, im Rahmen derer die Effekte von Musiktherapie mithilfe von elektrophysiologischen Methoden, wie EEG oder Neurofeedback, aber auch Messungen von Parametern wie Oxytocin und Kortisol aus dem Blut, gemessen werden sollen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1606\" aria-describedby=\"caption-attachment-1606\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1606\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5399.jpg\" alt=\"Instrumentarium\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5399.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5399-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5399-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5399-850x568.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1606\" class=\"wp-caption-text\">Das Instrumentarium weckt die Neugier der PatientInnen: Was ist das? Wie f\u00fchlt sich das an? Wie riecht das? Wie klingt das? Bei Kindern auch: Wie schmeckt das? \u2013 Leben mit allen Sinnen. \u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Und die Forschung flie\u00dft dann auch wieder in den Unterricht ein\u2026<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Genau. Idealerweise befruchten sich diese beiden Bereiche. Forschung wird dann lebendig, wenn Studierende direkt eintauchen k\u00f6nnen und einen Einblick gewinnen k\u00f6nnen, wie Forschung funktioniert. Oft ergeben sich f\u00fcr die Musiktherapie-Studierenden in den Praktika auch Fragestellungen, die weiterverfolgt werden k\u00f6nnen und Themen f\u00fcr eine Diplomarbeit bieten, oder Medizinstudierende interessieren sich f\u00fcr ein musiktherapeutisches\u00a0Thema und bearbeiten es in einer wissenschaftlichen Arbeit. Das h\u00e4tte den positiven Effekt, dass Medizinstudierende mit Musiktherapie vertraut sind und besser beurteilen k\u00f6nnen, wann eine Indikation f\u00fcr Musiktherapie gegeben ist.<\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> Es stellt meiner Ansicht nach auch den Sinn einer universit\u00e4ren Ausbildung dar, dass man nicht nur die Diagnostik und Behandlung von PatientInnen erlernt, sondern auch einen Zugang zur Wissenschaft erh\u00e4lt. Dadurch lernen Studierende nicht nur \u00fcber den Horizont des eigenen Faches hinauszuschauen, sondern auch die Vernetzung mit anderen Bereichen.<\/p>\n<p><strong>Wie werden die Studierenden konkret an die Forschung herangef\u00fchrt, Frau Smetana?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Monika Smetana (SM):<\/strong>\u00a0Dazu gibt es speziell wissenschaftliche Seminare, die auf die Diplomarbeit ausgerichtet sind, und Ideen anregen, wie ein Forschungsprojekt \u00fcberhaupt aufgebaut sein k\u00f6nnte. Die Studierenden sollen sehen, was sich alles beobachten l\u00e4sst, wie man eine Situation einfangen, beschreiben und analysieren kann. In einem Forschungspraktikum haben Studierende beispielsweise die M\u00f6glichkeit, durch Rollenspiele Verschiedenes auszuprobieren, die Infrastruktur zu nutzen und Forschungsstrategien zu formulieren, beziehungsweise Forschungsmethoden im \u201eTrockentraining\u201c auszuprobieren. Da gibt es eine sehr gro\u00dfe Vielfalt an quantitativen und qualitativen M\u00f6glichkeiten.<\/p>\n<p><strong>In den neuen R\u00e4umlichkeiten des WZMF wurden zwei Therapier\u00e4ume eingerichtet. Wie kann man sich eine Therapiestunde vorstellen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Das Besondere an der Musiktherapie ist, dass man nie vorhersagen kann, wie eine Stunde verl\u00e4uft. Das ist eine St\u00e4rke \u2013 in der Vermittlung \u2013, aber auch eine Herausforderung. Diese Offenheit ist jedenfalls wichtig, um Raum zur Entwicklung zu bieten. Meistens ist es jedoch so, dass man die erste Stunde mit der Exploration des Raumes beginnt \u2013 die Instrumente haben einen Appell-Charakter, das verleitet zum Ausprobieren. Manche PatientInnen wollen gleich zu Beginn Instrumente ausprobieren, bei anderen ist es das Ende eines langen therapeutischen Weges, wenn sie sich schlussendlich trauen.<br \/>\nEin rezeptives Angebot in der Musiktherapie w\u00e4re etwa eine Entspannungs\u00fcbung, bei der der\/die TherapeutIn live f\u00fcr den Patienten\/die PatientIn spielt. Daf\u00fcr gibt es auch eine gem\u00fctliche Ecke im Raum, in der sich ein Kind entspannen, aber auch zur\u00fcckziehen kann und vielleicht den Vorhang vorziehen kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1607\" aria-describedby=\"caption-attachment-1607\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1607\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5385.jpg\" alt=\"Instrument\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5385.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5385-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5385-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5385-850x568.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1607\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wo kann sich die Wirkung von Musik besonders gut entfalten?<\/strong><\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> Wir beobachten bei kinder- und jugendpsychiatrischen PatientInnen etwas sehr Spannendes in der Musiktherapie. Jene PatientInnen, denen es schwerf\u00e4llt sich verbal auszudr\u00fccken, tun sich oft im Rahmen einer Musiktherapie leichter, Emotionen und Bed\u00fcrfnisse darzustellen. Gerade Jugendliche in der Pubert\u00e4t haben oft das Problem, dass sich innerlich sehr viel abspielt, sie es aber nicht ausdr\u00fccken k\u00f6nnen. F\u00fcr viele ist hier das Medium Musik ein einfacherer Weg. Genauso wichtig ist, dass Kinder und Jugendliche lernen, einen Dialog aufzunehmen, mithilfe der Musik den Rhythmus einer anderen Person aufzunehmen, zur\u00fcckzugeben, selbst etwas in Gang zu setzen und eine Antwort zu bekommen. Es war f\u00fcr mich in meinen ersten Zug\u00e4ngen zur Musiktherapie besonders faszinierend, wie gut ein Dialog \u00fcber die Musik m\u00f6glich ist.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus kann Musik als Strategie eingesetzt werden, mit sehr unangenehmen emotionalen Zust\u00e4nden fertig zu werden, anstatt sich beispielsweise selbst zu verletzen.<br \/>\nDas sind die vier Tragpfeiler, die f\u00fcr mich wichtig sind: das Ausdr\u00fccken von Emotionen, in den Dialog gehen, Musik als Strategie zur Emotionskontrolle verwenden zu k\u00f6nnen und sich zu entspannen. Ich freue mich aber auch schon sehr auf die geplante Interaktionsforschung, denn hier sehe ich ein gro\u00dfes Potenzial der Musiktherapie.<\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Hier m\u00f6chten wir ein Projekt mit Stine Lindahl Jacobsen aus Aalborg beginnen. Die d\u00e4nische Kollegin, die auch Mitglied unseres Scientific Advisory Boards ist, hat das musiktherapeutische Diagnostiktool APCI (Assessment of Parent-Child Interaction) entwickelt, bei dem eine\u00a0standardisierte Spielsituation zu dritt \u2013 Kind, ein Elternteil und ein\/eine MusiktherapeutIn \u2013 geschaffen wird. Wir sind gerade dabei, dieses Tool f\u00fcr den deutschsprachigen Raum anwendbar zu machen. Das k\u00f6nnte zum Beispiel ein erstes Projekt sein: Interaktion bei Risikofamilien.<\/p>\n<p><strong>Wer z\u00e4hlt zu den sogenannten Risikofamilien?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Dazu geh\u00f6ren Familien, bei denen die Entwicklung des Kindes in irgendeiner Weise gef\u00e4hrdet ist, beispielsweise durch die psychische Erkrankung<br \/>\neines Elternteils oder aufgrund von sozio\u00f6konomischen<br \/>\nFaktoren.<\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> Konkret bedeutet das zu wenig Wahrnehmung oder Empathie f\u00fcr das Kind, beziehungsweise zu wenig oder irref\u00fchrende Kommunikation seitens der Eltern.<\/p>\n<p><strong>Wie wird man auf solche Risikofamilien aufmerksam?<\/strong><\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> Meistens l\u00e4uft das \u00fcber die Symptome der Kinder, etwa Verhaltensauff\u00e4lligkeiten, \u00c4ngste, die pl\u00f6tzlich auftreten, oder aggressives Verhalten, Jugendliche neigen zus\u00e4tzlich zu Depressionen, Selbstverletzungen oder Magersucht.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1608\" aria-describedby=\"caption-attachment-1608\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1608\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5373.jpg\" alt=\"Therapiezimmer\" width=\"1000\" height=\"608\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5373.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5373-300x182.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5373-768x467.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5373-850x517.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1608\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wer vermittelt die Betroffenen dann an die Musiktherapie?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Das ist eine der wichtigsten Fragen im Aufbau des Zentrums. Zum Teil l\u00e4uft das \u00fcber die Kinder- und Jugendhilfe oder es kommen Empfehlungen von Lehrenden.<\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> Helfersysteme, wie die Kinder- und Jugendhilfe, Lehrende oder die Schulpsychologie \u00fcberweisen an die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Viele Eltern kommen auch selbst, wenn ihnen auff\u00e4llt, dass etwas nicht stimmt. Wenn die Indikation gegeben ist, wird an die Musiktherapie zugewiesen.<\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Es gibt im Kinder- und Jugendbereich eine gro\u00dfe Versorgungsl\u00fccke was die Therapien betrifft. Die Musiktherapie ist zwar im psychiatrischen Bereich der Institutionen relativ gut verankert, der ambulante Bereich ist jedoch nicht gut abgedeckt. Das hat unter anderem mit der finanziellen Situation zu tun, da Musiktherapie im ambulanten Bereich nicht von den Kassen bezahlt wird. Die Nachsorge ist aber ein wichtiges Thema. Wenn PatientInnen im station\u00e4ren Bereich gut auf die Musiktherapie ansprechen und dann entlassen werden, setzt oft eine kritische Phase ein; hier w\u00e4re es von Vorteil, wenn die Therapie weitergef\u00fchrt werden k\u00f6nnte. Mit dem Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung m\u00f6chten wir auch dazu beitragen, die Versorgungsl\u00fccke nach einem station\u00e4ren Aufenthalt zu schlie\u00dfen. Finanziell w\u00e4re das beispielsweise durch Forschungsprojekte oder Pilotprojekte mit den Krankenkassen zu realisieren \u2013 daran arbeiten wir bereits.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1609\" aria-describedby=\"caption-attachment-1609\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1609\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5416.jpg\" alt=\"Instrument\" width=\"1000\" height=\"668\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5416.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5416-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5416-768x513.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5416-850x568.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1609\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Welchen Nutzen gewinnen die Studierenden dadurch?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Wir bilden MusiktherapeutInnen aus, die nach dem Gesetz als MusiktherapeutInnen eigenverantwortlich in einer Praxis t\u00e4tig sein k\u00f6nnen. Wenn es gelingen w\u00fcrde, dass Musiktherapie auch im ambulanten Sektor finanziert wird, w\u00fcrden sich damit auch die Karrierechancen der Studierenden verbessern. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen sie erfahren, was es bedeutet ambulant t\u00e4tig zu sein, denn das ist eine v\u00f6llig andere Situation, als die Praktika in den Krankenh\u00e4usern.<\/p>\n<p><strong>CV:<\/strong> Das ist ein guter Zeitpunkt, um die Ziele des WZMF zusammenzufassen. Diese k\u00f6nnen in drei Bereiche zusammengefasst werden: erstens die Verbesserung der Ausbildung der Studierenden, die sich auch in den Bereich der Forschung ausweiten soll, zweitens die ambulante Versorgung der PatientInnen, wobei eine Beteiligung der\u00a0Krankenkassen angestrebt werden soll, und drittens die Forschung, die den Aufbau des Forschungszentrums und die Kooperation zwischen Musiktherapie sowie Kinder- und Jugendpsychiatrie inkludiert.<\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Durch die Forschungsbem\u00fchungen wollen wir auch die Qualit\u00e4t der Musiktherapie verbessern, um besser zu verstehen, f\u00fcr wen welche Intervention wann am besten wirkt. Das ist auch in der Argumentation gegen\u00fcber den Krankenkassen sehr wichtig. Die gro\u00dfe Herausforderung ist, angemessene Forschungsmethoden zu finden und weiterzuentwickeln, denn der Bereich der Interaktionsforschung ist viel komplexer als beispielsweise eine Medikamentenstudie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1610\" aria-describedby=\"caption-attachment-1610\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1610\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5375.jpg\" alt=\"Instrument\" width=\"400\" height=\"599\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5375.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2018\/02\/DWP5375-200x300.jpg 200w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1610\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>Wie funktioniert der Schritt von einer\/einem beobachtenden Studierenden zur\/m praktizierenden MusiktherapeutIn?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Dieser Schritt wird bei uns sehr gut vorbereitet. Unsere Studierenden sind oft sehr junge Menschen, da bedarf es einer guten Supervision und Begleitung, und darauf legen wir auch viel Wert. Dazu haben alle Studierenden Einzelselbsterfahrung, bei der sie in der Klientenrolle sind und Musiktherapie selbst erleben. Dadurch k\u00f6nnen sie auch gleichzeitig eigene Themen aufarbeiten. Das ist wichtig, um das eigene Thema von dem des\/der PatientIn unterscheiden zu k\u00f6nnen. Einzelselbsterfahrung wird \u00fcber sechs Semester, also drei Jahre angeboten, dazu kommt noch die Gruppenselbsterfahrung, bei der sich der Jahrgang in eine Gruppentherapie begibt. Das alles ist das Ger\u00fcst, das erlaubt, dass sie relativ fr\u00fch in diese Verantwortung gehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Wo liegen die Herausforderungen in der musikalischen Ausbildung der MusiktherapeutInnen?<\/strong><\/p>\n<p><strong>TS:<\/strong> Es ist eine Spezialit\u00e4t der Wiener Ausbildung, dass wir sehr hohe Anforderungen an das musikalische Niveau stellen. Wir haben eine dreit\u00e4gige Zulassungspr\u00fcfung, bei der zwei Tage lang nur das musikalische K\u00f6nnen abgepr\u00fcft wird \u2013 von Geh\u00f6rbildung bis hin zu Klavier, Gitarre, Gesang, Melodieinstrument und Hauptinstrument. Dadurch ergibt sich bereits eine bestimmte Auslese. Wir brauchen keine KonzertpianistInnen, sondern Leute, die sehr musikalisch sind, aber auf einer breiten Ebene. Die Bedeutung der musikalischen Ausbildung zeigt sich dann im Umgang mit den PatientInnen \u2013 je weniger ich mich auf das Musikalische in der Therapiesitzung konzentrieren muss, desto mehr kann ich den Fokus auf mein Gegen\u00fcber legen.<br \/>\nEbenso wichtig ist die eigene musikalische Bet\u00e4tigung im Sinne der Psychohygiene. Die Freude am Selbermusizieren und Kreativsein darf nicht verloren gehen. Das ist mir sehr wichtig und das versuche ich auch zu vermitteln.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zur Website des <strong>Wiener Zentrums f\u00fcr Musiktherapie-Forschung<\/strong>:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/wzmf\/\" target=\"_blank\">www.mdw.ac.at\/wzmf<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im J\u00e4nner dieses Jahres lancierte das Wiener Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung, kurz WZMF, mit dem Schwerpunkt auf Musiktherapie mit Kindern, Jugendlichen und Familien, eine Kooperation der mdw und der Medizinischen Universit\u00e4t Wien. 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