{"id":155,"date":"2016-11-21T11:43:51","date_gmt":"2016-11-21T10:43:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=155"},"modified":"2018-09-26T15:39:18","modified_gmt":"2018-09-26T13:39:18","slug":"die-saengerin-am-parkplatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/11\/21\/die-saengerin-am-parkplatz\/","title":{"rendered":"Die S\u00e4ngerin am Parkplatz"},"content":{"rendered":"<strong>Wenn man immer wieder f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in das gleiche Land reist, nimmt man langsam, aber stetig andere Verhaltensweisen an. Die fremde Mentalit\u00e4t, die unbekannten Br\u00e4uche und Gepflogenheiten legen sich \u00fcber einen wie ein feiner, d\u00fcnner Mantel, der w\u00e4rmt und sch\u00fctzt zugleich. Und sehr geborgen ist.<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe im letzten halben Jahr rund zehn Wochen in Italien verbracht. Rom, Genua, Mailand, Ligurien, Toskana, kreuz und quer bin ich durchs Land gereist. Neben all den g\u00e4ngigen Klischees, die dann doch in Ans\u00e4tzen stimmen, wie die gro\u00dfe Kinderliebe, das ausgiebige Zelebrieren von Mahlzeiten, das ausgepr\u00e4gte Stilbewusstsein, ist mir vor allem die Liebe der Italiener zur Musik aufgefallen. Sie wird nur noch \u00fcbertroffen von ihrer Liebe zu den Musikerinnen und Musikern.<\/p>\n<p>In Porto Santo Stefano, einem kleinen K\u00fcstenort in der Maremma, einer wundersch\u00f6nen Gegend im S\u00fcden der Toskana, bekannt vor allem f\u00fcr den gro\u00dfen Naturpark und die wunderbaren wilden Str\u00e4nde, stand eines Abends eine S\u00e4ngerin auf einem Parkplatz am Meer und sang Arien aus Puccinis <em>La Boh\u00e8me<\/em>. Das Parken war wie in den meisten Touristengebieten Italiens kostenpflichtig. Doch anstatt den Automaten mit ihren M\u00fcnzen zu f\u00fcttern, warfen die meisten Anwesenden ihr Geld in den Hut, den die S\u00e4ngerin vor ihre F\u00fc\u00dfe gelegt hatte. Versonnen lauschten die Passanten den sich wiederholenden Liedern, klatschten begeistert Beifall und ermunterten ihre Kinder, der S\u00e4ngerin Schokolade in den Hut zu legen. Ein kleines M\u00e4dchen setzte sich schlie\u00dflich zu den F\u00fc\u00dfen der S\u00e4ngerin auf den Boden und verputzte die Spenden ihrer Altersgenossen seelenruhig, w\u00e4hrend sie gebannt lauschte.<\/p>\n<p>Als schlie\u00dflich die Parkaufsicht kam, in Uniform und mit ernstem Blick, wurde der junge Mann von den anderen ermahnt, ruhig zu sein. Da stand er nun vor einer Reihe Autos ohne Parkschein, einer Gruppe Musikliebhaber und ein paar Kindern, die ihn b\u00f6se ansahen. Und so blieb ihm nichts anderes \u00fcbrig, als sich auf den Randstein zu setzen, zu warten bis die S\u00e4ngerin ihre Vorstellung beenden w\u00fcrde und die Schokolade zu nehmen, die ihm von dem kleinen M\u00e4dchen zu ihren F\u00fc\u00dfen l\u00e4chelnd gereicht wurde.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man immer wieder f\u00fcr l\u00e4ngere Zeit in das gleiche Land reist, nimmt man langsam, aber stetig andere Verhaltensweisen an. Die fremde Mentalit\u00e4t, die unbekannten Br\u00e4uche und Gepflogenheiten legen sich \u00fcber einen wie ein feiner, d\u00fcnner Mantel, der w\u00e4rmt und sch\u00fctzt zugleich. Und sehr geborgen ist. Ich habe im letzten halben Jahr rund zehn Wochen &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":16,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[17],"tags":[60],"class_list":["post-155","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-column","tag-2016-4"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/155","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/16"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=155"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":390,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/155\/revisions\/390"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=155"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=155"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=155"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}