{"id":150,"date":"2016-11-21T11:31:06","date_gmt":"2016-11-21T10:31:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=150"},"modified":"2018-09-26T15:39:47","modified_gmt":"2018-09-26T13:39:47","slug":"mit-open-access-aus-der-zeitschriftenkrise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/11\/21\/mit-open-access-aus-der-zeitschriftenkrise\/","title":{"rendered":"Mit Open Access aus der Zeitschriftenkrise"},"content":{"rendered":"<strong>Wer geistig-sch\u00f6pferisch t\u00e4tig ist, egal ob in der Musik, Literatur oder Wissenschaft, ist immer auch auf den Zugang zu bereits vorhandenen Ideen, Methoden und Genres angewiesen. Erst in der Auseinandersetzung mit dem Bestehenden entsteht das Neue.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_151\" aria-describedby=\"caption-attachment-151\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-151\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_open_access.jpg\" alt=\"Open Access\" width=\"800\" height=\"534\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_open_access.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_open_access-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_open_access-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_open_access-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-151\" class=\"wp-caption-text\">Open Access \u00a9thinkstock<\/figcaption><\/figure>\n<p>W\u00e4hrend in Kunst und Kultur das \u201eAlte\u201c oft implizit als Inspiration oder Reibungsfl\u00e4che dient, ist der Bezug in der Wissenschaft viel unmittelbarer. WissenschaftlerInnen stehen nicht nur sprichw\u00f6rtlich auf den Schultern von Riesen, in der t\u00e4glichen Forschungsarbeit sind sie st\u00e4ndig auf den Zugang zu Forschungsergebnissen ihrer jeweiligen \u201eScientific Community\u201c angewiesen. Wissenschaftliche Zitate sind gleicherma\u00dfen Werkzeug und W\u00e4hrung, relevant ist, was gelesen und zitiert wird. Der Wissenschaftssoziologe Robert K. Merton pr\u00e4gte in diesem Zusammenhang den Begriff des \u201eWissenskommunismus\u201c und meinte damit die Notwendigkeit, Forschungsergebnisse zu ver\u00f6ffentlichen, um diese in der Folge kritisch pr\u00fcfen, replizieren und fortschreiben zu k\u00f6nnen. Demnach ist es f\u00fcr den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess umso besser, je offener und freier Forschung zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p>Traditionell war und ist es die Aufgabe von Universit\u00e4tsbibliotheken, diesen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen zu gew\u00e4hrleisten. Dank neuer digitaler Technologien und dem Internet ist es so einfach und g\u00fcnstig wie nie zuvor, wissenschaftliche Ergebnisse weltweit kostenlos bereit zu stellen. Denn im Unterschied zu st\u00e4rker marktlich organisierten Feldern wie Musik oder Film, verbinden WissenschaftlerInnen mit ihrer Forschung kein unmittelbares Verwertungsinteresse. Das spiegelt sich auch in dem Umstand wider, dass in den meisten Disziplinen weder AutorInnen noch GutachterInnen von wissenschaftlichen Beitr\u00e4gen ein Honorar erhalten. Obwohl Erstellung und Qualit\u00e4tssicherung in Form von Begutachtungsverfahren (\u201ePeer Review\u201c) also gr\u00f6\u00dftenteils \u00f6ffentlich finanziert sind, ist damit aber noch lange nicht automatisch auch \u00f6ffentlicher Zugang zu Forschungsergebnissen oder gar den dahinterstehenden Forschungsdaten verbunden. Im Gegenteil, Universit\u00e4tsbibliotheken k\u00e4mpfen seit Jahren mit kontinuierlichen Preissteigerungen von wissenschaftlichen Zeitschriften. Bisweilen ist sogar von einer \u201eZeitschriftenkrise\u201c die Rede, weil die Preise von wenigen zentralen Zeitschriften so stark angestiegen sind, dass bei stagnierenden Bibliotheksbudgets weniger Geld f\u00fcr die Anschaffung von Nischenzeitschriften und Monografien bleibt.<\/p>\n<p>\u00dcberwiegend \u00f6ffentlich finanzierte Forschung wird demnach von \u00f6ffentlich finanzierten WissenschaftlerInnen kostenlos begutachtet und dann von Verlagen, deren Leistung in der Regel aus Lektorat, Satz und Distribution besteht, f\u00fcr teures Geld an \u00f6ffentlich finanzierte Bibliotheken zur\u00fcckverkauft. F\u00fcr die gro\u00dfen Wissenschaftsverlage wie Elsevier, Springer oder Taylor &amp; Francis sind auf diese Weise enorme Margen zu verdienen \u2013 der \u00f6sterreichische Wissenschaftssoziologe Gerhard Fr\u00f6hlich spricht von \u201eGewinnraten wie im Waffen- und im Drogenhandel\u201d.<br \/>\nDer Grund f\u00fcr diese Entwicklung liegt in der historisch gewachsenen Reputation wichtiger Zeitschriften. Wollen WissenschaftlerInnen Karriere machen, m\u00fcssen sie in diesen sogenannten \u201eTop-Journalen\u201c publizieren und wollen Universit\u00e4ten in einem bestimmten Bereich forschen, m\u00fcssen ihre Bibliotheken eben diese \u201eTop-Journale\u201c abonnieren. Deshalb verf\u00fcgen die Verlage sowohl gegen\u00fcber den AutorInnen als auch gegen\u00fcber den Bibliotheken \u00fcber gro\u00dfe Verhandlungsmacht, obwohl die Reputation der Zeitschriften eigentlich an den AutorInnen sowie den wissenschaftlichen HerausgeberInnen und nicht beim Verlag selbst liegt.<\/p>\n<p>Den Beleg daf\u00fcr lieferte j\u00fcngst der Fall der sprachwissenschaftlichen Zeitschrift <em>Lingua<\/em>. Deren Herausgeber war unzufrieden mit der Preispolitik des Verlegers Elsevier\u00a0und forderte die Umstellung der Zeitschrift auf ein Open-Access-Modell. Als Open Access werden Publikationswege bezeichnet, bei denen die Forschungsergebnisse frei zug\u00e4nglich im Internet angeboten werden. An der Qualit\u00e4tssicherung mittels Peer Review \u00e4ndert sich dadurch erst einmal nichts, finanziert wird Open Access entweder \u00fcber Publikationsgeb\u00fchren oder durch institutionelle Zahlungen von Bibliotheken und Wissenschaftsverb\u00e4nden.<\/p>\n<p>Im Fall von <em>Lingua<\/em> war Elsevier zur Umstellung auf ein Open-Access-Modell nicht beziehungsweise nur gegen sehr hohe Publikationsgeb\u00fchren bereit. In der Folge entschied sich das gesamte 31-k\u00f6pfige HerausgeberInnenteam unter Leitung von Johan Rooryck dazu, <em>Lingua<\/em> den R\u00fccken zuzukehren. Stattdessen setzten dieselben ForscherInnen ihre Arbeit unter dem Dach des neugegr\u00fcndeten Open-Access-Journals <em>Glossa<\/em> fort.<\/p>\n<p>Auch wenn das Beispiel Lingua bislang noch die Ausnahme ist, zeigt es, dass die Macht der Verlage bisweilen auf durchaus t\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen steht. Der Trend geht immer st\u00e4rker in Richtung Open Access, wenn nicht gar Open Science. Zu letzterem Thema schloss der Kommunikationswissenschaftler Christian Heise k\u00fcrzlich seine Doktorarbeit ab. Dem Thema entsprechend ver\u00f6ffentlichte er nicht nur das finale Werk unter einer offenen Lizenz im Internet, bereits der gesamte Sch\u00f6pfungsprozess konnte und kann unter <a href=\"http:\/\/www.offene-doktorarbeit.de\" target=\"_blank\">offene-doktorarbeit.de<\/a> nachvollzogen werden. Sein Fazit nach vier Jahren Arbeit: \u201eOffener Zugang hilft!\u201c<\/p>\n<ul>\n<li>Weitere Infos unter <a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/forschungsfoerderung\" target=\"_blank\">www.mdw.ac.at\/forschungsfoerderung<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wer geistig-sch\u00f6pferisch t\u00e4tig ist, egal ob in der Musik, Literatur oder Wissenschaft, ist immer auch auf den Zugang zu bereits vorhandenen Ideen, Methoden und Genres angewiesen. Erst in der Auseinandersetzung mit dem Bestehenden entsteht das Neue. 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