{"id":14025,"date":"2026-11-03T16:58:51","date_gmt":"2026-11-03T15:58:51","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=14025"},"modified":"2026-11-03T16:58:51","modified_gmt":"2026-11-03T15:58:51","slug":"genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/","title":{"rendered":"Genderbasierte Gewalt: Ein Thema an Kunsthochschulen"},"content":{"rendered":"In der Zeit zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Internationalen Tag der Menschenrechte positionieren sich weltweit zahlreiche Universit\u00e4ten gegen genderbasierte Gewalt und f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit Betroffenen. Unter dem Titel \u201eSounds of Respect\u201c beteiligt sich auch die mdw an der \u201eOrange the World\u201c-Kampagne, die seit 1991 jedes Jahr vom 25. November bis zum 10. Dezember ein Zeichen f\u00fcr die Sichtbarmachung und Enttabuisierung von Gewalt an Frauen und M\u00e4dchen setzt.<\/p>\n<p>Doch was ist unter genderbasierter Gewalt zu verstehen und warum ist dies ein relevantes Thema f\u00fcr Hochschulen?<\/p>\n<p>Genderbasierte Gewalt ist Ausdruck strukturell ungleicher Machtverh\u00e4ltnisse und geht auf tief verwurzelte gesellschaftliche Normen zur\u00fcck, die geschlechtsspezifische Ungleichheiten reproduzieren.<span id='easy-footnote-1-14025' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/#easy-footnote-bottom-1-14025' title='Blimlinger et al. (2025), S. 14'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> Gewalt zeigt sich dabei auf vielf\u00e4ltige Weise und in einem Kontinuum: von der Verwendung sexistischer Sprache bis hin zu Bel\u00e4stigung, Machtmissbrauch und physischer Gewalt.<\/p>\n<p>Dass dies auch f\u00fcr Hochschulen und Universit\u00e4ten ein relevantes Thema ist, zeigen bereits bestehende Bekenntnisse, Leitlinien und Richtlinien gegen geschlechterbezogene Diskriminierung und Gewalt.<\/p>\n<p>Aktuelle Studien zeigen zudem, dass genderbasierte Gewalt im Universit\u00e4tskontext kein Ph\u00e4nomen ist, das lediglich im Einzelfall Handlung erfordert, sondern ein strukturelles Problem darstellt. Die europaweite UniSAFE-Studie (2021\u20132024) zeigt etwa, dass 62 Prozent aller Universit\u00e4tsangeh\u00f6rige seit dem Beginn ihres Studiums oder Arbeitsantritts mindestens eine Form genderbasierter Gewalt erlebt haben.<span id='easy-footnote-2-14025' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/#easy-footnote-bottom-2-14025' title='Lipinsky et al. (2022), S. 6'><sup>2<\/sup><\/a><\/span> Wirft man den Blick speziell auf Kunsthochschulen gehen die Zahlen aktueller wissenschaftlicher Erhebungen sogar noch h\u00f6her: So zeigt eine Studie mit Fokus auf den deutschen Kunsthochschulkontext etwa, dass 92 Prozent der Studienteilnehmenden eine oder mehrere Formen von Grenz\u00fcberschreitung an ihrer Kunsthochschule erfahren haben.<span id='easy-footnote-3-14025' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/#easy-footnote-bottom-3-14025' title='Fischer et al. (2025), S. 70'><sup>3<\/sup><\/a><\/span><a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\"><\/a> Diese Zahlen bezeugen zum einen die Dringlichkeit der Auseinandersetzung mit Gewaltstrukturen an Hochschulen und Universit\u00e4ten, zum anderen r\u00fccken Sie die Frage ins Zentrum, was insbesondere den Kunsthochschulkontext anf\u00e4llig f\u00fcr Grenz\u00fcberschreitungen macht; eine Frage, die im Fokus der Auseinandersetzung der aktuellen Reihe \u00a0#MeToo Kunst steht, die die mdw gemeinsam mit der Akademie der bildenden K\u00fcnste Wien und der Universit\u00e4t f\u00fcr angewandte Kunst Wien ausrichtet.<\/p>\n<p><strong>\u201eTricky Relations\u201c: Warum der Kunsthochschulkontext anf\u00e4llig f\u00fcr Grenz\u00fcberschreitungen ist<\/strong><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich beg\u00fcnstigen hierarchische Strukturen, wie sie auch an Hochschulen vorzufinden sind, Grenz\u00fcberschreitungen und Machtmissbrauch. Kunsthochschulen sind dabei von spezifischen Ungleichheiten durchzogen, etwa durch besondere Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse, flie\u00dfende Grenzen zwischen (Aus-)Bildung und Berufsaus\u00fcbung sowie besonderen Lehrformaten wie etwa k\u00fcnstlerische Einzelunterrichtssettings. Auch der Aspekt, dass der K\u00f6rper in den performativen K\u00fcnsten besonders im Mittelpunkt steht, macht Lehr- und Lernkontexte in diesem Bereich besonders anf\u00e4llig f\u00fcr Grenz\u00fcberschreitungen. Weitere Aspekte wie Zeitdruck, Konkurrenz und ein gro\u00dfer Leistungs- und Performancedruck \u2013 mitsamt Aspekten, die Bestandteil des Kunsthochschulalltags darstellen \u2013 senken zus\u00e4tzlich die Hemmschwelle f\u00fcr Machtmissbrauch. Im Zusammenhang mit all diesen Faktoren k\u00f6nnen die Beziehungen zwischen Lehrenden und Studierenden im Kunsthochschulkontext durchaus als \u201eTricky Relations\u201c verstanden werden: So k\u00f6nnen enge pers\u00f6nliche Beziehungen zwischen Lehrenden und Studierenden und das in Kunstausbildungen oft vorhandene Verst\u00e4ndnis eines \u201eMeister_innen\u201c-\u201eSch\u00fcler_innen\u201c-Verh\u00e4ltnisses das Risiko f\u00fcr Grenz\u00fcberschreitungen verst\u00e4rken.<span id='easy-footnote-4-14025' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/#easy-footnote-bottom-4-14025' title='Dill et al. (2024) S. 23'><sup>4<\/sup><\/a><\/span> Zudem bestehen besondere Abh\u00e4ngigkeiten dadurch, dass Lehrende mit \u00fcber die Erfolgschancen und Karriereaussichten von Studierenden entscheiden, indem Sie Empfehlungen aussprechen oder ihnen Zugang zu Auftritten, Projektbeteiligungen oder Netzwerken verschaffen. \u201eTricky\u201c kann dar\u00fcber hinaus auch das hohe Commitment im Team oder Ensemble werden, wie beispielsweise im Bereich Film oder Theater, wenn emotionale und personelle Abh\u00e4ngigkeiten bestehen, die das Ansprechen von \u00dcbergriffen erschweren.<span id='easy-footnote-5-14025' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/#easy-footnote-bottom-5-14025' title='Ellmeier et al. (2025) S. 144'><sup>5<\/sup><\/a><\/span>\n<p>Aktuelle Forschungen zu genderbasierter Gewalt im (Kunst-)Hochschulkontext machen deutlich, dass ein vereinfachendes Verst\u00e4ndnis von Geschlecht und Betroffenheit zu kurz greift. Denn obwohl Frauen und M\u00e4dchen \u00fcberproportional betroffen sind, k\u00f6nnen auch M\u00e4nner sowie nicht-bin\u00e4re Personen von genderbasierter Gewalt betroffen sein. Vielmehr zeigt sich: Wer einer marginalisierten Gruppe angeh\u00f6rt, \u00a0also die j\u00fcngste Person im Team ist, die prek\u00e4rste Stelle hat, trans*, inter* oder queer ist oder als Person of Color, als Mensch, die mit einer Behinderung lebt oder von \u00f6konomischer Benachteiligung betroffen ist, ist einem h\u00f6heren Risiko ausgesetzt, Machtmissbrauch zu erfahren oder H\u00fcrden beim Zugang zu Hilfe zu begegnen.<span id='easy-footnote-6-14025' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/11\/03\/genderbasierte-gewalt-ein-thema-an-kunsthochschulen\/#easy-footnote-bottom-6-14025' title='Fischer et al. (2025) S. 102f.; Blimlinger et al. (2025), S. 15'><sup>6<\/sup><\/a><\/span>\n<p>Hochschulen und Universit\u00e4ten stehen demnach vor der Aufgabe, Ma\u00dfnahmen f\u00fcr einen verantwortungsvollen Umgang mit Marginalisierung und Machtmissbrauch und zur Pr\u00e4vention von Gewalt auf- und auszubauen, um Strukturen zu st\u00e4rken, die einen diskriminierungsfreieren Umgang mit allen Universit\u00e4tsangeh\u00f6rigen erm\u00f6glicht und einen Raum schaffen, in dem Achtsamkeit und Chancengleichheit gelebt werden kann. F\u00fcr Angeh\u00f6rige von Universit\u00e4ten bedeutet dies, unser Bewusstsein gegen\u00fcber \u2013 auch ungewollten \u2013 Grenz\u00fcberschreitungen und Diskriminierungsformen zu sch\u00e4rfen und zu einem achtsamen Miteinander und einer gewaltsensiblen Organisationskultur beizutragen. Fehlen darf dabei nicht, dass wir \u00fcber historisch gewachsene Machtverh\u00e4ltnisse und unterschiedliche Formen von Marginalisierung sprechen, sodass auch die strukturellen Hintergr\u00fcnde von genderbasierter Gewalt in den Blick geraten.<\/p>\n<p>Was Kunstuniversit\u00e4ten im Sinne eines verantwortungsvollen Umgangs konkret tun k\u00f6nnen, wird im Rahmen der Veranstaltung <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ggd\/ankuendigungen-programme\/aktuelles\/#Veranstaltungen\"><strong>\u201eTricky Relations: Perspektiven auf Machtverh\u00e4ltnisse und genderbasierte Gewalt in k\u00fcnstlerischen Lehr_Lernkontexten\u201c<\/strong><\/a> am 25.11.2026 an der mdw in den Fokus ger\u00fcckt. An diesem Abend treten Akteur_innen aus den Bereichen der Hochschuldidaktik und Gleichstellung, Studierende sowie Universit\u00e4tsleitungen verschiedener Kunst- und Musikhochschulen aus dem deutschsprachigen Raum in einen Dialog. Mittels eines k\u00fcnstlerischen Beitrags von Studierenden des Max Reinhardt-Seminars und eines Gespr\u00e4chs mit eingeladenen Expert_innen wird den Fragen nachgegangen, welche Diskriminierungserfahrungen gemacht werden, welche Strategien im Umgang mit Grenz\u00fcberschreitungen und Machtmissbrauch erprobt sind und wie Gewalt pr\u00e4ventiv begegnet werden kann.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung ist Teil der kunstuniversit\u00e4ts\u00fcbergreifenden Reihe <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/ggd\/ankuendigungen-programme\/aktuelles\/-metoo-kunst\/\">#MeToo Kunst<\/a>.<\/p>\n<p>Wenn Sie selbst Diskriminierung erfahren oder die Diskriminierung Dritter wahrnehmen, wenden Sie sich vertrauensvoll an den <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/akg\/\">AKG<\/a> der mdw.<a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\"><\/a><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\"><\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In der Zeit zwischen dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und dem Internationalen Tag der Menschenrechte positionieren sich weltweit zahlreiche Universit\u00e4ten gegen genderbasierte Gewalt und f\u00fcr die Solidarit\u00e4t mit Betroffenen. Unter dem Titel \u201eSounds of Respect\u201c beteiligt sich auch die mdw an der \u201eOrange the World\u201c-Kampagne, die seit 1991 jedes Jahr vom 25. November bis zum 10. Dezember ein Zeichen f\u00fcr die Sichtbarmachung und Enttabuisierung von Gewalt an Frauen und M\u00e4dchen setzt.<\/p>\n","protected":false},"author":414,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1711],"class_list":["post-14025","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-report","tag-webonly-genderbasiertegewalt-trickyrelations-orangetheworld-ggd"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14025","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/414"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=14025"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14025\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14030,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/14025\/revisions\/14030"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=14025"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=14025"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=14025"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}