{"id":1385,"date":"2017-12-01T09:13:40","date_gmt":"2017-12-01T08:13:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1385"},"modified":"2018-11-29T12:05:43","modified_gmt":"2018-11-29T11:05:43","slug":"alumni-im-fokus-adrineh-simonian","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/12\/01\/alumni-im-fokus-adrineh-simonian\/","title":{"rendered":"Alumni im Fokus \u2013 Adrineh Simonian"},"content":{"rendered":"<strong>Operns\u00e4ngerin und Pornoproduzentin \u2013 zwei Berufe, die man so gut wie nie bei ein und derselben Person im Lebenslauf findet. Adrineh Simonian beweist das Gegenteil. Warum die Mezzosopranistin nach 15 Jahren die Opernkarriere an den Nagel geh\u00e4ngt hat und sich nun der Pornografie widmet, erz\u00e4hlte die ehemalige mdw-Studierende dem mdw-Magazin.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_1388\" aria-describedby=\"caption-attachment-1388\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1388\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Adrineh_Simonian.jpg\" alt=\"Adrineh Simonian\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Adrineh_Simonian.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/11\/Adrineh_Simonian-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1388\" class=\"wp-caption-text\">Adrineh Simonian \u00a9Michele Pauty<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eIch wollte nie etwas anderes machen als singen und f\u00fchlte mich auf der B\u00fchne sehr wohl\u201c, mit diesen Worten beschreibt Adrineh Simonian ihre Zeit als Operns\u00e4ngerin, die sie gro\u00dfteils auf den B\u00fchnen der Wiener Volksoper und der Wiener Staatsoper verbrachte. In Teheran geboren und in Wien aufgewachsen entdeckte sie schon im Kindesalter ihre Liebe zum Klavier. Sie lernte aber zun\u00e4chst \u2013 wenngleich \u201esehr ungern\u201c \u2013 Geige und machte ihrem Geigenlehrer das Leben schwer.<\/p>\n<p>\u201eIch war faul und habe nie daheim ge\u00fcbt. Ich mochte es einfach nicht\u201c, erz\u00e4hlt Simonian. Das Klavierspielen hat sie sich dann selber beigebracht und zun\u00e4chst studierte sie auch Instrumental- und Gesangsp\u00e4dagogik (IGP) Klavier an der mdw. Sie erinnert sich an \u201eeinen der sch\u00f6nsten Abschnitte meines Lebens\u201c. Ihr Klavierprofessor Manfred Wagner-Artzt sei ein gro\u00dfartiger Pianist und P\u00e4dagoge gewesen, aber auch ihm habe sie das Leben schwergemacht! Sie spielte zwar viel Klavier, aber eben nicht das, was sie h\u00e4tte \u00fcben sollen. \u201eIch war schon immer ein Mensch, der sich nichts sagen l\u00e4sst.\u201c<\/p>\n<p>Nach ein paar Jahren \u00e4nderte sie die Studienrichtung und inskribierte IGP Gesang; im Anschluss daran absolvierte sie die Opernschule am Konservatorium in Wien und im Jahr 2000 gab die Mezzosopranistin schlie\u00dflich ihr B\u00fchnendeb\u00fct in der Johann-Strauss-Operette <em>Eine Nacht in Venedig<\/em> an der Wiener Kammeroper. Es folgte eine erfolgreiche Opernkarriere in Wien mit zahlreichen internationalen Gastengagements. \u201eDiese Jahre waren sehr sch\u00f6n, aber auch sehr schwer\u201c, erz\u00e4hlt die S\u00e4ngerin. Der Beruf sei faszinierend, aber es\u00a0gab immer wieder Phasen, wo sie die Vorschriften und Regeln nur schwer ertragen konnte. \u201eIch habe selten Regisseure und Dirigenten getroffen, die wirklich mit mir zusammengearbeitet haben\u201c, so Simonian. Wenn dies aber doch passiert sei, war dies ungemein befriedigend. Dabei entstanden die unglaublichsten Gespr\u00e4che und Simonian konnte ein gutes Psychogramm der Rolle entwickeln \u2013 damit habe sie sehr viel Zeit verbracht: Welche Entwicklung macht die Rolle in der Oper? Welche K\u00f6rpersprache muss diese Figur haben und wie kann man die Emotionen darstellen, sodass das Publikum diese auch erkennt?<\/p>\n<p>Ein Gespr\u00e4ch am Nebentisch in der Kantine der Volksoper \u00fcber Pornografie hat das Leben der 44-J\u00e4hrigen dann vollkommen ver\u00e4ndert. Das Thema lie\u00df sie nicht mehr los. Simonian fragte sich, was denn Pornografie wirklich sei? Das, was man gratis auf YouPorn sehen kann? Sie suchte nach etwas anderem und wurde bei einer weltweilt wachsenden Nische feministischer Pornoregisseurinnen, wie etwa Erika Lust oder Petra Joy, f\u00fcndig. Simonian stellte sich schlie\u00dflich die Frage, was sie denn drehen w\u00fcrde, und damit war der Beginn ihrer zweiten Karriere gelegt. \u201eIch war so Feuer und Flamme, dass ich mir alle technischen Sachen selbst beibrachte und letztendlich den S\u00e4ngerinnenberuf an den Nagel hing.\u201c Vor rund einem Jahr ging ihre Website <em>Arthouse Vienna<\/em> online, die einen neuen, feministischen und \u00e4sthetischen Zugang zur Pornografie verspricht und \u00fcber die sie ihre eigenen Produktionen vertreibt. \u201eFeministische Pornografie bedeutet f\u00fcr mich, dass ich das Ganze aus der Sicht einer Frau zeige und dass man jede Sekunde respektvoll mit den DarstellerInnen umgeht und sie nie zu etwas zwingt\u201c, so Simonian.<\/p>\n<p>Ein gro\u00dfartiger Feminismus-Fan war sie davor eigentlich nie. Simonian wuchs in den 1980er Jahren mit Feministinnen wie Andrea Dworkin oder Catharine MacKinnon auf, die Pornografie per se als Vergewaltigung ablehnen. \u201eNat\u00fcrlich waren sie f\u00fcr ihre Zeit sehr wichtig. Aber vieles hat sich weiterentwickelt\u201c, sagt Simonian. Die klassische Mainstream-Pornografie, die nur den m\u00e4nnlichen Aspekt zeige, interessiere sie nicht und auch von strengen Dogmen am Set h\u00e4lt sie nichts; sie wolle vor allem ausloten, was sie \u201ePsychologie der Sexualit\u00e4t\u201c nennt. Genauso wie sie f\u00fcr ihre Opernrollen ein Psychogramm erstellt hat, geht sie auch jetzt vor. \u201eDie Authentizit\u00e4t ist mir irre wichtig. Die K\u00f6rperlichkeit, die K\u00f6rpersprache. Wie dr\u00fcckt sich der K\u00f6rper aus?\u201c Vieles von dem, was in ihrem Filmen passiert, ist die Entscheidung der DarstellerInnen. Simonian arbeitet Gro\u00dfteils mit Laien und experimentiert mit besonderen Settings. Die K\u00fcnstlerin geht vollst\u00e4ndig in ihrer neuen Berufung auf. Sehnsucht nach der B\u00fchne habe sie keine. Was sie jungen K\u00fcnstlerInnen am Beginn ihrer Karriere r\u00e4t? Bescheiden bleiben!","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Operns\u00e4ngerin und Pornoproduzentin \u2013 zwei Berufe, die man so gut wie nie bei ein und derselben Person im Lebenslauf findet. Adrineh Simonian beweist das Gegenteil. 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