{"id":13779,"date":"2026-09-28T12:53:32","date_gmt":"2026-09-28T10:53:32","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13779"},"modified":"2026-09-28T13:15:57","modified_gmt":"2026-09-28T11:15:57","slug":"todas-ein-interdisziplinaeres-festival-zu-lateinamerikanischen-musikerinnen-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/todas-ein-interdisziplinaeres-festival-zu-lateinamerikanischen-musikerinnen-in-wien\/","title":{"rendered":"TODAS\ufeff: Ein interdisziplin\u00e4res Festival zu lateinamerikanischen Musikerinnen* in Wien"},"content":{"rendered":"<h5>Im Mai 2026 fand an der mdw das interdisziplin\u00e4re Festival <i>TODAS. Lateinamerikanische Musikerinnen* in Wien. Konzerte, Vortrag, Dialoge. <\/i>statt. Die Veranstaltung war das Ergebnis des Forschungsprojekts <i>Reverse Ethnomusicology: Migrant Musicians as Researchers.<\/i><span id='easy-footnote-1-13779' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/todas-ein-interdisziplinaeres-festival-zu-lateinamerikanischen-musikerinnen-in-wien\/#easy-footnote-bottom-1-13779' title='Dieses Forschungsprojekt wurde vom \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds FWF finanziert [Grant-DOI 10.55776\/TAI724]'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> Ko-Kuratorin Gabriela Dossow Ponce erz\u00e4hlt, wie diese Veranstaltung entstanden ist und warum sie so wichtig war.<\/h5>\n<p>Bei denjenigen, die das Gl\u00fcck hatten, die Abende des 8. und 9. Mai 2026 im vollen Fanny-Hensel-Saal zu verbringen, wirken Musik und Diskussionen von TODAS noch immer nach. TODAS war ein zweit\u00e4giges interdisziplin\u00e4res Festival mit dem Ziel, lateinamerikanische Musikerinnen* aus Wien ins Zentrum zu r\u00fccken. Unabh\u00e4ngig vom Genre wurden w\u00e4hrend dieser zwei Tage sechs Projekte von lateinamerikanischen K\u00fcnstlerinnen pr\u00e4sentiert, gemeinsam mit einer Keynote und einem Roundtable zur Intersektionalit\u00e4t von Geschlecht und Diaspora. Wir h\u00f6rten Oper, Kammermusik, Jazz, Pop-Songs, Joropo, Pajarillos, klassisches Kunstlied und Solo-Klassikgitarre. Und alles fand trotz der Unterschiedlichkeit wunderbar zusammen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13783\" aria-describedby=\"caption-attachment-13783\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13783\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0626-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13783\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pablo Rojas Sahurie<\/figcaption><\/figure>\n<p>Aber wie kam es dazu? R\u00fcckblickend sehe ich es wie eine Projekt-Matroschka, diese russischen Holzpuppen, geboren aus einer Reihe gl\u00fccklicher Umst\u00e4nde. Zuerst war da das Forschungsprojekt <i>Reverse Ethnomusicology: Migrant Musicians as Researchers<\/i>, geleitet von Anja Brunner (mdw) und Conny Gruber (\u00d6sterreichische Akademie der Wissenschaften). Basierend auf der Idee, dass migrantische Musiker_innen, wenn sie zum ersten Mal nach Wien kommen, Fragen stellen, um die lokale Branche und die Szenen zu verstehen und daran teilnehmen zu k\u00f6nnen, wurden Musiker_innen aus Wien f\u00fcr einige Zeit zu Forscher_innen. Anja Brunner und Conny Gruber w\u00e4hlten sechs Musikerinnen aus der ganzen Welt, die ihre Forschungsprojekte zu beliebigen Themen entwickelten. Und hier kommt die zweite Puppe des Matroschka-Sets: Mein Projekt namens <i>Women and fem Latin American musicians in Vienna: in plural<\/i>. Ich wollte verstehen, wie lateinamerikanische Musikerinnen* die Wiener Musikszene navigieren und die Herausforderungen erforschen, denen sie aufgrund von Geschlecht und\/oder Herkunft gegen\u00fcberstehen. Nach mehreren Interviews, Konzerten, Gespr\u00e4chen und Workshops entstand das Bed\u00fcrfnis nach einem Raum, in dem lateinamerikanische Frauen ihre Projekte zeigen konnten, ohne exotisiert zu werden. Also begannen Anja und ich gemeinsam diesen Raum anzudenken, und dank einer tollen Zusammenarbeit mit dem Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie (IVE), dem Music and Minorities Research Center (MMRC) und dem Kulturverein Opera Trip wurde die dritte Matroschka des Sets geboren: Das Festival <i>TODAS<\/i> wurde Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Am 8. Mai 2026 er\u00f6ffnete das Festival mit Begr\u00fc\u00dfungsworten der Organisatorinnen sowie Javier Silvestrini (IVE), Ursula Hemetek (MMRC) und Natalia Hurst (Opera Trip). Anschlie\u00dfend n\u00e4herte sich die Ethnomusikolgin Sydney Hutchinson im Rahmen ihrer Keynote dem Thema Feminismus und Musik in der Dominikanischen Republik durch die Figur der \u201et\u00edgueras\u201c (weibliche Tiger) und der damit verbundenen Aktivit\u00e4t von \u201etigueraje\u201c. Sie zeigte eindr\u00fccklich das Potenzial musikalischer Kreativit\u00e4t innerhalb eines \u201eFeminismus von unten\u201c. Unter Verwendung zahlreicher musikalischer Beispiele aus verschiedenen Generationen und Epochen, die bis ins fr\u00fche 20. Jahrhundert zur\u00fcckreichen, zeichnete Sydney eine \u00fcberzeugende und komplexe Geschichte feministischen Aktivismus durch und innerhalb der Musik in der Dominikanischen Republik nach.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13782\" aria-describedby=\"caption-attachment-13782\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13782\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/img-0833-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13782\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pablo Rojas Sahurie<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die musikalischen Acts des ersten Abends begannen mit der Multimedia-Opernperformance <i>Opera Triptychon: One woman quarantine\u2019s Story<\/i> von Natalia Hurst. In ihrer Arbeit platziert Natalia klassische Musikst\u00fccke in neue Kontexte. In dieser Performance wurden live-gesungene Arien aus Opern von Mozart, Puccini und Verdi mit Video-Performance und Schauspiel verwoben, um die Komplexit\u00e4t der Realit\u00e4t von Frauen, insbesondere von K\u00fcnstlerinnen, w\u00e4hrend der Corona-Pandemie zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend das Publikum sich mit Getr\u00e4nken erfrischte, bauten die Techniker_innen alles f\u00fcr die letzte Musikpr\u00e4sentation des Tages vor: das Laura Valbuena Quintett, mit Laura an ihrem Saxophon, die uns in eine atemberaubende Atmosph\u00e4re gewisserma\u00dfen hineinblies. Das herausragende Ensemble besteht, neben der Saxophonistin, aus Keyboard (Julia Radschiner), E-Gitarre (Jocs\u00e1n Mendoza), E-Bass (Thatiana Gomes) und Schlagzeug (Julian Villegas). Gespielt wurden Lauras Kompositionen und Arrangements, die lateinamerikanische Musiktraditionen und Jazz m\u00fchelos kombinierten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13977\" aria-describedby=\"caption-attachment-13977\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13977\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_0707-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13977\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pablo Rojas Sahurie<\/figcaption><\/figure>\n<p>Tag zwei begann mit einem Roundtable, der eine intensive und dringend n\u00f6tige Diskussion zur Situation von Musikerinnen* aus Lateinamerika in Wiens Musikszenen bot. Moderiert von Conny Gruber diskutierten Musikwissenschaftlerinnen Sydney Hutchinson und Constanza Toledo sowie die Musikerinnen Natalia Hurst, Laura Valbuena und ich zusammen mit dem anwesenden Publikum \u00fcber Pr\u00e4sentation, Repr\u00e4sentation, B\u00fchnen und finanzielle M\u00f6glichkeiten. In der lebhaften Diskussion wurden unsere Herausforderungen, einschlie\u00dflich exotisierender Strukturen und Verhaltensweisen innerhalb des Musikfeldes und ein Mangel an Auftrittsm\u00f6glichkeiten deutlich.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13978\" aria-describedby=\"caption-attachment-13978\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13978\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-1536x1024.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-2048x1365.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/IMG_1307-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13978\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Pablo Rojas Sahurie<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Konzertabend wurde dann von der klassischen Gitarristin Sonia Hern\u00e1ndez mit einem Soloprogramm er\u00f6ffnet. Sie pr\u00e4sentierte St\u00fccke von Komponistinnen aus Lateinamerika, einschlie\u00dflich ihrer selbst, und begeisterte mit einer subtilen und emotionalen Performance. Darauf folgte ein bewegender Exkurs in die Welt des klassischen Kunstlieds mit einer Performance von Sopranistin Mariana Pedrozo und Pianistin Florencia Hern\u00e1ndez. Unter dem Titel <i>Frauen, Fr\u00fchling und Leben<\/i> gaben die beiden Musikerinnen Werke verschiedener Komponist_innen aus Europa und Amerika zum Besten. S\u00e4ngerin Laura Aya brachte anschlie\u00dfend den Fanny Hensel-Saal mit St\u00fccken aus verschiedenen kolumbianischen Musiktraditionen zum Schwingen. Begleitet von Gitarrist Jocs\u00e1n Mendoza h\u00f6rten wir Joropo, Pajarillos und Pasajes; viele der St\u00fccke waren von Laura Aya selbst komponiert und\/oder verfasst. Der Abend endete mit einer beeindruckenden Performance eines Werks der franz\u00f6sischen Komponistin des 19. Jahrhunderts Louise Farrenc, gespielt vom Kammermusikensemble Cronopius Trio. Amalia Bernal (Fl\u00f6te), Juan L.\u00a0Cuamatzi (Cello) und Florencia Hern\u00e1ndez (Klavier) brachten dabei Kammermusik als \u00fcberaus intime Erfahrung f\u00fcr das Publikum auf die B\u00fchne.<\/p>\n<p>Ersch\u00f6pft und begl\u00fcckt verlie\u00dfen wir am Abend die mdw. Die Publikumsreaktionen waren \u00fcberw\u00e4ltigend, mehrmals wurden wir gefragt, ob es eine weitere Auflage von <i>TODAS<\/i> geben wird. Wir wissen es noch nicht \u2013 aber wir hoffen es. Doch im Moment bin ich dankbar und voller Freude dar\u00fcber, dass wir aktiv und erfolgreich zur Sichtbarkeit und Anerkennung musikalischer Vielfalt und Expertise in der lateinamerikanischen Diaspora in Wien beitragen konnten. \u00a1Infinitas gracias!","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Mai 2026 fand an der mdw das interdisziplin\u00e4re Festival TODAS. Lateinamerikanische Musikerinnen* in Wien. Konzerte, Vortrag, Dialoge. statt. 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