{"id":13768,"date":"2026-09-28T17:00:19","date_gmt":"2026-09-28T15:00:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13768"},"modified":"2026-09-28T18:33:30","modified_gmt":"2026-09-28T16:33:30","slug":"sheep-von-schafen-und-domestizierten-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/sheep-von-schafen-und-domestizierten-menschen\/","title":{"rendered":"SHEEP\ufeff: Von Schafen und domestizierten Menschen"},"content":{"rendered":"Schafe, die reden k\u00f6nnen, sind in Film und Fernsehen nicht neu \u2014 denkt man zumindest auf den ersten Blick. Doch die zentralen Tiere in der neuen Serie von Alex Reinberg und Leni Gruber (beide Drehbuch und Regie) sind mehr als nur flauschige Hauptdarsteller_innen in einer absurden Story. Die beiden sowie Florian Br\u00fcning (Produzent) und Dominic Kubisch (Schnitt) haben dem mdw-Magazin einen tiefergehenden Blick in das innovative und unterhaltsame Serienprojekt gew\u00e4hrt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13956\" aria-describedby=\"caption-attachment-13956\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13956\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits--1024x512.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"425\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits--1024x512.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits--300x150.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits--768x384.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits--1536x768.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits--850x425.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/Filmstill-SHEEP2_Patrick-Wally-Horse_Fruits-.jpg 1920w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13956\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Filmstill SHEEP, Patrick Wally Horse&amp;Fruits<\/figcaption><\/figure>\n<p>\u201eWir haben den Mensch domestiziert und nach unseren Vorstellungen geformt\u201c, dieser Satz, gesprochen von einem Schaf, f\u00e4llt sehr fr\u00fch in der neuen Erfolgsserie <i>SHEEP<\/i>. Umso schwerwiegender die Erkenntnis, dass die Menschen, allen voran der eigene Landwirt, vielleicht doch nicht nett und harmlos sind und die Herde eigentlich dem Schlachter zum Opfer fallen soll. Aber der Reihe nach: Diese \u201eOffenbarung\u201c wird zu Beginn der Serie nur Schaf Oliver bewusst. F\u00fcr ihn beginnt eine Reise, in der er sich \u00c4ngsten stellen, die eigene Herde \u00fcberzeugen und vor dem sicheren Tod bewahren muss. Ob das gelingt, sei an dieser Stelle noch nicht verraten. Die Serienmacher_innen schaffen es mit einer unglaublichen Leichtig- und gleichzeitigen Ernsthaftigkeit, philosophische Fragen ebenso zu stellen, wie den Sinn des Lebens, Traditionen und Hierarchien zu hinterfragen. Mit Liebe zum Detail wird eine Geschichte erz\u00e4hlt, die sich zu Beginn als leichte Unterhaltung tarnt, nur um dann mit jedem Dialog und jeder Szene zu verdeutlichen, dass es um viel mehr geht als nur niedliche Schafe auf einem Bauernhof.<\/p>\n<p>Entstanden ist die Idee durch eine pers\u00f6nliche Kindheitserfahrung von Regisseur und Drehbuchautor Alex Reinberg. Gemeinsam mit Leni Gruber verfasste er die erste Rohfassung des Skripts. F\u00fcr den letzten humoristischen Feinschliff wurde noch Sebastian Huber von der <i>Tagespresse<\/i> mit an Bord geholt. Realisiert werden konnte die Serie aus einem Pitch heraus f\u00fcr das ZDF \u2013 Das kleine Fernsehspiel. Florian Br\u00fcning, Filmproduzent und Gr\u00fcnder der Produktionsfirma HORSE&amp;FRUITS, wollte ein Projekt mit den beiden realisieren und schlug ihnen diese Zusammenarbeit vor. Die Idee \u00fcberzeugte nicht nur das ZDF, sondern auch den ORF. Die wichtigen Hauptcharaktere, die Schafe, wurden gewissenhaft ausgew\u00e4hlt und von Tiertrainerin Katja Hawliczek handaufgezogen und sorgsam an jede noch so ungew\u00f6hnliche Drehsituationen herangef\u00fchrt. \u201eDer Tierschutzgedanke war uns besonders wichtig. Es wurde kein Lamm aus seiner nat\u00fcrlichen Umgebung herausgerissen. Schafbauern, mit denen wir im engen Austausch waren, kontaktierten uns, wenn sie vom Muttertier versto\u00dfene L\u00e4mmer hatten\u201c, erkl\u00e4rt Br\u00fcning. Die tierischen Partner_innen blieben trotz ihres Trainings die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung. \u201eDas Positive bei Tieren ist, sie spielen immer authentisch und gut, aber Blicke, Blickachsen und Winkel waren schwierig, da geht es oft um Millimeterarbeit\u201c, erkl\u00e4rt Gruber und Reinberg erg\u00e4nzt \u201eman muss innovative L\u00f6sungen finden, aber durch die Limitierung entsteht eine kreative Freiheit\u201c.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Schnitt verantwortlich war Dominic Kubisch, gemeinsam mit seiner Kollegin Pia Huemer. Auch in der Postproduktion fand er diesen Part am schwierigsten, denn w\u00e4hrend bei Schauspieler_innen Dialoge nicht nachtr\u00e4glich ge\u00e4ndert werden k\u00f6nnen, h\u00e4tte man bei den Schafen anders agieren k\u00f6nnen. \u201eEs war herausfordernd, dass man st\u00e4ndig alles h\u00e4tte \u00e4ndern k\u00f6nnen. Hilfreich war, dass wir in Zweierteams gearbeitet haben \u2013 sowohl beim Schnitt als auch in der Regie \u2013 und Entscheidungen gemeinsam getroffen wurden. Dass hier zwei gemischtgeschlechtliche Duos aufeinandertrafen, sorgte zus\u00e4tzlich f\u00fcr eine wunderbare Balance\u201c, erkl\u00e4rt Kubisch. Er und Huemer haben sich nicht wie sonst \u00fcblich Episoden aufgeteilt, sondern haben den Schnitt in einem Jobsharing-Modell umgesetzt, bei dem sie einzelne Arbeitsschritte untereinander aufteilten. \u201eDamit waren alle f\u00fcr alles verantwortlich und immer \u00fcber jeden Arbeitsschritt informiert.\u201c Br\u00fcning sieht das Aufteilen von Arbeit ebenfalls positiv: \u201eF\u00fcr den kreativen Prozess ist es nat\u00fcrlich gro\u00dfartig, f\u00fcr Produzent_innen ist aber klar, dass es so zeit- und kostenintensiver ist. Es gibt in der Produktionsrealit\u00e4t f\u00fcr diese Arbeit im Kollektiv noch keine klaren Strukturen. Hier passiert gerade ein Wandel, aber wenn man so arbeiten m\u00f6chte, muss man sich zurzeit noch vieles selbst erarbeiten.\u201c Leni Gruber sch\u00e4tzt am Jobsharing besonders die zweite Meinung und zus\u00e4tzliche Perspektive, die R\u00fcckhalt bietet und neue Ideen entstehen l\u00e4sst. \u201eEin Projekt wie <i>SHEEP<\/i>, wo weniger Geld f\u00fcr die Produktion da ist und man in der Regie dann auch einfach anders aushelfen muss, w\u00e4re sonst nicht m\u00f6glich gewesen\u201c, so Reinberg.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"Schafe an die Macht! Oder doch nicht? \u2013 Sheep | ZDF #sheep #series #comedy\" width=\"850\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/v8pVnWCRs4A?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h5>ab 13. Oktober 2026 im ORF<\/h5>\n<p>F\u00fcr die Synchronisation der Tiere konnten Gr\u00f6\u00dfen der deutschsprachigen Schauspielszene wie Jella Haase, Merlin Sandmeyer, Birgit Minichmayr, Roland D\u00fcringer oder Michael Ostrowski gewonnen werden. \u201eDie Schafe dann mit den Stimmen zu h\u00f6ren, war ein Riesen-Aha-Erlebnis. Es war ber\u00fchrend, weil zum Beispiel Oliver pl\u00f6tzlich lebendig wurde\u201c, erinnert sich Reinberg. Gruber, Reinberg und Kubisch studierten alle im selben Jahrgang an der Filmakademie Wien und arbeiteten schon bei fr\u00fcheren Projekten zusammen \u2013 etwa an dem mit dem Thomas-Pluch-Drehbuchpreis ausgezeichneten Kurzfilm <i>Preiswerte L\u00f6sungen f\u00fcr ein besseres Leben<\/i>. Br\u00fcning schloss sein Studium fr\u00fcher ab, man kannte sich dennoch von der gemeinsamen Studienzeit. Gro\u00dfe Teile der Crew studierten ebenfalls an der Filmakademie Wien. \u201eUnsere Zusammenarbeit zeigt, was dieses Studium so besonders macht: Man findet im Jahrgang zusammen, w\u00e4chst durch gemeinsame Projekte im gesch\u00fctzten Raum k\u00fcnstlerisch zusammen und geht schlie\u00dflich als starkes Kollektiv in die Branche\u201c, so Kubisch.<\/p>\n<p>Dass der intelligente existenzialistische Humor von <i>SHEEP<\/i> auch f\u00fcr ein internationales Publikum funktioniert, hat das Team bereits in Cannes bewiesen. Bei <i>Canneseries<\/i> \u2013 dem serientechnischen \u00c4quivalent zum renommierten Filmfestival an der C\u00f4te d\u2019Azur \u2013 wurde die Serie mit dem Student Award ausgezeichnet. \u201eDie Einladung und Teilnahme an sich war f\u00fcr uns schon Wahnsinn, aber dann mit dem Student Award ausgezeichnet zu werden, der von Filmstudierenden, also unseren Kolleg_innen sowie eine neue Generation von Filmschaffenden, vergeben wird, war einfach unglaublich\u201c, erinnert sich Gruber.<\/p>\n<p>\u201e<i>SHEEP<\/i> ist sehr speziell und vielleicht nicht das klassische Hauptabendprogramm. Leni und mir war es wichtig, die Geschichte einer Figur zu erz\u00e4hlen, die einen Konflikt hat und mit der man sich identifizieren kann\u201c, so Alex Reinberg. Der bisherige Erfolg gibt ihnen Recht. Das Fernseh- und Streamingpublikum kann sich ab Oktober im ORF sowie auf ORF ON ein eigenes Bild von Oliver und seiner Schafherde machen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schafe, die reden k\u00f6nnen, sind in Film und Fernsehen nicht neu \u2014 denkt man zumindest auf den ersten Blick. 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