{"id":13751,"date":"2026-09-28T10:55:15","date_gmt":"2026-09-28T08:55:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13751"},"modified":"2026-09-28T10:55:15","modified_gmt":"2026-09-28T08:55:15","slug":"joe-bennett-an-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/joe-bennett-an-der-mdw\/","title":{"rendered":"Joe Bennett an der mdw"},"content":{"rendered":"<h1>Was macht einen Song-Contest-Song aus?<\/h1>\n<h5>In der Woche vor dem Eurovision Song Contest war der Popularmusikforscher und forensische Musikwissenschaftler Joe Bennett auf Einladung von Ralf von Appen zu Gast an der mdw. Im Rahmen eines Seminars zum Song Contest untersuchte Bennett gemeinsam mit den Studierenden Linda Oppelmayer, Mariella Ackerl und Leonie Bauer die musikalische Sprache des Wettbewerbs. Das Projekt kombinierte genaues Hinh\u00f6ren mit der Analyse langfristiger Daten und der Frage, wie Popmusik auf kulturellen und technologischen Wandel reagiert.<\/h5>\n<h5>Ein Treffpunkt f\u00fcr die Popularmusikforschung<\/h5>\n<p>Das Forschungsteam konzentrierte sich auf die musikalischen und textlichen Merkmale der Song-Contest-Beitr\u00e4ge. Dabei kn\u00fcpfte es an Bennetts fr\u00fchere Arbeiten an und f\u00fchrte die Analyse bis zu den j\u00fcngsten Ausgaben des Wettbewerbs weiter. Diese Zusammenarbeit beschr\u00e4nkte sich jedoch nicht nur auf den Seminarraum, denn im Laufe der Woche pr\u00e4sentierten Bennett und die Studierenden ihre Forschung gemeinsam bei zwei Veranstaltungen. Eine davon fand an der Universit\u00e4t Wien am Institut f\u00fcr Europ\u00e4ische Ethnologie statt. Die zweite war Teil von <a><i>Alle Neun in Contest<\/i><\/a>, einem Wettbewerb, an dem aufstrebende Bands sowie Singer-Songwriter_innen teilnehmen, die von allen neun \u00f6sterreichischen Universit\u00e4ten und Hochschulen mit musikalischem Schwerpunkt nominiert wurden. Im Rahmen der Veranstaltung stellten die Forschungsgruppen des Seminars ihre jeweiligen Song-Contest-Projekte vor \u2013 und brachten damit wissenschaftliche Perspektiven auf den Wettbewerb mit Live-Musik zusammen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13755\" aria-describedby=\"caption-attachment-13755\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13755\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-001-4411.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13755\" class=\"wp-caption-text\">Ralf von Appen &amp; Joe Bennett \u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr Bennett bot der Wien-Aufenthalt nicht nur die Gelegenheit, ein bereits laufendes Forschungsprojekt weiterzuf\u00fchren, sondern auch den Austausch innerhalb einer Universit\u00e4tsgemeinschaft, die sich intensiv mit der wissenschaftlichen Erforschung von Popularmusik besch\u00e4ftigt. Wien und die mdw seien ausgesprochen gastfreundlich gewesen, so Bennett. Besonders hob er die Offenheit der Universit\u00e4t f\u00fcr internationale Zusammenarbeit hervor.<\/p>\n<p>Bennett war besonders beeindruckt von der institutionellen Anerkennung, die der Popularmusik an der mdw zuteilwird. W\u00e4hrend die h\u00f6here Musikausbildung historisch gesehen von einer starken klassischen Tradition gepr\u00e4gt ist, argumentierte er, dass Popularmusik als kulturell und k\u00fcnstlerisch bedeutsame Form die gleiche Aufmerksamkeit verdiene. \u201eIch bewundere die mdw sehr daf\u00fcr, dass sie bereit ist, diesen Schritt zu gehen und die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Popularmusik zu f\u00f6rdern\u201c, so Bennett. W\u00e4hrend seines Aufenthalts nahm Bennett au\u00dferdem an einer akademischen Veranstaltung zur forensischen Musikwissenschaft teil, bei der er mit Studierenden der mdw \u00fcber musikalische \u00c4hnlichkeiten und Urheberrecht diskutierte. Die daraus entstandene Diskussion sei, so Bennett im R\u00fcckblick, gleicherma\u00dfen engagiert wie fachlich fundiert gewesen.<\/p>\n<h5>Ein unerwartetes Ergebnis beim Song Contest<\/h5>\n<p>Obwohl sich Bennett bereits viele Jahre mit dem Eurovision Song Contest besch\u00e4ftigt, konnte ihn der Wettbewerb 2026 trotzdem noch \u00fcberraschen. Seit 2011 begleitet er den Song Contest mit einem Live-Musikwissenschaftsblog, in dem er unter anderem Akkorde, Tempo und Songstrukturen analysiert. Seit j\u00fcngstem versucht er zudem, vorherzusagen, wer gewinnen wird \u2013 mithilfe musikalischer Analysen, Wettquoten, eigener Einsch\u00e4tzung und, wie er offen zugibt, auch unter Einbeziehung geopolitischer Faktoren.<\/p>\n<p>In diesem Jahr lag er mit seiner Prognose allerdings daneben. <i>Bangaranga<\/i> gefiel Bennett schon seit der Ver\u00f6ffentlichung, doch dass ein derart unkonventioneller Beitrag unter die Top drei kommen \u2013 geschweige denn gewinnen \u2013 w\u00fcrde, hatte er nicht erwartet. \u201eEine gro\u00dfartige Hookline, wirklich eine fantastische Performance\u201c, erkl\u00e4rte er. \u201eAber ich h\u00e4tte einfach nicht gedacht, dass die Song-Contest-Voter_innen auf etwas derart Ungew\u00f6hnliches anspringen w\u00fcrden.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_13756\" aria-describedby=\"caption-attachment-13756\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13756\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/demo-uni-budget-cstp-print-023-4546-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13756\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephan Polzer<\/figcaption><\/figure>\n<p>F\u00fcr Bennett zeigte das Ergebnis auch, dass sich der Eurovision Song Contest nicht allein \u00fcber die Komposition verstehen l\u00e4sst. Der Siegerauftritt verband eine einpr\u00e4gsame Hookline mit einer starken Choreografie und einer markanten visuellen Identit\u00e4t. Im Gespr\u00e4ch mit den Studierenden beschrieb er den Beitrag als geradezu \u201ewie f\u00fcr TikTok gemacht\u201c. Das zentrale Wort ist sprach\u00fcbergreifend leicht auszusprechen, w\u00e4hrend die Tanzchoreografie und sofort wiedererkennbare \u00c4sthetik perfekt in eine Kultur passen, in der Musik zunehmend \u00fcber visuelle und kurze Formate konsumiert wird.<\/p>\n<p>Darin zeigt sich ein Grundprinzip von Bennetts Arbeit: Die Art und Weise, wie Musik verbreitet wird, wirkt sich auf die Musik selbst aus. TikTok belohnt Unmittelbarkeit und ermutigt Songwriter_innen, Hooks fr\u00fcher einzuf\u00fchren und auf langatmige instrumentale Intros zu verzichten. Der Song Contest liefert daf\u00fcr eine besonders aufschlussreiche Fallstudie, da es sich, wie Bennett betonte, nicht einfach um eine Sammlung von Songs, sondern um eine Fernsehsendung handelt. Jeder Beitrag muss innerhalb eines dreimin\u00fctigen Slots funktionieren und zugleich eine \u00fcberzeugende Abfolge visueller Bilder erzeugen.<\/p>\n<p>\u201eMan kann die Performance und die visuelle Inszenierung nicht voneinander trennen\u201c, betont Bennett. Das Publikum erlebt keine abstrakte Komposition, sondern gleichzeitig Live-Gesang, Choreografie, Kost\u00fcme, Kameraf\u00fchrung und B\u00fchnenbild.<\/p>\n<h5>Zwischen nationaler Identit\u00e4t und universellem Pop<\/h5>\n<p>Auch die Beitr\u00e4ge der Ausgabe 2026 zeigten unterschiedliche Wege, mit kultureller Identit\u00e4t umzugehen. Australien und Finnland nannte Bennett als Beispiele f\u00fcr Beitr\u00e4ge, die auf einen weitgehend universellen europ\u00e4ischen Popsound setzten. Solche Songs verzichten auf allzu eindeutige nationale Bez\u00fcge in Musik und visueller Gestaltung und orientieren sich stattdessen an den glatt produzierten Konventionen des zeitgen\u00f6ssischen Euro-Pop.<\/p>\n<p>Die Republik Moldau w\u00e4hlte die entgegengesetzte Strategie. Bennett lobte <i>Viva Moldova <\/i>als \u201etemperamentvolles St\u00fcck harmlosen Patriotismus\u201c. Die Performance verband zeitgen\u00f6ssische musikalische Elemente mit Sportbekleidung und traditioneller Tracht und machte nationale Identit\u00e4t zu einem ausdr\u00fccklich sichtbaren Teil des Auftritts. F\u00fcr Bennett sind beide Strategien typisch f\u00fcr den Eurovision Song Contest: Ein Land kann seine nationale Identit\u00e4t zugunsten eines m\u00f6glichst universellen Auftritts in den Hintergrund r\u00fccken \u2013 oder sie zum Mittelpunkt von Text, Sound und B\u00fchneninszenierung machen. Der Song Contest belohnt dabei h\u00e4ufig die Extreme: Wer sich f\u00fcr eine bestimmte Richtung entscheidet, zieht sie meist konsequent durch.<\/p>\n<h5>Song-Contest-Forschung von 2010 bis 2026<\/h5>\n<p>Die Zusammenarbeit an der mdw kn\u00fcpfte an ein Projekt an, das Bennett urspr\u00fcnglich im Jahr 2020 mit einem Forschungsteam und F\u00f6rdermitteln im Zusammenhang mit dem Netflix-Film <i>Eurovision Song Contest: The Story of Fire Saga<\/i> durchgef\u00fchrt hatte. Die erste Studie untersuchte Beitr\u00e4ge von 2010 bis 2019 und entwickelte eine Systematik zur Analyse wiederkehrender musikalischer und textlicher Merkmale.<\/p>\n<p>Bennett war davon ausgegangen, dass das Projekt nach der Ver\u00f6ffentlichung der urspr\u00fcnglichen Forschungsergebnisse abgeschlossen sei. Das Interesse der mdw-Studierenden bot jedoch nun die Gelegenheit, das Projekt zu erweitern und zu erg\u00e4nzen \u2013 so wurde nun der Zeitraum bis zum Jahr 2026 untersucht. Die Forschenden analysierten insgesamt 422 Song-Contest-Beitr\u00e4ge und verglichen die neueren Songs mit ausgew\u00e4hlten Beitr\u00e4gen aus den britischen, deutschen, franz\u00f6sischen und italienischen Single-Charts. Im Mittelpunkt standen Fragen wie: Hat der Song Contest einen eigenen musikalischen Stil entwickelt? Welche wiederkehrenden Songtypen lassen sich erkennen? Und wie haben sich die musikalischen Merkmale des Wettbewerbs im Laufe der Zeit ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Jeder Beitrag wurde anhand eines einheitlichen Kriterienkatalogs untersucht: Tempo, Tonart und Tonalit\u00e4t, Tonartwechsel, thematischer Schwerpunkt des Textes, Besetzung der Stimmen und musikalischer Archetyp. Zu den Archetypen z\u00e4hlten Euro-Pop, Ethno-Pop, Pop-Hymne, Ballade, Schlager und Chanson sowie die breiter gefasste Kategorie \u201eNischengenres\u201c f\u00fcr Stile wie Rock, Metal, Electro und Reggaeton. Auch die Songtexte wurden nach Themen eingeordnet, darunter Liebe, Selbstbehauptung, Zusammenhalt, Musik und Tanz. Bei den Liebesliedern wurde zus\u00e4tzlich nach verschiedenen Phasen unterschieden: der Suche nach Liebe, dem Feiern einer Beziehung, Beziehungskrisen und Liebeskummer nach einer Trennung.<\/p>\n<h5>Der Song-Contest-Sound im Wandel<\/h5>\n<p>Einige Ergebnisse best\u00e4tigten die Best\u00e4ndigkeit bekannter Song-Contest-Konventionen, w\u00e4hrend andere auf einen Wandel hindeuteten. Euro-Pop bleibt mit 28,6 Prozent der Songs die gr\u00f6\u00dfte Kategorie. Pop-Hymnen machen 20,6\u00a0Prozent aus, Balladen 18,7\u00a0Prozent, gefolgt von Ethno-Pop mit 13,7\u00a0Prozent und Nischengenres mit 13,2\u00a0Prozent. Im gesamten Untersuchungszeitraum nahmen sowohl Euro-Pop als auch Ethno-Pop zu, w\u00e4hrend Pop-Hymnen etwas seltener wurden.<\/p>\n<p>Im Vergleich zu den ausgew\u00e4hlten Mainstream-Charts weist der Eurovision Song Contest eine deutlich gr\u00f6\u00dfere stilistische Vielfalt auf. Ethno-Pop spielt im Wettbewerb eine besonders bedeutende Rolle, ist in der Chartstichprobe jedoch fast nicht vertreten. Die Forschenden f\u00fchren das zum Teil auf das nationale Branding zur\u00fcck, insbesondere bei Beitr\u00e4gen aus S\u00fcd- und Osteuropa, die kulturelle und musikalische Bez\u00fcge zu ihren Herkunftsl\u00e4ndern aufgreifen.<\/p>\n<p>Auch bei der Tonalit\u00e4t zeigt sich ein bemerkenswerter Unterschied. Die meisten Song-Contest-Beitr\u00e4ge standen in Moll. Besonders 2023, 2024 und 2026 verzeichneten die Forschenden einen regelrechten \u201eMoll-Boom\u201c. 2026 war der Gegensatz besonders deutlich: W\u00e4hrend die Song-Contest-Songs \u00fcberwiegend in Moll komponiert waren, standen die meisten Songs der untersuchten Chart-Auswahl in Dur. Auch musikalische Modi wie Dorisch, Mixolydisch und Phrygisch kamen im Song-Contest-Korpus vor, insbesondere im Ethno-Pop.<\/p>\n<p>Der l\u00e4ngere Untersuchungszeitraum machte auch Ver\u00e4nderungen bei den Themen der Songtexte sichtbar. Bennett hob den R\u00fcckgang des \u201eWinter-Liebessongs\u201c hervor \u2013 jener Songs \u00fcber Einsamkeit, Reue oder Liebeskummer, die in den 2010er-Jahren h\u00e4ufiger vertreten waren als in den 2020er-Jahren. Die Tempodaten wiederum zeigen, dass die Songs in den vergangenen Jahren deutlich schneller geworden sind.<\/p>\n<p>\u201eWas mich an dieser Forschung besonders fasziniert, ist die Verbindung von messbaren Datentrends mit soziokulturellen Beobachtungen\u201c, erkl\u00e4rt Bennett. Das Tempo liefert objektiv erfassbare Daten, w\u00e4hrend Liedtexte und musikalische Archetypen zeigen, wie das Songwriting auf sich wandelnde kulturelle Vorlieben reagiert.<\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit brachte Bennett auch dazu, Teile seiner urspr\u00fcnglichen Systematik zu \u00fcberdenken. Insbesondere der Austausch mit Studierenden und Forschenden der mdw er\u00f6ffnete ihm einen differenzierteren Blick auf den Schlager. Statt ihn als starren oder \u00fcberholten Stil zu begreifen, der vor allem in der Mitte des 20. Jahrhunderts verankert ist, konnte er sich mit der langen Geschichte des Schlagers vertraut machen und erkennen, dass er sich als eine lebendige musikalische Tradition st\u00e4ndig weiterentwickelt.<\/p>\n<p>Die Studie geht dabei nicht davon aus, dass sich jeder Song-Contest-Song eindeutig einer einzigen Kategorie zuordnen l\u00e4sst. Die Grenze zwischen Pop-Hymne und Ballade war etwa nicht immer klar umrissen, und ein speziell f\u00fcr den Song Contest entwickeltes Klassifikationssystem lie\u00df sich nicht ohne Weiteres auf Mainstream-Pop \u00fcbertragen. Gerade diese methodischen Schwierigkeiten erwiesen sich jedoch als aufschlussreich. Sie deuten darauf hin, dass der Song Contest in einer eigenen musikalischen Umgebung stattfindet, mit Konventionen, die sich deutlich genug vom Mainstream-Pop unterscheiden, um die Frage aufzuwerfen, ob der Wettbewerb wom\u00f6glich selbst als eigenes Genre verstanden werden kann.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13753\" aria-describedby=\"caption-attachment-13753\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13753\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/099426d5-f764-4c64-93c8-2a316b60ac46-korrweb-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13753\" class=\"wp-caption-text\">Joe Bennett \u00a9 privat<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Aufmerksames Hinh\u00f6ren: Bennetts forensische Arbeit<\/h5>\n<p>Die analytische Perspektive, mit der Bennett auf den Eurovision Song Contest blickt, pr\u00e4gt auch seine Arbeit als forensischer Musikwissenschaftler. Neben seiner T\u00e4tigkeit als Professor am Berklee College of Music, wo er Songwriting und Musikurheberrecht unterrichtet, arbeitet er als musikwissenschaftlicher Berater. Seine Aufgabe besteht darin, festzustellen, ob \u00c4hnlichkeiten zwischen Songs aus urheberrechtlicher Sicht problematisch sein k\u00f6nnten. Zu seinen Kunden z\u00e4hlen K\u00fcnstler_innen, Verlage, Plattenlabels, Werbeagenturen und Unternehmen, die Musik f\u00fcr Film und Fernsehen produzieren. Ein_e Komponist_in m\u00f6chte vielleicht einen vertrauten Stil oder eine bestimmte Stimmung aufgreifen, ohne dabei gesch\u00fctztes musikalisches Material zu stark zu \u00fcbernehmen; die forensische Musikwissenschaft hilft dabei, die Grenze zwischen Inspiration und unzul\u00e4ssigem Plagiat auszuloten.<\/p>\n<p>Trotz des fachspezifischen Charakters dieser Arbeit versteht Bennett sie als Teil eines umfassenderen Engagements, die Musikanalyse zug\u00e4nglich zu machen. In seiner Lehre, bei \u00f6ffentlichen Vortr\u00e4gen, in sozialen Medien, Podcasts und seiner BBC-Sendung <i>Midnight Musicology<\/i> vermittelt er Methoden, mit denen sich nachvollziehen l\u00e4sst, wie Songs aufgebaut sind.<\/p>\n<p>Ob es nun um einen potenziellen Urheberrechtskonflikt geht oder um die Frage, warum eine Song-Contest-Performance Millionen von Zuschauer_innen begeistert \u2013 die Methode bleibt dieselbe: genau hinh\u00f6ren, musikalische Details erkennen und die kulturellen Bedingungen ber\u00fccksichtigen, in denen Musik entsteht und konsumiert wird. Die Zusammenarbeit an der mdw hat gezeigt, wie produktiv dieser Ansatz sein kann: Indem Daten, kritisches H\u00f6ren und internationale Perspektiven zusammenkommen, l\u00e4sst sich besser verstehen, welche Songs die Popkultur unserer Gegenwart pr\u00e4gen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Rahmen eines Seminars zum Song Contest untersuchte Bennett gemeinsam mit den Studierenden Linda Oppelmayer, Mariella Ackerl und Leonie Bauer die musikalische Sprache des Wettbewerbs. 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