{"id":13745,"date":"2026-09-28T10:29:50","date_gmt":"2026-09-28T08:29:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13745"},"modified":"2026-09-28T10:29:50","modified_gmt":"2026-09-28T08:29:50","slug":"wie-miagi-den-konzertkanon-neu-erzaehlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/wie-miagi-den-konzertkanon-neu-erzaehlt\/","title":{"rendered":"Wie MIAGI den Konzertkanon neu erz\u00e4hlt"},"content":{"rendered":"Bereits 2024 berichtete das <i>mdw-Magazin <\/i>\u00fcber die <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2024\/11\/26\/musik-als-grossartige-investition\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erfolgreiche Europatournee des s\u00fcdafrikanischen MIAGI<\/a> (Music is a great investment) Orchestra und die langj\u00e4hrige Partnerschaft mit der mdw. Mit dem Konzert beim <i>Podium Zukunft<\/i> am 27. April 2026 in Frankfurt wurde diese Zusammenarbeit nun eindrucksvoll fortgesetzt. Im Mittelpunkt stand dabei weniger ein weiteres Gastspiel als vielmehr die konsequente Weiterentwicklung einer k\u00fcnstlerischen Idee. Unter dem Titel <i>Searching the African Footprint<\/i> zeichnete das MIAGI Orchestra unter der Leitung von David Panzl die musikalischen Spuren der afrikanischen Diaspora nach und er\u00f6ffnete damit neue Perspektiven auf den klassischen Konzertkanon.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13747\" aria-describedby=\"caption-attachment-13747\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13747\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-3-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13747\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Alte Oper Frankfurt\/Tibor-Florestan Pluto<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der programmatische Ansatz zielte nicht darauf ab, Afrika geografisch zu verorten. Vielmehr ging es um die Frage, wie afrikanische Kultur und ihre Diaspora die Musikgeschichte gepr\u00e4gt haben, von der Karibik \u00fcber Nordamerika bis zur\u00fcck in das heutige S\u00fcdafrika. Das Konzert verstand sich als musikalische Erz\u00e4hlung \u00fcber kulturellen Austausch, Identit\u00e4t und die Entstehung neuer k\u00fcnstlerischer Ausdrucksformen. Genau darin liegt seit vielen Jahren die Mission von MIAGI. Musik wird nicht nur als \u00e4sthetische Praxis verstanden, sondern als Medium gesellschaftlicher Verst\u00e4ndigung und kultureller Teilhabe. Bereits die Er\u00f6ffnung mit George Gershwins <i>Cuban Overture<\/i> machte diesen Anspruch h\u00f6rbar. F\u00fcr das MIAGI Orchestra schuf David Panzl eine neue Instrumentation und ein eigens auf den s\u00fcdafrikanischen Klangk\u00f6rper zugeschnittenes Arrangement, das die charakteristische Besetzung des Orchesters mit ihren erweiterten Percussion- und Jazzfarben ber\u00fccksichtigt. So wurde Gershwins von afrokaribischen Rhythmen inspirierte Komposition zum idealen Ausgangspunkt einer musikalischen Spurensuche, in der kulturelle Einfl\u00fcsse nicht als Randerscheinung, sondern als Motor musikalischer Entwicklung verstanden werden. Einen zentralen Platz im Programm nahmen die Werke von Florence Price und George Walker ein. Ihre Gegen\u00fcberstellung bildete das historische Zentrum des Abends und machte deutlich, weshalb die Auseinandersetzung mit der afrikanischen Diaspora weit \u00fcber Fragen der Repertoireerweiterung hinausgeht. Florence Price schrieb als erste afroamerikanische Komponistin, deren Sinfonie von einem gro\u00dfen amerikanischen Orchester aufgef\u00fchrt wurde, Musikgeschichte. Dennoch geriet ihr Schaffen \u00fcber Jahrzehnte nahezu in Vergessenheit. Ihr Andante moderato aus dem ersten Streichquartett verbindet sp\u00e4tromantische Klangsprache mit den melodischen und harmonischen Traditionen afroamerikanischer Spirituals. Dass ihre Musik heute wieder selbstverst\u00e4ndlich auf internationalen Konzertpodien erklingt, bedeutet zugleich eine notwendige Neubewertung der Musikgeschichte.<\/p>\n<p>George Walker f\u00fchrte diesen Weg fort. Als erster afroamerikanischer Pulitzer-Preistr\u00e4ger f\u00fcr Musik steht er f\u00fcr die k\u00fcnstlerische Anerkennung einer Generation, die auf den Errungenschaften ihrer Vorg\u00e4nger_innen aufbauen konnte. Seine <i>Lyric for Strings <\/i>z\u00e4hlt heute zu den eindrucksvollsten amerikanischen Werken f\u00fcr Streichorchester des 20. Jahrhunderts. Im Kontext dieses Programms wurde das Werk zu einem stillen und zutiefst bewegenden Erinnerungsort sowie zu einem Bindeglied zwischen afroamerikanischer Musikgeschichte und der Gegenwart.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13749\" aria-describedby=\"caption-attachment-13749\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13749\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/herunterladen-1-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13749\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Tomkohlerphotography<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zwischen diesen beiden historischen Bezugspunkten wurde mit<i> The Soweto Protocol <\/i>die Br\u00fccke nach S\u00fcdafrika geschlagen. Gemeinsam mit <i>Black Child <\/i>von Viwe Mkizwana und <i>Missing Soest<\/i> von Musawenkosi Mdluli zeigte sich, dass die Suche nach dem \u201eAfrican footprint\u201c nicht in der Vergangenheit endet. Vielmehr wird die Geschichte der afrikanischen Diaspora von einer jungen Generation s\u00fcdafrikanischer Komponist_innen weitergeschrieben, die klassische Musik, Jazz und afrikanische Traditionen selbstverst\u00e4ndlich miteinander verbindet. Auch Leonard Bernsteins <i>Prelude, Fugue and Riffs<\/i>, das David Panzl eigens f\u00fcr das MIAGI Orchestra neu arrangierte und instrumentierte, f\u00fcgte sich nahtlos in diese Dramaturgie ein. Jazz erscheint hier nicht als stilistischer Kontrast, sondern als unmittelbares Ergebnis jener kulturellen Verflechtungen, die das gesamte Programm durchziehen.<\/p>\n<p>Ein wesentliches Element dieses k\u00fcnstlerischen Konzepts war erneut die Zusammenarbeit mit der mdw. Das mdw Percussion Ensemble war integraler Bestandteil des Orchesterklangs. Es verlieh den rhythmisch gepr\u00e4gten Werken nicht nur zus\u00e4tzliche klangliche Tiefe, sondern erweiterte mit Marimba und Vibraphon auch die harmonische Farbigkeit des Orchesters. Mit <i>Patriots<\/i> von Joe Zawinul setzte die Zugabe einen energiegeladenen Schlusspunkt. Gemeinsam mit dem s\u00fcdafrikanischen MIAGI Orchestra sorgte die mdw Drumline f\u00fcr ein mitrei\u00dfendes Finale. Die kraftvolle Verbindung von orchestraler Pr\u00e4zision und rhythmischer Energie machte die langj\u00e4hrige Partnerschaft zwischen MIAGI und der mdw nicht nur h\u00f6rbar, sondern auch unmittelbar erlebbar. Dass dieses k\u00fcnstlerische Konzept weit \u00fcber den Konzertsaal hinaus Wirkung entfaltet, zeigte die Resonanz des Publikums. Das Konzert wurde euphorisch aufgenommen und mit langanhaltendem Applaus gefeiert. Bereits unmittelbar nach der Auff\u00fchrung ergaben sich neue Einladungen und Engagements f\u00fcr die kommende Saison. Ein eindrucksvoller Beleg f\u00fcr die internationale Strahlkraft eines Projekts, das musikalische Exzellenz und gesellschaftliche Verantwortung auf beispielhafte Weise miteinander verbindet.<\/p>\n<p><i>Searching the African Footprint<\/i> erwies sich damit nicht nur als Konzerttitel, sondern als programmatisches Statement. Das MIAGI Orchestra zeigte, dass der klassische Kanon dort am lebendigsten ist, wo er offen bleibt f\u00fcr bislang \u00fcberh\u00f6rte Stimmen und neue Perspektiven. Florence Price und George Walker stehen dabei nicht am Rand der Musikgeschichte, sondern in ihrem Zentrum. Ihre Werke gemeinsam mit jenen einer jungen s\u00fcdafrikanischen Komponist_innengeneration zu pr\u00e4sentieren, machte deutlich, dass die Geschichte der klassischen Musik nur dann vollst\u00e4ndig erz\u00e4hlt werden kann, wenn sie als gemeinsame transkulturelle Geschichte verstanden wird. Genau darin liegen die k\u00fcnstlerische und gesellschaftliche Relevanz dieses au\u00dfergew\u00f6hnlichen Projekts sowie die nachhaltige Bedeutung der Partnerschaft zwischen MIAGI und der mdw.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bereits \ufeff2024 berichtete das mdw-Magazin \u00fcber die erfolgreiche Europatournee des s\u00fcdafrikanischen MIAGI\ufeff (Music is a great investment) Orchestra und die langj\u00e4hrige Partnerschaft mit der mdw. Mit dem Konzert beim Podium Zukunft am 27. April 2026 in Frankfurt wurde diese Zusammenarbeit nun eindrucksvoll fortgesetzt. 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