{"id":13721,"date":"2026-09-28T18:15:15","date_gmt":"2026-09-28T16:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13721"},"modified":"2026-09-28T18:23:22","modified_gmt":"2026-09-28T16:23:22","slug":"musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog\/","title":{"rendered":"Musiktherapieforschung an der mdw: Wissenschaft und gelebte Erfahrung im Dialog"},"content":{"rendered":"<h5>Musiktherapie in der Suchtbehandlung<\/h5>\n<p>Suchterkrankungen z\u00e4hlen zu den dr\u00e4ngendsten Herausforderungen moderner Gesundheitssysteme: Weltweit sind Millionen von Menschen von Sucht betroffen, die gesellschaftlichen und individuellen Folgen sind erheblich<span id='easy-footnote-1-13721' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog\/#easy-footnote-bottom-1-13721' title='Degenhardt L, Charlson F, Ferrari A, et al. \u201eThe global burden of disease attributable to alcohol and drug use in 195 countries and territories, 1990\u20132016: a systematic analysis for the Global Burden of Disease Study 2016\u201c. &lt;i&gt;The Lancet Psychiatry&lt;\/i&gt;. 2018;5(12):987-1012. &lt;a&gt;doi:10.1016\/S2215-0366(18)30337-7&lt;\/a&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>. Herk\u00f6mmliche Behandlungsans\u00e4tze \u2013 pharmakologische, wie nicht-pharmakologische \u2013 sto\u00dfen dabei h\u00e4ufig an ihre Grenzen, vor allem wenn es um nachhaltige, langfristige Betreuung von Betroffenen geht<span id='easy-footnote-2-13721' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog\/#easy-footnote-bottom-2-13721' title='Svendsen TS, Veseth M, McKay JR, et al. \u201eSecuring Participant Engagement in Longitudinal Substance Use Disorder Recovery Research: A Qualitative Exploration of Key Retention Factors\u201c. &lt;i&gt;Journal of Psychosocial Rehabilitation and Mental Health.&lt;\/i&gt; 2021;8(3):247\u2013259. &lt;a&gt;doi:10.1007\/s40737-021-00222-y&lt;\/a&gt;'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>. Vor diesem Hintergrund r\u00fcckt Musiktherapie zunehmend in den Fokus der Forschung: Studien belegen, dass Musiktherapie das sogenannte Craving \u2013 das starke Verlangen nach der Substanz oder der Verhaltensweise \u2013 reduzieren und gleichzeitig die Motivation f\u00fcr die Behandlung und f\u00fcr \u00c4nderungen in Lebensstil und Einstellung deutlich steigern kann<span id='easy-footnote-3-13721' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog\/#easy-footnote-bottom-3-13721' title='Ghetti C, Chen XJ, Brenner AK, et al. \u201eMusic therapy for people with substance use disorders\u201c. &lt;i&gt;Cochrane Database of Systematic Reviews.&lt;\/i&gt; 2022;(5). &lt;a&gt;doi:10.1002\/14651858.CD012576.pub3&lt;\/a&gt;'><sup>3<\/sup><\/a><\/span>. Die Langzeitwirkung von Musiktherapie in der Suchtbehandlung ist jedoch noch kaum erforscht.<\/p>\n<p>Seit J\u00e4nner 2025 ist die mdw mit dem Wiener Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung (WZMF) Teil des (bis dato im Umfang gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen) multinationalen Musiktherapieforschungsprojektes <i>FALCO: Fighting Addictions, Improving Lives: Comprehensive Drug Rehabilitation with Music<\/i><span id='easy-footnote-4-13721' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog\/#easy-footnote-bottom-4-13721' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/www.falco-project.eu&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;falco-project.eu&lt;\/a&gt;'><sup>4<\/sup><\/a><\/span>. Die von der Europ\u00e4ischen Union im Rahmen des Horizon-Europe-Programms sowie durch das Schweizerische Staatssekretariat f\u00fcr Bildung, Forschung und Innovation gef\u00f6rderte Studie untersucht die Integration von Musiktherapie in etablierte Suchtbehandlungsprotokolle in insgesamt acht teilnehmenden L\u00e4ndern (Italien, Israel, Norwegen, \u00d6sterreich, Pal\u00e4stina, Polen, Schweiz und Spanien). Im Rahmen der Studie werden insgesamt 600 Proband_innen randomisiert je einer von drei Gruppen zugeteilt: aktive Musiktherapie und die Standardbehandlung der jeweiligen Einrichtung, rezeptive Musiktherapie und Standardbehandlung oder ausschlie\u00dflich Standardbehandlung. Die Teilnahme erfolgt jeweils f\u00fcr ein Jahr. So soll der Einfluss von Musiktherapie auf den Schweregrad der Sucht, die Genesung und andere gesundheitliche und sozio\u00f6konomische Auswirkungen untersucht und die bestehende Wissensl\u00fccke hinsichtlich der Langzeitwirkung von Musiktherapie in der Suchtbehandlung geschlossen werden.<\/p>\n<h5>Einbindung von Stakeholder_innen<\/h5>\n<p>Ein Schwerpunkt von FALCO, in den das Team des WZMF mit Julia Fent, Tobias Aumann und Ute Glentzer ma\u00dfgeblich involviert ist, besteht in der Einbindung von Stakeholder_innen (sprich alle Akteur_innen und Organisationen, die von der Studie bzw. deren Ergebnissen direkt oder indirekt betroffen sind, bspw. Patient_innen, Musiktherapeut_innen, Angeh\u00f6rige, Forscher_innen, Gesundheitspersonal sowie Vertreter_innen von Kliniken, Reha-Einrichtungen oder Kostentr\u00e4gern). Die Einbindung im gesamten Prozess der Studie soll vor allem Relevanz, Durchf\u00fchrbarkeit und die effektive Umsetzung der Ergebnisse gew\u00e4hrleisten. Dies geschieht durch die Etablierung von Beratungsgremien mit geladenen Expert_innen auf unterschiedlichen Ebenen des Projektes \u2013 eine Expert Advisory Group (EAG) auf Projektebene und Local Advisory Groups (LAG) in allen beteiligten L\u00e4ndern. Die Expert_innen in den Beratungsgremien setzen sich aus Personen mit unterschiedlichen Formen von Expertise zusammen \u2013 sei es aus eigener gelebter Erfahrung, aus professioneller Praxis oder aus wissenschaftlicher Forschung.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus werden an einigen Standorten partizipative Subprojekte durchgef\u00fchrt \u2013 so auch in Wien in Kooperation mit dem Verein Dialog<span id='easy-footnote-5-13721' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/musiktherapieforschung-an-der-mdw-wissenschaft-und-gelebte-erfahrung-im-dialog\/#easy-footnote-bottom-5-13721' title='&lt;a href=&quot;https:\/\/dialog-on.at&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener&quot;&gt;dialog-on.at&lt;\/a&gt;'><sup>5<\/sup><\/a><\/span>. Dabei wird in Wien seit April 2026 gemeinsam mit Personen mit Suchterfahrung ein eigenes Teilprojekt entwickelt, dessen Ergebnisse jene der klinischen Studie komplement\u00e4r erg\u00e4nzen sollen. Partizipation meint dabei die vollst\u00e4ndige Einbindung Suchterfahrener \u2013 mit tats\u00e4chlicher Entscheidungsmacht \u2013 auf allen Ebenen des Forschungsprozesses \u2013 von der Themenfindung \u00fcber die Durchf\u00fchrung bis zur Dissemination.<\/p>\n<h5>Partizipation als Wissenschaftskommunikation<\/h5>\n<p>Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist zudem die Wissenschaftskommunikation: Stakeholder_innen \u2013 von Betroffenen bis hin zu Fachpersonen und Institutionen \u2013 erhalten durch ihre Einbindung \u00fcber die Beratungsgremien umfassende Einblicke in die Studie sowie in die Wirkungsweisen von Musiktherapie und k\u00f6nnen diese in ihre jeweiligen Bereiche weitertragen.<\/p>\n<p>Einen besonderen Stellenwert nimmt die Wissenschaftskommunikation auch im \u201eWiener\u201c Subprojekt ein. Durch den radikal partizipativen Charakter des Projektes erfolgt auch die Dissemination der Projektergebnisse partizipativ, das hei\u00dft, sie wird gemeinsam mit den beteiligten Akteur_innen gestaltet und durchgef\u00fchrt. Auf diese Weise soll nicht nur die Sichtbarkeit der Studienergebnisse \u00fcber den akademischen Diskurs hinaus erh\u00f6ht, sondern auch deren nachhaltige Verwertung in der Suchthilfelandschaft Wien gef\u00f6rdert werden.<\/p>\n<h5><\/h5>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit J\u00e4nner 2025 ist die mdw mit dem Wiener Zentrum f\u00fcr Musiktherapie-Forschung (WZMF) Teil des (bis dato im Umfang gr\u00f6\u00dften europ\u00e4ischen) multinationalen Musiktherapieforschungsprojektes FALCO: \ufeffFighting Addictions, Improving Lives: Comprehensive Drug Rehabilitation with Music. Die von der Europ\u00e4ischen Union im Rahmen des Horizon-Europe-Programms gef\u00f6rderte Studie untersucht die Integration von Musiktherapie in etablierte Suchtbehandlungsprotokolle in insgesamt acht teilnehmenden L\u00e4ndern (Italien, Israel, Norwegen, \u00d6sterreich, Pal\u00e4stina, Polen, Schweiz und Spanien).<\/p>\n","protected":false},"author":480,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[1682,1386,854],"class_list":["post-13721","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-special","tag-2026-3","tag-wissenschaftskommunikation","tag-special"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13721","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/480"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13721"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13721\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":14003,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13721\/revisions\/14003"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13721"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13721"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13721"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}