{"id":13687,"date":"2026-09-28T09:23:53","date_gmt":"2026-09-28T07:23:53","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13687"},"modified":"2026-09-28T09:23:53","modified_gmt":"2026-09-28T07:23:53","slug":"diverse-repertoire-now","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/diverse-repertoire-now\/","title":{"rendered":"Diverse Repertoire Now!"},"content":{"rendered":"<h5>Musica inaudita ist eine studentische Initiative an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin (UdK), die sich daf\u00fcr einsetzt, marginalisierte Komponist_innen h\u00f6r- und sichtbar zu machen, die in der klassischen Musikwelt bis dato noch keine bzw. wenig Aufmerksamkeit bekommen haben. Wie sie dies tun, haben Sophie Mattiuzzo und Jelena Wi\u00dfmann von Musica inaudita im Interview bei ihrem Aufenthalt in Wien im Rahmen der Tagung <i>Excellently Engaged<\/i> erz\u00e4hlt, auf der sie gemeinsam mit dem inn.wien ensemble den Workshop <i>Unlearn the canon \u2013 diverse repertoire now!<\/i> gehalten haben.<\/h5>\n<p>Nachdem ihr heute bereits einen Workshop geleitet habt \u2013 und dies ja nicht zum ersten Mal \u2013, w\u00fcrde uns interessieren: Wie l\u00e4uft so ein Workshop eigentlich ab?<\/p>\n<p><b>Sophie Mattiuzzo und Jelena Wi\u00dfmann (SM\/JW):<\/b> Wir erkl\u00e4ren, warum wir zu der Position <i>\u201eunlearn the canon\u201c<\/i> gelangen und wie wir sie begr\u00fcnden. Ein wichtiger Ausgangspunkt ist dabei die Frage: Was ist eigentlich ein Kanon? F\u00fcr uns ist entscheidend, sichtbar zu machen, wie stark \u201eder Kanon\u201c von gesellschaftlichen Machtverh\u00e4ltnissen gepr\u00e4gt ist. Deshalb sprechen wir auch \u00fcber Musiktheorie, denn sie beeinflusst ma\u00dfgeblich, welche Musik als wertvoll gilt, was gelehrt wird und was dauerhaft Bestand hat. Dazu setzen wir uns in Kleingruppen mit (musik)wissenschaftlichen Texten<span id='easy-footnote-1-13687' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/09\/28\/diverse-repertoire-now\/#easy-footnote-bottom-1-13687' title='Ewell, Philipp A.: Music Theory and the White Racial Frame. In: Music Theory Online. Ausgabe 26, Nummer 2, 2020.&lt;br \/&gt;\nHuber, Annegret: Meisterinnenwerke und Meisterwerkanalyse. In: History Herstory: Alternative Musikgeschichten. Hg.: Annette Kreutziger-Herr und Katrina Losleben. B\u00f6hlau, 2009, S. 125\u2013139.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> auseinander und m\u00f6chten dadurch gemeinsame Reflexionsprozesse ansto\u00dfen. Zum Abschluss stellen wir unsere digitale Datenbank an Initiativen, Archiven und verschiedenen Medienformaten vor, die den Einstieg in die weitere Recherche erleichtern soll.<\/p>\n<p>Wie kam es, dass sich die Initiative zusammengefunden hat? Und wie ist eure Arbeit in die hochschulinternen Strukturen eingebunden?<\/p>\n<p><b>SM\/JW:<\/b> Die erste Idee war, eine Konzertreihe zu organisieren, da wir hofften, dass Studierende dort Musik kennenlernen w\u00fcrden, die sie \u00e4sthetisch \u00fcberzeugt und die sie anschlie\u00dfend vielleicht selbst in ihr Repertoire aufnehmen w\u00fcrden. Jedoch wurde uns schnell bewusst, dass ein einzelnes Konzert daf\u00fcr nicht ausreicht. Es braucht kontinuierliche Konzertformate und eine wissenschaftliche Auseinandersetzung rund um \u201eden Kanon\u201c.<\/p>\n<p>Wir sehen auch, dass gerade unsere Konzertarbeit ein wichtiges Argument ist. Sie wird von hervorragenden Musiker_innen gestaltet und steht anderen Konzertformaten qualitativ in nichts nach. Gerade diese Verbindung von wissenschaftlicher Auseinandersetzung und k\u00fcnstlerischer Praxis macht unsere Arbeit stark. Wir behaupten nicht nur, dass anderes Repertoire \u00fcberzeugend ist \u2013 wir zeigen es ganz konkret. Die Konzerte werden so zu einem praktischen Gegenbeweis.<\/p>\n<p>Was die institutionelle Verankerung betrifft, m\u00fcssen wir hochschulpolitisch aktiv sein, um \u00fcberhaupt Raum f\u00fcr unsere Arbeit zu schaffen. Wir stehen in engem Austausch mit dem Dekanat und dem Pr\u00e4sidium. Gleichzeitig sind wir auf studentische Hilfskraftstellen angewiesen und profitieren von der Unterst\u00fctzung einzelner Professor_innen. Auch Ressourcen wie B\u00fcror\u00e4ume oder die Nutzung von Konzerts\u00e4len erhalten wir \u00fcber die Hochschule, aber unsere Arbeit findet bis heute \u00fcberwiegend ehrenamtlich statt.<\/p>\n<p>An der UdK Berlin gibt es die Critical Diversity Policy \u2013 Konzept f\u00fcr Antidiskriminierung und Diversit\u00e4t mit verschiedenen Handlungsfeldern und Ma\u00dfnahmen. Ist eure Arbeit darin eingebunden?<\/p>\n<p><b>SM\/JW:<\/b> Nicht unmittelbar, aber wir beziehen uns immer wieder auf die Critical Diversity Policy und auf die dort formulierten Ma\u00dfnahmen, wenn wir unsere Arbeit begr\u00fcnden. Sehr eng arbeiten wir allerdings mit den Gleichstellungsbeauftragten der UdK zusammen \u2013 sowohl auf zentraler Ebene als auch in den einzelnen Fakult\u00e4ten.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13691\" aria-describedby=\"caption-attachment-13691\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13691\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/09\/20260602-104500-korrweb.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13691\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 musica inaudita<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was braucht es aus eurer Sicht, damit das Repertoire an Hochschulen vielf\u00e4ltiger wird? Wo k\u00f6nnen Universit\u00e4ten und Musikhochschulen konkret ansetzen?<\/p>\n<p><b>SM\/JW:<\/b> Ein ganz zentraler Hebel sind aus unserer Sicht die Pr\u00fcfungsordnungen sowie die Curricula. Im Workshop kam heute beispielsweise die Frage auf, wie Aufnahmepr\u00fcfungen eigentlich entstehen und ob dort nicht bewusst vielf\u00e4ltigeres Repertoire vorgegeben werden sollte. An der mdw gibt es Empfehlungslisten, auf denen auch Werke von Komponist_innen au\u00dferhalb des traditionellen Kanons stehen. Allerdings sind diese Listen teilweise nur schwer auffindbar. Wenn man an einer Stelle Ver\u00e4nderungen anst\u00f6\u00dft, entstehen zwangsl\u00e4ufig Reibungen. Das liegt auch daran, dass die bestehenden Systeme sehr eng miteinander verzahnt sind. Die Werke, die in Aufnahmepr\u00fcfungen verlangt werden, bereiten auf Abschlusspr\u00fcfungen vor, diese wiederum orientieren sich an Orchesterprobespielen oder Wettbewerben. Alles greift ineinander. Wir glauben jedoch, dass diese Irritationsmomente notwendig sind: Wenn sich an vielen Stellen gleichzeitig etwas bewegt, ver\u00e4ndern sich nach und nach auch die Strukturen als Ganzes. Die Universit\u00e4t wirkt dabei als Multiplikatorin.<\/p>\n<p>Was m\u00f6chtet ihr den Studierenden denn gerne mit auf den Weg geben?<\/p>\n<p><b>SM\/JW: <\/b>Auch wenn man sich manchmal allein f\u00fchlt, lohnt es sich, den eigenen \u00dcberzeugungen nachzugehen. Es braucht Mut, bestehende Strukturen infrage zu stellen. Gerade im Studium ist man in vielerlei Hinsicht von Menschen abh\u00e4ngig, die \u00fcber einem stehen \u2013 dadurch entsteht leicht das Gef\u00fchl, m\u00f6glichst niemandem widersprechen zu d\u00fcrfen und allen gefallen zu m\u00fcssen. Unsere Erfahrung ist jedoch eine andere: Sobald man den Mut hat, Position zu beziehen, merkt man oft, dass es auch andere Menschen gibt, die \u00e4hnliche Fragen oder Zweifel haben. Man findet Verb\u00fcndete und kann sich zusammenschlie\u00dfen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Musica inaudita ist eine studentische Initiative an der Universit\u00e4t der K\u00fcnste Berlin (UdK), die sich daf\u00fcr einsetzt, marginalisierte Komponist_innen h\u00f6r- und sichtbar zu machen, die in der klassischen Musikwelt bis dato noch keine bzw. wenig Aufmerksamkeit bekommen haben.<\/p>\n","protected":false},"author":468,"featured_media":13689,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1682,1692,1693],"class_list":["post-13687","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-2026-3","tag-diverserepertoire","tag-musicainaudita"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13687","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/468"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13687"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13687\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13932,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13687\/revisions\/13932"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13689"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13687"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13687"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13687"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}