{"id":13379,"date":"2026-04-24T10:15:29","date_gmt":"2026-04-24T08:15:29","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13379"},"modified":"2026-04-24T10:15:29","modified_gmt":"2026-04-24T08:15:29","slug":"rezension-das-max-reinhardt-seminar-im-weltgarten-des-spiels-1928-1965","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/04\/24\/rezension-das-max-reinhardt-seminar-im-weltgarten-des-spiels-1928-1965\/","title":{"rendered":"Rezension\ufeff: Das Max Reinhardt Seminar. Im Weltgarten des Spiels. 1928\u20131965"},"content":{"rendered":"<h5>Peter Roessler, <i>Das Max Reinhardt Seminar. Im Weltgarten des Spiels.<\/i> 1928\u20131965, Hollitzer Verlag, Wien 2025, 767 Seiten.<\/h5>\n<p>Dass ein Seminar f\u00fcr Schauspiel und Regie nach seinem Gr\u00fcnder benannt ist, dieser jedoch nur selten an seiner Ausbildungsst\u00e4tte zugegen war, ist ein bemerkenswerter Umstand. Warum das kein Widerspruch ist und wodurch Max Reinhardt eben jenes Seminar zu einer der renommiertesten Schauspielschulen im deutschsprachigen Raum machte, l\u00e4sst sich neben vielen anderen spannenden Details in dem neuen Buch von Peter Roessler nachlesen.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13382\" aria-describedby=\"caption-attachment-13382\" style=\"width: 212px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.hollitzer.at\/buch\/das-max-reinhardt-seminar\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-13382\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1-212x300.jpg\" alt=\"\" width=\"212\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1-212x300.jpg 212w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1-725x1024.jpg 725w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1-768x1085.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1-1088x1536.jpg 1088w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1-850x1200.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/das-max-reinhardt-seminar-cover-web-1.jpg 1133w\" sizes=\"auto, (max-width: 212px) 100vw, 212px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-13382\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Hollitzer Verlag<\/figcaption><\/figure>\n<p>Gleich vorweg: Die Publikation ist ein ungeheurer Gewinn. Auf \u00fcber 750 Seiten versucht der Autor, der die Institution als Professor f\u00fcr Dramaturgie aus eigener Anschauung kennt, die komplexe Geschichte des Max Reinhardt Seminars zu erz\u00e4hlen. Kein leichtes Unterfangen, erfordert es, wie er selbst sagt, \u201egro\u00dfe Linien ebenso zu ziehen, wie Details und Ereignisse darzustellen\u201c (S. 13). Doch es gelingt Roessler in bester Weise!<\/p>\n<p>Der Band ist neben Vorwort und Ausblick in sieben chronologische Abschnitte gegliedert und l\u00e4sst kaum eine Frage unber\u00fchrt. Der historische Rahmen gibt die Struktur vor, doch widmet sich Roessler auch eingehend den Lehrinhalten des Seminars und schildert den k\u00fcnstlerischen Alltag. In jedem Kapitel gibt es beispielsweise eine Beschreibung der jeweiligen Inszenierungen. Zu den wichtigsten Akteur_innen finden sich informative biografische Skizzen. Der Anhang l\u00e4sst keine W\u00fcnsche offen, besonders hervorzugeben ist die f\u00fcr die prosopografische Forschung \u00e4u\u00dfert wertvolle Liste aller Studierenden bis zum heutigen Tag.<\/p>\n<p>Max Reinhardt muss eine unglaubliche Faszination ausgestrahlt haben, er galt als einer der bedeutendsten Theatermacher seiner Zeit. Die intensive Verbindung von Schauspiel und Regie spiegelt sich schon im Titel des Seminars wider und war ein Novum in der bisherigen Theaterausbildung. Der Name Reinhardt \u201ekonnte T\u00fcren \u00f6ffnen, die sonst verschlossen gebliebene w\u00e4ren\u201c (S. 55). Wie sich das Seminar die Aura dieser Prominenz zunutze machte, insbesondere in der Gr\u00fcndungsphase, ist eindr\u00fccklich dargelegt. 1928 als Teil der heutigen mdw ins Leben gerufen, drohte bereits wenige Jahre sp\u00e4ter die Schlie\u00dfung, die mit der Weiterf\u00fchrung als Privatinstitut abgewendet werden konnte.<\/p>\n<p>Dass nach dem kurzen privaten Intermezzo das Seminar von der nationalsozialistischen F\u00fchrung wieder als Teil der mdw eingegliedert wurde, just in jener Zeit, in der der nun verfemte Gr\u00fcnder ins amerikanische Exil fl\u00fcchten musste, wo er verstarb, ist Zeugnis der wechselvollen und dunklen Geschichte. In beklemmender Weise beschreibt Roessler in diesem Zusammenhang die internen Mechanismen der Macht: Beispielsweise wie der ehemalige Sch\u00fcler Hans Niederf\u00fchr zuerst zum \u201eSeminarwart\u201c, dann zum Sekret\u00e4r, sp\u00e4ter zum \u201ebevollm\u00e4chtigten Stellvertreter\u201c aufgestiegen war. Und unmittelbar nach dem \u201eAnschluss\u201c handstreichartig die Leitung \u00fcbernahm. War Reinhardts seltene Anwesenheit am Seminar zuvor noch Anlass f\u00fcr Kritik gewesen, wurde seine Rolle nun als \u201eeine rein \u00e4u\u00dferliche\u201c und \u201elediglich formale\u201c umgedeutet (S. 317). Niederf\u00fchr hatte die Vertreibung zahlreicher k\u00fcnstlerisch pr\u00e4gender Pers\u00f6nlichkeiten der Gr\u00fcndungsjahre zu verantworten; einige wurden Opfer der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie.<\/p>\n<p>Roessler beschreibt kenntnisreich, wie bei der Wiederer\u00f6ffnung der Schule nach Kriegsende eine R\u00fcckbesinnung in alte Zeiten betrieben und eine bruchlose, harmonische Kontinuit\u00e4t suggeriert wurde. In diesem Sinne erfolgte auch die glimpfliche Entnazifizierung, bei der das Selbstbild eines \u201evon den Zeitl\u00e4ufen unber\u00fchrt gebliebenen\u201c Seminars vorherrschte, in dem politische Weltanschauungen ohnehin keinen Platz gehabt h\u00e4tten (S. 513). Der Name des \u2013 nun wieder offiziell verehrten \u2013 Gr\u00fcnders wurde Teil der Bezeichnung des Seminars, seiner Person und seinen k\u00fcnstlerischen Idealen gehuldigt. Die l\u00e4ngerfristige R\u00fcckkehr der vertriebenen Lehrenden fand kaum statt.<\/p>\n<p>Ab 1948 konnte Reinhardts Witwe, Helene Thimig, als neue Leiterin gewonnen werden, doch auch bei ihr zeigte sich die schwierige Verbindung von k\u00fcnstlerischen und administrativen Aufgaben. Wie es dem ehemaligen NS-Leiter Hans Niederf\u00fchr unter diesen Bedingungen gelang, als administrative Unterst\u00fctzung der neuen Leiterin wieder an das Seminar zur\u00fcckzukehren, irritiert und verwundert zugleich, wird von Roessler jedoch in h\u00f6chst spannender Weise erz\u00e4hlt. Niederf\u00fchr gelang es in weiterer Folge, sich als unverzichtbare Person zu pr\u00e4sentieren \u2013 nach Thimigs Pensionierung \u00fcbernahm er abermals die Leitung des Seminars.<\/p>\n<p>Kaum einen Aspekt l\u00e4sst Roessler offen. Bereits beim Erscheinen kann das Buch als Standardwerk zur Geschichte des Max Reinhardt Seminars bezeichnet werden. Ein absolutes Lesevergn\u00fcgen!","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dass ein Seminar f\u00fcr Schauspiel und Regie nach seinem Gr\u00fcnder benannt ist, dieser jedoch nur selten an seiner Ausbildungsst\u00e4tte zugegen war, ist ein bemerkenswerter Umstand. 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