{"id":13367,"date":"2026-04-24T10:36:08","date_gmt":"2026-04-24T08:36:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13367"},"modified":"2026-04-24T10:36:08","modified_gmt":"2026-04-24T08:36:08","slug":"musik-im-rampenlicht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/04\/24\/musik-im-rampenlicht\/","title":{"rendered":"Musik im Rampenlicht"},"content":{"rendered":"<h5>Er bringt die T\u00f6ne ins Theater. Imre Lichtenberger Bozoki ist ein Tausendsassa der heimischen Theaterszene und unterrichtet seit Herbst 2025 nun auch Musikalisches Rollenstudium am Max Reinhardt Seminar. Wie er vom Trompeter zum Theaterregisseur wurde, warum er die Wiener Szene unvergleichlich findet und warum sein Fach wahrscheinlich das entspannteste am ganzen Max Reinhardt Seminar ist, erz\u00e4hlt er im Interview.<\/h5>\n<p>W\u00e4hrend der halben Stunde unseres Interviews k\u00f6nnte sich Imre Lichtenberger Bozoki gerade zehn verschiedene St\u00fccke an unterschiedlichen Theatern anschauen oder einen seiner zahlreichen Kontakte in der Wiener Theaterszene pflegen. Dieser attestiert Imre Lichtenberger Bozoki n\u00e4mlich das Attribut \u201ekrass\u201c: \u201eEs war immer so, dass ich, wenn ich nicht da war, Sachen verpasst habe. Ich habe \u201asozial getrauert\u2018.\u201c Aber auch die tats\u00e4chliche Anwesenheit in Wien habe seiner FOMO (<i>fear of missing out, Anm. d. Red.<\/i>), wie er diesen Zustand auch nennt, keine wirkliche Abhilfe geleistet. Denn: \u201eMan verpasst auch viel, wenn man da ist. Das geht sich alles bei Weitem nicht aus.\u201c Den bis zum Bersten gef\u00fcllten sozialen Terminkalender nimmt man Lichtenberger Bozoki ohne den geringsten Zweifel ab.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13369\" aria-describedby=\"caption-attachment-13369\" style=\"width: 682px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-13369\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/imre-lichtenberger-bozoki-c-monteluce-682x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"682\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/imre-lichtenberger-bozoki-c-monteluce-682x1024.jpg 682w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/imre-lichtenberger-bozoki-c-monteluce-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/imre-lichtenberger-bozoki-c-monteluce.jpg 711w\" sizes=\"auto, (max-width: 682px) 100vw, 682px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13369\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Monteluce<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Theatermusiker, musikalische Leiter vieler Produktionen und auch Theaterregisseur ist umtriebig und vielbesch\u00e4ftigt, das zeichnet sich auch eindrucksvoll in seiner Biografie ab. Von seinem Studium der Jazztrompete entwickelte er sich hin zur Theatermusik \u2013 ein Genrewechsel, der nicht unbedingt der typischen Laufbahn eines Jazzstudierenden entspricht. Das verdankt er (neben seinem Talent und seinen musikalischen F\u00e4higkeiten) ausgerechnet etwas derart Profanem wie einer Unfallversicherung. \u201eHans Kresnik, ein Choreograf und Regisseur, der leider schon verstorben ist, wollte damals am Grazer Schauspielhaus mit Stra\u00dfenmusiker_innen arbeiten. Das Schauspielhaus hat gleich gesagt, dass das nicht geht, weil man ja keine Leute auf die B\u00fchne lassen darf, die nicht versichert sind.\u201c Also tritt der sehr wohl unfallversicherte Jazzstudent und Teilzeit-Stra\u00dfenmusiker Lichtenberger Bozoki auf den Plan \u2013 und erstmals auf die Theaterb\u00fchne. \u201eSo hat das dann angefangen. Diese Magie vom Theater, die hat mich total schnell erwischt. Es war eine herrliche, magische, supersch\u00f6ne Arbeit.\u201c<\/p>\n<p>Nach vielen erfolgreichen Jahren an den unterschiedlichsten Theatern im In- und Ausland m\u00f6chte Lichtenberger Bozoki diesen magischen Funken nun an die Studierenden am Max Reinhardt Seminar weitergeben. Spricht er von seiner im Herbst 2025 begonnenen Unterrichtst\u00e4tigkeit im Fach Musikalisches Rollenstudium, h\u00f6rt man die lange gehegte Theaterpassion aus jeder Silbe heraus. \u201eEs ist eine sehr wohlwollende, \u201asupportive\u2018 und entspannte Atmosph\u00e4re.\u201c Diese nahezu arkadienhaften Zust\u00e4nde findet Lichtenberger Bozoki fast schon verd\u00e4chtig. \u201eIch warte die ganze Zeit \u2013 wann kommt endlich die Krux? Wann wird es ungem\u00fctlich? Aber es wird einfach nicht ungem\u00fctlich.\u201c Insbesondere die Studierenden seien ihm in der kurzen Zeit sehr ans Herz gewachsen. Das f\u00fchrt er unter anderem darauf zur\u00fcck, dass es wohl kaum einen Typ Mensch gibt, den er besser verstehe als Schauspieler_innen. \u201eIch liebe Schauspielende. Meine Frau ist eine (<i>Suse Lichtenberger, Anm. d. Red<\/i>.), mein Sohn spielt auch (<i>Imre Lichtenberger, Anm. d. Red<\/i>.). Ich liebe generell Menschen, aber ich verstehe Schaupieler_innen. Ich verstehe einfach, aus welchem Holz sie geschnitzt sind \u2013 ich mag das Milieu. Ich mag Theatermenschen.\u201c<\/p>\n<p>Au\u00dferdem habe ihn der Umgang mit jungen Menschen, in dem er dank seiner drei S\u00f6hne im jungen Erwachsenenalter \u00e4u\u00dferst ge\u00fcbt ist, dazu motiviert, die Stelle am Max Reinhardt Seminar anzunehmen. \u201eMeine Kinder sind im gleichen Alter wie die Studierenden. Ich habe das Gef\u00fchl gehabt: Hey, ich verstehe sie.\u201c Als Theatermusiker habe er \u00fcber Jahrzehnte hinweg alle Teile des Ganzen kennen- und verstehen lernen k\u00f6nnen. \u201eIch verstehe, was es braucht, um gut zu sein. Das weiterzugeben, das wollte ich.\u201c Es war aber auch \u201eganz einfach die FOMO\u201c, lacht er \u2013 die Stelle habe ihn schlie\u00dflich zum l\u00e4ngeren Verweilen in Wien verpflichtet.<\/p>\n<p>Das Fach Musikalisches Rollenstudium selbst hat ihn bald von der Richtigkeit seiner Entscheidung \u00fcberzeugt. \u201eIch bin total froh, dass ich ein Fach unterrichte, wo ich mir erlauben kann, nicht in einem Hamsterk\u00e4fig zu arbeiten, nicht auf die n\u00e4chste Premiere zuzuarbeiten.\u201c Vielmehr gehe es in den Einheiten darum, den Studierenden zu einer gewissen \u201eemotionalen Durchl\u00e4ssigkeit\u201c zu verhelfen: \u201eEmotionen sind durch Gesang ein bisschen schneller und einfacher zu erreichen als durchs Schauspiel. Weil diese intellektuelle Ebene da nicht so dazwischensteht.\u201c Ein erw\u00fcnschter Effekt seines Unterrichts w\u00e4re zum Beispiel, dass jemand auf der B\u00fchne so singt, wie er oder sie zum Beispiel unter der Dusche singt. \u201eDass das dann b\u00fchnentauglich wird und dieses Gef\u00fchl auch ins Schauspiel \u00fcbergeht\u201c sei ein (nicht ganz ernsthaft) erkl\u00e4rtes Ziel. \u201eMich interessiert eher, wo die Studierenden sind und was sie von dem, wo sie sind, mitnehmen k\u00f6nnen. Was ist der n\u00e4chste Schritt?\u201c Das k\u00f6nne von der Einf\u00fchrung oder Vertiefung in die Musiktheorie \u00fcber das Notenlernen, Komponieren oder ein Instrument wieder aufnehmen bis hin zum eigenen Monolog vertonen verschiedene Facetten des Musikmachens beinhalten. \u201eIch sehe da keine Grenzen.\u201c Und: \u201eJede einzelne Person bringt eine neue \u00dcberraschung mit.\u201c Wie zum Beispiel auch den pers\u00f6nlichen Geschmack, der von Hard Rock bis hin zu Musical reicht und dessen Erraten Imre Lichtenberger Bozoki oftmals heimliches Vergn\u00fcgen bereitet.<\/p>\n<p>Auf die \u2013 zugegebenerma\u00dfen etwas gemeine und\/oder naive \u2013 Frage, ob es denn auch unmusikalische Schauspielstudierende gebe, antwortet Imre Lichtenberger Bozoki direkt, aber dennoch augenzwinkernd: \u201eJa, gibt es.\u201c Dann w\u00fcrde eben trotzdem Musik geh\u00f6rt oder etwas getan, das sowieso zur k\u00fcnstlerischen Grundbildung geh\u00f6rt: \u201eEin bisschen \u00fcber das Leben plaudern. Einfach die Emotionen auf irgendeine Art und Weise hervorholen.\u201c Es k\u00f6nnen auch nur Rhythmus\u00fcbungen oder einfache St\u00fccke sein, solange dies zulie\u00dfe, dass die Studierenden ein bisschen \u201eaufmachen\u201c. Das Skill-Set, die emotionale Reife oder die Erfahrungen, die die Studierenden mit Musik gemacht h\u00e4tten, seien einfach sehr unterschiedlich und darauf gelte es, einzugehen. \u201eDiese musikalische Rollengestaltung, die ich mache, erlaubt mir, was anderes zu machen als die Kolleg_innen, die Gesangsunterricht geben. Das ist einfach ein tolles Angebot von der mdw, und das zu begleiten und dieses Skill-Set zu erweitern, das ist einfach supercool.\u201c<\/p>\n<p>Die halbe Stunde ist um und Lichtenberger Bozoki muss schnellstens weiter zu einer Theaterpremiere, bei der er wie so oft f\u00fcr die musikalische Leitung verantwortlich zeichnet. An diesem Abend ist es nur eine Veranstaltung \u2013 die FOMO h\u00e4lt sich in Grenzen. Doch wer wei\u00df, was der Abend noch bringt, denn f\u00fcr Imre Lichtenberger ist irgendwie \u201ejeder Abend verr\u00fcckt\u201c.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er bringt die T\u00f6ne ins Theater. Imre Lichtenberger Bozoki ist ein Tausendsassa der heimischen Theaterszene und unterrichtet seit Herbst 2025 nun auch Musikalisches Rollenstudium am Max Reinhardt Seminar. 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