{"id":13331,"date":"2026-04-28T15:05:50","date_gmt":"2026-04-28T13:05:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13331"},"modified":"2026-04-28T15:05:50","modified_gmt":"2026-04-28T13:05:50","slug":"im-anfang-war-der-klang","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/04\/28\/im-anfang-war-der-klang\/","title":{"rendered":"Im Anfang war der Klang"},"content":{"rendered":"Der Forschungsstand \u00fcber das vorgeburtliche H\u00f6ren, um damit einmal zu beginnen, ist nach heutigem Kenntnisstand in etwa dieser: Die anatomische Struktur der H\u00f6rorgane entwickelt sich schon von der vierten Schwangerschaftswoche an. Um die 20. Woche ist die Entwicklung abgeschlossen und der F\u00f6tus zeigt k\u00f6rperliche Reaktionen auf \u00e4u\u00dfere akustische Reize. Um die 28. Woche werden die H\u00f6rnerven zwischen Innenohr und Gehirn verkn\u00fcpft und das H\u00f6ren im eigentlichen Sinne beginnt. Von der 32.\u00a0Schwangerschaftswoche an erkennen F\u00f6ten eindeutig die Stimme der Mutter und k\u00f6nnen sie von allen anderen Stimmen unterscheiden. Von der 35. Woche an lernen die werdenden Babys Sprachen und Rhythmen und auch, T\u00f6ne zu unterscheiden.<\/p>\n<p>Die Kinder kommen, sagt die Forschung, mit einem gut gef\u00fcllten, klanglich-musikalischen \u201eWerkzeugkasten\u201c auf die Welt. Sie k\u00f6nnen, man stelle sich vor, alle Phoneme aller Sprachen der Welt unterscheiden. Was wie ein Wunder wirkt, ist das Ergebnis von Evolution. Alle Menschen sind geboren zur Musik. Sie darin zu f\u00f6rdern, m\u00fcsste folglich eine selbstverst\u00e4ndliche gesellschaftliche Aufgabe sein. In \u201emusikalisierten\u201c Verh\u00e4ltnissen, und das w\u00e4ren zun\u00e4chst einmal nur solche, in denen Musik nicht immer nur wie eine h\u00fcbsche Nebensache behandelt wird, lernten alle Neuank\u00f6mmlinge, ihre wunderbar wirkenden Gaben zu entwickeln. Sie w\u00fcrden angeleitet, Musik zu genie\u00dfen, zu spielen, zu verstehen, zu nutzen, zu ehren.<\/p>\n<p>Dass nichts dergleichen geschieht, w\u00e4re ein ungerechtes Urteil. Musikalische Bildung wird in den Lehrpl\u00e4nen der Schulen kaum je vergessen, das gilt weltweit. Aber angemessen ausgestattet wird sie in der Regel nicht. Dass Musik ein zentrales, wom\u00f6glich das wichtigste Schulfach sein k\u00f6nnte, eine Art Schweizer Offiziersmesser der allgemeinbildenden Grundkompetenzen, wird von den Personen mit Entscheidungsmacht noch nicht verstanden.<\/p>\n<p>Aber dies ist der neue Wissensstand, der sich seit einigen Jahren in immer neuen Studien entfaltet: Musik wirkt in ihren gedeihlichen Wirkungen auf geistige, k\u00f6rperliche und seelische Gesundheit geradezu unauslotbar. Sie f\u00f6rdert die soziale Kompetenz, die F\u00e4higkeit zur Empathie, die geistige und sensorische Resilienz bis ins hohe Alter.<\/p>\n<p>Daraus die \u2013 dann auch haushaltsrelevanten \u2013 Konsequenzen zu ziehen, muss fortan zu den Pr\u00fcfsteinen verantwortungsvoller Politik z\u00e4hlen. Es gilt zu verstehen: Musik und die anderen K\u00fcnste sind nicht die Garnitur einer wohlhabenden und zivilen Gesellschaft, sondern z\u00e4hlen zu ihren unabdingbaren Voraussetzungen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Forschungsstand \u00fcber das vorgeburtliche H\u00f6ren, um damit einmal zu beginnen, ist nach heutigem Kenntnisstand in etwa dieser: Die anatomische Struktur der H\u00f6rorgane entwickelt sich schon von der vierten Schwangerschaftswoche an. Um die 20. 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