{"id":13178,"date":"2026-02-25T11:04:33","date_gmt":"2026-02-25T10:04:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13178"},"modified":"2026-02-25T11:04:33","modified_gmt":"2026-02-25T10:04:33","slug":"alumnae-im-fokus-liuba-nadia-kalmykova","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/02\/25\/alumnae-im-fokus-liuba-nadia-kalmykova\/","title":{"rendered":"Alumnae im Fokus: Liuba &#038; Nadia Kalmykova"},"content":{"rendered":"Durch das Exilarte Zentrum kommen die passionierten Kammermusikerinnen des Ineo Quartet erstmals mit verfemter Musik in Kontakt. Heute sind die Streichquartette von Julius B\u00fcrger oder Hans G\u00e1l nicht mehr aus ihrem Repertoire wegzudenken.<\/p>\n<p>Liuba und Nadia Kalmykova kommen aus einer Musikerfamilie aus St. Petersburg. Die Mutter ist Pianistin und gibt den musikbegeisterten Zwillingen bereits mit drei Jahren ihren ersten Unterricht am Klavier. \u201eDie Besch\u00e4ftigung mit Musik war f\u00fcr uns ganz nat\u00fcrlich. Das Klavier war einfach da und wir konnten jederzeit darauf spielen.\u201c Drei Jahre sp\u00e4ter wechseln die M\u00e4dchen zur Geige und erhalten ihren ersten Unterricht in der \u00f6rtlichen Musikschule.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13181\" aria-describedby=\"caption-attachment-13181\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13181 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/nadia-ljuba-photo-c-amelie-meissner-5.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13181\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Amelie Mei\u00dfner<\/figcaption><\/figure>\n<p>Mit zw\u00f6lf Jahren ziehen Liuba und Nadia mit ihren Eltern nach Norwegen. Ein bedeutender Einschnitt, denn in dem n\u00f6rdlichen Dorf, in dem die Eltern eine Anstellung erhalten, gibt es keine Geigenlehrer_innen. Um den talentierten Kindern weiterhin Geigenunterricht zu erm\u00f6glichen, nimmt der Vater w\u00f6chentlich drei Stunden Fahrt auf sich. \u201eWir wollten die Musik nicht aufgeben. Mit dem zus\u00e4tzlichen Orchesterunterricht haben wir schlie\u00dflich den ganzen Tag dort verbracht\u201c, erkl\u00e4rt Nadia. \u201eEs war eine schwierige Zeit f\u00fcr uns in dem fremden Land. Die Musik hat uns gerettet.\u201c Im Alter von 14 Jahren werden die M\u00e4dchen zu einem Vorbereitungskurs an der Norwegischen Musikhochschule in Oslo aufgenommen und m\u00fcssen fortan sogar noch l\u00e4ngere Distanzen auf sich nehmen. \u201eEinmal im Monat sind wir nach Oslo zum Unterricht geflogen, bis wir mit 16 Jahren schlie\u00dflich \u2013 vorerst alleine \u2013 in die Hauptstadt gezogen sind\u201c, erinnert sich Liuba. Sie absolvieren die \u00f6rtliche Highschool und nehmen weiter Geigenunterricht am Barratt-Due-Musikinstitut.<\/p>\n<blockquote><p>Als ich zur Kammermusik kam, ergab pl\u00f6tzlich alles, was ich zuvor gelernt hatte, Sinn. Ich begann zu erfahren, wie ich mich auf einer tieferen Ebene mit Musik verbinden konnte.<\/p>\n<p>Nadia Kalmykova<\/p><\/blockquote>\n<p>Mit 19 Jahren zieht es die Geschwister nach Wien, wo sie ihr Geigenstudium an der Musik und Kunst Privatuniversit\u00e4t der Stadt Wien bei Pavel Vernikov fortsetzen. \u201eWir wollten immer in Wien studieren, weil wir die Wiener Musiktradition verehren. Ausschlaggebend war schlussendlich aber, dass wir bei Pavel Vernikov studieren wollten. Wir haben ihm viel zu verdanken\u201c, erkl\u00e4rt Liuba. Mit 24 Jahren wechseln die Schwestern f\u00fcr ihr Kammermusikstudium an die mdw und erhalten von da an Unterricht bei ihrem Mentor Johannes Meissl. \u201eWir wussten, wenn wir Kammermusik machen m\u00f6chten, m\u00fcssen wir an die mdw. Aufgrund der sehr guten Betreuung und der steten Inspiration durch die Lehrenden, sind wir sogar noch f\u00fcr einen postgradualen Universit\u00e4tslehrgang geblieben.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_13183\" aria-describedby=\"caption-attachment-13183\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13183 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/ineo-photo-c-andreas-jakwerth-2-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13183\" class=\"wp-caption-text\">Ineo Quartet \u00a9 Andreas Jakwerth<\/figcaption><\/figure>\n<p>2017 gr\u00fcnden Liuba und Nadia gemeinsam mit zwei weiteren Musikerinnen das erfolgreiche Selini Quartet, das f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter als Ineo Quartet in ver\u00e4nderter Besetzung weitergef\u00fchrt werden soll. Es folgen zahlreiche Auftritte an renommierten nationalen und internationalen H\u00e4usern, Festivalteilnahmen, unter anderem bei den\u00a0<i>Salzburger Festspielen<\/i>, dem<i> Grafenegg Festival <\/i>oder dem <i>Ickinger Fr\u00fchling<\/i>\u00a0sowie mehrfache Wettbewerbserfolge, darunter der erste Preis des mdw great talent awards im Jahr 2020 sowie\u00a0Preise bei der Prague Spring International Music Competition und der Karel Szymanowski International Music Competition.<\/p>\n<blockquote><p>So etwas wie das Exilarte Zentrum gibt es an anderen Hochschulen nicht. Das ist etwas ganz Besonderes.<\/p>\n<p>Liuba Kalmykova<\/p><\/blockquote>\n<figure id=\"attachment_13182\" aria-describedby=\"caption-attachment-13182\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13182 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cover-duenser-stille-vms272-2-941x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"925\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cover-duenser-stille-vms272-2-941x1024.jpg 941w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cover-duenser-stille-vms272-2-276x300.jpg 276w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cover-duenser-stille-vms272-2-768x836.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cover-duenser-stille-vms272-2-850x925.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/cover-duenser-stille-vms272-2.jpg 1250w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13182\" class=\"wp-caption-text\">Eine Aufnahme der Kalmykova-Schwestern von Julius B\u00fcrgers Streichquartett Nr. 2 wurde 2020 auf der CD Sch\u00e4tze aus dem exil.arte Zentrum ver\u00f6ffentlicht. Im J\u00e4nner 2026 wurde die neue CD des Ineo Quartet mit Kammermusik von Richard D\u00fcnser im Arnold Sch\u00f6nberg Center pr\u00e4sentiert. \u00a9 Exilarte Zentrum<\/figcaption><\/figure>\n<p>Durch das Exilarte Zentrum f\u00fcr verfolgte Musik kommen die jungen Musikerinnen noch w\u00e4hrend ihres Studiums mit Werken von Komponistinnen und Komponisten in Kontakt, die im sogenannten \u201eDritten Reich\u201c als \u201eentartet\u201c galten. Gerold Gruber, Leiter des Exilarte Zentrums, unterst\u00fctzt die Geigerinnen in der Auswahl der St\u00fccke sowie in der Erarbeitung. \u201eDiese St\u00fccke zu spielen, ist nicht nur f\u00fcr uns spannend, sondern auch f\u00fcr das Publikum. Da die Werke unbekannt sind, m\u00fcssen wir sie so gut wie m\u00f6glich erarbeiten und pr\u00e4sentieren\u201c, erkl\u00e4rt Nadia. Besonders faszinierend ist f\u00fcr die beiden Ausnahmemusikerinnen die Besch\u00e4ftigung mit der Geschichte hinter dem Werk. \u201eWenn man die Hintergr\u00fcnde kennt, wei\u00df man auch, warum man es macht. Es gibt der Musik Bedeutung.\u201c<\/p>\n<p>2020 wird das Selini Quartet ausgew\u00e4hlt, die \u00f6sterreichische Musikszene drei Jahre lang weltweit im Rahmen des Programms <i>NASOM \u2013 New Austrian Sound of Music<\/i> zu vertreten. Im Zuge dessen unternehmen sie 2022 eine Amerikareise, auf der sie Werke aus den Exilarte-Nachl\u00e4ssen pr\u00e4sentieren und teilweise sogar auf Nachfahr_innen und Zeitgenoss_innen der verfolgten Komponist_innen treffen. Besonders ans Herz gewachsen ist den beiden mdw-Absolventinnen das <i>3. Streichquartett <\/i>von Viktor Ullmann, das sie im Zuge eigener Recherchen entdeckt haben. \u201eEs ist ein sehr emotionales St\u00fcck, Ullmann hat es im Konzentrationslager Theresienstadt geschrieben. Obwohl es nur 15 Minuten dauert, gibt es sehr viele Kontraste, dazu ist es von einer erstaunlichen Reichhaltigkeit.\u201c Die Interpretation des Ineo Quartet ist Anfang M\u00e4rz im Rahmen eines Festivals in Prag zu h\u00f6ren. Ebenfalls auf dem Programm stehen dabei Werke von Ullmanns Zeitgenossen Pavel Haas und Erwin Schulhoff.<\/p>\n<blockquote><p>Wir durften eine handgeschriebene Partitur von Julius B\u00fcrger f\u00fcr einen Verlag \u00fcberarbeiten. Das war sehr spannend f\u00fcr uns.<\/p>\n<p>Liuba Kalmykova<\/p><\/blockquote>\n<p>Dass es den Schwestern wichtig ist, sich immer wieder weiterzuentwickeln, beweist die aktuelle Zusammenarbeit mit zeitgen\u00f6ssischen Komponist_innen. \u201eBesonders spannend ist es, an einer Urauff\u00fchrung zu arbeiten\u201c, wei\u00df Nadia Kalmykova. \u201eEs gibt immer wieder neues Repertoire zu entdecken.\u201c Am wichtigsten sei es jedoch, die Augen offen zu halten, so Liuba, und immer weiter nach Neuem zu suchen. \u201eMan muss herausfinden, was einen wirklich interessiert und nicht nur das nachmachen, was man vorgezeigt bekommt.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Durch das Exilarte Zentrum kommen die passionierten Kammermusikerinnen des Ineo Quartet erstmals mit verfemter Musik in Kontakt. Heute sind die Streichquartette von Julius B\u00fcrger oder Hans G\u00e1l nicht mehr aus ihrem Repertoire wegzudenken. 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