{"id":13129,"date":"2026-02-25T14:32:16","date_gmt":"2026-02-25T13:32:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=13129"},"modified":"2026-02-25T14:32:16","modified_gmt":"2026-02-25T13:32:16","slug":"350-jahre-st-ursula","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2026\/02\/25\/350-jahre-st-ursula\/","title":{"rendered":"350 Jahre St. Ursula"},"content":{"rendered":"Die Kirche St. Ursula der mdw kann auf 350 Jahre als (kirchen-)musikalisch bedeutsames Zentrum Wiens zur\u00fcckblicken. 1660 holte Kaiserin Eleonora von Gonzaga, die Witwe von Ferdinand III., die Ursulinen nach Wien. Zentrales Anliegen des Ordens war, \u00e4hnlich wie bei den Jesuiten, die F\u00f6rderung der Bildung. Eine kleine Gruppe von Schwestern aus Li\u00e8ge wurde in der Dorotheergasse untergebracht, bereits 1663 bezogen sie ein Geb\u00e4ude in der Johannesgasse. Die Ursulinen brachten f\u00fcr die M\u00e4dchen, die in der schulischen Ausbildung bisher stark benachteiligt waren, ganz neue M\u00f6glichkeiten. In unterschiedlichen Schulformen wurden \u201eh\u00f6here T\u00f6chter\u201c aber genauso mittellose Kinder unterrichtet. Die Nachfrage war enorm und die Anzahl der Sch\u00fclerinnen (die kostenlosen Unterricht erhielten), aber auch der \u201eKostz\u00f6glinge\u201c (f\u00fcr deren Schule und Internat gezahlt werden musste) war so gro\u00df, dass der Kloster- und Schulkomplex in der folgenden Zeit bis zur Seilerst\u00e4tte\/Annagasse erweitert wurde. Heute wird ein gro\u00dfer Teil der Anlage von der mdw genutzt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13132\" aria-describedby=\"caption-attachment-13132\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13132 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/stursula02-2025-mhelfgott-rgb-5-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13132\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Maria Helfgott<\/figcaption><\/figure>\n<p>1673 wurde der Grundstein f\u00fcr die Kirche gelegt. Am 15. September 1675 (Anmerkung der Redaktion: Erst Papst Pius X. verlegte das Fest auf den 12.\u00a0September), dem Fest Maria Namen, wurde die Kirche St. Ursula schlie\u00dflich in Anwesenheit des Kaiserhauses eingeweiht. Hinter einer eher schlicht gestalteten Fassade, die durch die heutige Enge der Johannesgasse kaum auff\u00e4llt, verbirgt sich ein repr\u00e4sentatives und kunsthistorisch bemerkenswertes Innere.<\/p>\n<p>Die Ursulinen waren nicht nur durch ihr Wirken in der Schule der \u201eAu\u00dfenwelt\u201c gegen\u00fcber aufgeschlossen. Bedeutende Pers\u00f6nlichkeiten, allen voran Vertreterinnen und Vertreter des Kaiserhauses, waren regelm\u00e4\u00dfig in Kloster und Kirche zu Gast. Der Wiener Stadtpatron, Clemens Maria Hofbauer, wirkte von 1813 bis zu seinem Tod 1820 als Beichtvater und Prediger hier und zog damit unz\u00e4hlige Menschen in seinen Bann und in diese Kirche.<\/p>\n<p>Von Beginn an spielte Musik bei den Ursulinen eine wichtige Rolle. F\u00fcr das Chorgebet wurden sie von der \u201eChor- und Choralschwester\u201c entsprechend geschult. Je nach Anlass wurden gregorianische Chor\u00e4le, polyphone Musik und bei entsprechend festlichen Gelegenheiten auch Kompositionen mit Instrumentalbegleitung (gerne auch mit den besonderer Repr\u00e4sentation vorbehaltenen Pauken und Trompeten) aufgef\u00fchrt. Die \u201eGesangmutter\u201c k\u00fcmmerte sich um die musikalische Ausbildung der M\u00e4dchen. Bereits bei der Auswahl der Kandidatinnen f\u00fcr den Orden wurde Wert auf musikalische Begabung gelegt. Beim Eintritt in das Kloster musste eine Mitgift eingebracht werden. Diese konnte aber bei besonderen Talenten \u2013 und dazu z\u00e4hlten insbesondere musikalische F\u00e4higkeiten \u2013 erlassen werden.<\/p>\n<p>Bemerkenswert ist, dass die Ursulinen gew\u00f6hnlich sowohl den Gesang als auch die Instrumentalmusik selbst bestritten und damit in der Kirche auch \u00f6ffentlich zu h\u00f6ren waren. Nicht nur Streichinstrumente und Trompete spielten sie, neben Sopran und Alt wurde auch die Bassstimme, wenn m\u00f6glich, von einer Schwester \u00fcbernommen. Im Totengedenkbuch liest man \u00fcber die wohl bekannteste Basss\u00e4ngerin, die 1774 verstorbene Mater Maria Johanna Nepomucena, dass sie \u201eeine unvergleichlich sch\u00f6ne Bass Stimen [hatte] wegen welcher sie auch aufgenohmen worden\u201c war. Wenn es notwendig war, wirkten auch externe Musiker bei der Kirchenmusik mit. Hier gab es sogar Ausnahmeregelungen, dass, um eine entsprechend qualit\u00e4tsvolle Musik zu erm\u00f6glichen, einzelne (m\u00e4nnliche) Musiker in den \u2013 den Ursulinen vorbehaltenen \u2013 Chorraum eingelassen wurden. Neben den liturgischen Feiern fanden bei Anwesenheit spezieller G\u00e4ste von den Ordensangeh\u00f6rigen und Kostz\u00f6glingen bestrittene \u201eConcerte\u201c und andere musikalische Darbietungen statt.<\/p>\n<figure id=\"attachment_13133\" aria-describedby=\"caption-attachment-13133\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-13133 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/dwp1988-2-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-13133\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Daniel Willinger<\/figcaption><\/figure>\n<p>1960 verkauften die Ursulinen den Geb\u00e4udekomplex an die Republik \u00d6sterreich und \u00fcbersiedelten nach Wien-Mauer. 1968 konnten einige Abteilungen der mdw (damals noch Akademie), darunter auch die Abteilung f\u00fcr Kirchenmusik, einziehen. Der junge Orgelprofessor und dann Abteilungsleiter Hans Haselb\u00f6ck engagierte sich besonders bei \u00dcbersiedlung und Planung der neuen R\u00e4umlichkeiten, unter denen sich auch die Kirche St. Ursula (die fast einer \u201eautogerechten\u201c Modernisierung und Verbreiterung der Johannesgasse zum Opfer gefallen w\u00e4re) befand. F\u00fcr die historische Orgel der Kirche wurde ein neuer Platz in Katzelsdorf an der Leitha gefunden und so konnte ein f\u00fcr Unterricht und Konzertt\u00e4tigkeit optimiertes neues Instrument errichtet werden (1968 von Gregor Hradetzky gebaut). Inzwischen befinden sich in der Kirche drei stilistisch unterschiedliche Instrumente, neben jenem von 1968 auch eine italienische Orgel aus dem 18. Jahrhundert sowie die Hausorgel von Franz Schmidt. Bei Bedarf stehen auch ein Positiv, ein Fl\u00fcgel sowie ein Harmonium zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Heute ist St. Ursula eine lebendige und vielf\u00e4ltig genutzte Kirche. F\u00fcr etwa 50 Studierende der Studienrichtungen Kirchenmusik, Konzertfach Orgel sowie Instrumental(Gesangs)p\u00e4dagogik Orgel ist sie Konzertsaal, Kirche mit Gottesdiensten und Rundfunk\u00fcbertragungen, aber auch Raum f\u00fcr Unterricht und Abschlusspr\u00fcfungen. Sie bietet Platz f\u00fcr ganz unterschiedliche Projekte, die nicht zuletzt den Austausch und das Miteinander mit anderen Instituten (insbesondere dem Institut f\u00fcr Alte Musik) f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Die Musik, die im Jubil\u00e4umsjahr erklungen ist \u2013 vom gregorianischen Choral bis zu experimentellen Orgelkl\u00e4ngen neuester Kompositionen und Improvisationen \u2013 sprengt das Alter der Kirche um viele Jahrhunderte. Mit \u201eGott in der Mitte\u201c wurde eine neue Veranstaltungsreihe geschaffen, in der die Studierenden jeweils am Mittwoch in der Mitte des Monats einen Gottesdienst gestalten und dabei die ganze stilistische Vielfalt des kirchenmusikalischen Repertoires erfahrbar machen.<\/p>\n<p>Zwei besondere Auff\u00fchrungen des Jubil\u00e4umsjahres, die vom Institut f\u00fcr Alte Musik und jenem f\u00fcr Orgel, Orgelforschung und Kirchenmusik gestaltet wurden, suchten den direkten Bezug zur Geschichte der Kirche: Die Auff\u00fchrung des <i>Oratorio di Santa Susanna<\/i>, komponiert vom Wiener Hofkomponisten Carlo Agostino Badia f\u00fcr das Ursulinenkloster, wo das Werk erstmals 1707 zum Fest der Heiligen Ursula erklang, sowie der sogenannten \u201eUrsulinenmesse\u201c (KV 49) des jungen Wolfgang Amadeus Mozart (1768), bei der es die Vermutung gibt, dass sie in St. Ursula uraufgef\u00fchrt wurde. Die Messe hat ein ungew\u00f6hnliches arioses Basssolo, das speziell f\u00fcr die ursulinische Basss\u00e4ngerin Maria Johanna Nepomucena gedacht gewesen sein k\u00f6nnte.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kirche St. Ursula der mdw kann auf 350 Jahre als (kirchen-)musikalisch bedeutsames Zentrum Wiens zur\u00fcckblicken. 1660 holte Kaiserin Eleonora von Gonzaga, die Witwe von Ferdinand III., die Ursulinen nach Wien. Zentrales Anliegen des Ordens war, \u00e4hnlich wie bei den Jesuiten, die F\u00f6rderung der Bildung. Eine kleine Gruppe von Schwestern aus Li\u00e8ge wurde in der Dorotheergasse untergebracht, bereits 1663 bezogen sie ein Geb\u00e4ude in der Johannesgasse.<\/p>\n","protected":false},"author":212,"featured_media":13131,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[1638,1645,1646,1647],"class_list":["post-13129","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-music","tag-2026-1","tag-kirche","tag-stursula","tag-ursulinen"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13129","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/212"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13129"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13129\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":13251,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13129\/revisions\/13251"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/13131"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13129"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13129"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13129"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}