{"id":130,"date":"2016-11-21T10:13:08","date_gmt":"2016-11-21T09:13:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=130"},"modified":"2017-12-11T14:39:57","modified_gmt":"2017-12-11T13:39:57","slug":"dimensionen-der-dramaturgie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/11\/21\/dimensionen-der-dramaturgie\/","title":{"rendered":"Dimensionen der Dramaturgie"},"content":{"rendered":"<strong>Volkstheater-Chefdramaturgin Heike M\u00fcller-Merten und Dramaturgie-Lehrender Peter Roessler im Gespr\u00e4ch mit dem <em>mdw-Magazin<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>Am Max Reinhardt Seminar geh\u00f6rt die Dramaturgie zu den zentralen k\u00fcnstlerischen F\u00e4chern f\u00fcr Regiestudierende \u2013 warum ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll?<\/strong><\/p>\n<p><strong>Heike M\u00fcller-Merten (HMM):<\/strong> Weil ich denke, dass Dramaturgie \u2212 die Lehre vom Aufbau von Texten, die Aufbereitung von Stoffen, die Struktur von Literatur \u2212<br \/>\netwas \u00fcber eine Weltsicht erz\u00e4hlt, die vertreten wird und die die\/der AutorIn vorlegt. Es ist meiner Ansicht nach ein zentraler Punkt f\u00fcr RegisseurInnen mit ihren Inszenierungen Welt auf die B\u00fchne zu bringen, Welt abzubilden. Die Kenntnis der Denkkonstruktionen, in denen sich die\/der AutorIn befunden hat, ist daher f\u00fcr RegisseurInnen wichtig, um sich dem zuordnen, es auch konterkarieren, erg\u00e4nzen, ersetzen und unterlaufen zu k\u00f6nnen. Dar\u00fcber hinaus ist Dramaturgie etwas unmittelbar Zeitbezogenes, sie hat sich zu bestimmten Zeiten oder eigentlich nahezu immer auch zur Gesellschaft verhalten \u2013 oft auch im Widerspruch.<\/p>\n<p><strong>Peter Roessler (PR):<\/strong> F\u00fcr das Regiestudium sind die Analyse von Texten, das Erarbeiten einer pers\u00f6nlichen Haltung sowie das Verst\u00e4ndnis des Zusammenhangs mit gesellschaftlichen Prozessen wichtig. In diesem anspruchsvollen Sinn hat Dramaturgie ihre Bedeutung und die Studierenden werden dazu bef\u00e4higt, ihre eigenen DramaturgInnen zu sein. Sie erlernen ein entsprechendes Instrumentarium und entwickeln dar\u00fcber hinaus sogar ihre Schreibf\u00e4higkeit auf szenischem und theoretischem Gebiet. Konsequenz und Weite der Dramaturgie k\u00f6nnen die szenische Phantasie bef\u00f6rdern. Erw\u00e4hnt sei auch, dass zahlreiche AbsolventInnen als DramaturgInnen t\u00e4tig sind, sich hier also ein weiteres Berufsfeld ergibt.<\/p>\n<p><strong>Frau M\u00fcller-Merten, wie sieht die Zusammenarbeit zwischen RegisseurIn und DramaturgIn in der Praxis meist aus?<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_132\" aria-describedby=\"caption-attachment-132\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-132\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_heike_mueller-merten.jpg\" alt=\"Heike M\u00fcller-Merten\" width=\"200\" height=\"208\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_heike_mueller-merten.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_heike_mueller-merten-288x300.jpg 288w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-132\" class=\"wp-caption-text\">Heike M\u00fcller-Merten \u00a9www.lupispuma.com\/Volkstheater<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>HMM:<\/strong> Ich \u00fcbe diesen Beruf jetzt 32 Jahre aus \u2013 wenn ich nicht ein erf\u00fcllendes, ein sehr konstruktives und bef\u00f6rderndes, erg\u00e4nzendes Verh\u00e4ltnis sehen w\u00fcrde, dann w\u00fcrde ich diese Arbeit nicht so viele Jahre gemacht haben. Das ist der zentrale Punkt des Berufs, weil wir DramaturgInnen nicht inszenieren. Wir ordnen ein Regiekonzept einer Regisseurin\/eines Regisseurs, bef\u00f6rdern es und haben auch \u2013 ich denke sehr starken \u2013 Anteil daran, so ein Regiekonzept aufzustellen, es im gemeinsamen Prozess zu erarbeiten. Dann ist es nat\u00fcrlich unsere Aufgabe dieses Regiekonzept w\u00e4hrend der Arbeit auf seine Belastbarkeit zu untersuchen. Das Verh\u00e4ltnis zwischen Regie und Dramaturgie ist ein eminent wichtiges und zentrales.<\/p>\n<p><strong>Herr Roessler, wie sieht der Dramaturgieunterricht am Max Reinhardt Seminar aus?<\/strong><\/p>\n<p><strong>PR:<\/strong> Er basiert auf einem Verst\u00e4ndnis von Dramaturgie, das offen f\u00fcr unterschiedliche Formen und Inhalte bleibt, aber nicht beliebig wird. Auch ist Beliebtheit nicht das Ziel dramaturgischen Denkens, zu dessen Tugenden\u00a0f\u00fcr mich der Zweifel geh\u00f6rt. Genannt seien nur einige Dimensionen des Faches, in dem es freilich nicht nur um Theater gehen sollte: Die genaue Lekt\u00fcre von St\u00fccken, eine Theorie des Dramas und Theaters, die Erkundung historischer Voraussetzungen sowie die Frage nach der aktuellen N\u00e4he und Ferne von Stoffen. Der Bereich, in dem alles zusammenflie\u00dft, ist die Zusammenarbeit von Regie und Dramaturgie bei den Produktionen: Von der Konzeption \u00fcber die Fassung bis zur Probenbegleitung und Auff\u00fchrungskritik.<\/p>\n<p><strong>Wie wichtig ist es, dass Studierende schon w\u00e4hrend ihres Studiums an B\u00fchnen Erfahrungen sammeln?<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_133\" aria-describedby=\"caption-attachment-133\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-133\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_peter_roessler.jpg\" alt=\"Peter Roessler\" width=\"200\" height=\"209\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_peter_roessler.jpg 400w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_peter_roessler-288x300.jpg 288w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-133\" class=\"wp-caption-text\">Peter Roessler \u00a9Doris Piller<\/figcaption><\/figure>\n<p><strong>HMM:<\/strong> Ganz wichtig, ich halte sehr viel davon. Das ist die Frage des Kennenlernens der Abl\u00e4ufe am Theater, das Zusammenspiel der KollegInnen und der Abteilungen \u2013 Theater ist keine solistische Veranstaltung von SelbstdarstellerInnen, sondern es ist Ensemblearbeit bis in die letzten Verzweigungen eines Theaters hinein. Das zu erleben, sich dort einzupassen, das hat etwas mit sozialer Kompetenz zu tun, die zu erwerben ist. Es hat etwas mit Vertrauensbildung zu tun, mit Respekt. Ich w\u00fcrde immer die enge Zusammenarbeit pr\u00e4ferieren und bin sehr froh und dankbar, dass wir so eine gute und tr\u00e4chtige, kompetente Zusammenarbeit mit den Studierenden des Max Reinhardt Seminars haben.<\/p>\n<p><strong>PR:<\/strong>\u00a0Unabdingbar! Die Studienpl\u00e4ne f\u00fcr Regie- und Schauspielstudierende sehen gemeinsamen Unterricht sowie gemeinsame Szenenarbeit und Produktionen vor. Inszenierungen der Regiestudierenden werden von den Regielehrenden, aber eben auch von der Dramaturgie, professionell betreut, sind \u00f6ffentlich zug\u00e4nglich und von h\u00f6chster Qualit\u00e4t. Hier wird also nicht nur \u00fcber Theater geredet, sondern auch Theater gemacht. Wertvoll sind zudem die neuen Kooperationen: Es gibt Gastspiele von studentischen Produktionen am Akademietheater und ein Festival am Theater in der Josefstadt. Weit gespannt ist die Zusammenarbeit mit dem Volkstheater: Dort inszenieren Regiestudierende oder -absolventInnen, Schauspielstudierende spielen gemeinsam mit erfahrenen SchauspielerInnen und es wurde das Festival Neues Wiener Volkstheater etabliert, bei dem die DramaturgInnen des Volkstheaters mit Regie und Dramaturgie des Max Reinhardt Seminars zusammenwirken.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Volkstheater-Chefdramaturgin Heike M\u00fcller-Merten und Dramaturgie-Lehrender Peter Roessler im Gespr\u00e4ch mit dem mdw-Magazin Am Max Reinhardt Seminar geh\u00f6rt die Dramaturgie zu den zentralen k\u00fcnstlerischen F\u00e4chern f\u00fcr Regiestudierende \u2013 warum ist das aus Ihrer Sicht sinnvoll? 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