{"id":12623,"date":"2025-11-27T12:00:37","date_gmt":"2025-11-27T11:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12623"},"modified":"2025-11-27T12:00:37","modified_gmt":"2025-11-27T11:00:37","slug":"alumnus-im-fokus-salah-ammo","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/27\/alumnus-im-fokus-salah-ammo\/","title":{"rendered":"Alumnus im Fokus\ufeff: Salah Ammo"},"content":{"rendered":"Die Faszination f\u00fcr verschiedene Ethnien und Klangwelten begleiten den kurdischen Syrer bereits ein Leben lang. Ein neues Masterstudium an der mdw erm\u00f6glicht dem leidenschaftlichen Musiker schlie\u00dflich die Verwirklichung eines lang gehegten Traumes: die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem weiten Feld der Ethnomusikologie.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12627\" aria-describedby=\"caption-attachment-12627\" style=\"width: 683px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12627\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-683x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"683\" height=\"1024\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-683x1024.jpg 683w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-200x300.jpg 200w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-768x1151.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-1025x1536.jpg 1025w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-1366x2048.jpg 1366w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1-850x1274.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo-by-sacha-osaka2-1.jpg 1423w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12627\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Sacha Osaka<\/figcaption><\/figure>\n<p>Salah ist elf Jahre alt, als er sich sein erstes eigenes Instrument baut. Er ist daran interessiert, Kl\u00e4nge zu erzeugen. In dem kleinen Dorf Darbasiyah im Nordosten von Syrien, wo er in einer Familie mit elf Kindern aufw\u00e4chst, gibt es keine musikalischen Bildungseinrichtungen. Seinen Kontakt zur Musik beschreibt er als authentisch und nat\u00fcrlich. \u201eIch war nie in der Musikschule, aber ich erinnere mich, dass mich Gesang schon immer ber\u00fchrt hat.\u201c Seine Mutter singt ihm von Geburt an vor, sein Nachbar zeigt ihm erste Griffe auf der Bouzouk, einer syrischen Langhalslaute.<\/p>\n<blockquote><p>Musik zu machen, hat mir einen Sinn im Leben gegeben. Mein Herz hat es verlangt und ich bin ihm gefolgt.<\/p><\/blockquote>\n<p>\u201eIch glaube, ich bin als Musiker geboren, denn in meiner gro\u00dfen Familie macht sonst niemand Musik.\u201c Als er mit achtzehn Jahren die Idee entwickelt seiner Passion zu folgen, ist sein Vater dagegen. Er schickt ihn nach Damaskus, um Franz\u00f6sisch f\u00fcr ein IT-Stipendium zu lernen. Bei einem Konzert in der Hauptstadt Syriens trifft er stattdessen auf seinen zuk\u00fcnftigen Bouzouk-Lehrer, der ihm fortan seinen ersten richtigen Instrumentalunterricht gibt. Der junge Kurde ist zwanzig Jahre alt, als er sich f\u00fcr die Musik entscheidet. \u201eIch habe zu diesem Zeitpunkt nicht dar\u00fcber nachgedacht, was ich sp\u00e4ter mit dem Studium anfangen k\u00f6nnte, ich musste es einfach machen.\u201c Sein neuer Lehrer bereitet ihn auf die Zulassungspr\u00fcfung am Konservatorium Damaskus vor, kein einfaches Unterfangen, da die Anspr\u00fcche hoch sind und Bouzouk nicht als Hauptfachinstrument angeboten wird. Allen Widrigkeiten zum Trotz kann der engagierte Musiker die Kommission \u00fcberzeugen und wird kurz darauf als erster Student mit Bouzouk als Hauptfach zugelassen. Nach seinem Abschluss im Jahr 2004 gr\u00fcndet Salah Ammo die Band Joussour, was w\u00f6rtlich \u00fcbersetzt \u201eBr\u00fccke\u201c bedeutet. Sein Ziel ist es, die diversen ethnischen und musikalischen Einfl\u00fcsse seiner Heimat zu verbinden. \u201eIch wollte ein Mosaik der syrischen Musik pr\u00e4sentieren\u201c, erkl\u00e4rt der vielseitige K\u00fcnstler. Nebenbei widmet er sich solistisch der kurdischen Musik, komponiert f\u00fcr Theater und Film und unterrichtet ab 2007 in Homs an der Musikakademie. Rasch entwickelt die Gruppe Joussour eine guten Ruf und tritt in zahlreichen renommierten Konzerth\u00e4usern, wie der Oper von Damaskus auf. Bei ausl\u00e4ndischen Gastspielen repr\u00e4sentieren sie die traditionelle syrische Musik, wie etwa im Rahmen der bedeutenden Kairoer Konferenz f\u00fcr arabische Musik. 2010 erh\u00e4lt er ein Produktionsstipendium f\u00fcr sein erstes Album <i>Bay\u00ea Sib\u00ea<\/i>. Die geplante Pr\u00e4sentation im Fr\u00fchjahr 2011 kann jedoch aufgrund des Kriegsbeginns in Syrien nicht mehr durchgef\u00fchrt werden. Er entschlie\u00dft sich zu einem Masterstudium im Ausland und erh\u00e4lt ein Studentenvisum f\u00fcr das Vereinigte K\u00f6nigreich. Um seine Familie zu sich holen zu k\u00f6nnen, beantragt er Asyl, wird aber aufgrund eines fr\u00fcheren Visums aus \u00d6sterreich abgewiesen und dorthin deportiert. Zwei bis drei Wochen verbringt er im Erstaufnahmezentrum Traiskirchen, eine Zeit, die er als sehr schwierig beschreibt. \u201eIch hatte keinen Pass, nur eine Nummer und durfte den mir zugewiesenen Ort nicht verlassen. Ich war allein und hatte Angst\u201c, erinnert sich der geb\u00fcrtige Syrer. \u201eSelbst einer Einladung zum renommierten <i>Morgenlandfestival<\/i> in Deutschland, als Repr\u00e4sentant der kurdisch-syrischen Musik, durfte ich nicht folgen.\u201c<\/p>\n<figure id=\"attachment_12625\" aria-describedby=\"caption-attachment-12625\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12625\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/salah-ammo-photo.-by-georg-cizek-graf-rgb-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12625\" class=\"wp-caption-text\">Salah Ammo ist Komponist, S\u00e4nger und Ethnomusikologe. Er gr\u00fcndete zahlreiche Ensembles, darunter die syrische Gruppe Joussour und das Salah Ammo Quartett. Von Wien ausgehend ist er auch international an einer Vielzahl k\u00fcnstlerischer Projekte beteiligt, wie etwa dem Festival Images of the Middle East in Skandinavien. \u00a9 Georg Cizek-Graf<\/figcaption><\/figure>\n<blockquote><p>F\u00fcr mich war das Studium der Ethnomusikologie immer ein heimlicher Traum.<\/p><\/blockquote>\n<p>2013 verschl\u00e4gt es den syrischen Musiker schlie\u00dflich nach Wien, wo er sich dem Wiederaufbau seiner musikalischen Karriere widmet. Bei einem Konzertbesuch lernt er den \u00f6sterreichischen Perkussionisten Peter Gabis kennen, der ihn kurz darauf einl\u00e4dt, gemeinsam mit ihm zu musizieren. Als Duo nehmen sie das Album <i>ASSI \u2013 A Story of a Syrian River<\/i> auf, das f\u00fcr die Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik nominiert wird. 2014 schafft es das Duo sogar ins Finale des Austrian World Music Award. Als Salah einige Jahre sp\u00e4ter im Rahmen eines Konzerts in Salzburg \u00fcber die Bouzouk und die Musiktraditionen seiner Heimat referiert, trifft er auf Ulrich Morgenstern, Lehrender am Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie, der ihm von einem neuen Masterstudium f\u00fcr Ethnomusikologie an der mdw berichtet. \u201eIch war fassungslos, denn f\u00fcr mich war dieses Studium immer ein heimlicher Traum.\u201c Der Weg dorthin gestaltet sich aufgrund von b\u00fcrokratischen H\u00fcrden schwierig, dennoch kann Salah mit dem Studium im Jahr 2019 beginnen. \u201eIch habe daf\u00fcr gek\u00e4mpft, an der mdw studieren zu k\u00f6nnen. Schlussendlich war ich der erste Student, der eine Pr\u00fcfung im Masterstudium Ethnomusikologie abgelegt hat. Und auch der erste, der dieses Studium abgeschlossen hat.\u201c Kurz nach Studienbeginn erfolgt ein erneuter R\u00fcckschritt, Covid-19 erschwert den Studien- und Berufsalltag enorm. Um sich weiterhin sinnvoll zu besch\u00e4ftigen, besucht der interessierte Student an der mdw einen Kurs zur Viktor-Frankl-Methode, einer Form der sinnzentrierten Psychotherapie. \u201eMir war klar, dass ich diese Ausbildung machen wollte, und ich hatte Zeit, da aufgrund von Corona keine Konzerte m\u00f6glich waren.\u201c<\/p>\n<blockquote><p>Ich verarbeite durch meine Kunst meine eigenen schmerzhaften Erfahrungen.<\/p><\/blockquote>\n<p>Das Studium unterst\u00fctzt ihn dabei, sich mit der Verarbeitung seiner eigenen erlittenen Traumata zu befassen. Seit einem halben Jahr ist Salah Ammo nun als psychosozialer Berater der Diakonie t\u00e4tig und kann mit seiner eigenen Geschichte jungen gefl\u00fcchteten Menschen helfen. Heute wei\u00df der studierte Ethnomusikologe, dass die Wege als Berufsmusiker_in vielf\u00e4ltig sein k\u00f6nnen und dass er sich in einem Punkt sicher ist: \u201eWenn man tief im Innersten Musiker_in ist, dann muss man seiner Berufung folgen, sonst wird einem immer etwas fehlen.\u201c","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Faszination f\u00fcr verschiedene Ethnien und Klangwelten begleiten den kurdischen Syrer bereits ein Leben lang. 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