{"id":12612,"date":"2025-11-28T10:26:18","date_gmt":"2025-11-28T09:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12612"},"modified":"2025-11-28T10:26:18","modified_gmt":"2025-11-28T09:26:18","slug":"mdwhistory-das-verlorene-theater","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/mdwhistory-das-verlorene-theater\/","title":{"rendered":"mdwHistory\ufeff: Das verlorene Theater"},"content":{"rendered":"<h1>Wie der mdw das Akademietheater abhandenkam<\/h1>\n<p>\u201eWarum hei\u00dft das Akademietheater eigentlich Akademietheater?\u201c \u2013 Ein unerkl\u00e4rliches Relikt vergangener Zeiten? Eine ehemalige Ausbildungsst\u00e4tte f\u00fcr das Burgtheater? Eine moderne Abgrenzung zu den monarchistischen Hoftheatern?<\/p>\n<p>Eine spontane Umfrage auf dem mdw-Campus hat ergeben, dass es zwar viele originelle Ideen zur Namensgebung der heutigen Spielst\u00e4tte des Burgtheaters gibt, dass aber kaum jemand sagen kann, warum das Akademietheater so hei\u00dft, wie es eben hei\u00dft.<\/p>\n<h5>Ein veritabler Krimi<\/h5>\n<p>Bei der Geschichte des \u201eentz\u00fcckenden kleinen Theaterchens\u201c, wie es damals, 1914, im Jahr seiner Er\u00f6ffnung von der zeitgen\u00f6ssischen Presse willkommen gehei\u00dfen wurde <span id='easy-footnote-1-12612' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/mdwhistory-das-verlorene-theater\/#easy-footnote-bottom-1-12612' title='Signale f\u00fcr die musikalische Welt, Nr. 42, 15.10.1919.'><sup>1<\/sup><\/a><\/span>, handelt es sich um einen veritablen Krimi: eine Geschichte voller Spannung und eines verzweifelten Kampfes um das r\u00e4umliche Zentrum des Geb\u00e4udes in der Lothringerstra\u00dfe. Denn die urspr\u00fcngliche Funktion des zwischen 1911 und 1914 nach Pl\u00e4nen der renommierten Architekten Ludwig Baumann, Ferdinand Fellner und Hermann Helmer errichteten Theaters war, der damaligen kaiserlich-k\u00f6niglichen Akademie f\u00fcr Musik und darstellende Kunst, der heutigen mdw, als Schul- und \u00dcbungsb\u00fchne und damit als zentrales Element der Ausbildung zu dienen.<\/p>\n<p>Doch bereits vor Baubeginn dachte der damalige Akademie-Pr\u00e4sident Karl Ritter von Wiener laut dar\u00fcber nach, wie das Theater gewinnbringend vermietet werden k\u00f6nnte. In einem Brief vom 29. M\u00e4rz 1910 bemerkte er:<\/p>\n<p><i>[Ich kann nicht] umhin, darauf hinzuweisen, dass der nach dem vorgelegten Projekte im Akademietrakte unterzubringende \u00dcbungssaal f\u00fcr dramatische und musikalische Auff\u00fchrungen, welcher ja nicht t\u00e4glich von der kaiserlich-k\u00f6niglichen Akademie in Anspruch genommen wird, eine nicht unergiebige Einnahmensquelle f\u00fcr den Staat darstellen wird. [\u2026] Es ist [\u2026] zu hoffen, dass die Hoftheater, bei welchen schon l\u00e4ngst das dringende Bed\u00fcrfnis nach einer kleinen, f\u00fcr intime Wirkungen berechneten B\u00fchne besteht, diesen \u00dcbungssaal f\u00fcr alle oder doch f\u00fcr einen gro\u00dfen Teil der verf\u00fcgbaren Abende mieten werden.<\/i><span id='easy-footnote-2-12612' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/mdwhistory-das-verlorene-theater\/#easy-footnote-bottom-2-12612' title='mdw-Archiv, 77\/Pr\/1910, Schreiben Karl Ritter v. Wieners vom 29.03.1910.'><sup>2<\/sup><\/a><\/span>\n<p>Sein Vorschlag stie\u00df jedoch auf kein Interesse. Auch die 1912 angebotene Nutzung als Probeb\u00fchne wurde abgelehnt: Diese erschiene, wie das Obersthofmeisteramt mitteilte, \u201enach Anh\u00f6ren der beiden Hoftheater-Direktionen und nach reiflicher Erw\u00e4gung nicht opportun\u201c und es wurde bedauert, auf die \u201efreundlichst gemachte Proposition nicht weiter eingehen zu k\u00f6nnen\u201c<span id='easy-footnote-3-12612' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/mdwhistory-das-verlorene-theater\/#easy-footnote-bottom-3-12612' title='mdw-Archiv, 259\/Pr\/1912, Brief des Obersthofmeisters vom 12.10.1912. '><sup>3<\/sup><\/a><\/span>. Doch Anfang der 1920er-Jahre erwachte das Bed\u00fcrfnis des Burgtheaters nach einer Nutzung des Akademietheaters, die sich \u00fcber die folgenden Jahrzehnte sukzessive steigern sollte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12614\" aria-describedby=\"caption-attachment-12614\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb.jpg\" rel=\"lightbox-0\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12614 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/1913-zl.101-pr-saalplan-d.uebungssaales-lothringerstr.1913-02-rgb-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-12614\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Archiv der mdw<\/figcaption><\/figure>\n<h5>Ein Theaterkarussell und seine Folgen<\/h5>\n<p>Damit begann sich gleichsam ein Theaterkarussell zu drehen, bei dem Spielst\u00e4tten zwischen Burgtheater und Akademie getauscht wurden: Das hatte unter anderem zur Folge, dass das Max Reinhardt Seminar schlie\u00dflich im Schlosstheater Sch\u00f6nbrunn untergebracht wurde. Damit konnte jedoch nicht das Fehlen der \u00dcbungsb\u00fchne f\u00fcr den operndramatischen Unterricht kompensiert werden. Alle gebetsm\u00fchlenartig vorgebrachten Einw\u00e4nde und Beschwerden der Akademieleitung blieben ebenso wie die Suche nach Ersatzb\u00fchnen letzten Endes erfolglos. Dass das Akademietheater im Herbst 1979 schlie\u00dflich zur alleinigen Nutzung dem \u00d6sterreichischen Bundestheaterverband \u00fcbergeben wurde, ist die letzte Konsequenz einer \u2013 vor allem f\u00fcr den Unterricht, f\u00fcr die Lehrenden und Studierenden tragischen \u2013 Verlustgeschichte, die wir f\u00fcr das erste Kapitel der neuen Staffel der <b>mdw-Podcastreihe<\/b><a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/audiothek\/klingende-zeitgeschichte\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><i> Klingende Zeitgeschichte im Ohr <\/i><\/a>\u00a0aufgearbeitet haben.<\/p>\n<p>Das heutige Akademietheater, erfolgreiche und innovative Spielst\u00e4tte des Burgtheaters, hat aber nicht nur spannende Geschichten in Hinblick auf seine institutionellen Zugeh\u00f6rigkeiten zu bieten: Der eiserne Vorhang, der bis heute als Brandschutz auf der B\u00fchne in Verwendung ist, stellt ein Relikt aus der Zeit des Nationalsozialismus dar, das wir in unserem Podcast wieder zur Sprache bringen und erneut zur Diskussion stellen.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eWarum hei\u00dft das Akademietheater eigentlich Akademietheater?\u201c \u2013 Ein unerkl\u00e4rliches Relikt vergangener Zeiten? 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