{"id":12605,"date":"2025-11-28T10:18:43","date_gmt":"2025-11-28T09:18:43","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12605"},"modified":"2025-11-28T10:18:43","modified_gmt":"2025-11-28T09:18:43","slug":"der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/","title":{"rendered":"Der \u201eWiener Rhythmus\u201c in Fritz Kreislers Aufnahmen seines Liebesleid"},"content":{"rendered":"Der in Wien geborene Geiger und Komponist Fritz Kreisler (1875\u20131962) z\u00e4hlt zu den einflussreichsten Schallplattenk\u00fcnstlern des 20. Jahrhunderts \u2013 in diesem Jahr feiern wir seinen 150. Geburtstag. In den vergangenen Jahrzehnten haben sich mehrere Publikationen<span id='easy-footnote-1-12605' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/#easy-footnote-bottom-1-12605' title='Katz, M. (2006). \u201ePortamento and the Phonograph Effect.\u201c &lt;i&gt;Journal of Musicological Research&lt;\/i&gt;, 25(3-4), 211\u2013232. &lt;a&gt;https:\/\/doi.org\/10.1080\/01411890600860733&lt;\/a&gt;'><sup>1<\/sup><\/a><\/span> mit dem Auff\u00fchrungsstil Kreislers und seiner Zeitgenoss_innen befasst, insbesondere mit dem kontinuierlichen Vibrato und dem ausdrucksvollen Portamento, die sich \u2013 zumindest teilweise \u2013 als Produkte des sogenannten \u201ePhonographeneffekts\u201c<span id='easy-footnote-2-12605' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/#easy-footnote-bottom-2-12605' title='Vollmer, F., &amp;amp; Bolles, B.-A. (2024). In Search of the \u201ePhonograph Effect\u201c: Sonic Gestures in Violin Performance and Their Modification by Early Recording and Playback Devices (1901\u20131933). &lt;i&gt;Music\u00a0&amp;amp;\u00a0Science&lt;\/i&gt;,\u00a07. &lt;a&gt;https:\/\/doi.org\/10.1177\/20592043241226832&lt;\/a&gt; '><sup>2<\/sup><\/a><\/span> erwiesen haben. Obwohl Kreisler h\u00e4ufig f\u00fcr sein rhythmisches Feingef\u00fchl<span id='easy-footnote-3-12605' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/#easy-footnote-bottom-3-12605' title='Biancolli, A. (1998). &lt;i&gt;Fritz Kreisler: Love\u2019s Sorrow, Love\u2019s Joy&lt;\/i&gt;. Amadeus Press, 34.'><sup>3<\/sup><\/a><\/span> gelobt wurde und Wissenschaftler_innen sein Werk <i>Liebesleid<\/i> h\u00e4ufig als illustrierendes Beispiel heranzogen, wurde den rhythmischen Feinheiten seines Auff\u00fchrungsstils bislang vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit zuteil \u2013 insbesondere dem ungleichm\u00e4\u00dfig verteilten \u201eWiener Rhythmus\u201c in dieser walzerartigen Musik.<\/p>\n<h5>Was ist der \u201eWiener Rhythmus\u201c und warum ausgerechnet Liebesleid?<\/h5>\n<p>In unserer j\u00fcngsten Publikation<span id='easy-footnote-4-12605' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/#easy-footnote-bottom-4-12605' title='Zhou, D., &amp;amp; Yang, J. (2024). Analysing Stylistic Differences between Orchestras: an Empirical Study of the \u201eViennese Rhythm\u201c in the Vienna Philharmonic\u2019s Recordings of\u00a0&lt;i&gt;The Blue Danube.\u00a0Music Analysis&lt;\/i&gt;,\u00a043(2), 302\u2013327. &lt;a&gt;https:\/\/doi.org\/10.1111\/musa.12234&lt;\/a&gt; '><sup>4<\/sup><\/a><\/span>, die sich auf \u00fcber 30 Aufnahmen von Johann Strauss Sohns <i>An der sch\u00f6nen blauen Donau<\/i> st\u00fctzt, konnten wir ein wiederkehrendes rhythmisches Muster in den Einspielungen von Wiener Orchestern, insbesondere der Wiener Philharmoniker, demonstrieren: das Kurz\u2013lang\u2013mittel-Muster. Die Wahrscheinlichkeit des sogenannten \u201eWiener Rhythmus\u201c, bei dem Schlag 2 l\u00e4nger als Schlag 3 und dieser wiederum l\u00e4nger als Schlag 1 ist (B2 &gt; B3 &gt; B1), ist in den Aufnahmen der Wiener Philharmoniker mit 39% deutlich h\u00f6her als in jenen anderer Orchester (18%). Zuf\u00e4lligerweise ist <i>Liebesleid<\/i> (eines von Kreislers meistgespielten und meistaufgenommenen St\u00fccken) mit der Tempobezeichnung \u201eL\u00e4ndler\u201c \u2013 einem langsameren Vorl\u00e4ufer des Wiener Walzers<span id='easy-footnote-5-12605' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/#easy-footnote-bottom-5-12605' title='Buurman, E. (2021).\u00a0&lt;i&gt;The Viennese Ballroom in the Age of Beethoven&lt;\/i&gt;. Cambridge University Press, S. 46.'><sup>5<\/sup><\/a><\/span> \u2013 der zentrale Satz seiner <i>Alt-Wiener Tanzweisen <\/i>und stellt somit einen idealen Forschungsgegenstand dar.<\/p>\n<h5>Gemessene Taktproportionen in Kreislers eigenen Aufnahmen<\/h5>\n<p>F\u00fcr diese Studie analysierten wir alle von Kreislers selbst gespielten Aufnahmen seines <i>Liebesleid<\/i>, indem wir alle (Viertel-)Notenbeginnzeiten der ersten Phrase mit dem Online-Analysetool <a>Vmus.net<\/a> extrahierten. Dabei stellten wir fest, dass sich die durchschnittlichen Proportionen der Notendauern in drei Gruppen einteilen lassen:<\/p>\n<ol>\n<li>Stark ungleichm\u00e4\u00dfig (<i>HU<\/i>, 1:1,44:1,22) \u2013 Aufnahmen aus den Jahren 1930 und 1938 mit Franz Rupp als Pianisten.<\/li>\n<li>M\u00e4\u00dfig ungleichm\u00e4\u00dfig (<i>MU<\/i>, 1:1,28:1,16) \u2013 Aufnahmen Take 6 und 7 von 1926 mit Carl Lamson.<\/li>\n<li>Nahezu gleichm\u00e4\u00dfig (NE, 1:1,05:1,08) \u2013 Aufnahmen aus den Jahren 1910 und 1912 mit George Falkenstein, 1911 mit Haddon Squire sowie 1942 mit Dirigent Charles O\u2019Connell.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Auf den ersten Blick erscheinen diese Ergebnisse widerspr\u00fcchlich. Die Gruppen 1 und 2 entsprechen dem \u201eWiener Rhythmus\u201c mehr oder weniger, w\u00e4hrend Gruppe 3 davon v\u00f6llig abweicht. Da das rhythmische Muster gr\u00f6\u00dftenteils durch die Akkorde in der Klavierbegleitung bestimmt wird, bleibt unklar, ob Kreisler selbst tats\u00e4chlich beabsichtigte, diesen \u201eSwing-Effekt\u201c zu erzeugen. Gl\u00fccklicherweise war Kreisler auch ein hervorragender Pianist und wurde daf\u00fcr sogar von Ignacy Paderewski gelobt: \u201eIch m\u00fcsste verhungern, wenn Fritz das Klavier zu seinem Beruf gemacht h\u00e4tte.\u201c<span id='easy-footnote-6-12605' class='easy-footnote-margin-adjust'><\/span><span class='easy-footnote'><a href='https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/28\/der-wiener-rhythmus-in-fritz-kreislers-aufnahmen-seines-liebesleid\/#easy-footnote-bottom-6-12605' title='Gruber, G. (Hg.). (2023). Fritz Kreisler: &lt;i&gt;Ein Kosmopolit im Exil. Vom Wunderkind zum \u201eK\u00f6nig der Geiger\u201c&lt;\/i&gt;. B\u00f6hlau Wien, S.33.'><sup>6<\/sup><\/a><\/span> Es existiert gl\u00fccklicherweise eine Aufnahme vom <i>Liebesleid<\/i> aus dem Jahr 1921, in der Fritz Kreisler am Klavier seinen Bruder Hugo am Cello begleitet (siehe Abbildung 1). Die Taktproportionen der ersten Phrase betragen dort 1:1,42:1,30, was der Gruppe 1 (<i>HU<\/i>) sehr nahekommt und stark darauf hindeutet, dass Kreisler selbst eine sehr starke Auspr\u00e4gung des \u201eWiener Rhythmus\u201c bevorzugte.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12610\" aria-describedby=\"caption-attachment-12610\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-12610 size-large\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1-1024x877.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"728\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1-1024x877.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1-300x257.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1-768x658.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1-1536x1315.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1-850x728.jpg 850w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-1-ai-enhanced-with-insmind.com_-1.jpg 1662w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12610\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 1: Kreisler begleitet seinen Bruder Hugo Kreisler am Klavier, Entnommen von: https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Hugo_Kreisler#\/media\/ Datei:Br%C3%BCder_Kreisler.jpg \u00a9 editionsilvertrust.com, Public domain, via Wikimedia Commons \/ AI enhanced version with InsMind.com<\/figcaption><\/figure>\n<h5>\u201eWiener Rhythmus\u201c als kulturelle und\/oder historische Praxis<\/h5>\n<p>Diese ersten Ergebnisse deuten au\u00dferdem darauf hin, dass die Auspr\u00e4gung des \u201eWiener Rhythmus\u201c in den verschiedenen Phasen von Kreislers Karriere offenbar stark von den jeweiligen Mitwirkenden und deren kulturellem Hintergrund beeinflusst wurde. Um dieses Ph\u00e4nomen weiter zu untersuchen, verglichen wir zus\u00e4tzliche Auff\u00fchrungen aus den zehn meistgesehenen Aufnahmen auf YouTube mit den zehn am h\u00e4ufigsten gesammelten Alben auf Discogs. Nachdem wir Duplikate sowie Bearbeitungen f\u00fcr andere Instrumente entfernt hatten, analysierten wir \u2013 zus\u00e4tzlich zu den zuvor erw\u00e4hnten neun Aufnahmen Kreislers \u2013 die Schlagproportionen der ersten Phrase in 17 weiteren Aufnahmen und erstellten eine Zeitleiste, die das Geburtsland der Interpret_innen sowie deren rhythmische Ungleichm\u00e4\u00dfigkeit darstellt (siehe Abbildung 2).<\/p>\n<figure id=\"attachment_12607\" aria-describedby=\"caption-attachment-12607\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12607\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-1024x525.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"436\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-1024x525.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-300x154.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-768x394.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-1536x787.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-2048x1049.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-2-generated-by-the-author-with-python-script-850x436.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12607\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 2: Zeitachse und rhythmische Ungleichheit von 26 Aufnahmen von Liebesleid mit den durchschnittlichen Schlagverh\u00e4ltnissen der ersten Phrase sowie dem Geburtsland der Interpret_innen \u00a9 Jiang Yang \/ Python script<\/figcaption><\/figure>\n<p>Abbildung 2 zeigt, dass \u2013 mit Ausnahme von Kreislers Aufnahmen zusammen mit seinem Bruder Hugo und dem deutschen Pianisten Franz Rupp \u2013 der \u201eWiener Rhythmus\u201c in der Aufnahme aus dem Jahr 1973 des belgischen Geigers Arthur Grumiaux mit dem Pianisten Istv\u00e1n Hajd\u00fa, geboren in \u00d6sterreich-Ungarn, der Aufnahme aus dem Jahr 2021 der niederl\u00e4ndischen Geigerin Janine Jansen und des englischen Pianisten\/Dirigenten Antonio Pappano, der viele Jahre in Deutschland t\u00e4tig war, sowie in der Aufnahme aus dem Jahr 2023 der in \u00d6sterreich ausgebildeten spanischen Geigerin Mar\u00eda Due\u00f1as unter dem Dirigat des \u00f6sterreichischen Dirigenten Manfred Honeck mit den Wiener Symphonikern besonders stark ausgepr\u00e4gt ist. Alle diese Aufnahmen stehen in direktem oder indirektem Zusammenhang mit der \u00f6sterreichisch-deutschen Musikkultur. Im Gegensatz dazu scheint der historische Faktor eine geringere Rolle zu spielen. So weist beispielsweise Kreislers fr\u00fcheste Aufnahme von 1910 mit dem Pianisten George Falkenstein den geringsten \u201eWiener Rhythmus\u201c auf, und die Aufnahme aus dem Jahr 1937 von David Oistrach und Vselovod Topilin weist deutlich weniger rhythmische Ungleichheit im Vergleich zu Kreislers eigenen Aufnahmen mit Rupp aus derselben Zeit auf.<\/p>\n<h5>Wie unterschiedlich ist Liebesleid, wenn es mit oder ohne \u201eWiener Rhythmus\u201c gespielt wird?<\/h5>\n<p>Die vorherige Analyse zeigt, dass jene moderne Aufnahmen von <i>Liebesleid<\/i>, die nicht \u00f6sterreichisch\/deutsch gepr\u00e4gt sind, im Allgemeinen weniger \u201eWiener Rhythmus\u201c aufweisen, was einen deutlichen k\u00fcnstlerischen Unterschied darstellt.<\/p>\n<p>Abbildung 3 zeigt die Inter-Onset-Intervall-Abweichungskurven der Aufnahmen von Kreisler-Rupp-1930 (Nummer 1 auf YouTube, 1:1,47:1,23), Meyers-Uchida-2011 (Nummer 2 auf YouTube, 1:1,03:1,07) und Jansen-Pappano-2021 (j\u00fcngste Nummer 10 auf YouTube, 1:1,24:1,17).<\/p>\n<figure id=\"attachment_12608\" aria-describedby=\"caption-attachment-12608\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12608\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-1024x439.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"364\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-1024x439.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-300x129.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-768x329.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-1536x658.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-2048x878.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/figure-3-generated-by-the-author-with-vmus.net_-850x364.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12608\" class=\"wp-caption-text\">Abbildung 3: IOI-Abweichungskurven der Aufnahmen von Kreisler-Rupp-1930 (blau), Meyers-Uchida-2011 (rot) und Jansen-Pappano-2021 (schwarz) \u00a9 Jiang Yang \/ Vmus.net, Video abrufbar auf: https:\/\/youtu.be\/GbsLl_EOdgU (Stand November 2025)\u00a0<\/figcaption><\/figure>\n<p>Im Gegensatz zum \u00fcbertriebenen Kurz\u2013lang\u2013mittel-Rhythmus von Kreisler-Rupp flie\u00dft Meyers-Uchida mit seidenweicher Geschmeidigkeit, und die wenigen Noten, die deutlich l\u00e4nger als der notierte Wert (also die Inter-Onset-Intervall-Abweichung gr\u00f6\u00dfer als 20\u202f%) gespielt werden \u2013 z.\u2009B. Nr. 1, 12, 24, 36, 45 \u2013 stehen alle in Zusammenhang mit der musikalischen Struktur, was typisch f\u00fcr moderne Auff\u00fchrungen ist. Im Vergleich dazu scheint Jansen-Pappano eine Balance zwischen dem \u201eWiener Rhythmus\u201c und der strukturellen Gestaltung zu erreichen, m\u00f6glicherweise davon beeinflusst, dass sie sich h\u00e4ufig mit der \u00f6sterreichisch-deutschen Musikkultur auseinandersetzten.<\/p>\n<p>Allgemein kann festhalten werden, dass sich moderne Musikauff\u00fchrungen st\u00e4rker auf strukturelle Aspekte auf Phrasenebene konzentrieren als auf rhythmische Muster auf Taktebene. Als kulturelles und historisches Unterscheidungsmerkmal k\u00f6nnte der \u201eWiener Rhythmus\u201c eine g\u00e4ngige Praxis unter \u00f6sterreichisch-deutschen Musiker_innen des fr\u00fchen 20. Jahrhunderts gewesen sein und z\u00e4hlt zu den wesentlichen Merkmalen von Fritz Kreislers einzigartigem Interpretationsstil, der es verdient, in Zukunft noch vertiefter untersucht zu werden.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der in Wien geborene Geiger und Komponist Fritz Kreisler (1875\u20131962) z\u00e4hlt zu den einflussreichsten Schallplattenk\u00fcnstlern des 20. Jahrhunderts \u2013 in diesem Jahr feiern wir seinen 150. Geburtstag.<\/p>\n","protected":false},"author":433,"featured_media":12609,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1618,1271,1636,33],"class_list":["post-12605","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2025-4","tag-fritzkreisler","tag-liebesleid","tag-research"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/433"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12605"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12605\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12713,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12605\/revisions\/12713"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12609"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}