{"id":12590,"date":"2025-11-26T14:09:59","date_gmt":"2025-11-26T13:09:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12590"},"modified":"2025-11-26T14:09:59","modified_gmt":"2025-11-26T13:09:59","slug":"feministische-kritische-analyse-der-kulturpolitik-serbiens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/26\/feministische-kritische-analyse-der-kulturpolitik-serbiens\/","title":{"rendered":"Feministische kritische Analyse der Kulturpolitik Serbiens"},"content":{"rendered":"Nach mehr als einem Jahrzehnt praktischer Arbeit im Bereich der Geschlechtergleichstellung und der Jugendbeteiligung im Bereich des kulturellen Leben in Serbien habe ich zu Beginn dieses Jahres meine Doktorarbeit an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Darstellend Kunst der Universit\u00e4t der K\u00fcnste in Belgrad verteidigt. In meiner Forschung habe ich verschiedene Methoden angewandt, die insgesamt als ein Ansatz der feministischen kritischen Politikanalyse verstanden werden k\u00f6nnen, um zu untersuchen, wie sich patriarchale Strukturen in der zeitgen\u00f6ssischen Kulturpolitik Serbiens manifestieren.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten existiert eine umfangreiche feministische (aber nicht nur) Analyse von Geschlechterfragen in verschiedenen k\u00fcnstlerischen Disziplinen des postjugoslawischen Raums, auf die meine Dissertation aufbaute. Dar\u00fcber hinaus dienten Initiativen zu diesen Themen in \u00d6sterreich \u2013 einschlie\u00dflich jener an der mdw \u2013 als wertvolle Inspirationsquelle w\u00e4hrend meiner Forschung. Zudem standen aufgrund der Arbeit serbischer Jugendorganisationen und Jugendarbeiter_innen wichtige Daten zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>Der Schwerpunkt der Dissertation liegt jedoch auf der Analyse der Instrumente der nationalen und lokalen Kulturpolitik \u2013 darunter Gesetze, internationale \u00dcbereinkommen und deren Umsetzung, strategische Pl\u00e4ne und Aktionspl\u00e4ne, Formen der \u00f6ffentlichen Finanzierung, die Verwaltung \u00f6ffentlicher R\u00e4ume, das Personalmanagement in \u00f6ffentlichen Kultureinrichtungen sowie die Ausbildung von Kulturschaffenden u.\u2009a. Obwohl Geschlechtergleichstellung und Jugendbeteiligung in strategischen kulturpolitischen Dokumenten als zentrale Werte und wichtige Priorit\u00e4ten anerkannt werden, sieht die Realit\u00e4t in der Umsetzung ganz anders aus.<\/p>\n<p>Die Forschung best\u00e4tigte die postulierten Hypothesen weitgehend. Es gibt keine geschlechtsneutrale Kulturpolitik, und viele Ma\u00dfnahmen, die wesentlich zur F\u00f6rderung der Geschlechter- und Altersgleichstellung im Kulturbereich in Serbien beitragen k\u00f6nnten \u2013 und in EU-L\u00e4ndern oder Nachbarstaaten bereits existieren \u2013 sind entweder nicht vorgeschrieben oder werden nicht umgesetzt, zumindest nicht in angemessener Weise. Ein echter Dialog mit Frauen- und Jugendbewegungen findet nicht statt; stattdessen konzentrieren sich Entscheidungstr\u00e4ger_innen auf die Erf\u00fcllung minimaler formaler Anforderungen. Trotz einzelner Initiativen sowie zahlreicher Empfehlungen haben die Ma\u00dfnahmen und Strategieans\u00e4tze im serbischen Kulturbereich in den letzten Jahren diesbez\u00fcglich keine tiefgreifende Transformation erfahren.<\/p>\n<p>Die internationale Veranstaltung <i>Machtkritik in den K\u00fcnsten<\/i>, die das Institut f\u00fcr Kulturmanagement und Gender Studies 2024 in Zusammenarbeit mit mehreren weiteren mdw-Instituten, aber auch externen lokalen und internationalen Organisationen, Institutionen und Einzelpersonen organisiert hat, behandelte genau diese und einige weitere Praktiken von Machtasymmetrien und Machtmissbrauch im internationalen Kulturbereich. Derzeit liegt mein Fokus darauf, gemeinsam mit \u00d6zlem Cany\u00fcrek und Lisa Gaupp eine internationale Publikation herauszugeben, in der wir mit Unterst\u00fctzung des mdw-Verlags eine Sammlung interessanter und vielf\u00e4ltiger wissenschaftlicher und k\u00fcnstlerischer Beitr\u00e4ge erstellen werden, die unterschiedliche Aspekte dieser Themen widerspiegeln.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit hat eine landesweite Protestwelle gegen Gewalt und Korruption sowie f\u00fcr Transparenz und Rechtsstaatlichkeit \u2013 die zum Gro\u00dfteil von jungen Menschen und insbesondere von Kunststudierenden initiiert wurde \u2013 der breiteren Gesellschaft Serbiens die Bedeutung der Reflexion und St\u00e4rkung der Jugendbeteiligung in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens vor Augen gef\u00fchrt. Dies schlie\u00dft auch die Einbeziehung junger Menschen und unterschiedlicher sozialer Gruppen in kulturpolitische Entscheidungsprozesse ein, was mittlerweile zu einem der relevantesten Themen der serbischen Kulturszene geworden ist.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach mehr als einem Jahrzehnt praktischer Arbeit im Bereich der Geschlechtergleichstellung und der Jugendbeteiligung im Bereich des kulturellen Leben in Serbien habe ich zu Beginn dieses Jahres meine Doktorarbeit an der Fakult\u00e4t f\u00fcr Darstellend Kunst der Universit\u00e4t der K\u00fcnste in Belgrad verteidigt.<\/p>\n","protected":false},"author":427,"featured_media":12593,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[10],"tags":[1618,1523,1633,1632,33],"class_list":["post-12590","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-research","tag-2025-4","tag-earlystageresearcher","tag-serbia","tag-serbien","tag-research"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12590","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/427"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12590"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12590\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12682,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12590\/revisions\/12682"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12593"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12590"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12590"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12590"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}