{"id":12568,"date":"2025-11-26T11:52:09","date_gmt":"2025-11-26T10:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12568"},"modified":"2025-11-26T11:52:09","modified_gmt":"2025-11-26T10:52:09","slug":"gehoert-gespielt-ein-projekt-des-ludwig-van-beethoven-instituts","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/26\/gehoert-gespielt-ein-projekt-des-ludwig-van-beethoven-instituts\/","title":{"rendered":"geh\u00f6rt gespielt: Ein Projekt des Ludwig van Beethoven Instituts"},"content":{"rendered":"Denkt man an geeignete Literatur f\u00fcr Anf\u00e4nger_innen am Klavier \u2013 abseits von Klavierschulen oder \u00e4hnlichen Lehrwerken \u2013 so kommt zumeist ein Standardwerk des Klavierunterrichts in den Sinn: Robert Schumanns <i>Album f\u00fcr die Jugend, op. 68<\/i>. Mit dieser aus 43 kleinen Kompositionen bestehenden Sammlung, die thematisch in die Kinderwelt eintaucht, setzte Schumann einen Impuls, dem etwa Pjotr Iljitsch Tschaikowsky, Dmitri Dmitrijewitsch Schostakowitsch, Dmitri Borissowitsch Kabalewski, Jacques Fran\u00e7ois Antoine Ibert u.\u2009a. folgten. Ihre Kompositionen sind bis heute fester Bestandteil des Unterrichtsrepertoires, sichtbar in Konzertprogrammen von Musikschulkonzerten oder Jugendwettbewerben.<\/p>\n<p>Doch wo sind in dieser Aufz\u00e4hlung die Komponistinnen? Namen wie Amy Beach, C\u00e9cile Chaminade, Marie Ja\u00ebll, Leni Alexander, Sofia Gubaidulina u.\u2009a. fehlen meist, obwohl sie ebenfalls bedeutende Beitr\u00e4ge zur Unterrichtsliteratur leisteten. Ihre Werke fanden seltener Eingang in Sammlungen oder Repertoirelisten. Diese unzureichende Sichtbarkeit r\u00fchrt nicht von mangelnder Qualit\u00e4t, sondern von struktureller Diskriminierung von Frauen in der Musikgeschichte. Trotz eines zunehmenden Bewusstseins in Forschung und Lehre zeigt sich im p\u00e4dagogischen Alltag ein anderes Bild: Das Unterrichtsrepertoire ist weiterhin \u00fcberwiegend m\u00e4nnlich gepr\u00e4gt. Die Ausnahme gilt einzig bei aktuellen Klavierschulen, deren Autorinnen oftmals weiblich sind. Dies spiegelt eher die traditionelle Rolle der Frau in der P\u00e4dagogik wider.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Grund hierf\u00fcr ist fehlendes Wissen \u00fcber geeignete Werke von Frauen: Viele Lehrende kennen kaum Literatur, die technisch dem Niveau der Sch\u00fcler_innen entspricht und zugleich k\u00fcnstlerisch \u00fcberzeugend ist. Hier setzt <i>geh\u00f6rt gespielt<\/i> an.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"geh\u00f6rt gespielt - Unterrichtsliteratur von Komponistinnen: Amy Beach\" width=\"850\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/laO-WLME7Oc?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<h5>Drei Phasen \u2013 ein Ziel: Vielfalt im Unterricht<\/h5>\n<p>Um Komponistinnen im Klavierunterricht sichtbarer zu machen, wurde am Ludwig van Beethoven Institut f\u00fcr Klavier in der Musikp\u00e4dagogik ein dreiphasiges Projekt initiiert, das wissenschaftliche Recherche, k\u00fcnstlerische Praxis und mediale Sichtbarkeit miteinander verkn\u00fcpft. Ziel ist es, ein diverses Repertoire in der Instrumentalausbildung zu etablieren.<\/p>\n<h5>Phase 1: Repertoire erforschen &amp; kontextualisieren<\/h5>\n<p>Im Studienjahr 2024\/25 besch\u00e4ftigten sich Studierende des Ludwig van Beethoven Instituts in den Lehrveranstaltungen <i>Didaktik des Instruments Klavier 1, 2 <\/i>mit Kompositionen von Frauen f\u00fcr die Elementar- und Unterstufe. Die Werke wurden analysiert, interpretiert und im didaktischen Kontext pr\u00e4sentiert. So entstand eine fundierte Repertoirebasis und zugleich wuchs das Bewusstsein f\u00fcr eine ausgewogenere Unterrichtspraxis.<\/p>\n<h5>Phase 2: Multiplikationsphase &amp; Konzert<\/h5>\n<p>Die gesammelten Werke wurden an Lehrende von Wiener und nieder\u00f6sterreichischen Musikschulen verteilt und dort im Unterricht eingesetzt. In der Folge fand im Rahmen der <i>Festwoche der Musikp\u00e4dagogik 2024<\/i> ein Kooperationskonzert an der mdw statt, bei dem Kinder und Studierende das Repertoire zur Auff\u00fchrung brachten. Ein Kurzvortrag von Di\u00e1na Fuchs (Musikschule Wien, mdw) und Zitate der Komponistinnen rundeten die Pr\u00e4sentation ab.<\/p>\n<h5>Phase 3: Digitale Sichtbarkeit \u2013 die<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/@mdw-InstitutLvB\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Videoserie<\/a><\/h5>\n<p>Um die Ergebnisse dauerhaft zug\u00e4nglich zu machen, entstand eine Videoserie: Jede Folge stellt eine Komponistin und zwei ihrer Werke vor. Die Einspielungen stammen von Studierenden, Melanie Unseld (mdw) lieferte begleitende biografische Informationen. Die Videos werden \u00fcber die Kan\u00e4le des Instituts sowie in klavierdidaktischen Netzwerken (Klavierdidaktiker_innen-Kreis \u00d6sterreich, Saarbr\u00fccker Gespr\u00e4chskreis u.\u2009a.) verbreitet.<\/p>\n<p><iframe loading=\"lazy\" title=\"geh\u00f6rt gespielt - Unterrichtsliteratur von Komponistinnen: C\u00e9cile Chaminade\" width=\"850\" height=\"478\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/2zu4HE3HvpM?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h5>Nachhaltigkeit und Wirkung<\/h5>\n<p>Nach Fertigstellung der Videoserie haben sich Folgeinitiativen entwickelt: So wird am Ludwig van Beethoven Institut im Wintersemester 2025\/26 ein Wahlfach mit dem Titel <i>geh\u00f6rt gespielt \u2013 Unterrichtsliteratur von Komponistinnen <\/i>von Daniela Fheodoroff angeboten. Weiters ist die Erstellung einer Repertoireliste mit f\u00fcr den Unterricht geeigneter Literatur von Komponistinnen in Vorbereitung.<\/p>\n<p>Ein besonders bedeutsamer Effekt war der Wandel bei den Beteiligten: Was als didaktisches Projekt begann, entwickelte sich zu einer Bewusstseinsbildung. Lehrende, Studierende und Sch\u00fcler_innen berichten, dass sie ihr Repertoire k\u00fcnftig bewusster ausw\u00e4hlen und Ausgewogenheit anstreben wollen. <i>geh\u00f6rt gespielt<\/i> ist mehr als eine Erg\u00e4nzung des Repertoires: Es ist ein Impuls zur Ver\u00e4nderung von Strukturen. Ziel ist, dass Werke von Komponistinnen im Unterricht nicht l\u00e4nger die Ausnahme, sondern ein integraler Bestandteil eines vielf\u00e4ltigen und gleichberechtigten musikalischen Kanons sind.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um Komponistinnen im Klavierunterricht sichtbarer zu machen, wurde am Ludwig van Beethoven Institut f\u00fcr Klavier in der Musikp\u00e4dagogik ein dreiphasiges Projekt initiiert, das wissenschaftliche Recherche, k\u00fcnstlerische Praxis und mediale Sichtbarkeit miteinander verkn\u00fcpft. 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