{"id":12527,"date":"2025-11-26T11:45:19","date_gmt":"2025-11-26T10:45:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12527"},"modified":"2025-11-26T11:45:19","modified_gmt":"2025-11-26T10:45:19","slug":"tanz-resonanz-kuenstlerische-weltbeziehungen-in-bewegung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/11\/26\/tanz-resonanz-kuenstlerische-weltbeziehungen-in-bewegung\/","title":{"rendered":"Tanz-Resonanz \u2013 k\u00fcnstlerische Weltbeziehungen in Bewegung"},"content":{"rendered":"<i>Dance Resonance \u2013 Artistic Attunement in Motion<\/i> lautete das Thema des diesj\u00e4hrigen Symposiums der Gesellschaft f\u00fcr Tanzforschung, das vom 25. bis 27. September in Kooperation mit dem Artistic Research Center und der Abteilung f\u00fcr Musik- und Bewegungsp\u00e4dagogik\/Rhythmik der mdw sowie dem Institut f\u00fcr Theater, Medien und Popul\u00e4re Kultur der Universit\u00e4t Hildesheim am mdw-Standort Rennweg, einem ehemaligen Klostergeb\u00e4ude der Salesianerinnen, stattfand. Dieser Ort h\u00e4tte nicht idealer sein k\u00f6nnen, um die rund 100 Pr\u00e4sentationen (Vortr\u00e4ge, Lecture Demonstrations, Performances, Workshops und Panels) von und mit weit \u00fcber 200 Teilnehmer_innen auf sechs stimmungsvolle R\u00e4ume bzw. S\u00e4le zu verteilen, von denen jeder mit einem besonderen Charme aufwartete: \u201eBespielt\u201c wurden der gro\u00dfz\u00fcgig-einladende Alte sowie Neue Konzertsaal (inklusive Buffetraum), die beiden freundlich-hellen Bewegungsr\u00e4ume, der prunkvolle Sitzungssaal des musikp\u00e4dagogischen Dekanats sowie der durch seine Gew\u00f6lbe geradezu idyllisch anmutende Seminarraum AEG10 im Erdgeschoss. Vor allem die G\u00e4ste von ausw\u00e4rts konnten kaum fassen, welche hervorragenden M\u00f6glichkeiten die mdw bietet, um Veranstaltungen dieser Gr\u00f6\u00dfenordnung (fast m\u00fchelos) durchzuf\u00fchren. Ebenso war f\u00fcr einige ein Studienalltag unter derart exzeptionellen Rahmenbedingungen kaum vorstellbar.<\/p>\n<p>In einer ersten Keynote f\u00fchrte Gabriele Klein (Hamburg\/Amsterdam) in Hartmut Rosas \u201eResonanz\u201c-Begriff ein, der im Zentrum seiner <i>Soziologie der Weltbeziehung<\/i> (Berlin 2016) steht. Als soziologisch geschulte Tanzwissenschaftlerin und Performance-Theoretikerin gelang es ihr, wesentliche Kennzeichen dieser Theorie ebenso stringent wie differenziert darzulegen und gleichzeitig markante Kritikpunkte herauszuarbeiten, um schlie\u00dflich zu er\u00f6rtern, ob bzw. inwiefern dieses Konzept f\u00fcr die Tanzpraxis bzw. Tanzwissenschaft von Interesse sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Die zweite Keynote der Tanzhistorikerin Andrea Amort (Wien) bildete den Nukleus zu einem innerhalb dieser grunds\u00e4tzlich sehr offen und breit angelegten Jahrestagung kleinen Symposium, das sich ausschlie\u00dflich den Nachwirkungen \u2013 Resonanzen im weiteren Sinne \u2013 der Hochschule f\u00fcr Rhythmik, Gymnastik und Tanz in Laxenburg bei Wien widmete. Diese Bildungseinrichtung war vor 100 Jahren (1925) von dem Dresdner Stadtteil Hellerau, wo der geb\u00fcrtige Wiener \u00c9mile Jaques-Dalcroze \u201eRhythmik\u201c als ein musikp\u00e4dagogisches Fach zun\u00e4chst etabliert hatte, nach \u00d6sterreich \u00fcbersiedelt. Mit gro\u00dfem Elan und noch viel gr\u00f6\u00dferem Idealismus entwickelte sich dort eine eigenst\u00e4ndige, dezidiert k\u00f6rper- und bewegungsorientierte Tradition der Rhythmik. Neben weiteren Vortr\u00e4gen und Diskussionen zu den Wurzeln dieser spezifischen Wiener Rhythmik konnten durch Workshops und Performances praktische Dimensionen dieser Ans\u00e4tze sehr anschaulich aufgezeigt werden.<\/p>\n<p>Die dritte und abschlie\u00dfende Keynote von Darrel Toulon (Wien), der 15 Jahre als Chefchoreograf an der Oper Graz wirkte, bevor er sich auf der Basis eines von ihm kreierten \u201eDocu-Dance-Theatre\u201c f\u00fcr (aus unterschiedlichsten Gr\u00fcnden) marginalisierte und stigmatisierte Menschen einsetzte, fokussierte Resonanzen in Transformationsprozessen. Mit Beispielen, die an einer sensiblen Schnittstelle von Kunst und realen Erfahrungswirklichkeiten lokalisiert sind, machte er eindringlich auf gesellschaftliche Herausforderungen aufmerksam, deren Brisanz \u2013 ebenso wie die Anliegen der Hauptakteur_innen seiner Tanzprojekte \u2013 noch weitgehend unbekannt ist.<\/p>\n<figure id=\"attachment_12529\" aria-describedby=\"caption-attachment-12529\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12529\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-1024x683.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"567\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-1024x683.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-300x200.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-768x512.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-1536x1025.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-2048x1366.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/11\/stephanie-schroedter-01-rgb-850x567.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12529\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Stephanie Schroedter<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die thematische Spannbreite der anderen Pr\u00e4sentationen umfasste (u.\u2009a.) (multi-)sensorische, eco-somatische, \u00f6kologische, r\u00e4umliche, digitale, soziale, relationale, queere, dekoloniale, p\u00e4dagogische bzw. vermittelnde, gemeinschaftsstiftend-partizipative, inklusive und vor allem auch kritische Aspekte des Resonanz-Konzepts mit seinen M\u00f6glichkeiten zu k\u00fcnstlerisch-kreativen Gestaltungsprozessen. Nicht weniger beeindruckend war die Provenienz der Vortragenden, die aus verschiedensten L\u00e4ndern Europas, Nord- und S\u00fcdamerika, dem Nahen Osten sowie Ostasien nach Wien anreisten, um einen Beitrag zu einem Symposium zu leisten, das \u2013 vergleichbar mit Emergenz-Ph\u00e4nomenen \u2013 letztlich wesentlich mehr war als die Summe der Einzelbeitr\u00e4ge: ein buntes Kaleidoskop von Perspektiven, bei dem durch jede (Dreh-)Bewegung neue Facetten zum Vorschein kommen. Durchaus im Sinne des Resonanz-Konzepts von Hartmut Rosa entwickelten sich in diesen drei quirlig-intensiven Tagen aufgrund von Affizierungen (als \u201eF\u00e4higkeit und Erfahrung eines ,Ber\u00fchrtwerdens\u2018 durch Anderes, ohne durch dieses Andere dominiert oder fremdbestimmt zu werden\u201c) und Selbstwirksamkeit (\u201eals F\u00e4higkeit und Erfahrung, dieses Andere zu ber\u00fchren oder zu erreichen, ohne \u00fcber es zu verf\u00fcgen oder es zu beherrschen\u201c) Transformationen (als wechselseitige Anwandlungen, f\u00fcr die ein \u201eSich-Einlassen auf die Dinge sowie die Bereitschaft, sich selbst zu ver\u00e4ndern, sich gleichsam aufs Spiel zu setzen\u201c, erforderlich ist), deren Ergebnisse derzeit noch g\u00e4nzlich offen sind. Ungeachtet dieser \u201eUnverf\u00fcgbarkeit\u201c weiterer Entwicklungen lassen jedoch die zahlreichen, \u00fcberwiegend enthusiastischen R\u00fcckmeldungen vermuten, dass dieses Symposium noch lange \u201eresonieren\u201c wird.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dance Resonance \u2013 Artistic Attunement in Motion lautete das Thema des diesj\u00e4hrigen Symposiums der Gesellschaft f\u00fcr Tanzforschung, das vom 25. bis 27. 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