{"id":125,"date":"2016-11-22T10:00:42","date_gmt":"2016-11-22T09:00:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=125"},"modified":"2017-12-11T14:44:20","modified_gmt":"2017-12-11T13:44:20","slug":"warum-singen-bedeutsam-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2016\/11\/22\/warum-singen-bedeutsam-ist\/","title":{"rendered":"Warum Singen bedeutsam ist"},"content":{"rendered":"<strong>Ursula Hemetek vom Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der mdw beleuchtet f\u00fcr das <em>mdw-Magazin<\/em> die Bedeutung des Singens: Anhand einiger Thesen zeigt Sie auf, warum wir alle \u2212 am besten sofort \u2212 mit dem Singen anfangen sollten.<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_126\" aria-describedby=\"caption-attachment-126\" style=\"width: 800px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-126\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_sardinien.jpg\" alt=\"S\u00e4ngergruppe in Sardinien\" width=\"800\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_sardinien.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_sardinien-300x169.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_sardinien-768x432.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_sardinien-850x479.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 800px) 100vw, 800px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-126\" class=\"wp-caption-text\">S\u00e4ngergruppe in Sardinien im Rahmen einer Feldforschung zur Mehrstimmigkeit \u00a9Ardian Ahmedaja<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der Ethnomusikologie\/Volksmusikforschung hat man es zentral mit dem Singen als kulturelle Ausdrucksform zu tun. Man erf\u00e4hrt in jeder Feldforschung, dass Menschen singen, sogar in einer Zeit, in der immer mehr unterschiedlichste Medien das zu ersetzen scheinen, was als prim\u00e4re musikalische Ausdrucksform des Menschen \u2013 egal in welchem Kulturkreis \u2212<br \/>\ngelten kann.<\/p>\n<p><strong>These 1: Singen ist gesund<\/strong><\/p>\n<p>\u201eBewiesener Ma\u00dfen sind singende Menschen im Durchschnitt signifikant physisch ges\u00fcnder als nicht singende Menschen\u201c<sup>1<\/sup>. Dieser Satz entstammt einer Diplomarbeit am Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie. Die Autorin Katharina Einsiedl belegt die Behauptung durch Zitate aus der einschl\u00e4gigen Literatur und f\u00fchrt die positiven Wirkungen des Singens auf das Immunsystem, die Hirnfunktionen oder die emotionale Verfassung vor Augen. Es geht um den Vorgang des Singens an sich. Der Ansatz ist stimmig und die Auffassung wird wohl von Menschen, die die Erfahrung des Singens teilen, best\u00e4tigt werden.<\/p>\n<p><strong>These 2: Singen strukturiert das Leben<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_127\" aria-describedby=\"caption-attachment-127\" style=\"width: 200px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-127\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_trentiner.jpg\" alt=\"Singende Menschen Trentinern\" width=\"200\" height=\"182\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_trentiner.jpg 341w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_feldforschung_trentiner-300x274.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-127\" class=\"wp-caption-text\">Singende Menschen im Rahmen einer Feldforschung zu Trentinern in Vorarlberg \u00a9Paolo Vinati<\/figcaption><\/figure>\n<p>In der Volksmusikforschung und Ethnomusikologie spielt Vokalmusik eine ganz wesentliche Rolle, weil Singen den K\u00f6rper als Instrument benutzt und es dadurch eine sehr direkte pers\u00f6nliche musikalische Ausdrucksform darstellt, die allen Menschen ab dem Kleinkindalter m\u00f6glich ist. Die Wissenschaft betrachtet Musik im sozialen Zusammenhang. Dabei spielen\u00a0Br\u00e4uche und Handlungen \u2212 kollektiv oder individuell \u2212 die den Lebensweg oder den Jahresablauf begleiten eine wichtige Rolle. Wir begegnen dabei Liedern oder anderen vokalen Ausdrucksformen in gro\u00dfer Zahl und Vielfalt: Geburt, Hochzeit und Tod wird vom Singen begleitet und Feste wie Weihnachten sind ohne Weihnachtslieder kaum denkbar. Singen ist essenzieller Bestandteil von Br\u00e4uchen und weltweit singen M\u00fctter ihre Kinder in den Schlaf, nat\u00fcrlich mit unterschiedlichem Repertoire. Singen kann auch zum \u201eLebensmittel\u201c werden, zum Beispiel f\u00fcr gefl\u00fcchtete Menschen, die sich durch Singen neu verorten.<\/p>\n<p><strong>These 3: Singen erleichtert das Lernen<\/strong><\/p>\n<p>Viele Instrumentalmusikformen der Welt gehen in ihrer Vermittlung vom Singen aus. So wird beispielsweise in der Tradition des Sitar-Unterrichts in der nordindischen klassischen Musik zun\u00e4chst gesungen. Sch\u00fclerInnen m\u00fcssen die Gestaltungsprinzipien der Musik (Raga-System) zun\u00e4chst singend erfassen, bevor sie sie auf das Instrument \u00fcbertragen d\u00fcrfen. Das kann je nach Fortschritt bis zu einem Jahr dauern. Durch diese Art des Lernens verfestigen sich Inhalte wesentlich besser. Dies ist insbesondere dann von Bedeutung, wenn es um Musiken geht, die nicht \u00fcber Notation funktionieren\u00a0\u00fcbrigens die Mehrzahl aller Musiken der Welt \u2212 sondern in denen das Ged\u00e4chtnis als Speicher fungiert, aus dem beim Musizieren alles abgerufen wird.<\/p>\n<p><strong>These 4: Singen ist wirkm\u00e4chtig<\/strong><\/p>\n<figure id=\"attachment_128\" aria-describedby=\"caption-attachment-128\" style=\"width: 300px\" class=\"wp-caption alignright\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-128\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_sevko_pekmezovic.jpg\" alt=\"Sevko Pekmezovic\" width=\"300\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_sevko_pekmezovic.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2016\/11\/16_12_sevko_pekmezovic-230x300.jpg 230w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-128\" class=\"wp-caption-text\">\u0160evko Pekmezovi\u0107, traditioneller S\u00e4nger, 1992 gefl\u00fcchtet aus Bosnien nach \u00d6sterreich \u00a9Rudolf Pietsch<\/figcaption><\/figure>\n<p>Politische und religi\u00f6se Machthaber der Welt setzen gerne das Singen als politisch-strategisches Mittel \u2013 insbesondere bei Massenveranstaltungen \u2212 ein. Der emotionalen Wirkung, die das gemeinsame Singen mit einer gr\u00f6\u00dferen Anzahl von Menschen hat, kann man sich kaum entziehen. Nationalhymnen spielen naturgem\u00e4\u00df im Zusammenhang mit politischer Machtdemonstration eine wichtige Rolle. Aber auch auf der Seite des Widerstands gegen politische Machtapparate macht man sich die Wirkung des Singens zunutze. Die sogenannte \u201esingende Revolution\u201c im Baltikum im Jahr 1991 als letztendlich erfolgreicher Widerstand gegen die Sowjetherrschaft kann als eines von vielen Beispielen gelten.<\/p>\n<p>Die letzte These zeigt sehr deutlich, dass es nicht egal ist, was gesungen wird. Die Sprache und die musikalische Struktur k\u00f6nnen zu Symbolen werden, die f\u00fcr Nationen, politische Haltungen, religi\u00f6se Inhalte stehen, die im Einklang mit der Macht stehen oder gegen sie wirken. Deshalb ist Achtsamkeit und Reflexion geboten, was das Repertoire betrifft. F\u00fcr das Singen sollte man trotzdem pl\u00e4dieren, ob allein oder gemeinsam, spontan oder angeleitet, im Unterricht oder im Privaten und ganz besonders an der mdw, denn, wie es schon bei Georg Philipp Telemann (1681-1767) hei\u00dft, \u201eSingen ist das Fundament zur Music in allen Dingen\u201c.<\/p>\n<p><em><sup>1<\/sup> Einsiedl, Katharina. 2013. Von der Bedeutung des Volksliedersingens im Alltag. Diplomarbeit an der mdw \u2013 Universit\u00e4t f\u00fcr Musik und darstellende Kunst Wien. S.19<\/em>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ursula Hemetek vom Institut f\u00fcr Volksmusikforschung und Ethnomusikologie der mdw beleuchtet f\u00fcr das mdw-Magazin die Bedeutung des Singens: Anhand einiger Thesen zeigt Sie auf, warum wir alle \u2212 am besten sofort \u2212 mit dem Singen anfangen sollten. In der Ethnomusikologie\/Volksmusikforschung hat man es zentral mit dem Singen als kulturelle Ausdrucksform zu tun. Man erf\u00e4hrt in &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":11,"featured_media":126,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[7],"tags":[60,90,88,89,42,371,41,91],"class_list":["post-125","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-music","tag-2016-4","tag-folk-music","tag-gesang","tag-gesundheit","tag-health","tag-ursula-hemetek","tag-voice","tag-volksmusik"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=125"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1549,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/125\/revisions\/1549"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/126"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=125"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=125"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=125"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}