{"id":12349,"date":"2025-09-25T11:06:42","date_gmt":"2025-09-25T09:06:42","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12349"},"modified":"2025-09-30T16:21:37","modified_gmt":"2025-09-30T14:21:37","slug":"ein-lehrer-fuer-generationen-hommage-a-peter-schmidl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/09\/25\/ein-lehrer-fuer-generationen-hommage-a-peter-schmidl\/","title":{"rendered":"Ein Lehrer f\u00fcr Generationen \u2013 Hommage \u00e0 Peter Schmidl"},"content":{"rendered":"<em>\u201eEs gibt keine_n Schmidl-Sch\u00fcler_in ohne sch\u00f6nen Ton.\u201c <\/em>Kurt Franz Schmid, Klarinettist des Tonk\u00fcnstler Orchesters Nieder\u00f6sterreich, lacht, als er diesen Satz sagt \u2013 und meint ihn zugleich sehr ernst. F\u00fcr ihn wie f\u00fcr viele andere war Professor Peter Schmidl nicht nur Lehrer und Mentor, sondern eine pr\u00e4gende Pers\u00f6nlichkeit, die ma\u00dfgeblich zu seiner eigenen k\u00fcnstlerischen Entwicklung und Haltung als Musiker beigetragen hat.<\/p>\n<p>Am 26. November l\u00e4dt das Leonard Bernstein Institut der mdw zu einem musikalischen Gedenkabend im Ehrbarsaal ein, um einen der bedeutendsten Musiker und P\u00e4dagogen \u00d6sterreichs zu w\u00fcrdigen und sein k\u00fcnstlerisches Erbe lebendig zu halten.<\/p>\n<p>Peter Schmidl wurde 1941 im m\u00e4hrischen Olomouc geboren, in eine Familie, deren musikalische Wurzeln bis in die Zeit Gustav Mahlers zur\u00fcckreichen. Schon der Vater und Gro\u00dfvater waren Erste Klarinettisten der Wiener Philharmoniker beziehungsweise des Wiener Staatsopernorchesters. Schmidl selbst trat fr\u00fch in diese Fu\u00dfstapfen: Studium bei Rudolf Jettel, erstes Engagement an der Wiener Staatsoper 1965, ab 1968 Erster Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker \u2013 eine Position, die er bis zu seiner Pensionierung 2010 innehatte. Gleichzeitig unterrichtete er an der mdw und pr\u00e4gte \u00fcber vier Jahrzehnte hinweg das Klarinettenspiel weltweit. Von 2001 bis 2005 f\u00fchrte er die Philharmoniker auch als deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer.<\/p>\n<p>Kurt Franz Schmid erinnert sich, dass Peter Schmidl seinen Tag streng strukturiert hatte. Wer ihn erreichen wollte, musste zwischen neun und neun Uhr f\u00fcnfzehn morgens anrufen \u2013 danach war sein Tagesablauf fix durchgeplant mit Proben, Unterricht, Kammermusik und Vorstellungen, oft sogar an verschiedenen Orten oder in anderen L\u00e4ndern.<\/p>\n<p><em>\u201eEr hat uns Student_innen nicht nur beigebracht, wie man Klarinette spielt, wie man Phrasen zieht oder ein perfektes Staccato bekommt, sondern auch, wie man sich selbst als Musiker_in organisiert und verkauft.\u201c<\/em><\/p>\n<figure id=\"attachment_12351\" aria-describedby=\"caption-attachment-12351\" style=\"width: 850px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-large wp-image-12351\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-1024x768.jpg\" alt=\"\" width=\"850\" height=\"638\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-1024x768.jpg 1024w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-768x576.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-1536x1152.jpg 1536w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-2048x1536.jpg 2048w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Schmidl-und-Studierende_26-4-1979-1-850x638.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 850px) 100vw, 850px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-12351\" class=\"wp-caption-text\">Peter Schmidl mit Studierenden \u00a9 Privatarchiv von Peter Schmidl<\/figcaption><\/figure>\n<p>Zur k\u00fcnstlerischen Karriere geh\u00f6rte f\u00fcr Schmidl auch ein Bewusstsein f\u00fcr Selbstvermarktung und Strukturen. Schmid betont, dass Schmidl auch in seiner Rolle als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Wiener Philharmoniker dieselbe strategische Weitsicht bewies, die er seinen Studierenden vermittelte: <em>\u201eEr war ein sehr guter Gesch\u00e4ftsmann und hat es verstanden, wie man Strukturen schafft, um Kunst zu erm\u00f6glichen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Peter Schmidl war seiner Zeit weit voraus, wenn es um K\u00f6rper- und Gesundheitsbewusstsein ging. F\u00fcr ihn war klar, dass musikalische H\u00f6chstleistungen nur m\u00f6glich sind, wenn der K\u00f6rper fit ist. Schon in den 1960er- und 1970er-Jahren, als dies unter Musiker_innen noch ungew\u00f6hnlich war, ging er regelm\u00e4\u00dfig ins Fitnessstudio und achtete sehr bewusst auf seine k\u00f6rperliche Verfassung. Dieses Verst\u00e4ndnis lebte er auch seinen Studierenden vor.<\/p>\n<p>Das Wichtigste im Leben war f\u00fcr Peter Schmidl jedoch immer die Musik. <em>\u201eF\u00fcr ihn war die Musik ein Herzenswunsch, ein Lebensmittelpunkt. Alles, was er tat, ging von dieser tiefen Liebe zur Musik aus\u201c,<\/em> sagt Kurt Franz Schmid.<br \/>\nSchmidl selbst sprach einmal davon, wie die Musik ihm half, pers\u00f6nliche Verluste zu verarbeiten: <em>\u201eDie Musik ist die beste Therapie, um den Tod meiner Mutter zu \u00fcberwinden.\u201c <\/em>Diese Leidenschaft \u00fcbertrug sich unmittelbar auf die Studierenden. Schmid erinnert sich daran, wie eindrucksvoll Schmidl Inhalte vermitteln konnte: Durch seine Ausbildung am Max Reinhardt Seminar hatte er die besondere F\u00e4higkeit, bildhaft und anschaulich zu sprechen.<\/p>\n<p><em>\u201eWenn ich heute Noten aufschlage, auf denen seine handschriftlichen Anmerkungen stehen, h\u00f6re ich immer noch seine Stimme. Jede seiner Erkl\u00e4rungen war wie eine kleine Szene, die man nie mehr vergisst.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Kein Wunder, dass Schmidl durch sein Charisma, sein Wissen und sein Engagement seine Sch\u00fcler_innen so begeisterte, dass fast alle in der Klasse so sein wollten wie er. Ein zentraler Teil seines Verm\u00e4chtnisses war Schmidls unverwechselbarer Zugang zum Wiener Klangstil. F\u00fcr ihn war dieser Klang kein museales Ideal, sondern eine lebendige Sprache, die sich st\u00e4ndig weiterentwickelt. Sein Spiel verband W\u00e4rme und Eleganz mit \u00e4u\u00dferster Pr\u00e4zision \u2013 eine Mischung, die Generationen pr\u00e4gte und den ber\u00fchmten Wiener Klarinettenklang in die Gegenwart f\u00fchrte. <em>\u201eWenn ich heute einen Klarinettisten h\u00f6re, erkenne ich sofort, wer aus seiner Klasse kommt\u201c,<\/em> sagt Kurt Franz Schmid. <em>\u201eEs geht nicht nur um Technik, sondern um Fantasie. Peter hat uns beigebracht, dass jede Phrase eine Geschichte erz\u00e4hlt.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Schmid berichtet au\u00dferdem, dass sein Lehrer offen f\u00fcr neue Wege war. So experimentierte Schmidl sehr viel mit Klarinettenbl\u00e4ttern und Mundst\u00fccken. Diese Offenheit erm\u00f6glichte es seinen Sch\u00fcler_innen, Tradition und Innovation zu verbinden und den Wiener Klangstil bis heute lebendig zu halten. Bei aller Strenge war Peter Schmidl auch f\u00fcr seinen Humor bekannt. Kurt Franz Schmid erinnert sich an eine Unterrichtsstunde, in der er als Teenager ein Sweatshirt mit einem halbverschlossenen Zippverschluss trug: <em>\u201eEr sah mich an und sagte: \u201aEntweder machst du den ganz auf oder ganz zu. Entweder du spielst ganz laut oder ganz leise \u2013 aber dieses Mezzoforte deines Zippers, das mag ich nicht.\u2018\u201c<\/em> Solche Momente lockerten den Unterricht auf \u2013 und zeigten, wie genau Schmidl Beobachtungen in musikalische Bilder \u00fcbersetzte.<\/p>\n<p>Auch sich selbst nahm er nicht allzu ernst. Schmid erinnert sich, dass ihm Schmidl einmal einige seiner eigenen CDs schenkte mit der Anmerkung: <em>\u201eH\u00f6r aber nicht immer zu genau hin.\u201c<\/em> Gleichzeitig habe Schmidl nie aufgeh\u00f6rt, an sich selbst zu arbeiten.<br \/>\n\u201e<em>Wenn er uns etwas erkl\u00e4rte, merkte man, dass er diese Prinzipien genauso befolgte. Er hat sich durch seine Unterrichtst\u00e4tigkeit selbst weiterentwickelt \u2013 und uns damit gezeigt, dass k\u00fcnstlerisches Wachstum niemals aufh\u00f6rt.<\/em>\u201c Dieses gelebte Vorbild hat bei seinen Sch\u00fcler_innen tiefe Spuren hinterlassen. <em>\u201eIch bin seit fast 40 Jahren im Orchester und empfinde es immer noch ein Vorrecht und Freude, Musik machen zu d\u00fcrfen\u201c,<\/em> erz\u00e4hlt Kurt Franz Schmid. Wenn er heute seine eigenen Studierenden ansieht, erkennt er, wie stark Schmidls Einfluss noch heute \u00fcber Generationen wirkt: <em>\u201eWir alle sind Teil dieser Linie.\u201c <\/em>So lebt das Verm\u00e4chtnis dieser besonderen K\u00fcnstler- und Lehrerpers\u00f6nlichkeit in seinen Sch\u00fcler_innen und deren Sch\u00fcler_innen weiter \u2013 als klingende Tradition, die niemals stillsteht.<\/p>\n<p>Ein herzlicher Dank gilt <strong>Prof.<\/strong> <strong>Kurt Franz Schmid<\/strong> f\u00fcr seine pers\u00f6nlichen Erinnerungen und die Zeit, die er sich f\u00fcr dieses Gespr\u00e4ch genommen hat.<\/p>\n<p>Wenn am <a href=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/veranstaltung\/?v=44755&amp;g=33534\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>26. November<\/strong><\/a> ehemalige Sch\u00fcler_innen, Studierende und musikalische Wegbegleiter_innen im <strong>Ehrbarsaal Wien<\/strong> zusammenkommen, werden sie nicht nur an einen gro\u00dfen Musiker erinnern, sondern auch an einen Menschen, der Musik als Lebensform verstand.","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Peter Schmidl wurde 1941 im m\u00e4hrischen Olomouc geboren, in eine Familie, deren musikalische Wurzeln bis in die Zeit Gustav Mahlers zur\u00fcckreichen. Schon der Vater und Gro\u00dfvater waren Erste Klarinettisten der Wiener Philharmoniker beziehungsweise des Wiener Staatsopernorchesters.<\/p>\n","protected":false},"author":364,"featured_media":12351,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[13],"tags":[1596,1127],"class_list":["post-12349","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-report","tag-peterschmidl","tag-webonly"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12349","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/364"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12349"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12349\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12464,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12349\/revisions\/12464"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12351"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12349"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12349"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12349"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}