{"id":12246,"date":"2025-09-26T11:06:49","date_gmt":"2025-09-26T09:06:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=12246"},"modified":"2025-09-26T11:06:49","modified_gmt":"2025-09-26T09:06:49","slug":"forschung-zur-spielbarkeit-von-streichinstrumenten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2025\/09\/26\/forschung-zur-spielbarkeit-von-streichinstrumenten\/","title":{"rendered":"Forschung zur Spielbarkeit von Streichinstrumenten"},"content":{"rendered":"Wenn Musiker_innen beim Streichinstrument mit dem Bogen ansetzen, verlassen sie sich auf ihre Spieltechnik und Intuition, um den gew\u00fcnschten Klang zu erzeugen. Aber was genau bestimmt die Grenzen der Spielbarkeit und die Qualit\u00e4t des Klangs? Welche Faktoren beeinflussen die Saitenschwingung, und welche dieser Faktoren h\u00e4ngen von der Technik der Spielenden ab und welche von der Saite selbst? Das sind die zentralen Fragen, die ich im Rahmen meiner Doktorarbeit am Institut f\u00fcr musikalische Akustik \u2013 Wiener Klangstil der mdw beleuchte.<\/p>\n<p>Um diesen Forschungsfragen auf den Grund zu gehen, habe ich einen streng kontrollierten Versuchsaufbau genutzt, bei dem eine auf einem Monochord befestigte Cellosaite von einem Roboterarm gespielt wurde. Dieses System konnte die Bogenkraft, Strichgeschwindigkeit, Strichbeschleunigung und Bogenposition pr\u00e4zise variieren, sodass Tausende von Wiederholungen unter streng \u00fcberwachten Bedingungen m\u00f6glich waren. Das Hauptziel bestand darin, darzustellen, wie sich die Schwingungsmuster der Saite je nachdem, wie sie gestrichen wird, verhalten. Mit diesem Versuchsaufbau habe ich hochaufl\u00f6sende Versionen von zwei klassischen Visualisierungshilfen aus der Streichinstrumentenforschung erstellt: das Schelleng-Diagramm (f\u00fcr gleichm\u00e4\u00dfigen Ton) und das Guettler-Diagramm (f\u00fcr Ansatz). Die Diagramme veranschaulichen die verschiedenen Arten, wie die Saite schwingen kann \u2013 wie z.\u2009B. die gleichm\u00e4\u00dfige Helmholtz-Bewegung, sogenannte Double Slips und rauschende, instabile Verhaltensweisen wie raue Bewegungen. Diese Diagramme zeigen auch, wie lange es dauert, bis sich eine Saite nach dem ersten Kontakt mit dem Bogen in eine gleichm\u00e4\u00dfige Schwingung \u201eeinpendelt\u201c. Dies hilft uns zu verstehen, wie schnell die Saite reagiert und wie leicht sie einen sauberen, klaren Klang erzeugt. Ich denke, dass meine Forschung einen Beitrag zu diesem Bereich leistet, in dem experimentelle Daten noch begrenzt vorhanden sind.<\/p>\n<p>Ich habe theoretische Modelle getestet und verfeinert, die die Bedingungen f\u00fcr sogenannte \u201eperfekte Ans\u00e4tze\u201c (die vom ersten Moment an einen klaren Klang erzeugen) definieren. Dar\u00fcber hinaus habe ich auch verglichen, wie verschiedene Saitentypen beim Bogenansatz reagieren, und dabei messbare Unterschiede in der Spielbarkeit und Reaktionsf\u00e4higkeit festgestellt. Unter Verwendung gleichm\u00e4\u00dfiger, d\u00e9tach\u00e9-\u00e4hnlicher Striche, habe ich eine detaillierte Analyse der Saitenschwingung unter einer Vielzahl von Strichbedingungen durchgef\u00fchrt \u2013 darunter durchaus auch extreme Bedingungen. Meine Ergebnisse best\u00e4tigen einige Muster, die in fr\u00fcheren Studien beobachtet werden konnten, und zeigen gleichzeitig neue Verhaltensweisen auf. Ich verglich die Leistung verschiedener Saitentypen, um festzustellen, welche leichter zu spielen waren und einen volleren oder helleren Klang erzeugten. W\u00e4hrend die Unterschiede zwischen den Saiten in den Daten deutlich sichtbar sind, bleibt es schwierig, exakt zu isolieren, welche mechanischen Eigenschaften f\u00fcr diese Unterschiede verantwortlich sind.<\/p>\n<p>Ein vielversprechender n\u00e4chster Schritt w\u00e4re es, dasselbe Forschungssetup zu verwenden, um reale Spielgesten noch pr\u00e4ziser nachzustellen. Dies k\u00f6nnte uns zu verstehen helfen, wie sich bestimmte Bogentechniken auf den Klang auswirken und warum Musiker_innen bestimmte Gesten \u201espielbarer\u201c erscheinen.<\/p>\n<p>Diese Forschung wurde ganz oder teilweise vom \u00d6sterreichischen Wissenschaftsfonds (FWF) [10.55776\/P34852] finanziert.<div class=\"bdaia-separator se-shadow\" style=\"margin-top:30px !important;margin-bottom:30px !important;\"><\/div>\n<p><b>Literaturverweise:<\/b><\/p>\n<p>Lampis, Alessio, Alexander Mayer, and Vasileios Chatziioannou. \u201eAssessing playability limits of bowed-string transients using experimental measurements.\u201c <i>Acta Acustica<\/i> 8 (2024): 44. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1051\/aacus\/2024034\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1051\/aacus\/2024034)<\/a><\/p>\n<p>Lampis, Alessio, Alexander Mayer, and Vasileios Chatziioannou. \u201eAn experimental approach for comparing the influence of cello string type on bowed attack response.\u201c <i>JASA 3) Express Letters<\/i> 4.11 (2024). (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1121\/10.0034330)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1121\/10.0034330)<br \/>\n<\/a><\/p>\n<p>Lampis, Alessio, et al. \u201eExamination of the static and dynamic bridge force components of a bowed string.\u201c <i>Proceedings of Meetings on Acoustics. <\/i>Vol. 51. No. 1. Acoustical Society of America, 2023. (<a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1121\/2.0001755)\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/doi.org\/10.1121\/2.0001755)<\/a>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn Musiker_innen beim Streichinstrument mit dem Bogen ansetzen, verlassen sie sich auf ihre Spieltechnik und Intuition, um den gew\u00fcnschten Klang zu erzeugen. Aber was genau bestimmt die Grenzen der Spielbarkeit und die Qualit\u00e4t des Klangs? Welche Faktoren beeinflussen die Saitenschwingung, und welche dieser Faktoren h\u00e4ngen von der Technik der Spielenden ab und welche von der Saite selbst? 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