{"id":1209,"date":"2017-09-29T14:06:56","date_gmt":"2017-09-29T12:06:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/?p=1209"},"modified":"2017-09-29T14:06:56","modified_gmt":"2017-09-29T12:06:56","slug":"kontrafagott-bassfloete-co-die-tiefsten-blasinstrumente-an-der-mdw","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/2017\/09\/29\/kontrafagott-bassfloete-co-die-tiefsten-blasinstrumente-an-der-mdw\/","title":{"rendered":"Kontrafagott, Bassfl\u00f6te &#038; Co. \u2013 die tiefsten Blasinstrumente an der mdw"},"content":{"rendered":"Bass-Instrumente \u00fcben eine ganz eigene Faszination aus \u2013 sie selbst sind gro\u00df, schwer, teilweise als unhandlich zu bezeichnen, aber an ihnen ist auch alles gr\u00f6\u00dfer und weiter als bei ihren h\u00f6her klingenden Verwandten: Mensur, Klappen, die Abst\u00e4nde der L\u00f6cher, Achsen, die schwingende Lufts\u00e4ule und die R\u00f6hre, die deswegen manchmal auch geknickt sein muss. Sie zu spielen, verlangt viel Luft und Kraft, die Notenwerte in der Literatur sind meist l\u00e4nger, und der Begriff Virtuosit\u00e4t bekommt eine etwas andere Bedeutung, denn schnelle L\u00e4ufe sind hier nur schwer zu realisieren. Ihr Tonumfang dringt in Tiefen vor, in denen die h\u00f6rbare Unterscheidbarkeit der einzelnen Halbt\u00f6ne schwierig werden kann, und zum Klang des Tones mischen sich deutlich wahrnehmbare Klappen- oder Schnarrger\u00e4usche, die vor allem bei raschen Tonfolgen den Klang des Tones selbst \u00fcberlagern k\u00f6nnen. So ist etwa f\u00fcr das Kontrafagott ein schnarrender, durch die eigenwillige Struktur der klingenden Obert\u00f6ne bedingter Klang charakteristisch, w\u00e4hrend der Grundton selbst so schwach ausgepr\u00e4gt ist, dass er v\u00f6llig unwesentlich wird.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1210\" aria-describedby=\"caption-attachment-1210\" style=\"width: 1000px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1210\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bassinstrumente.jpg\" alt=\"Bassinstrumente\" width=\"1000\" height=\"650\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bassinstrumente.jpg 1000w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bassinstrumente-300x195.jpg 300w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bassinstrumente-768x499.jpg 768w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/bassinstrumente-850x553.jpg 850w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1210\" class=\"wp-caption-text\">Bass-Blasinstrumente, v.l.n.r.: Bassfl\u00f6te, Kontrafagott, Bassklarinette, Cimbasso, Baritonsaxophon, Englischhorn, Basstrompete, Tuba, vorne liegend: Basssaxophon \u00a9Doris Piller<\/figcaption><\/figure>\n<p>An der mdw geh\u00f6ren die tiefen und tiefsten Blasinstrumente selbstverst\u00e4ndlich zum Unterrichtsspektrum. Kontrafagott, Basssaxophon, Bassklarinette, Bassetthorn, Bassfl\u00f6te (nicht zu verwechseln mit der Bassblockfl\u00f6te, die ebenfalls ihren fixen Platz an der mdw hat), Englischhorn, Heckelfon, Basstrompete, Basstuba, Wagnertuba, Cimbasso und Bassposaune \u2013 sie alle finden sich in den Lehrveranstaltungen der Bl\u00e4serInnen des Leonard Bernstein Instituts f\u00fcr Konzertfach Blas- und Schlaginstrumente und des Franz Schubert Instituts f\u00fcr Blas- und Schlaginstrumente in der Musikp\u00e4dagogik.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus wurden an der mdw im vergangenen Studienjahr zwei bemerkenswerte Projekte realisiert. <em>Low Vibrations \u2013 Im Bann der tiefen T\u00f6ne!<\/em> legte nicht nur einen Schwerpunkt auf das Instrument Bassklarinette, sondern schenkte auch den Musikerinnen sowie den Komponistinnen, die f\u00fcr die Bassklarinette geschrieben haben, spezielle Aufmerksamkeit. Gab es vor 20 Jahren nur wenige Frauen, die Bassklarinette als Soloinstrument spielten, so haben inzwischen nicht nur mehr Frauen die Bassklarinette f\u00fcr sich als Hauptinstrument ausgew\u00e4hlt, sondern auch immer mehr namhafte Komponistinnen Werke f\u00fcr dieses einzigartige Instrument geschrieben. Eine Masterclass mit Fie Schouten (Prins Claus Conservatorium Groningen) und ein Improvisationsworkshop mit Ig Henneman (Komponistin und Bratschistin) sowie ein Abschlusskonzert, bei dem die erarbeiteten\u00a0Werke pr\u00e4sentiert wurden, konnten im Mai 2017 erfolgreich durchgef\u00fchrt werden.<\/p>\n<figure id=\"attachment_1211\" aria-describedby=\"caption-attachment-1211\" style=\"width: 400px\" class=\"wp-caption alignright\"><img decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-1211\" src=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/blasinstrumente.jpg\" alt=\"Blasinstrumente\" width=\"400\" srcset=\"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/blasinstrumente.jpg 600w, https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-content\/uploads\/2017\/09\/blasinstrumente-200x300.jpg 200w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><figcaption id=\"caption-attachment-1211\" class=\"wp-caption-text\">Blasinstrumente \u00a9Doris Piller<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einige Monate davor, im J\u00e4nner 2017, fand an der mdw ein Meisterkurs mit European Tuba Power statt, einem Ensemble, das als Stargast beim Ball der Wiener Philharmoniker 2017 geladen war. Andreas Martin Hofmeir, Alessandro Fossi, J\u00e1nos Mazura und Roland Szentp\u00e1l gaben ihr Know-how in Technik, Jazz-Improvisation und verschiedenen anderen Stilrichtungen an die Studierenden weiter. Erg\u00e4nzt wurde der Workshop durch eine Instrumentenausstellung, mit der internationale Hersteller von Tuben nach Wien gebracht wurden, wodurch die Studierenden die M\u00f6glichkeit ergreifen konnten, die ausgestellten Musikinstrumente gleich zu probieren.<\/p>\n<p>Die Musikwelt verdankt einige dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Blasinstrumente dem belgischen Erfinder Adolphe Sax (1814\u20131894). Er erfand nicht nur das Saxophon, das er gleich in acht verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen baute (Sopranino, Sopran, Alt, Tenor, Bariton, Bass, Kontrabass, Subkontrabass), sondern konstruierte auch von ihm neu entwickelte Trompeten, H\u00f6rner und Tuben. 1845, bereits nach Paris \u00fcbersiedelt, stellte Sax seine Instrumente der franz\u00f6sischen k\u00f6niglichen Familie vor und beantragte, sie in die Milit\u00e4rorchester aufzunehmen. K\u00f6nig Louis Philippe initiierte einen Wettstreit zwischen einer herk\u00f6mmlichen und einer mit Sax-Instrumenten ausgestatteten Milit\u00e4rkapelle. Diese Veranstaltung auf dem Champ de Mars wurde von\u00a0rund 25.000 Schaulustigen besucht und war eine ungemein \u00f6ffentlichkeitswirksame Demonstration von Sax\u2019 F\u00e4higkeiten und Leistungen.<\/p>\n<p>Literatur, speziell Solo-Literatur, die den klanglichen Eigenheiten dieser tiefen Blasinstrumente gerecht wird, gibt es vor allem in der Neuen Musik. KomponistInnen des 20. und 21. Jahrhunderts schreiben auch f\u00fcr diese Instrumente, Anl\u00e4sse dazu bieten meist Begegnungen mit hervorragenden SolistInnen, die spezielle Spielweisen und Techniken einsetzen. Je tiefer ein Instrument klingt, desto besser ist es etwa f\u00fcr die Multiphonics-Technik geeignet, bei der durch bestimmte Griff- und Blastechniken mehr als ein Ton gleichzeitig erzeugt wird, sodass ganze Akkorde aus Obert\u00f6nen klingen k\u00f6nnen. Andere M\u00f6glichkeiten ergeben sich, wenn SolistInnen beginnen, ihre Instrumente weiterzuentwickeln, um bestimmte Kompositionstechniken realisieren zu k\u00f6nnen, wie etwa Ernesto Molinari, der mit einer riesigen Kontrabassklarinette und Live-Elektronik mikrotonale St\u00fccke interpretiert. Andere bedeutende zeitgen\u00f6ssische Werke sind zum Beispiel <em>Art of Metal<\/em> f\u00fcr Kontrabassklarinette von Yann Robin, <em>Fama<\/em> von Beat Furrer (die Orchesterbesetzung beinhaltet auch eine Bass-Fl\u00f6te, eine Kontrabassfl\u00f6te, eine Bassklarinette und ein Kontrafagott) oder <em>La profondeur<\/em> von Georg Friedrich Haas (in dessen Besetzung eine Bassklarinette, eine Kontrabassklarinette, ein Baritonsaxophon und ein Kontraforte \u2013 eine neue Form des Kontrafagotts \u2013 vorkommt). Die Bassfl\u00f6te wiederum wird oft in Ensembles eingesetzt, wie zum Beispiel in Salvatore Sciarrinos <em>Quaderno di strada<\/em>. Dieses Werk wurde in einem Schwerpunkt-Konzert 2015 an der mdw aufgef\u00fchrt und steht in der mdwMediathek zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Gender-Projekt <em>Low Vibrations \u2013 Im Bann der tiefen T\u00f6ne!<\/em><\/strong>: <a href=\"http:\/\/mediathek.mdw.ac.at\/low-vibration\" target=\"_blank\">mediathek.mdw.ac.at\/low-vibration<\/a><\/li>\n<li><strong><em>Quaderno di strada<\/em> von Salvatore Sciarrino<\/strong> im Konzert an der mdw: <a href=\"http:\/\/www.mdw.ac.at\/mdwMediathek\/Sciarrino\" target=\"_blank\">www.mdw.ac.at\/mdwMediathek\/Sciarrino<\/a><\/li>\n<\/ul>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bass-Instrumente \u00fcben eine ganz eigene Faszination aus \u2013 sie selbst sind gro\u00df, schwer, teilweise als unhandlich zu bezeichnen, aber an ihnen ist auch alles gr\u00f6\u00dfer und weiter als bei ihren h\u00f6her klingenden Verwandten: Mensur, Klappen, die Abst\u00e4nde der L\u00f6cher, Achsen, die schwingende Lufts\u00e4ule und die R\u00f6hre, die deswegen manchmal auch geknickt sein muss. Sie zu &hellip;<\/p>\n","protected":false},"author":13,"featured_media":1210,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_acf_changed":false,"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[229,171,248],"class_list":["post-1209","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-special","tag-2017-3","tag-bass","tag-wind-instruments"],"acf":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1209","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1209"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1209\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1213,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1209\/revisions\/1213"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media\/1210"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1209"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1209"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.mdw.ac.at\/magazin\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1209"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}